Kundenrezension

30 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Phänomen GaGa. Eigentlich doch alles, wie geplant - oder?, 24. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Born This Way (Special Edition) (Audio CD)
Das Phänomen GaGa. Wahrscheinlich hätte niemand damit gerechnet, dass eine, zunächst recht unauffällige, durchschnittlich begabte Sängerin, einen guten Pop-Hit rausbringt, der eine breite Masse anspricht. Das war Ende 2008 und nannte sich schlichtweg "Just dance". Ein toller, tanzbarer gute Laune-Hit, mit ironischem Text und Ohrwurmrefrain. Keine große Kunst. Das gelang auch schon 1000 von Menschen vorher. Was folgte dann? Ein Album, welches gut produzierte, kurzweilige, tanzbare, ohrwurmlastige Nummern enthielt, eben den "Just dance"-Gedanke weitersponn. Dass das damals von derselben Person veröffentlicht wurde, die nun das größte Pop-Phanömen seit Madonna oder Michael Jackson ist, kann man sich kaum noch vorstellen. Wie kam es zu dieser Wandlung?
Eins ist ganz klar. Einen Welthit zu kreieren, der Monate an der Spitze der Charts steht, passiert zwar nicht häufig, aber dennoch zu oft, um besonders hervorgehoben zu werden. Dennoch trugen alle das "Poker face". Auch da war GaGa noch nicht GaGa2011. Erst kurze Zeit später, mit einem leicht künstlerisch-avantgardistischen Video zur Single "LoveGame" kamen erste Gedanken auf: "Ist diese Frau wirklich so Gaga, wie sie heißt?". Die Antwort gab es kurze Zeit darauf im Video zu "Paparazzi". Seltsamerweise meinten damals noch alle, dass es hohe moderne Pop-Art-Kunst sei. Ganz zu schweigen von dem genialen Song. Nun gut. Womit "Paparazzi" die "The Fame"-Ära beendete und Lady GaGa als erfolgreiche Künstlerin etablierte, begann das WIRKLICHE Phänomen erst danach.
Egal ob "Bad romance", "Alejandro" oder "Telephone" - mehr Hype um Videos ging nicht. Ein Countdown zur Videoveröffentlichung. Einzelne Screenshots, Tage zuvor. Hunderte von Twitter- und Facebooknachrichten. Höher, schneller, weiter. Auf einmal war GaGa das Ding, wofür wir sie heute auch halten: Der Inbegriff des Wortes "Vermarktung", "Künstlerin", "durchgeknallte Bitch" oder wie man sie auch sonst betiteln mag. Dass sie ursprünglich als Sängerin erfolgreich werden wollte, zählte plötzlich nicht mehr. Mäuler wurden sich zerrissen, auch wenn man ins Geheim mindestens einen der Songs gut fand. Dann ging es um ihr Kostüm, um einen blutigen Auftritt, um Drogen. Ist das wirklich alles so neu und so shocking? Wohl kaum. Jedenfalls wirkte "Just dance" wie von einem völlig anderen Künstler. Wo vorher nur der Song beurteilt wurde, musste nun auch der Rest mit einfließen. Auch wenn der Song um Längen besser war, als die Debutsingle. Es zählte nicht mehr.
Aber findet man das Ganze jetzt gut oder schlecht? Die ewige Diskussion. Allein schon die Tatsache, dass in der schnelllebigsten Zeit, die die Musik jemals hatte, eine Künstlerin es schafft, weltweit in jeder Altersklasse sich bekannt zu machen, ist schon ein Ding. Denkt an Songs aus, beispielsweise 2007. Wieviele fallen euch noch ein? 2? 3? Früher hätte man Locker 10-15 aufzählen können. Aber 2011 ist das anders. Ein David Guetta macht plötzlich ein mit Snoop Dogg, ein Timbaland ist schon längst nicht mehr das Produzentengenie, und und und. Alles verschoben, alles quer. Aber zurück zum Thema: Selbst meine Oma kennt Lady GaGa. Die erste englischsprachige Sängerin, die ihr ein Begriff ist, seit Madonna. Wie hat sie das nur gemacht, die GaGa? Ist sie tatsächlich die neue Madonna? Eher nicht, dafür ist Frau GaGa zu musikalisch (nicht falsch verstehen: ich LIEBE Madonna!!!). Ein Aspekt, den viele außer Acht lassen. Wer's nicht glaubt, möge sich zumindest mal eine ihrer unzähligen freien Interpretationen ihrer eigenen Songs auf dem Klavier ansehen. Das könnte eine Madonna nie. Was ist sie dann? Marilyn Manson des Pop? Wohl möglich. Immerhin wurd schon darüber diskutiert, ob sie einen Penis hätte. Ebenso, wie über Manson diskutiert wurde, ob der sich eine Rippe hat entfernen lassen.
