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Kundenrezension

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Er bleibt in der Zeit und streift doch auch durch die Jahrzehnte, 3. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Rainhard Fendrich - Besser wird's nicht/Live (+ CD) (Audio CD)
Musiker, die 30 und mehr Jahre erfolgreich Alben veröffentlichen und auf ausgedehnte Konzertreisen gehen, neigen spätestens etwa ab diesem Karrierestadium dazu bei der Liedauswahl für die Konzerte beinah nur noch lupenreine Greatest Hits Sets zusammenzustellen, bestenfalls mit hie und da leicht modifizierten Arrangements. Zwar irgendwie verständlich, weil zum einen - was ja ein Segen ist - sich über die Jahre ein gutes Dutzend großer Hits angesammelt hat und zum andern, ein nicht unbeträchtlicher Teil des Publikums ja geradezu mit der Erwartungshaltung eben diese großen Hits auch geboten zu bekommen in die Konzerthallen strömt. Das Ganze mutiert dann mit den Jahren zwar immer mehr und mehr zu einer Art Oldie-Show eines aus der Zeit gefallenen Relikts längst vergangener Epochen und hat weniger mit Kunst als mit Dienstleistung zu tun, aber gut: kommt auch die künstlerische Relevanz abhanden, die Hallen sind voll, das Publikum ist glücklich, nur die Kritiker murren - aber die murren ja immer, schon von Berufs wegen.

Große Hits sind schön und fast vergessene Lieder aus jahrzehntealten Alben oft noch viel schöner und es gibt nichts dagegen einzuwenden, dass sie ihren Platz im Programm haben sollten, aber ein Künstler der alle zwei, drei Jahre ein neues Album veröffentlicht, sollte dieses auch ins Zentrum seines aktuellen Programms stellen, sonst kommt ihm irgendwann die Glaubwürdigkeit abhanden. Rainhard Fendrich hat diese Glaubwürdigkeit nie eingebüßt. Auch wenn "Besser wird's nicht - Live" schon bei dem Präsentationskonzert des neuen Albums mitgeschnitten wurde (wo naturgemäß das zu präsentierende Album das Thema vorgibt), ist die Auswahl der Lieder, des hier konservierten Konzerts, der Auswahl für die Konzerte der derzeit laufenden Tournee sehr ähnlich. 13 der 16 Lieder vom im Mai erschienenen Studio-Album "Besser wird's nicht" machen so schon etwas mehr als die Hälfte des Programms aus - gut so! Das Album ist zweifellos ein Meilenstein in Fendrichs Karriere und dass es hier nun fast komplett als Live-Dokument vorliegt, ist nur zu begrüßen, zumal die Songs live noch einmal gewinnen, obwohl auch schon die Studioproduktion wohltuend schnörkellos und direkt daher kam. Doch live gesungen und - da das Album ja nur als DVD veröffentlicht wird - im Zusammenwirken mit Mimik und Gestik, bekommen insbesondere die nachdenklichen Songs noch mehr Tiefe. Fendrich hält keine Lied gewordenen Moralpredigten, er macht einfach seiner Seele Luft, empört sich, zeigt seine eigenen Ängste und Zweifel - was der Zuhörer/Zuschauer daraus macht, überlässt er jedem im Publikum selbst.

