Kundenrezension

17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein aufrüttelndes Buch, das stark zum Nachdenken anregt, 20. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Lean In: Frauen und der Wille zum Erfolg (Gebundene Ausgabe)
Sheryl Sandberg ist COO von Facebook, war vorher in der Führungsmannschaft von Google und hat nebenbei einen Mann und zwei Kinder. Nachdem ihr aufgefallen ist, dass sie je höher sie als Frau steigt, desto weniger Frauen in Besprechungen und Meetings trifft und ihr klar wurde, dass sie als Vorbild für viele andere Frauen dient, beschloss sie dieses Buch zu schreiben.

Der Titel hat mich, ganz ehrlich, erst mal abgeschreckt, aber neugierig genug gemacht, dass ich in der Buchhandlung angefangen habe in dem Buch zu schmökern. Aus dem "Schmökern" sind schnell die ersten 60 Seiten geworden und ich habe das Buch mitgenommen und innerhalb weniger Tage ausgelesen.

Anders als der Titel vermuten lässt, geht es Sheryl Sandberg nicht darum, dass jetzt jede Frau gefälligst auch COO werden muss oder unbedingt in den Vorstand kommen sollte. Nein, ihr geht es darum, dass sich Frauen anfangen erstens so eine Karriere zuzutrauen und zweitens sie nicht vor die Wahl Kinder oder Spaß im Beruf gestellt werden, sondern sie beides machen können. Dabei liegt der Fokus auch nicht so sehr auf "Karriere", sonder vor allem auf dem Thema, dass Frauen nicht komplett aus dem Beruf ausscheiden oder nur noch Teilzeit arbeiten, sobald Kinder da sind. Es geht darum, dass Frauen Erfüllung und Spaß auch noch an ihrem Beruf haben und auch Kinder und Familie haben können. Wichtig ist, dass es jeder Frau selber überlassen sein sollte, was sie wie machen möchte. Das wird zwar derzeit allen Frauen suggeriert, die Wahrheit ist aber, dass ihnen eigentlich erklärt wird, dass sie doch Kinder nicht "sich selbst überlassen" können und Kinder, die nicht rund um die Uhr von ihren Müttern - wichtig ist dabei die Betonung auf "Mütter" - betreut werden, quasi auf der Straße landen.

Sheryl Sandberg führt auf sehr wissenschaftlichen Niveau mit vielen Quellenangaben (von knapp 312 Seiten sind über 50 Seiten nur Quellenangaben) an, dass diese Suggestion ein Kultur- und Erziehungsthema ist und den Frauen und auch Männern zwar tief in die Köpfe gepflanzt wird, dabei aber auf keiner wissenschaftlichen Basis fundiert. Ganz im Gegenteil: Es gibt viele Studien, die zeigen, dass Kinder in Ehen, die gleichberechtigt geführt werden, wo beide arbeiten und [u]beide[/u] ihren Teil zum Haushalt beitragen, glücklicher und zufriedener sind, als andere Kinder. Es gibt sogar viele Studien, die klar belegen, dass eine enge Bindung der Väter zu ihrem Kinder deren Potenziale viel mehr beeinflussen und positiv fördern.

Dabei greift sie in ihrem Buch viele weibliche Verhaltensformen auf, zeigt an ihrem eigenen Beispiel, wie sie selber oft genug in die Falle getappt ist und gibt gute Tipps und auch Motivationsstrategien, wie man diesen Fallen, die wir oft von kleinauf eingetrichtert bekommen, zumindest ausweichen kann. Das schlechte Gewissen, das einem gemacht wird, wenn man als Mutter sich erdreistet voll zu arbeiten und auch mal dem Mann Aufgaben überträgt, spricht sie dabei offen an und sagt auch, dass sie damit jeden Tag lebt.

Mit vielen Themen hat sie mir dabei aus dem Herzen gesprochen: Warum wird Frauen bis heute suggeriert - auch gerade über Film und Fernsehen - dass sie auf ihren Ritter auf dem weißen Schimmel warten sollten und das Höchste für eine Frau ist zu heiraten? Warum lernen nicht auch schon Mädchen, dass es wichtig ist, sich durchsetzen zu können, anstatt "lieb zu sein"? Und wieso ist es bis heute für Mädchen eine Auszeichnung, wenn sie hübsch sind? Aber klug gehört nicht dazu? Und warum werden so viele Frauen hoch ausgebildet, damit sie dann erst mal im Beruf aussetzen und schließlich nur noch Teilzeit arbeiten?
Dabei hat sie ein für mich auch wichtiges Argument ins Feld geführt, über das ich mir bisher selber noch keine Gedanken gemacht habe: Wir kämpfen heute schon mit einer starken Altersarmut gerade bei Frauen. Die neuen Gesetze, die verabschiedet worden sind, werden das Problem noch verschärfen und lassen Frauen auch bei Scheidungen mittlerweile richtig schlecht dastehen. Kosten für die Kinderbetreuung sollte man daher nicht so sehr aus dem Aspekt der Kosten betrachten, sondern als Investition: Erstens sind die Gehaltseinbußen damit bei den Frauen nicht so hoch, zweitens stehen sie in 10 Jahren gehaltich an einer Stelle, die sie sonst nicht mehr erreichen könnten und drittens sichern sie sich so auch noch ihre Rente. Natürlich können Gegner hier anführen - wie man ja derzeit auch oft lesen kann - dass das alles Argumente von der Wirtschaft sind und es nur darum geht, dass der Kapitalismus erhalten bleibt. Kann natürlich sein. Nichts desto weniger ist es wichtig, dass auch Frauen glücklich in ihrem Beruf sein dürfen und trotzdem auch eine Familie haben können.

Alles in allem hat mich und auch meinen Mann dieses Buch sehr stark zum Nachdenken angeregt und mir auch viele meiner eigenen Gedankenfallen aufgezeigt. Da ich gerade auch im Freundeskreis genau das derzeit erlebe, dass die Frauen aus ihrem Job aussteigen, ihnen die Decke dann zu Hause auf den Kopf fällt, sie sich aber nicht einmal trauen, das dann zuzugeben, sehe ich insgesamt viele Dinge kritischer und wünsche mir auch, das hier ein Umdenken stattfindet. Dabei geht es nicht darum, dass Frauen nur noch in den Vorständen sitzen, aber das sie es können, wenn sie wollen, ohne eine Wahl zwischen Beruf und Familie treffen zu müssen.

Sehr gut gefällt mir dabei auch, dass sie gängige Vorurteile aufgreift und klar aufzeigt, dass wir alle - meistens unbewusst - Frauen und Männer mit anderen Maßstäben messen, was dazu führt, dass Frauen viele Dinge nicht zugetraut werden bzw. Eigenschaften, die bei einem Mann lobend erwähnt werden (zielstrebig, ehrgeizig etc.), bei Frauen eher abwertend verwendet werden. Hier muss insgesamt ein Umdenken bei uns allen und ein stetiges Hinterfragen einsetzen, bis sich da wirklich etwas ändern kann. Viele dieser kleinen Details belegt sie dabei mit praktischen Beispielen, bei denen ich immer nur zustimmend nicken konnte.

Ein Buch, das aufrüttelt und mir auch wieder gezeigt hat, wie stark auch gerade die Presse unser Bild von Leuten formt und gerade auch weibliche Führungskräfte oft viel bösartiger behandelt, als die Männer. Ein Buch, das ich wirklich mittlerweile allen Frauen und auch Männern nur empfehlen kann es auch zu lesen!

Für mich ein absoluter Buchtipp und bekommt volle fünf Sterne.
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