Kundenrezension

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5.0 von 5 Sternen Das beste Buch auf dem Markt, 5. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Strafrecht Besonderer Teil II: Straftaten gegen das Vermögen (Taschenbuch)
Ist euch schon aufgefallen, wie hart umkämpft der juristische Lehrbuchmarkt inzwischen ist? Professoren stänkern in ihren Vorlesungen gegen die Autorenkonkurrenz und empfehlen nur ihre eigenen Bücher oder diejenigen von befreundeten Autoren. Skripten mit immer größer werdenden Versprechungen bei exponentiell abnehmendem Inhalt treten wieder ihren Siegeszug an. Verlage und Autoren holen Studenten mit an Bord, um so vielleicht die Zielgruppe stärker ansprechen zu können (was kaum gelingen wird, wenn man - wie z. B. der Niederle-Verlag jedenfalls in Osnabrück - die größten Schwachköpfe des Jahrgangs rekrutiert). Umso gespannter durfte man sein, wie angesichts dieser hektischen Zeiten die aktuelle 8. Auflage 2009 von Strafrecht, Besonderer Teil II - Straftaten gegen das Vermögen von Prof. Dr. Rolf Schmidt abschneidet.

Kennzeichnend für seine Bücher ist laut Prof. Dr. Schmidt >>die Kombination von lehrbuchartiger Darstellung, zahlreichen Beispiels-, Übungs- und Abschlussfällen mit Lösungsgesichtspunkten sowie Zusammenfassungen, Prüfungsschemata, hervorgehobenen Lerndefinitionen und Klausurhinweisen<<. Und genau diese Mischung ist es, die sämtliche didaktischen Mittel ausreizt, um Anfängern und Fortgeschrittenen die letzten Geheimnisse des Besonderen Strafrechts auf verständlich-plausible Weise zu vermitteln. Fett- und Kursivschreibung ergeben hier wirklich einen Sinn; in farbliche Hintergrundhervorhebungen verpackte Definitionen und eingerahmte Aufbauschemata wechseln sich ab mit unterschiedlich langen, ab und zu eingerückten oder etwas kleiner gedruckten Passagen, in die wiederum diverse Beispiele eingearbeitet sind. Das Erfreuliche daran ist: Die Darstellung wirkt nie überfrachtet, sondern es macht auch optisch Spaß, das Buch zu lesen. Wer einmal in die oberflächlichen BT-Bücher von Rengier geschaut hat, der weiß, wie eine altbackene und eintönige Optik einem das Lesen erschweren und damit vermiesen kann. Doch nicht nur die angenehme Optik ist lobend zu erwähnen, sondern auch der gut lesbare Stil. Wo bspw. das Buch von Wessels/Hillenkamp zu Strafrecht, Besonderer Teil II den Leser mit einer gespenstischen Häufung unerträglicher Schachtelsätze vergrault, lesen sich bei Prof. Dr. Rolf Schmidt die Sätze wie von selbst.

