Kundenrezension

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Böse neue Welt, 21. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Snowpiercer (DVD)
Schon vor einigen Jahren hatte sich der südkoreanische Regisseur Joon-ho Bong die Filmrechte an der gleichnamigen dreiteiligen Graphic Novel (deutsch: Schneekreuzer) von Jacques Lob, Jean-Marc Rochette und Benjamin Legrand gesichert. 2013 legte er mit dieser koreanisch-französischen Koproduktion mit vielen englischsprachigen Darstellern einen der ungewöhnlichsten Filme der Saison vor.
Die Welt im Jahre 2031 hat eine der schlimmsten Klimakatastrophen der Menschheitsgeschichte hinter sich. 17 Jahre nachdem sich die Erde in einen lebensbedrohlichen Eisplaneten verwandelt hat, fahren die wenigen Überlebenden in einem Zug mit hunderten von Wagons unaufhörlich rund um die Welt. Der Industrielle Wilford, der den Zug lenkt und für die Versorgung der Bewohner sorgt, wird wie ein Götze verehrt, sichere er doch das Überleben der Menschen. Innerhalb des Zuges hat sich ein Klassensystem herausgebildet. Während die Menschen in den hinteren Wagons in Gulag-artigen Zuständen leben, scheinen die Bewohner der vorderen Abteils ganz anders zu leben. Regelmäßig besucht Minister Mason (Tilda Swinton in grotesker Maske) den hinteren Teil des Zugs, um vermeintliche Aufrührer zu foltern oder ein paar Kinder zu vermessen und mit sich zu nehmen. Die Bewohner planen einen Aufstand und wollen die übrigen Wagons durchqueren, um die Leitung des Zuges an sich zu reißen. Viele sind skeptisch, da ein Aufstand vier Jahre zuvor blutig niedergeschlagen wurde. Der junge Curtis (Chris Evans in angenehm ernsthafter Rolle) wird ihr Anführer, graue Eminenz ist der verkrüppelte Gilliam (grandios undurchschaubar: John Hurt). Er warnt Curtis zugleich, sollte es ihm gelingen, bis zu Wilford durchzudringen, sollte er ihm als erstes die Zunge herausschneiden. Will er Curtis vor einer bösen Wahrheit schützen oder fürchtet er, dass Wilford ihn manipulieren könnte? Um die Türen zu den vorderen Wagons öffnen zu können, brauchen sie die Hilfe des politischen Gefangenen Namgoong Minsu (Kang-ho Song), den sie zusammen mit seiner verschreckten Tochter Yona (Ah-sung Ko)befreien. Nun arbeiten sich die Kämpfer vor...

--- LEICHTE SPOILER ---
Die Zuschauer haben keinen Wissensvorsprung. Sie wissen genauso wenig wie Curtis und seine Mitkämpfer, was sie im nächsten Teil des Zuges erwartet, das ist manchmal erschreckend, sehr brutal, höchst grotesk oder erhaben dämlich. Neben der Einteilung in "hinten" und "vorne" gibt es noch eine Einteilung in "vorher" und "nachher". Mit letzteren sind die jungen Leute gemeint, die nur das Leben im Zug kennen und keinen Vergleich zur früheren Welt haben und so die perfekten Opfer von Indoktrination sind. Alison Pill hat als Lehrerin einen kurzen, aber denkwürdigen Auftritt.
Neben Curtis wird langsam auch Minsu zu einer wichtigen Figur, der durch reine Naturbeobachtung zu einer ganz anderen Lösung des Problems kommt. Die schneebedeckten Landschaften, die grotesk zerstörten Städte spielen eine weitere Hauptrolle im Film. Das alles ist von erhabener Schönheit und tödlicher Distanz. Auch sollte das "Zugbaby" Edgar (Jamie Bell) im Auge behalten werden, da er zum Verständnis der Figur von Curtis beiträgt. Wilford wird von einem Darsteller gespielt, der schon in einem Kultfilm der 90er Jahre eine gottähnliche Figur gespielt hat. Es lohnt sich also bei der ersten Sichtung des Films sich hier einfach überraschen zu lassen.
Auch wenn einige Handlungselemente für Zuschauer, die sich an den klassischen Dystopien der 70er wie "Soylent Green", "Logan`s Run", "Scream and Scream again" oder "Westworld" geschult haben, nicht ganz so überraschend sind, so sind auch die "erwarteten Überraschungen" schaurig-grotesk und schmälern nicht den Genuss des Films. Ein böser Humor entfaltet sich gelegentlich, zum Beispiel wenn sich herausstellt, dass ein Rauschmittel in größeren Mengen auch als Sprengstoff dienen kann. Die Figur Masons (sie doziert darüber, wer "Fuß" und wer "Kopf" in dieser Gesellschaft sei) ist vielleicht etwas zu sehr zur Karikatur verkommen, aber das ist natürlich auch eine Geschmacksfrage.
Am Ende des Films laufen alle Handlungsstränge zusammen und der Zuschauer erfährt die bittere Wahrheit, warum Curtis sich nicht zum Anführer berufen fühlt, da er noch beide Arme habe und warum Minister Mason ein so großes Interesse an den Kindern der "Parasiten" hat. Die "Theorie der Revolution", die Wilford Curtis erläutern wird, lässt einem das Blut in den Adern gefrieren. Ist das Streben nach einer gerechten Welt nur eine Illusion, die dem "Systemerhalt Menschheit" zuwiderläuft? Es werden sogar Zweifel gestreut, ob die Naturkatastrophe wirklich ein Versehen war.
--- SPOILER ENDE ---