Eins ist jedenfalls klar: Sie ist erfolgreich in dem, was sie tut. Wieviel Marketing dahinter steckt, sei dahin gestellt. Man muss es nicht mögen. Man muss auch keine Coca Cola gerne trinken, nur weil es das meist verkaufteste Softgetränk ist. Ebenso muss man auch keinen "Avatar" gut finden, nur weil es der stärkte Film aller Zeiten, nach Einnahmezahlen, ist. Komischerweise steht das hier aber nicht zur Debatte. Demokratie rules!
Jedenfalls wurde aus einer, um es in Pop-Musikkünstlern auszudrücken, Ke$ha zunächst eine Rihanna, dann vielleicht eine Beyoncé und nun eine Madonna. Rein kommerziell gesehen. Und das in sehr, sehr kurzer Zeit. Seien wir doch mal ehrlich zu uns selbst: Welches Album hat wirklich NUR gute Tracks und spricht dennoch die breite Masse an? Ein Album von Beyoncé? Zu Black-lastig. Das letzte Ding von Britney? Ich bitte euch. GaGas-Debut? Nein, auch da waren fast die Hälfte nur mittelmäßiges Zeugs.
Frau Germanotta behauptete frech von sich selbst, dass sie nun das Ding des Jahrhunderts raushaut. Ganz bescheiden. Zumindest wusste jeder, wann "Born this way" rauskommt, wieviele Tracks es hatte, wie die Tracks hießen, wie die erste Single hieß, wie lang die erste Single geht, wie lang das Video geht, wann das Video kommt, wie oft es verkauft wurde...... mir könnten noch tausende von Dingen einfallen, die man Wochen vorher wusste. Marketing, was vielleicht nervt - aber immerhin JEDEN erreicht. Früher oder später. Doch hält es das, was es verspricht? Obwohl es hier um die Musik geht, habe ich nun so viel zur eigentlichen "Künstlerin", "Sängerin", "inszenierten Person" oder sonst was formuliert, dass ich mich hier kürzer fassen sollte. Niemand sollte hier erwarten, dass das Rad neu erfunden wurde. Kann es auch gar nicht. Immerhin ist die Pop-Musik alt genug, um ein langes, vielschichtiges Leben mit einem kilometer langen Bart hinter sich zu haben. Für eine Umschulung hat der Bereich Pop zu viele Jahre aufm Buckel. Aber was ist "Born this way" an Stelle von, wenn es ja nicht alles wie versprochen revolutioniert? Meiner Meinung nach folgendes: Eingängig. Futuristisch. Anders. Freaky. Sperrig. Ohrwurmlastig. Vielleicht auch mal gesamplet. Elektronisch. Mitsing-Charakter. Beats. Politisch. Mutmachend. Die Frage muss sich jeder selber Stellen: Will ich sowas hören? Ja oder Nein? Seltsamerweise geht jedem "Nicht Pop-Fan" ein Britney-Album am Allerwertesten vorbei. Ein GaGa-Album nicht. Warum nicht? "Wenn schon so viel Wirbel um das Ding gemacht wird, zieh ich mir das auch rein". Aha, ertappt! Also doch ein Konsummensch!? Erwartet ihr, dass ihr nun das mögt, was ihr Jahre vorher verabscheut habt? An diese Menschen ist dieses Album nicht gerichtet. In erster Linie geht es immer noch an mainstreamige Hörer, die Bock auf Radio-Chart-Disco-Mukke haben und nicht an Jazz-, Heavy Metal-, Techno- oder Klassikfans. Dennoch traut sich Lady GaGa aus genau diesen 4 Bereichen Dinge zu nehmen, sie mit Pop zu verbinden und einfach nur zu schauen, ob es jemand mag. Falls ja, schön. Falls nicht, dann halt eben nicht! Das nennt man aber nicht klauen, sondern progressing music - mischen, verbinden, probieren, experimentieren, Lücken füllen! Nicht jeder mag eine Björk, das erwartet sie selbst auch nicht. Dennoch freut sie sich über jeden, der Zugang zu dem findet, was sie macht. Nicht jeder mag einen Marilyn Manson. Nicht jeder eine GaGa. Für mich persönlich ist dieses Album teilweise sehr eingängig und zielt ausschließlich auf Radio ab (Hair, The edge of glory). Bin ich nun ein anspruchsloser Hörer, weil ich das mag? Außerdem nimmt es Teile der 90er auf, kombiniert den aktuellen Sound und fertig. 