Allerdings ist hier ein juristisches Lehrbuch zu rezensieren und nicht ein modernes Computerspiel oder eine Frau aus Teenagersicht. Das heißt: Äußerlichkeiten sind nicht entscheidend; keine noch so schöne Aufmachung kann einen mangelhaften Inhalt kompensieren. Glücklicherweise ist es nicht die Optik, die dieses Buch wirklich glänzen lässt, sondern der Inhalt. Prof. Dr. Schmidt hat es vollbracht, alle klausurrelevanten Aspekte der Vermögensdelikte auf weniger als 400 Seiten unterzubringen, ohne etwas (im nicht juristischen Sinne) zu unterschlagen oder unnötige Längen zu fabrizieren. Der Klausurrelevanz entsprechend werden den Diebstahlsdelikten, den Raubdelikten und den Betrugstatbeständen verhältnismäßig viel Platz eingeräumt (jeweils um die 100 Seiten), doch selbst die Randdelikte erfahren mehr Aufmerksamkeit als in anderen Lehrbüchern, ohne dass man dadurch das (Jura-Studenten ohnehin unbekannte) Gefühl hätte, zu viel zu wissen. Die Qualität der einzelnen Kapitel ist gleich bleibend hoch, was ich als Pluspunkt verbuche, da ich zumindest keine Lust darauf habe, mir aus diversen Büchern die jeweiligen Highlights herauszupicken, weil die Professoren nur ihre Lieblingsdelikte anständig bearbeiten wollen/können. Nichtsdestotrotz sind die Kapitel zu den Diebstahlsdelikten und Betrugstatbeständen noch einmal besonders hervorzuheben. In keinem anderen Lehrbuch werden diese Bereiche mit einer derartig hohen inhaltlichen Dichte dargeboten, ohne dass zugleich Verständlichkeit oder Lesefluss darunter leiden. Wäre Jura nicht eine so verdammt ernste Sache, könnte man dieses Buch als Allgemeinbildung und Gute-Nacht-Lektüre anpreisen und verkaufen. Dennoch verlangt auch dieses Buch Aufmerksamkeit und harte Arbeit; es bereitet dem Leser nur nicht so viele Schwierigkeiten wie andere Werke beim Ernten des verdienten Lohns. Es ist diesbezüglich sogar sehr entgegenkommend, wenn man z. B. entdeckt, dass ein brandaktuelles und diskussionswürdiges BGH-Urteil zum schweren Raub (§ 251) es noch in diese Auflage geschafft hat. Prof. Dr. Schmidt muss demnach für den Druck seiner Bücher eine Druckerei gefunden haben, deren Mitarbeiter über eine entsprechend hohe Stressresistenz und Frustrationstoleranz verfügen - Eigenschaften, die seine Leser gerade nicht benötigen sollen.

Wo Licht ist, findet man aber wie immer auch ein wenig Schatten. Mich stört z. B., dadurch, dass bestimmte Aspekte immer wieder erwähnt werden, manchmal für blöd gehalten zu werden. Allerdings ist dieser vermeintliche Störfaktor zu verzeihen, denn: Welcher Autor kann es sich heute noch leisten, ein Lehrbuch nur für Fortgeschrittene zu schreiben, in dem kein Wort zweimal vorkommt? Ärgerlicher finde ich dann eher, dass die großartigen Beispielsfälle mit ausformulierten Lösungen immer mehr vom Buch Richtung Internetseite des Verlags wandern, was wohl daran liegt, dass eine Kürzung des Buches anscheinend den Interessen des Marktes (nicht aber seinen Bedürfnissen) entgegenkommt. Zuzugeben ist jedoch, dass diese Auslagerung vor zehn Jahren wesentlich größere Verfügbarkeitsprobleme mit sich gebracht hätte; heute ist es eher eine Geschmacksfrage, welche Inhalte man offline und welche online konsumieren möchte.

Das Ergebnis fällt äußerst positiv aus: Fast jeder Student, der den Lehrbuchmarkt sorgfältig prüft, dürfte, wenn er nicht Opfer der Professoren-Propaganda wird oder einem Irrglauben erliegt, die Rolf-Schmidt-Bücher, insbesondere zum hier besprochenen Strafrecht, Besonderer Teil II, als ideale Lektüre für sich entdecken. Natürlich soll mein Urteil niemanden daran hindern, durch den Rengier zu sprinten und sich dabei toll zu fühlen, weil der vermeintlich leichte und wenige Stoff so gut zu bewältigen ist, oder sich durch den Wessels/Hillenkamp zu quälen und dabei stolz und beruhigt zu sein, weil man gerade so eben noch mit den unnötig komplizierten, in schlechtem Deutsch geschriebenen Sätzen zurechtgekommen ist (merke: kompliziert bedeutet nicht Qualität). Doch moderne juristische Lehrbücher zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie den Stoff auf das vermeintlich Wesentliche beschränken (denn: wesentlich bedeutet nicht alles Klausurrelevante) oder pseudowissenschaftlich den Stoff verkomplizieren. Nein, sie müssen es vollbringen, dem Leser die Aufgabe, so viel wie nötig zu lernen, so einfach wie möglich zu machen - und genau das gelingt Prof. Dr. Schmidt. Wer also die Vermögensdelikte umfangreich und ohne vermeidbare (!) Quälereien erlernen will, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Wenn die anderen juristischen Autoren sich die Qualitäten dieses Buches eingestehen, wird irgendwann auch der letzte Wirtschaftsteilnehmer verstanden haben, dass nicht Tradition, Ruf oder Werbung auf dem Markt der Zukunft den Unterschied ausmachen, sondern nur zwei Faktoren: Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis.
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