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Rezension bezieht sich auf: Calvin kennen lernen (Taschenbuch)
Nach getätigter Lektüre des vorliegenden Buches kann man den Autor, einen evangelisch-reformierten Pfarrer, wegen dessen Titelwahl nur beglückwünschen: Hat man doch nun den Reformator Johannes Calvin wirklich im wörtlichen Sinne kennengelernt.Dieses gelingt trotz der Kürze des Buches überzeugend, weil der Autor uns keine reine Kurz-Biographie präsentiert, sondern klar abgegrenzt, Leben wie Werk gesondert in zwei etwa gleich langen Kapiteln vorstellt. Das Buch selbst ist in fünf Teile überschaulich gegliedert, wobei der erste Teil einleitend die persönliche Beziehung des Autors zu seinem Gegenstand skizziert. Der zweite wie der dritte Teil sind als Schwerpunkt dem Leben wie dem Werk Johannes Calvins gewidmet. Den Abschluss bilden der kürzere vierte wie fünfte Teil, in dem zunächst die Bezüge gegenwärtiger Gottesdienstpraxis mit dem Gedankengut des Reformators gegenübergestellt sind und dabei Verbindungslinien herausgearbeitet werden. Ein subjektiver Ausblick des Autors auf die Zukunft von Kirche und Ökumene schliesst diesen Band ab. Desweiteren setzt die Lektüre keinerlei umfassende theologische oder sonstige philosophisch-theoretische Kenntnisse voraus, so dass man auch als Nicht-Fachmann dieses Buch unbefangen lesen kann und dennoch einen Erkenntniszuwachs gewinnt. Jedoch mit einer kleinen Einschränkung: Trotz der Kürze des Textes ist es geboten, diesen intensiv wie ausmerksam zu lesen, was besonders für den dritten Teil gilt, in dem der Autor versucht, auf nur ca. 40 Seiten die mehr als umfangreiche wie komplexe Theologie Calvins anschaulich und prägnant zu präsentieren. Inhaltliche wie methodische Grundlage dieser speziellen Ausführung ist hier die Beschränkung der Rezeption Calvinscher Theologie auf mehr oder weniger einen abgrenzbaren wie umfangärmeren Text, der dennoch laut Autor geeignet sein soll, die vielfältigen Gedanken des Reformators authentisch wie korrekt wiederzugeben: Die Vorrede zur französischen Bibel aus dem Jahre 1535. Formal gelingt diese Präsentation, indem der zentrale Gedankengang des Autors immer wieder optisch durch kleinformatigere Absätze unterbrochen wird, welche theologische wie methodische Begriffs- und Umstandserklärungen beinhalten, die die Argumentationsführungen des Autors unterstützen. Ein optisch-inhaltliches Wechselspiel, was dem Lesefluss nicht schadet, sondern dem inhaltichen Verständnis nur zuträglich ist. Beispielhaft sei dazu das Calvinsche Theorem der Doppelten Prädestination genannt, welchem der Autor durch seine Darstellungsweise den vordergründigen Schrecken nimmt und dem Leser zugleich erklären kann, dass diese in ein Prädestinationsverständnis im positiven Sinne münden kann. Diese Darstellungstechnik der Textabsetzung verwendet der Autor ebenfalls für den vorhergehenden biographischen Abschnitt, jedoch im historiographischen Sinne etwas weniger souverän. Exemplarisch hierzu sei der Umstand der Genfer Stadtverfassung angeführt, die nicht hinreichend detailliert und abgrenzbar beschrieben ist. Stattdessen wirkt im Text die Stadt Genf eher wie ein rätselhaft Gegebenes, innnerhalb dessen Mauern Calvin seine komplex-komplizierte Theologie entwerfen und umsetzen konnte, als dass die Wechselbeziehungen der Genfer Bedingungen mit der Weltanschauung Calvins ein relevantes Erklärungsmuster für diesen speziellen Reformationsansatz bieten kann. Versäumt wurde in diesem Zusammenhang auch, diesem Kapitel aussagefähiges Karten- wie Bildmaterial beizufügen. Wertet man dieses Fehlen hier wie auch die schon an anderer Stelle angeführte Reduktion auf bestimmte Grundlagentexte Calvins im historiographischen wie theologischem Sinne als Mangel und Verzicht auf tiefschürfendere Analyse, so fällt dieser Mangel angesichts der Zielsetzung des Buches, Calvin kennen lernen zu können, zwar auf, aber nicht weiter ins Gewicht. Denn wer als Leser Calvin schon kennt, wird sicherlich an diesem Buch vorbeigehen; wem Calvin hingegen noch unbekannt ist, weiß noch nicht, an was er vorbeigeht, sondern wird stattdessen bei diesem vorliegenden Buch stehen bleiben. Und die diesem Leser hier dargebotenen bislang unbekannten Informationen werden es ihm lohnen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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