Kundenrezension

90 von 106 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Enttäuschend, widersprüchlich, irgendwann nicht mehr amüsant, 12. Oktober 2012
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter: Von Edel-Eltern und ihren Bestimmerkindern (Taschenbuch)
Ich wohne in Berlin - nicht im angesagten Prenzlauer Berg, sondern in Moabit, das zwar nicht DAS Problemviertel Berlins ist, aber immerhin noch so in Verruf ist, dass die Leute angewidert die Nase rümpfen, wenn man "Moabit" sagt...im Moment wandelt sich das gerade etwas, da die Leute (vielleicht auch die Schwaben) gerade kapieren, dass Moabit durch die Nähe zum Tiergarten eigentlich ein total schönes Viertel ist und der Teil von Moabit, der näher zum Tiergarten liegt, wird wohl momentan gerade zu einem "Prenzlauer Berg im Miniformat". Die Mütter auf den Spielplätzen mit ihren zwei bis drei Babies und Kleinkindern, dem Bio-Obst und den Geld scheffelnden Gatten gehen mir als Mutter, die Vollzeit-Freiberuflerin ist, ordentlich auf den Keks. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich dachte, ich könnte mich über dieses Buch so richtig amüsieren. Habe ich aber leider nicht. Das erste Kapitel fand ich noch klasse. Das zweite ging noch...dann verlor ich langsam die Geduld. Was mich an dem Buch am meisten stört, ist die Inkonsequenz der Autorin. Einmal sind die Prenzlauer Berg-Mütter Mütter, die schnell mal noch ein Kind während der Torschlusspanik kriegen und all ihre Kohl in das eine Gör investieren und es nach Strich und Faden verwöhnen. Dann widerum sind die Nervensägen die Mütter, die "ein Kind an der Hand, ein Kind im Kinderwagen und ein Kind im Bauch haben". Dann regt sie sich über die aufgestylten schicken Mütter auf den Spielplatz auf (und auch die schicken Schwangeren), nur um dann im nächsten Kapitel darüber zu lästern, dass diese Mütter so schlampig herumrennen, dass sie nicht mal Zeit zum Haarekämmen haben. Zum einen sind die Leute im Prenzlauer Berg soooo bieder, zum anderen hat sich die Autorin während ihrer Zeit im Prenzlauer Berg ein paar flotte Sachen zugelegt (Regenjacke mit Blümchenfutter oder so...), die sie in der Brandenburger Provinz nicht anzuziehen kann, weil da alle glotzen würden...Ok, bieder kann man auch mit flotten Klamotten sein, aber ich hoffe, sie verstehen mein Problem mit dem Buch. Es sieht einfach so aus, als ob die Autorin einfach gegen alle wettert, die Kinder haben und nicht alleinerziehend sind, berlinern und möglichst noch mit Tattoos zugepflastert sind (das sind anscheinend die Berliner, die Bewunderung vedienen).
Was mich weiterhin nervt ist, dass die Autorin so tut, als ob es etwas total schlechtes ist, wenn man mit über 40 noch relativ kleine Kinderz zu versorgen hat. Immer wieder liest man Sätze à la "Ich habe das hinter mir. Ich kann jetzt mein Leben genießen. Ich kann mich jetzt entspannen." Hm. Ist es der Autorin jemals in den Sinn gekommen, dass die Leute, die ihre Kinder mit Ende 30 bekommen, evtl. einfach all das, für das die Autorin jetzt erst Zeit hat, vor den Kindern getan haben. Und dass sie es jetzt evtl. gar nicht schlimm finden, wenn sie sich nun - im etwas gesetzteren Alter - mit ihren Kindern abgeben? (Im Übrigen habe ich mein Kind mit 29 bekommen - nur für den Fall, dass jetzt jemand schreien will, dass ich mich wohl ertappt fühle...) Ich fand auch die gehässige Beschreibung des älteren Vaters, der mit seiner Tochter (? oder Sohn?) auf dem Spielplatz spielt und wie "unsexy" das aussähe. Ähm, hallo? Es ist mir doch völlig egal, ob ein Mann, der mit seinem Kind schön auf dem Spielplatz spielt, sexy vorkommt oder nicht. Was zählt ist, dass der Mann Zeit mit seinem Kind verbringt. Und gleich davon auszugehen, dass dieser Mann geschieden ist und nun mit einer jungen Frau noch mal ein neues Leben anfängt (während er seine Kinder aus erster Ehe sträflichst vernachlässigt hat), finde ich schlicht und ergreifend, richtig gehässig und gemein.
Dazu dann noch giftige Bemerkungen, dass sich diese Mütter über Hundekacke auf dem Gehweg aufregen (die Autorin tut praktisch so, als ob man das in einer Großstadt als gottgegeben hinnehmen muss)....dass es im Prenzlauer Berg so viele Fahrräder gibt (klar, Autos sind ja auch viel besser) und dass diese Fahrräder aufgrund der Kinderanhänger oder Fahrradsitze so langsam fahren. Yup - man muss mit Kind auf dem Rad langsam fahren, weil es in Berlin so viele idiotische Verkehrsteilnehmer gibt, die einem konstant die Vorfahrt nehmen, bei Rot fahren etc., dass man praktisch die Fehler der anderen vorausahnen muss. Ich fahre mit meinem Fahrrad auch langsam, wenn ich mein Kind auf dem Kindersitz habe und habe, da ich schnell bremsen kann, mindestens schon dreimal einen Unfall vermeiden können. Und wenn Eltern mit Fahrradanhängern tatsächlich den Gehweg blockieren, dann würde ich nicht versuchen, mich vorsichtig an ihnen vorbeizuquetschen und ganz leiser "Entschuldigung" zu murmeln (das diese dann natürlich nicht hören können, wenn sie im Gespräch vertieft sind), sondern würde einfach mal lautstark "Entschuldigung" brüllen. Ich bin mir sicher, die Eltern würden den Gehweg frei machen. Aber nein, sowas tut man in Berlin nicht. Da quetscht man sich millimetergenau an die Leute vorbei, ohne auch nur ein einziges Mal den Mund aufzumachen, und regt sich dann hinterher über die unhöflichen Menschen auf. Neuerdings sogar in Buchform.
Vieles ist sicher gut beobachtet und auch durchaus wahr, aber die Widersprüchlichkeiten und teilweise offene Gehässigkeit haben mir das Buch ein für allemal vermiest. Ach ja und fast hätte ich's vergessen: Ich bin auch aus dem Osten, aber diese Wessi-Feindlichkeit, die diese Frau zur Schau trägt, geht mir gegen den Strich.
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1-7 von 7 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 14.02.2013 10:39:08 GMT+01:00
Bingge meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.03.2013 13:45:11 GMT+01:00
Der Saal meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.10.2013 19:17:34 GMT+02:00
Das Schöne an den ganzen zugezogenen Eltern in Berlin ist, dass sie absolut humor- und ironiefrei sind und sich stets und ständig gleich angegriffen und mehr Wert als ihre komplette Umwelt fühlen. Liebe, meine Geburtsstadt, dafür kannst du zwar nichts, aber hier ist Berlin tatsächlich mal nicht so wunderbar.