Natürlich ist Fendrich 2013 nicht frei von Humor, nicht frei von seiner feinsinnigen Ironie und seinen rasant um ungeahnte Ecken biegenden Wortspielen - er kann gar nicht anders - und gerade das gibt dem Programm eine kaum erlebte emotionale Weite. Von sensibler Berührtheit, gellendem Lachen über Situationswitz (auch in den Texten einiger neuer Lieder), großen Sinnfragen, bis hin zu wohliger Lebensfreude und wütender Empörung über krachenden Unfug, den wir willfährig wie Schlachtvieh einfach hinnehmen: binnen des zweistündigen Konzertprogramms hat man beinah jede Gefühlsregung einmal durch - das unterscheidet den Künstler vom Dienstleister, der nur Erwartungshaltungen befriedigt. Und es zeigt eindrucksvoll, dass Fendrich mit den Jahren immer noch mehr Musiker und Entertainer in Personalunion wird. Ein Publikum durch ein so weitläufiges thematisches Terrain zu führen, ohne dass einem zwischenzeitlich Teile des Saals abhanden kommen, erreicht man nicht allein durch virtuoses Bedienen der Instrumente und wohl getroffene Töne und auch nicht allein durch substanziell auch noch so gute Songs, sondern vor allem durch eine Bühnenpräsenz, die raumfüllend ist und durch Moderationen zwischen den Liedern, die für sich allein schon wesentlich für das gesamte Programm sind, denen man zuhören will, seien sie ernst oder verschmitzt, selbstironisch oder auch mal mit dem Publikum stänkernd. Fendrich beherrscht diese Kunst wie nur wenige - weltweit! Clapton ist gewiss der bessere Gitarrist, keine Frage, und Dylan wohl auch der bessere kunstvolle Songwriter, aber die Interaktion mit dem Publikum beherrscht keiner von beiden auch nur halb so gut wie Fendrich.

Neben den 13 Songs vom neuen Studio-Album sind auf dem DVD-Live-Album noch zwölf weitere, ältere Songs. Aber keineswegs die üblichen Verdächtigen! "Macho, Macho", "Es Lebe der Sport", "Schickeria" oder "Blond" sucht man vergebens in der Titelliste. Und das ist zur Abwechslung auch mal ganz wohltuend. Diese Songs waren nicht grundlos große Hits, gewiss, aber sie müssen auch nicht tot gespielt werden. Ein paar Klassiker sind natürlich dennoch im Programm. Gegen Ende erklingen die Hymnen "Weus'd a Herz hast wie a Bergwerk" und "I am from Austria", gewissermaßen als Dankeschön an das Publikum für die Aufmerksamkeit bei all den neuen Liedern, und auch die "Midlife crises" und der "Tango Korrupti" haben es in Wechselwirkung zu thematisch verwandten Songs des neuen 2013er Albums ins Set geschafft, letzteres allerdings in seiner inzwischen dritten, aktualisierten Textfassung.

Viel eher aber sind auch die älteren Stücke gelungene Überraschungen: "My Tschenereischn" z.B. oder in einem sehr zurückgenommenen, wunderschönen Piano-Arrangement "Die Geisterbahn" - ein Lied wie ein Kurzfilm. Auch "Damenkränzchen Tarantula" vom 2004er Album "aufLeben" (sic!) ist samt dazugehöriger Kurzgeschichte als Moderation Teil des Programms. Allesamt keine zu erwartenden großen Hits, aber willkommene alte Bekannte.
Die größte Überraschung allerdings ist das von Cole Porter für Hildegard Knef geschriebene "In der Stille der Nacht" (später auch von Frank Sinatra und Ella Fitzgerald interpretiert), dass Fendrich ins Programm eingebaut hat. Zwar nahm er das Lied bereits vor elf Jahren für sein Album "Ein Saitensprung" schon einmal auf, dass es einem aber hier in diesem Rahmen begegnet, war nicht vorhersehbar. Also auch in der Auswahl der älteren Stücke macht es sich Fendrich nicht leicht, sondern ersinnt einen dramaturgischen Bogen und sucht in seinem Repertoire gezielt nach passenden Stücken, unabhängig davon, ob sie irgendwann mal als Single in den Charts ganz oben standen oder auf einem seiner vielen Alben vielleicht eher nur eine Nebenrolle spielten.

"Besser wird's nicht - Live" ist ein durchweg gelungenes Live-Album geworden und präsentiert einen Rainhard Fendrich, der auch 33 Jahre nach seinem Debüt sich nicht auf alte Hits verlässt, der immer noch in der Zeit, immer noch relevant ist und wenn er durch die Jahrzehnte streift, dann nicht nostalgieverhangen, sondern um das was heute gilt mit Belegen der Vergangenheit zu unterstreichen.