Natürlich kann der Film nur einen Teil der umfangreichen Vorlage visualisieren, aber das kann ja nun nicht ernsthaft gegen die Verfilmung gewendet werden. Die letzte Einstellung ist wunderschön, surreal, auch etwas bedrohlich. Potential für "Snowpiercer II"? In Frankreich waren die Einspielergebnisse recht übersichtlich und ich fürchte, dass sie auch in Deutschland nicht rekordverdächtig sein werden. Eigentlich schade, denn "Snowpiercer" ist ein ausgezeichneter Actionfilm jenseits der ausgetretenen Mainstream-Pfade, der eine bessere Vermarktung verdient hätte.

Fazit: Bildgewaltige, brutale, surreale, zutiefst pessimistische Zukunftsvision mit starken Darstellern, lohnt ein mehrmaliges Ansehen und hat das Potential zum Kultfilm.
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Von 1 Kunden verfolgt

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1-9 von 9 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 22.04.2014 04:23:00 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.04.2014 04:26:53 GMT+02:00
Hazao meint:
Eigentlich eine schöne Rezension. Leider verraten Sie aber zu viel von dem Film. Sie vermeiden es zwar überwiegend ins Detail abzudriften, aber es wird dennoch deutlich zu viel verraten. Vielen Lesern dieser Rezension wird möglicherweise die Gelegenheit genommen sich ein eigenes Bild von dem Film zu machen oder ihn eigens erleben und auf sich wirken lassen.
Natürlich kann man sagen, dass jeder der eine Rezension liest, mit so einem Risiko leben muss. Aber es gibt einige Konsumenten, die kurz ein paar Rezensionen durchlesen um festzustellen, was an dem Film gut oder schlecht empfunden wurde um abzuwägen, ob sich eine Anschaffung lohnt.
Mir persönlich hat der Film nicht so ganz fessel können. Aber ich verstehe gut warum andere den Film mögen. Jedoch ist es für diesen Film wichtig zu wirken. Ich fürchte dies kann durch ihre Rezension gefährdet werden.

Ich wollte Ihnen nur mitteilen, warum ich Ihre Rezension als nicht hilfreich empfinde.

Sehr schade, dabei ist sie wunderbar geschrieben.

"Edit"
Habe bemerkt dass sie bei gewissen Szenen eine Spoilerwarnung hinzugefügt haben. Das macht die Rezension deutlich besser auch wenn noch ein paar Teile zu viel verraten. Leider kann ich meine Wertung nicht mehr Rückgängig machen, finde es aber positiv, dass sie schnell reagiert haben.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.04.2014 16:40:33 GMT+02:00
Berlinoise meint:
Liebe Christine,
klingt wirklich spannend, ist aber irgendwie vollkommen an mir vorbeigegangen bzw hier nicht gelaufen, da muss ich wohl auf die DVD warten.
LG, T

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.04.2014 19:19:37 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 27.04.2014 19:24:09 GMT+02:00
Rumburak meint:
Jep,genau der Film , der mich auch brennend interessierte, aber vielleicht dreimal in Wiesbadener Programmkinos gezeigt wurde.
"Potential zum Kultfilm" na Christine, da haben wir wohl wahrscheinlich einmal wieder denselben Geschmack.
Grüße , Dein botanischer Prinzgemahl

Sakrament, wieso geht denn eigentlich mein " Klick" nicht durch.....?
Ah jetzt ja... Warten und Hoffen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.04.2014 22:56:52 GMT+02:00
christine meint:
Ich hatte das Glück, "Snowpiercer" in der Sneak zu erwischen. Ich habe mir das Highlight aber redlich verdient, musste ich mich doch schon durch "Kaiserscharn" (ächz), "Getaway" (gähn) und "Sabotage" (kotz) durcharbeiten. Wie sagte doch eine geschätzte Mitrezensentin, wir sind Geschmackskomplizen (zumindest hier!).
Ein Gedanke an Dich und dann ins Bett,
Christine

