Kundenrezension

154 von 177 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen WACKER DAS WOHLBEKANNTE, 31. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Goethe - Kunstwerk des Lebens: Biografie (Gebundene Ausgabe)
Den allgemeinen Jubel über dieses Buch kann ich nicht teilen. Rundum gediegen wird das Lebens- und Werkpensum abgearbeitet, und wer noch nie eine Goethe-Biographie gelesen hat, wird detailliert und zuverlässig informiert.

Ich habe jedoch schon die eine oder andere Goethe-Biographie gelesen (unter anderem den zweibändigen Conrady, der die Werke besser vorstellt). Deshalb drängt sich mir der Eindruck auf, dass Safranski nicht nur wenig Neues beizutragen hat (bessere Kenner werden wahrscheinlich sagen: gar nichts Neues). Schlimmer noch, er findet auch keine Erzählweise, die einen das gut dokumentierte und fast restlos erschlossene Goethe-Leben noch einmal mit Spannung lesen ließe.

Er erzählt alles brav der Reihe nach herunter, als hätte es nicht schon mindestens ein Dutzend Standardbiographien gegeben. Ich habe deshalb nach einer Weile nur noch kursorisch gelesen und selten etwas gefunden, wo sich mein Interesse festgehakt hätte, wie z.B. das kontextreiche Kapitel über die „Wahlverwandtschaften“ oder die ein wenig zerknirschten Ausführungen über die "Rosskur des Prosaischen" in den "Wanderjahren".

Lauter richtige, abgewogene Urteile, man kann immerzu mit dem Kopf nicken. Wacker das Wohlbekannte. Aber ganz ohne Witz und Esprit, ohne Hader und Enthusiasmus. „Kunstwerk des Lebens“ – die Grundidee ist ja nun auch ein alter Hut. Seit je wird Goethe nicht nur wegen seiner Werke, sondern als menschliches Gesamtkunstwerk gepriesen.

Dass es auch anders geht, hat Karlheinz Schulz mit seiner Reclam-Biographie aus dem Jahr 1999 bewiesen: Leben und Werk und dazu den zweihundertjährigen Goethe-Diskurs mit seinen Kontroversen, Stilisierungen, Fragwürdigkeiten. Geistreich von der ersten bis zur letzten Seite, das Goethe-Phänomen lustvoll auseinandergenommen, aber doch nicht das (oft ziemlich dunkle) Genie und die Meisterschaft Goethes in Frage gestellt. Dieses streitbare, in manchen Momenten sicher auch anfechtbare Buch hat das Temperament, das ich bei Safranski vermisse.

Warum hat Safranski sein Buch überhaupt geschrieben? „Es gibt viele Goethe-Biographien, aber noch keine von mir“, soll er gesagt haben. Ich fürchte, das ist die Wahrheit.

Immerhin: ein ausgesprochen schön ausgestattetes Buch, mit Leineneinband und Fadenheftung. Für den verglasten Bildungsbürgerbücherschrank. Ich ziehe meinen eselsohrigen Reclam-Schulz vor.
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1-10 von 23 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 03.09.2013 16:21:01 GMT+02:00
Vigoleis meint:
Sollte man die Antwort Safranski, warum noch eine Goethe-Biografie, nicht als das nehmen, was sie ist, eine ironische Replik? Zumal er ja danach durchaus begründet, warum er sie geschrieben hat und für notwendig hält. Jede Rezension ist ja eine subjektive Lesart des Buches. Insofern keine Kritik an der Mäkelei über die Biografie Safranskis. Wenn aber die Biografie von Karlheinz Schulz über Goethe als die bessere Biografie gepriesen wird, da sträuben sich mir doch die Haare. Zwischen beiden Büchern existiert eine erhebliche Differenz, nicht nur nach Seiten, sondern auch inhaltlich. Und da sehe ich nach Safranskis Biografie noch Boyle und einige andere, aber erst sehr viel später käme es mir in den Sinn, nach dem Buch von Karlheinz Schulz zu greifen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.09.2013 18:34:42 GMT+02:00
Polystyrol meint:
Sie sehen also Boyle "nach Safranski"? Sind Sie von allen guten Geistern verlassen? Habe Sie das gerade wirklich so gemeint? Boyle ist einer der wenigen wirklich ernstzunehmenden Goethebiographen. Die Biographie von Schulz ist dagegen eine seriöse, wenn auch nicht sehr umfangreiche Arbeit. Safranskis Buch allerdings strotzt vor Eitelkeit und Ekelhaftigkeit. Am schlimmsten wird es, wenn er über Goethes Größe oder Genialität schwadroniert. Wer ist Safranski, dass er einen Goethe loben dürfte? Das ist eine einzige Anmaßung.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.09.2013 18:48:40 GMT+02:00
Schulz nicht sehr umfangreich? Immerhin 600 Seiten....
Boyle ist sicherlich die seriöseste neuere Biographie. Schulz ist in manchem eine - allerdings sehr kenntnisreiche - "Streitschrift", gerade deshalb aber auch ein Lesevergnügen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.09.2013 21:36:06 GMT+02:00
Polystyrol meint:
Natürlich "nicht sehr umfangreich". Über Goethe 600 Reclamseiten schreiben ist nicht viel. Boyle hat mehrere 1000 Seiten Umfang, weil ich nicht annehme, dass der dritte Band, der hoffentlich bald erscheint hinter den ersten beiden Bänden zurückbleibt.