Veröffentlicht am 12.02.2014 01:07:13 GMT+01:00
Stefanie meint:
In diesem Buch spricht nun mal eine Betroffene, die aus dem guten alten Prenzlauer Berg vertrieben wurde, d.h. sie wird an die Schwaben kein gutes Wort heranlassen. Finde ich aber auch verständlich, ich bin auch eine Vertriebene.
Es geht nicht um Hundekacke auf dem Gehweg, sondern um die Schwaben, die deswegen gleich den Anwalt einschalten wollen. Sie bringen einfach Unruhe herein und besetzen den Prenzlauer Berg.
Lustig fand ich, dass nur 3 Schwaben dafür gesorgt haben, dass sich die Bauarbeiten um 6 Wochen verlängert haben bei der Sanierung der U2 Brücke. Unfassbar, wer auf der Schönhauser Allee wohnt, kann mit Ruhe nicht rechnen - ist logisch...
Dass die Schwaben nun langsam nach Moabit kommen, dürfte eigentlich kein Grund für Sie zum Feiern sein, d.h. dass ihre Mieten auch steigen werden und wer will für eine 3-Zimmer-Wohnung 1500¤ Miete zahlen?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.02.2014 09:53:28 GMT+01:00
Elinor meint:
Herrje, offenbar gehören Sie zu den Neideltern, die die Rezensentin hier meinte. Überlassen Sie es doch den "späten Eltern", wie sie klarkommen - das kann unmöglich Ihr Problem sein, das ganz offenbar woanders zu finden ist. U. a. darin, dass Sie Ihre Vorurteile ("Oma und Opa") pflegen und garantiert auch an Ihre Kinder weitergeben. Peinlich.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.02.2014 09:54:20 GMT+01:00
Elinor meint:
Schwaben scheinen sich - außer in Schwaben - wohl tatsächlich nur geringer Beliebtheit zu erfreuen. Grüße, eine Nichtschwäbin.

Veröffentlicht am 22.05.2014 10:25:44 GMT+02:00
Sabrina Beck meint:
Also ich fand das Buch einfach nur herrlich. Als Urberlinerin zieht es mich öfter in den Prenzlauer Berg. Es ist da so heimelig, meist recht sauber und es gibt einen Haufen nette, kleine Kaffees, Bars und Restaurants.
Jedoch bin ich dann auch immer froh, wenn ich wieder in meinen Heimatbezirk komme, wo ich nicht von wohlhabenden Wahl-Berlinern umgeben bin.
Die Autorin beschreibt einfach herrlich, vielleicht auch etwas übertrieben, die Lage im Prenzlauer Berg. Es ist nicht alles schlecht und furchbar, es ist eben irgendwie wiedersprüchlich. Ich habe mich einfach nur köstlich amüsiert und auch jetzt noch erinnere ich mich gern an so manche Beschreibung zurück wenn ich es in die fremde Welt des Prenzlauer Berg wage.

Egal wie, ein tolles Buch. Ich werds glaub ich bald ein zweites Mal lesen, einfach so, weils so lustig war.
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