Kundenrezension

8 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nichts weltbewegendes, 19. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Aftershock (Audio CD)
Das Album wurde noch mit voller Kraft vor den grösseren gesundheitlichen Problemen von Ian Kilmister aufgenommen. Trotzdem spürt man nicht mehr die unbändige kraftvolle Agressivität in seiner Stimme, vieles des gebotenen ist Sprechgesang in einer entspannten unangestrengten mittleren Tonlage - man hört der Scheibe an, dass Ian Kilmister alt ist(ich meine das respektierlich, dennoch hätte man hier im Studio sicherlich ein wenig nachhelfen können, um die Stimme etwas druckvoller zu gestalten und aufzupolieren). Das Album setzt sich zusammen aus ursprünglichem Motörhead-typischen althergebrachten Harmonien, gepaart mit einigen moderat modern anmutenden Parts und Soundelementen, wie sie seit Inferno(2004) Einzug in den Motörhead-Sound gehalten haben oder auch seitdem Cameron Webb die Band unter seine Fittiche genommen hat. Allerdings gefällt mir dieses Pseudo-moderne Gewummere, bei denen man kein Instrument mehr clean heraushören kann, überhaupt nicht - aber das sind wohl Zugeständnisse an die heutigen Kids.

Seit der Jahrtausendwende waren die Höhepunkte das kompromisslos knüppelharte We are Motörhead(2000), das erfrischend modern(das auf den nachfolgenden 2 Alben aber schon wieder nervte) anmutende Inferno(2004) und das wieder auf traditionellere Sounds setzende kurzweilige The World is yours(2010).
Und endlich gibt es mal wieder ein ordentlich gezeichnetes schönes Cover-Motiv auf dem mit der Weltkriegs-Schlachtfeld-Thematik etwas mehr zu sehen ist als nur das Bandmaskottchen Snaggletooth in allen möglichen Variationen.

Ich bin mir nicht sicher ob es clever war uns 14 Songs vorzusetzen, von denen nicht alle überzeugen können - manchmal ist weniger mehr, auch wenn diesmal 3 lange Jahre ins Land gezogen sind seit dem letzten Studio-Geschoss. Es wird hier viel über den Blues "Lost Woman Blues" und die bluesige Ballade "Dust and Glass" geschrieben, aber nicht weil die Songs so gut wären, sondern weil sie aus dem restlichen Einerlei als wohlwollende Abwechslung herausragen und die beiden Songs die Ruhe-Pole des Album darstellen. Ansonsten wird zum Grossteil Motörhead-typisch drauf los geknüppelt was das Zeug hält, besonders Mikkey Dee macht einen sehr guten und intensiven Job, hört euch nur mal "End of Time" an. Leider wirken viele Songs etwas einfältig und banal, oft scheinen Herr Kilmister die zündenden Ideen zu genialen Riffs und Refrains gefehlt zu haben. Wirklich gelungene zwingende Songs sind kaum dabei.

Zu den Songs:

1: Ohne Vorwarnung oder Intro rumpelt das Album sofort flott und hart mit dem düsteren Brecher "Heartbreaker" an, dass mich leider nur im eingängigen Refrain voll überzeugen kann, die Riffs der Verse sind eher banal. Nicht unbedingt ein geeigneter Opener des Albums, und auch als Single-Auskopplung eher 2.Wahl, obwohl ich den Song jetzt auch nicht schlechtreden will, er ist aber als Opener etwas gewöhnlich 3/5

2: Ähnlich rau und schnell geht es weiter mit dem Motörhead-typischen Auf-Nummer-Sicher-Song "Coup de Grace". Ich hatte bei diesen ersten beiden Songs den Eindruck sie schon 30 mal auf vorherigen Alben fast identisch gehört zu haben 3/5

3: Die nette (positiv) altbackene langsame klassische Bar-Blues-Nummer "Lost Woman Blues" bringt dann, schon relativ früh platziert, die nötige Abwechslung in das Album. Nicht übel, aber auch nichts besonderes - gegen Ende wird nochmal Gas gegeben. Es ist halt die 60/70er-Jahre-Schiene. Trotzdem schön anzuhören 3/5

4: Der Übergang zum absoluten Speed-Monster "End of Time" könnte nicht krasser sein. Ein fantastischer ultra-schneller Rhytmus und für mich der beste Song des Albums. Die Felle werden bis zum glühen gedroschen und an der Gitarre werden die Finger wund gespielt. Hätte sich auch sehr gut als Single angeboten 5/5

5: Das Rock n Rollige eingängige "Do you believe" kommt dann recht bemüht oldschool daher, geht aber über Durchschnitt nicht hinaus 3/5

6: Das bedrohliche "Death Machine" ist leider trotz des eigentlich Motörhead-typischen genialen Titels kein Heldenstück geworden, eher entspannter Rock n Roll der alten Schule fesselt mich das Stück zu keiner Zeit, der manchmal konfus wirkende Rythmus und das disharmonische Solo nerven ebenfalls - ein recht verzichtbares langweiliges unausgegorenes Stück 2/5