Was Safranski fabriziert, bzw. wieviele Seiten, ist eigentlich belanglos.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.09.2013 02:43:25 GMT+02:00
Vigoleis meint:
Diese Aufzählung, nach Safranski sehe ich noch Boyle, war nicht wertend gemeint. Aber auch gegen Boyles Biografie kann man begründete Einwände äußern, obwohl sie sicher zu den bleibenden Biografien über Goethe zählen wird.
Zu Schulz. Kann es sein, dass Sie das Buch gar nicht gelesen haben? 600 Seiten soll es haben? Ganze 160 Seiten hat es und strotzt vor Fehlern, lesen Sie die Rezension von Marius Fränzel, da stehen sie aufgelistet.
Auf den dritten Band von Boyle werden Sie übrigens vergeblich warten, selbst der Verlag gibt keine positive Antwort, ob er noch jemals erscheinen wird.
Ekelhaftigkeit als literaturkritische Wertung? Na ja. Wenn ich Ihre 4 Sätze über das Buch lese, dann passt Ihre Kennzeichnung des Safranski-Buches -" schwadronieren, Anmaßung"- eher zu Ihrem Statement.
Sie haben anscheinend weder das Anliegen noch die Ausführung Safranskis verstanden; soll ja vorkommen. Sie kennen doch hoffentlich den Aphorismus von Lichtenberg von dem Kopf und dem Buch, die zusammenstoßen.
Ich hätte mich lieber sachlich auseinandergesetzt, aber da war ja nichts.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.09.2013 09:19:24 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.09.2013 09:22:47 GMT+02:00
Polystyrol meint:
Was reden Sie für einen kompletten Schwachsinn? Die Biografie von Schulz "in 16 Kapiteln" hat 603 Seiten. Wie sie also ein Buch einschätzen wollen, das Sie anscheinend nur aus einem Verriss kennen, der wahrscheinlich zu einem ganz anderen Buch gehört (oder nicht gehört) ist mehr als bezeichnend. Wenn man einige Rezensionen über Safrankis "Werke" liest, könnte man auch glauben, der Mann habe irgendetwas Substantielles zu sagen.

Und was Boyle betrifft: bitte keinen Blödsinn reden. Der Mann ist ein Forscher und schmeißt eben nicht jedes Jahr eine Biogaphie über irgendeinen anderen Menschen auf den Markt, von dem er, Fall für Fall, nichts und wirklich nichts verstehen würde. Safranski ist so eine Person. Schon alleine die Auflistung und die Zeitabschnitte, innerhalb derer er seine "großen Monographien" herausbringt, lässt einen eher skeptisch werden. Nietzsche, Heidegger, Schopenhauer, Schiller, Goethe, Hoffmann, "die Romantik"(?????) usw... das alleine kann schon nur unseriös sein. Wo andere Leute ein ganzes Forscherleben benötigen, um auch nur irgendwetwas Sinnvolles über eine dieser Personen zusammenzutragen, schreibt Safranski eitlen Kitsch, der von irgendwelchen Idioten dann auch noch zum "Referenzwerk" geadelt wird. Ich weiß wirklich nicht, wer hier der Blöde ist. Dem Autor sollte man die Schuld vielleicht gar nicht geben. Schließlich finden sich immer irgendwelche Anekdötchenleser, die für seine umfassende Bildung schwärmen.