Zu kritisieren gibt es eigentlich nur ein wenig die Kameraführung. Der Mitschnitt wurde von einem österreichischen Privat-TV-Sender gemacht und das Kamerateam scheint offenbar eher TV-Shows zu filmen als Konzerte. Die Totalen und die Aufnahmen aus der Ferne geben ein gutes Raum-Bild - sehr schöner Saal, schöne Bühne - auch die Nahaufnahmen einzelner Musiker sind gelungen und gut geschnitten. Doch wer kam auf die Idee, Fendrich über gefühlt die Hälfte des Konzerts (ist übertrieben, zugegeben) frontal geradezu ins Gesicht zu filmen? Man sieht seinen Kopf bis zum obersten Hemdknopf und er schaut unweigerlich direkt in die Kamera - als immer mal wieder Kurzsequenz wäre das okay, aber diese Einstellung ist viel zu häufig und für eine im heimischen Wohnzimmer reproduzierte Konzertatmosphäre nicht unbedingt dienlich, denn im Konzert stehe ich auch nicht in selber Entfernung zum Mikrophon, wie der Sänger, nur von der andern Seite. Das ist natürlich polemisch überspitzt, die Kritik aber dennoch ernstgemeint, diese frontale Nahperspektive kommt einfach viel zu häufig vor.

Ein echtes Ärgernis - was das DVD-Album nicht schlechter macht! - ist die Veröffentlichungspolitik. "Besser wird's nicht - Live" wurde als DVD, so wie sie jetzt auch erschienen ist, und als Deluxe-Ausgabe, bestehend aus DVD+2CD (beides jeweils das komplette Konzert), angekündigt und sogar im Programmheft der bereits seit Anfang Oktober und noch bis kurz vor Weihnachten laufenden Tournee beworben und war auch bereits vorbestellbar. Die Deluxe-Ausgabe wurde allerdings noch vor Erscheinen gestrichen und stattdessen ist nun neben der DVD eine Edition mit nur einer zusätzlichen CD erhältlich, die das reguläre Studio-Album enthält. Für jene, die das Studio-Album noch nicht haben, mag das eine günstige Möglichkeit sein Live- und Studio-Album zusammen zu erwerben, okay, dafür aber die Ausgabe, die auch den Mitschnitt noch einmal komplett auf zwei CDs enthalten hätte zu kippen, scheint doch eher unsinnig.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 11.12.2013 21:59:21 GMT+01:00
Lieber Christian Günther,

Vielen Dank für Ihre wirklich hervorragende anschauliche Rezension dieser DVD/CD von Rainhard Fendrich, die so in die Tiefe geht, dass man als Fan hier wirklich sich begeistern kann (auch Ihre Rezensionen der neu re-masternden CD's von Wolfgang Ambros sind sehr stimmig und tiefsinnig beschrieben ) .Da ich vor kurzem auf dem Trio-Konzert vom Rainhard hier in Berlin war , auf dem er in sehr intimer Athmosphäre seine neue CD vorwiegend auch vorstellte, kann ich dem besonderen Erlebnis einer Begegnung mit Ihm nur bestätigen--er versteht es unheimlich gut, eine Symbiose von Musik, Gedanken und Athmosphäre zu bilden, die einen sehr bewegt und man mitnimmt und sich immer wieder damit beschäftigt.
Ich habe mir vor kurzem jetzt auch die DVD angesehen und es erging mir eigentlich wie bei dem Konzert hier in Berlin--er wird immer besser (wird es wirklich nicht mehr besser?)--Ich bin weiter gespannt auf seine weiteren "Werke" und möchte nur als Ergänzung nur noch anfügen, dass die DVD eine Gesamtspielzeit von zum Glück genau 120 Minuten hat!!(und nicht wie angegeben nur 89 Minuten!!)-ich hatte mich auch schon bei der Länge von 25 Titeln auf der DVD gewundert-gerade auch im Hinblick auf seine Moderation/Ansagen zwischen den Liedern-.

Nochmals vielen Dank für Ihre Rezension und ich bin neugierig auch auf Ihre weiteren Rezensionen,

Mit Grüssen aus Berlin, Ihr Matthias Urban.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.12.2013 18:38:26 GMT+01:00
Lieber Matthias Urban,

Ihre Grüße hatten keinen weiten Weg. Ich bin selbst (Rand-)Berliner und auf dem von Ihnen erwähnten Konzert war ich ebenfalls.
Haben Sie vielen Dank für die lobenden Worte.

Herzliche innerstädtische Grüße zurück,
Christian Günther
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