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.04.2014 12:22:16 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 29.04.2014 12:34:03 GMT+02:00
Rumburak meint:
So liebe Christine, jetzt habe ich ihn bestellt, den "Kaiserschnarch".
Hatte immer gehofft, daß es ihn zu leihen gibt, aber selbst die Videotheken streiken anscheinend bei diesem Rosettenbrötchen
Jetzt muß ich mir doch mal selbst einen Eindruck von dem "Kaiserstuhl" verschaffen.
Sei mit mir gedanklich, und halte mich gaaanz fest..
Übrigens dein dreistündiges französisches Liebesdrama interessiert mich auch brennend.
Ich würde dir ja gerne einmal "Dogtooth" empfehlen.
Gerade in der Hinsicht wie man junge Menschen auch mit Fehlinformationen und manipulierenden Erziehungsskonzepten vollkommen beherrschen kann, macht glaube ich auch den Film für Pädagogen wie dich interessant. (so stell ich es mir zumindest vor in meinen waghalsig, bezaubernden Gedankengängen). Ich fand den zumindest hochspannend.
Huldvolle Grüsse, dein Prinzregent

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.04.2014 21:36:58 GMT+02:00
christine meint:
Mein royaler Bräutigam,
"Dogtooth" habe ich mir gestern schon mal auf die Merkliste gesetzt, sobald der mal ein, zwei Euro günstiger ist, greift Kralle Christine zu.
Natürlich halte ich Dich gaaanz fest, ich trage ja eine gewisse Verantwortung, habe ich Dich doch erst auf diesen unvergleichlichen Film aufmerksam gemacht, Deine Gemütsverfassung und Deine Lust auf Filme sollten bei diesem gefährlichen Experiment nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Mir wird bange. "Blau...", könnte ich mir vorstellen, wird Dir gefallen. Kein Film, den man sich soeben reinzieht, sondern den man erleben und erleiden muss.
Gedankenschwere Grüße, die Weidenprinzessin

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 30.04.2014 13:22:23 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 30.04.2014 13:36:20 GMT+02:00
Rumburak meint:
Danke christine. Es tut gut dich in den kommenden schweren Stunden (schnüff) bei mir zu wissen. Aber sapperlot, hey vielleicht finde ich ihn ja zum Lachmuskel verknoten gut, oh weia.
Bei Interesse, schau doch einmal nach hier bei Amazon, ich habe "Dogtooth" in einem Dreier-Pack wunderbar auf BluRay für einen Spottpreis bekommen. Dabei sind auch noch die Independent Filme "Beautiful" und " 7 Days". Auch super besonders letzterer (Uurgg, der geht an die Nieren) .
Man braucht den also nicht einzeln und teurer erwerben.
"Blau" schon viel von gehört, gleich mal nachschauen. Der ist doch aus dieser Trilogie von... hmmm, komme jetzt nicht drauf.
Spielt da nicht auch Juliette Binoche mit ?!
Langsam bekomme ich Platz- Probleme in meinen bescheidenen Spiegelsälen und Gemächern.
Ich trage mich ja mit dem Gedanken doch einmal so an die 150 DVDs, die mir nicht zusagten, wieder hier gebraucht zu verkaufen.
Nicht zu gedankenschwere, sondern luftig, sinnlich, betörende Grüsse,
Rumburak

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 30.04.2014 18:16:43 GMT+02:00
christine meint:
Mein Lieber,
die BluRay habe ich auch entdeckt und mir umgehend bestellt, sobald der Postmann ihn mir bringt, gibt es ein Feedback. Mit "Blau..." habe ich nur meinen letztgerezten Film abgekürzt, aber "Drei Farben: Blau" von Kieslowski mag ich auch sehr. "Weiß" gefällt mir innerhalb der Trilogie noch am besten, der ist zum Teil herrlich schwarzhumorig und "Rot" ist Kieslowskis Meisterwerk schlechthin. Ich habe meine Platzprobleme so gelöst, dass ich die Hüllen einfach wegwerfe und die Scheiben in Etuis stecke. Ganz blöde Filme gebe ich ins Diakonie-Lädchen, akzeptable werden an Filmfreunde weiterverschenkt.
Also, behalte die Nerven und kanalisiere DEine Gefühle möglichst bald, ich brenne vor Neugierde. Ich höre gerade die Filmmusik zu "Himmel über der Wüste" und sende Dir sengende Grüße zurück,
C.

Veröffentlicht am 19.05.2014 01:51:33 GMT+02:00
J. Rothgerber meint:
Habe den Film soeben gesehen. Die Rezension dazu gefällt mir, da sie aussagefähig ist. Doch setzen Sie die SPOILERWARNUNG lieber ganz an den Anfang.
Bis zu ihrem Hinweis im Text verraten Sie schon vorher schlichtweg zu viel, was man sich im Film selbst erarbeiten und entdecken sollte.
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