Soweit man den öffentlichen Informationen trauen darf, ist Boyle seit 2011 wieder mit dem Abschluss des dritten Teils beschäftigt. Was Sie daran für Kritik äußern wollen, würde ich gerne wissen. Oder fußt die dann auch auf einem Verriss über ein Pixibuch mit selbem Titel?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.09.2013 10:10:07 GMT+02:00
Vigoleis meint:
Warum so aggressiv? Ich habe noch einmal gegoogelt und in der Tat, er hat 603 Seiten. Mein Suchfehler, ci entschuldige mich für den Fehler. An der Rezension an dem Buch ändert es aber nichts. Warum gehen Sie nicht darauf ein, sondern wischen diese Kritik gleich beiseite. Den Schuh, vielleicht vorschnell über den Schulz geurteilt zu haben, muss ich mir allerdings anziehen.
Dann zu Ihren Ausfällen zu Safranski. Keine einziges sachliches Argument, nur abfällige Bemerkungen. Ich bin da mehr für Fairness und Sachlichkeit und Kompetenz.
Wenn Safranski in 30 Jahren einige Biografien veröffentlicht hat, die von den Fachwissenschaftlern, Germanisten oder Philosophieprofessoren durchweg als substantiell anerkannt sind, obwohl natürlich auch punktuell Kritik geäußert wurde, dann ist ihm keineswegs vorzuhalten, dass er flache Werke geschrieben habe, zumal diese Philosophen und Dichter alle in einem engen Zeitrahmen liegen. E.T.A. Hoffmann zählt zu den Romantikern, was Ihnen vielleicht entgangen ist, da Sie das Romantikbuch mit mehreren Fragezeichen verhöhnen.
Sachliche Argumente wären hilfreich, Sie scheinen aber die persönliche Verunglimpfung zu bevorzugen.
Zu Boyle. Ich habe letztes Jahr beim Verlag angefragt, dort bekam ich die Mitteilung, dass man nicht wisse, wann und ob überhaupt ein dritter Band erscheine.
Wenn Ihnen tatsächlich an einer sachlich-konstruktiven Diskussion über die Goethe-Biografie von Safranski gelegen sein sollte, bin ich gerne bereit, aber nicht in dieser aggressiven und niveaulosen Sprache. In diesem Sinne wünsche ich noch einen schönen Lesetag.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.09.2013 10:37:34 GMT+02:00
Polystyrol meint:
Soso, Heidegger, Nietzsche, Goethe und Hoffmann liegen also in einem engen Zeitrahmen, womöglich auch noch in einem engen inhaltlichen Rahmen? Dass irgendwelche abschnittsartigen Präferenzen zwischen einigen der von Safranski bearbeiteten Denker liegen, bezweifle ich nicht. Von einem Zeitrahmen würde ich da jetzt aber nicht sprechen. Was kann ein Goethe für einen Nietzsche oder für einen Freud, die sich auf ihn bezogen haben? Was kann er für einen Schopenhauer? Und was kann Nietzsche für einen Heidegger? Diese Denkernähe und das ewige Dioskurenblabla ("Goethe und Schiller. Geschichte einer Freundschaft") sind genau der Grund, warum man Safranski eben nicht wirklich wahrnimmt in der Fachwelt. Ich weiß also nicht, woher Sie das nehmen. Das verstehe ich nämlich unter Kitsch. Safranski beschreibt seinen Vorliebeleseweg. Etwas Disparates kann man in seinen Biographie über "einen dieser Großen" (man achte auf solche Vokabel) gar nicht finden. Solche Ecken und Kanten haben überhaupt nichts mit Unwillen zu tun, sondern zeugen von einem fairen Umgang und Lauterkeit. Wenn Safranski über Schiller oder Goethe spricht, dann geht es immer nur um pubertäre Überhöhung. Er ist die personifizierte Deutschtümelei und Kleinbürgerlichkeit, die sich an "die Großen" hängt. Da erwartet man dann sogleich eine ZDF-Sondersendung, moderiert von Jörg Pilawa, mit Safranski als Superstargast: "Unsere größten Deutschen.", "Das Deutschland der Olympier". Das ist der Untergang im Lispelslang. Wenn Sie nicht verstehen, was einen an diesem Safranskiumgang aufregt, dann kann man ihnen das nicht erklären.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.09.2013 11:27:53 GMT+02:00
Vigoleis meint:
Na, es geht doch im Ton. Zur Sache. Seine Biografie zu Schiller, zu der Freundschaft zwischen Goethe und Schiller sowie seine Bücher über die Romantik und über E.T.A Hoffmann liegen tatsächlich zeitlich und inhaltlich zusammen oder zumindest nah beieinander.
Wie Sie sicherlich wissen, hat Goethe sich durchaus zur Romantik und die Romantiker sich zu ihm geäußert. Freundschaften sind da offensichtlich nicht entstanden, man bleib sich weitgehend fremd.
Schopenhauer hat damals 44 Jahre gemeinsam mit Goethe auf dieser Welt verbracht, nur Nietzsche und Heidegger liegen außerhalb der Zeit Goethes. Da kann man doch von einem Zeitrahmen sprechen.
Aber Nietzsche hat sich durchaus mit Goethe beschäftigt, Heidegger dagegen nur am Rande. Also auch hier gibt es produktive Vernetzungen für Safranskis Kompetenz, eine Goethe-Biografie zu schreiben.
Nebenbei, der auch von mir geschätzte Nicholas Boyle hat eine 2008(deutsch 2009): "Eine kleine deutsche Literaturgeschichte" geschrieben. Die darin behandelte Zeitspanne ist weitaus größer als bei Safranski und er muss auch noch den Stoff komprimieren. Da wäre Kritik viel eher möglich. Aber ich habe Respekt vor der Leistung und gestehe ihm subjektive Vorlieben und einzelne Verkennungen durchaus zu, wenn das Ganze stimmig ist.
Aber ich habe immer noch kein konkretes Beispiel dafür, dass Safranskis sich überhebt oder ihm sogar Fehler in der in Rede stehenden Biografie unterlaufen.
Wie wäre es mit einem oder zwei Beispielen? Ihre für mich unbegründete Aversion gegen Safranski verstehe ich in der Tat nicht. Mag ja an mir liegen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.09.2013 12:24:02 GMT+02:00
Polystyrol meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]
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