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Kundenrezension

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fantastisches Album, das man nur im Ganzen hören darf...., 28. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Is this human behavior 2 CD (digipak) (Audio CD)
Mit dem neuen Album "Is This Human Behavior" haben sich Shamall von der Struktur des trivialen Songaufbau's gänzlich verabschiedet. Ein Epos von nicht weniger als 65 Minuten mit ständigem auf und ab nimmt den Hörer mit auf die Reise. Wer noch von den letzten Alben gilmouresken Eloygesang gewohnt ist, muss sich hier auf etwas neues einstellen. Auch ich bin mir noch nicht sicher, wo ich Norbert Krüler nun ansiedeln soll.
Irgendwo zwischen John Wetton und Chris de Burgh vielleicht (allerdings mit leicht deutschem Akzent, der ihm wiederum etwas Originelles verleiht).

CD eins beginnt mit dem ausschweifenden Opener "Artificial Proximity", der einem zunächst ein "Wish You Were Here"-Gefühl vermittelt. Fast 4 Minuten vergehen, bis sich das Intro dem Titelthema "Is this human behavior" öffnet. Hier wird es mit bombastischem Band-Einsatz floydig. Diesmal eher so, als würde David Gilmour bei Deep Purple mitspielen. Nach diesem rockigen Aufbau, bei dem es sich lohnt die Anlage aufzudrehen, geht es dann über eine Gesangspassage innerhalb des Themas weiter und endet in einem wirklich bemerkenswerten Synthysolo.

"Abandoned" ist ein Instrumentalpart, der einem ein "Manfred Mann-" und "ELP-"Gefühl gibt und am Ende zurück zum Urthema findet. Wirklich gut gemacht. "Lack of Interest" setzt das Titelthema gefühlvoll fort und wird mit einem weiteren ausgezeichneten Solo beendet.
Während und zwischen den einzelnen Passagen verstehen es Shamall immer wieder, mit fliegenden Rythmuswechseln und bombastischen Soundgewittern ein überzeugendes Klangerlebnis zu präsentieren. Auffällig aber nicht aufdringlich steht die Stimme in den Gesangspassagen im Vordergrund. "Blue Evolution" bildet einen dynamischen Höhepunkt der ersten CD. Aus dem Titelthema heraus schält sich ein grandios gespielter Hardrockteil. Gitarre und Keyboard liefern sich ein Duell. Harte Gitarrenriffs im Hintergrund und ein gut abgestimmtes Keyboardsolo im Vordergrund. Eine Passage: hart und kantig. Für Shamall-Hörer ungewohnt.
Oder auch doch nicht. Shamall hatte ja auf den letzten Alben immer wieder für Überraschungen gesorgt.

"The Underdog" - zweifellos ein Titel, in dem Gitarrist Matthias Mehrtens den Ton angibt. Seine Fingerfertigkeit prägt diesen Teil des Werkes. Man hört Ton für Ton, dass er sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt. Drei Minuten Solo. Wer gönnt einem innerhalb einer Band heutzutage noch so viel Freiraum, um sich zu entfalten?! Beendet wird das Ganze mit einem fast schon traurigen Synthiesolo von Norbert. Gänsehaut pur.

"Prosecution" ist die gesangliche Fortführung des Titelthemas, welches sich nach hinten instrumental ausbaut und zum Schluss immer dramatischer wird, um dann mit leisen Orgeltönen in einer vorbeifahrenden Lok zu enden.
Ein recht typisches Shamall-Thema ist dann "Reminiscentia". Instrumental, spaciges Intro, floydiges E-Piano, warme Flächen und abgefahrene Synthiesoli mit treibenden Rythmen.
Als eine Art Bridge oder so etwas wie eine Chillpause könnte man "Silent Scream" bezeichnen. Wenn man gegen Ende nicht jäh aus seinen Träumen gerissen würde durch den instrumentalen Einsatz des Titelthemas, welches dann nahtlos von "They assume no responsibility" fortgeführt wird. So wie ich bei Porcupine Tree den Mittelteil von "Arriving somewhere but not here" auf dem Deadwing-Album zu lang finde und Anesthetize von der "Fear of a blank Planet" ebenfalls, so muss ich als Manko bei diesem neuen Shamall-Album anmerken, dass diese Passage hier auch zu lang geraten ist. "Hollow words" ist dann wieder ein Instrumentaltitel, der zwar so gar nichts Progressives an sich hat, dafür aber durch sein melodiöses Solo zu gefallen weiß.