90er = Jahrzehnt des EuroDance. Shit, schon wieder habe ich mich als schlechter Musikhörer entpuppt. Soweit so gut. Die Quintessenz der Scheibe könnte wohlmöglich meinem Dad sogar gefallen. Passiert ja nicht so häufig, dass Kinder und Eltern gemeinsames mögen. Anderes wiederum würde er für schlecht empfinden (Government hooker). Das ist nämlich sperrig, kompakt, minimal, Electro und könnte problemlos in jeder Electro-Alervnativdisco laufen. Dann zielt einiges unübersehbar auf, wie es viele nennen würden, "Gay-Disco" ab (Marry the night, Born this way) - na und? Seltsamerweise ziehen immer mehr Gaypartys die Hetero-Szene an, weil viele einfach nicht mehr großartige, komplizierte Musik, sondern schlichtweg tanzen wollen, zu guten schnellen Dancesounds. Was gibt es noch? Eine lustige, selbstkreierte Sprache mit einem "Schimpfwort", wenn man es denn so noch nennen kann, im Titel (Scheiße) - oh Gott, die böse GaGa, wie kann sie nur! Frisch gepaart mit Latin-Breaks (Americano), diversen E-Gitarren (You and I), Stimmverzerrer (Heavy metal lover) und mehr. Wer Lust hat, auf ein massentaugliches, aber dennoch nicht totgedudeltes Pop-Zeug a la Guetta und Co., sondern mit experimentierfreudigen Breaks, Sprachmixen, Electrobeats, klirrenden Gitarren, Vocoderefekten, Ohrwürmern und Bassdrums, durch aus mal was anfangen kann, möge zugreifen. Die anderen aber bitte ausschließlich nicht! Wer's noch nicht wusste, hier noch mal: Lady GaGa macht POP!!!!!!!!!! Habe ich nun die Bombe zum Platzen gebracht? Entschuldigt.
Somit hat doch aber letzendlich alles geklappt wie geplant, oder etwa nicht? Selbst der letzte Mensch in Deutschland weiß, dass es seit gestern das neue GaGa-Ding zu kaufen gibt. Perfekte Promotion, auf die fast jeder Künstler nur neidisch sein kann und es höchstwahrscheinlich auch ist. Immerhin is ja ohne Moos nix los, woll? Wem es letzendlich gefällt, sei dahin gestellt. Eins ist es aber definitiv nicht: Billig gemacht! Sonst würde es nicht einen so riesigen Aufriss geben - zumindest keinen der funktioniert.
Und ins Geheim sitzt Frau Gaga irgendwo zu Hause, lacht sich ins Fäustchen und freut sich ein ab, wie schön doch alles genauso geklappt hat, wie es durchdacht war! Herzlichen Glückwunsch. Und nun zerreist mich dafür, dass ich das Album toll finde!
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Kommentare


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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 26.05.2011 03:00:43 GMT+02:00
CursedEvil meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Veröffentlicht am 26.05.2011 14:47:42 GMT+02:00
Y. Hef. meint:
Eine sehr schöne Rezension, muss ich sagen. Nicht so oberflächlich und außerdem beinhaltet sie sehr viel Wahrheit. Ich selbst habe am Anfang gedacht ("Poker Face"): "Was ist das denn?" Ich war also nicht sonderlich begeistert, doch über die zeit hinweg hat mich diese Frau mehr und mehr in ihren Bann gezogen. Ich hätte es früher nie für möglich gehalten, aber als ich im Rdaio gehört habe, dass Lady Gaga ein neues Album herausbringen wird, habe ich mich wirklich darüber gefreut... naja auf jeden Fall: gute Rezension!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.05.2011 21:03:14 GMT+02:00
Heike meint:
Ja, ging mir exakt genauso. Am Anfang dachte ich auch "wer ist das denn?" und "na, ob die das Konzept durchhalten kann?". Weiterhin "Mal gucken, wie lange das geht..." Spätestens beim VMA-Auftritt mit Paparazzi - lassen wir mal die Optik weg - musste ich zugeben, daß die Frau ausdrucksstark singen kann. Oder der Auftritt, als sie nur am Klavier sich selbst begleitend "Speechless" singt. Der Hammer! Ab da hatte sie mich überzeugt: Die Frau hat was drauf und sprüht nebenbei über vor durchgeknallten Ideen. Diese Frau ist definitiv eine Künstlerin. Nach Fame-Monster habe ich mich ebenfalls auf ein neues Album gefreut. Und es hat sich gelohnt. Eindeutig ein Phänomen, bei dem ich sehr gespannt bin, wie es sich in Zukunft noch weiterentwickelt und womit sie uns noch überraschen wird.

Veröffentlicht am 06.07.2011 22:02:21 GMT+02:00
FRNK meint:
Gaga go home..bye bye

Veröffentlicht am 23.07.2011 23:37:40 GMT+02:00
FRNK meint:
och gottchen wiedermal ein Roman den die Welt nicht braucht..gähn...
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