7: Die kurze Blues-angehauchte Ballade "Dust and Glass" mit Herr Kilmisters cleaner Normal-Stimme setzt dann einen weiteren kurzen soften Glanzpunkt. Ein nettes gefühlvolles Intermezzo 4/5

8: Der heftige Rock n Rollige Abgeh-Song "Going to Mexico" setzt dann wieder einen weiteren kleinen Höhepunkt des Albums. Typischer Motörhead-Song 4/5

9: Das nachdenklichere schleppende "Silence when you speak to me" gehört dann wieder eher zu den langweiligeren uninspirierten Songs des Albums, auch wenn es textlich sicherlich zu den Höhepunkten des Albums zählt 2/5

10: Mit "Crying Shame" kommt dann eine lockere coole Boogie-Bar-Rock-Nummer, im Refrain mit Piano unterlegt. Nette lockere Solo-Einlagen von Gitarrist Philip Campbell - cooles Ding 4/5

11: Im druckvollen typisch kurzen Motörhead-Brecher "Queen of the Damned" wird wieder hart und ultraschnell drauflos geknüppelt. Der Song hat einen gutes Riff und einen brauchbaren schlüssigen Refrain. So muss Motörhead klingen - hätte das Zeug zum Klassiker 5/5

12: Das mittelschnelle "Knife" ist dann in jeder Hinsicht Durchschnitt und ein typischer Füller, obwohl er auch nicht richtig nervt 2/5

13: "Keep your Powder Dry" ist dann ein cooler donnernder Midtempo-Hardrock-Song mit genialem Grundriff, der mich ein wenig an AC/DC oder Airbourne erinnert. Ein Song der einfach spass macht und ein weiterer Song der sich aus der Masse positiv hervorhebt 5/5

14: Zum Schluss gehts mit "Paralyzed" nochmal auf die Überholspur. Es wird nochmal ordentlich Tempo gemacht, ohne dabei wirklich überzeugen zu können. Jedoch ein solider heftiger Albumabschluss 3/5

Im grossen und ganzen nichts neues im Hause Motörhead, man besinnt sich auf das, was man schon seit jeher am besten kann und geht so gut es geht keine Experimente ein, die beiden langsamen Blues-Nummern gehören jetzt auch eher zum Stamm-Repertoire von Ian Kilmister, der ja schon einige Side-Kicks in diese Richtung machte. Ich sehe das Album, gerade aufgrund einiger schwächerer Songs, nicht ganz auf der Höhe des Vorgänger-Albums The World is Yours, obwohl es natürlich schon recht kurzweiligen spass bringt und es sicherlich seine Qualitäten hat, aber halt auch nichts wirklich weltbewegendes beinhaltet und schon gar keine Klassiker-Ambitionen anmeldet. Von Grosstaten der 90er und den 80er-Klassikern ist Aftershock ein ganzes Stück weit entfernt, und auch wenn der Motörhead-Rock n Roll auf Aftershock nahezu keine Totalausfälle enthält, muss man ein durchschnittliches, fast fades Album nicht zwingend schönreden, nur weil es von einer lebenden Rock n Roll-Legende stammt(die wir natürlich alle hochgradig schätzen) - Oder?
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Kommentare


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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 19.10.2013 20:07:31 GMT+02:00
BluesMichi meint:
Ihrer Rezi ist nichts mehr hinzuzufügen. Drei Sterne gehen voll in Ordnung.
Schreiben Sie weiterhin so gute Rezis!!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.10.2013 14:47:12 GMT+02:00
C. Oliver meint:
lemmy ist Gott daher immer 10 punkte...ungehört. basta

Veröffentlicht am 26.10.2013 22:48:53 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 26.10.2013 22:50:00 GMT+02:00
D. Nentwig meint:
Genau, Lemmy ist Gott...und nichts ist unsinniger, als hier eine Rezension zu verfassen, die, für die Gläubigen, nach Gotteslästerung riecht. Trotzdem hilft es mehr, einmal kurz wenigstens, den Glauben ruhen zu lassen und den guten Verstand zu benutzen, für eine faire Bewertung. Motörhead spielen das x-te Album ein, das Niemanden enttäuscht, welches aber Songs enthält die kaum einen Wiedererkennungswert besitzen. Wie auch bei dem simplen Rock’n’roll-Strickmuster? Hauptsache „neu“, oder romantisch verklärend ausgedrückt, „zeitlos“, hin und wieder in Dauerwiederholung aber einfach nur noch lange Weile verbreitend. Hüten wir uns also vor den religiösen Fanatikern und deren konservativen Ansichten und betrachten das Ganze ganz nüchtern, wie es der Rezensent sehr gut vorgemacht hat…
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