Neugierig machte mich nun der Aufkleber auf dem Digipack: "-Including- Don't get your panties in a bunch". Total ungewöhnlich für Shamall ist dieses "Lady in Black"-Gefühl, das dieser Song mit sich bringt. "Don't get your panties in a bunch" käme einem Schenkelklopfer gleich, wenn da nicht dieser sozialkritische Text wäre. In gleich doppelter Ausführung ist dieser eingängige Song vorhanden. Wandergitarre, Schlagzeug: einfacher Fox. Nun gut, dem Booklet ist zu entnehmen, dass Krüler diesen Titel irgendwann in den Siebzigern geschrieben und performt hatte und ihn aufgrund seiner politischen Bedeutung dem Album hinzugefügt hat. In seiner naiven Einfachheit ist der Song gegen Ende des Albums sogar eine echte Erfrischung zu dem komplexen Input, dem man sich zuvor gestellt hat.

"Lunatic Fringe part I und II" runden CD eins mit einem psychedelischen Synthiesolo und einem weiteren experimentellen Gitarrensolo ab.

"Falling into Deep" leitet mit einem 5-minütigen Intro die zweite CD ein. Im Gegensatz zur ersten CD bekommt man hier eher ein "Animals"-Gefühl. Langsam baut sich das Thema auf, um sich majestätisch in den Fünfteiler "Living Incommunicado" zu verwandeln. Floydiger geht's nicht. Das ganze gepaart mit einer Prise Manfred Mann's EarthBand und doch wieder nicht. "Living Incommunicado" lässt sich nicht so einfach beschreiben wie CD eins. Zuviele Facetten, zuviele Soli. Gitarre, Orgel, Synths. Einzig der Refrain bildet durch Wiederholungen den roten Faden dieses Titels. Eine wirklich interessante Komposition. Besonders hervorzuheben ist dabei noch "Living incommunicado part II": Das lebendige Wechselspiel zwischen Matthias, Norbert und Mike. Auch so hat man Shamall vorher noch nicht gehört. Eine Band, die sich von Album zu Album weiterentwickelt.
"Living incommunicado" ist mit seinen weit über 30 Minuten ein gefühlvoller vielseitiger Titel, der keine nennenswerten Schwächen aufweist.
"Thoughts are swimming in my head" ist am Anfang was anderes als am Ende dabei heraus kommt. Was wie eine dieser Melodic-Rock-Balladen aus den 80ern anfängt, mutiert in der Mitte plötzlich zu irgend etwas zwischen Rare Bird und Gentle Giant um sich abermals zu verwandeln und wie deutscher Krautrock zu enden. Für Abwechslung ist auf alle Fälle gesorgt.
Die Blues Ballade "Lenis et Modesta" wirft das ganze Konzept durcheinander. Gary Moore meets Jan Hammer. So oder ähnlich könnte man es empfinden. Interessanter Titel der sich so überhaupt nicht nach Krüler und Co. anhört. Deshalb eine angenehme Überraschung. Einer von mehreren Bonus tracks auf dieser CD. "Alternative Visions" erinnert eher an die frühen Alben von Shamall. Anfang der 90er, als Krüler noch im Electro-Genre beheimatet war. Nichts besonderes, aber auch nicht schlecht. Recht interessant klingt "The End": Ein weiterer Track zum Chillen mit einem spacigen Gitarrensolo. "Institio" ist ein weiterer Bonus Track zum Chillen, der nahtlos in "Combustion boat" übergeht. Eine Easy Listening Nummer, die sofort ins Ohr geht und an die "...creepy crawlies" - einer Nummer des Vorgängeralbums - erinnert.
Als letztes gibt's dann noch die kurze Version von "Don't get your panties in a bunch".

Fazit: 156 empfehlenswerte Minuten. Es ist allerdings nichts für Leute, die kurze Titel mögen und die von einem Stück zum anderen zappen. Was mir an Shamall besonders gefällt, ist der Umstand, dass da genug Prog zum proggen drin ist, und an Tagen, an denen ich es einfach auch ganz gerne einmal etwas weniger anstrengend mag, liefern mir Shamall auch sehr viel Hörenswertes zum Geniessen.
Alles in allem ein fantastisches Album.
Mit grossem Respekt auch für die dahinter stehende Message.
Ich wünsche mir mehr solcher Alben. Natürlich auch von anderen Künstlern und Bands.
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