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171 von 199 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wie man sich wehren kann gegen eine Tendenz, die die Grundlagen unserer Gesellschaft zu gefährden in der Lage ist, 3. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Digitale Demenz: Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen (Gebundene Ausgabe)
Manfred Spitzer, einer der profiliertesten Hirnforscher der Gegenwart, bleibt seinem Thema treu. Schon vor vielen Jahren hat er in "Vorsicht Bildschirm!" vor den verheerenden Folgen des frühen und missbräuchlichen Konsums elektronischer Medien auf die Gehirnentwicklung von Kindern hingewiesen. In unzähligen Artikeln und Vorträgen hat er seitdem, mit immer neuen Forschungserkenntnissen belegt, seine Warnung vor allem vor Computerspielen und der schnellen, für das Gehirn schädlichen Bildfolge vieler Fernsehserien für Kinder wiederholt.

Nun legt unter dem Titel "Digitale Demenz" eine vertiefte Darstellung seiner Thesen vor. Ausführlich zeigt er auf, "wie wir uns und unsere Kindern um den Verstand bringen", indem wir immer mehr und immer öfter elektronische Medien nutzen, oft mehrere gleichzeitig. Nicht nur das Gehirn verkümmert, wie er aufzeigt, sondern auch die Sprache.

Wenn Kinder mit diesen Medien insgesamt mehr Zeit verbringen als in der Schule, muss man sich nicht wundern, dass dort immer mehr über Sprach- und Lernstörungen, über Aufmerksamkeitsdefizite, Stress und zunehmenden Gewaltbereitschaft geklagt wird.

Der Philosoph Christoph Türcke hat unlängst in seinem Buch "Hyperaktiv!" (C.H. Beck 2012) darauf hingewiesen, dass die Menschen unter einer konzentrierter Zerstreuung leiden, die er als Kulturstörung bezeichnet. Die Menschen sind ständig zwanghaft damit beschäftigt, sich zu zerstreuen, was nicht zur Entspannung führt, sondern zum Stress.
Dies hat Folgen für die Art und Weise, wie diese Menschen mit ihren neugeborenen Kindern kommunizieren. ADS und ADHS sind für ihn Folgen dieser Störung. In einem Interview hält er es sogar für möglich, dass die zunehmende Altersdemenz mit diesem Phänomen etwas zu tun haben könnte. Sein Vorschlag, wieder die Lebensrituale mehr zu beachten, geht in die gleiche Richtung, die Spitzer am Ende seines an vielen Stellen zugespitzten, vielleicht auch aus seiner Sorge heraus, manchmal polemischen Buches macht.

Denn, so sagt er, man kann sich wehren gegen eine Tendenz, die die Grundlagen unserer Gesellschaft zu gefährden in der Lage ist. Seine Ratschläge, wie man sich gegen die digitale Demenz wehren kann, erinnern mich doch sehr an die Wege von spirituellen Lehrern:

* man soll sich gesund ernähren
* man soll sich täglich mindestens eine halbe Stunde bewegen
* man soll weniger in Gedanken sein als im Hier und Jetzt
* man soll sich nur Dinge vornehmen, die machbar sind
* man soll anderen helfen, selbstlos und ohne finanzielle Interessen
* mit Geld wird man nicht glücklich. Man soll es lieber für Ereignisse aus geben als für Sachen
* man soll gelegentlich bewusst Musik hören und auch singen
* man soll lächeln und damit seine für guten Gefühle zuständige Gehirnareale unterstützen
* man soll aktiv sein und Hindernisse aus dem Weg räumen
* man soll sein Leben vereinfachen, wo es nur geht
* statt mit Freunden auf Facebook zu chatten, gehen Sie einmal mit realen
* Freunden essen
* man soll mit allen Sinnen viel Zeit in der freien Natur verbringen, erst recht dann, wenn man Kinder hat
* man soll, wo es nur geht, die digitalen Medien meiden, vor allem die Kinder

Manche dieser Ratschläge sind so alt wie die spirituellen Traditionen der Menschheit, andere hören sich für junge Menschen an wie Tipps aus einer anderen Welt. Sagen Sie einmal einem jungen Menschen, er soll nicht dauernd an seinem I-Phone rumfummeln.

Dennoch und bei aller Kritik: das was Spitzer da in seinem Buch an die Wand malt an Szenarien, ist zu Teilen schon Realität geworden. In meinem persönlichen Umfeld mehren sich Begegnungen und Erfahrungen, wo ich Menschen treffe, die etwa im Verein beim geselligen Beisammensein neben mir sitzen, aber zu keinem wirklichen Kontakt fähig sind, weil sie dauernd mit ihren Mails etc. beschäftigt sind. Und ich erlebe immer öfter Zeugnisse eines erschreckenden Niedergangs der schriftlichen Kultur. Menschen können keine richtigen und vor allen Dingen vollständigen Sätze mehr formulieren, wie die Steinzeitmenschen kommunizieren sie über Zeichen, die sie in ihre rudimentären schriftlichen Zeugnisse einbauen, von der Rechtschreibung einmal ganz zu schweigen.
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Ort: Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland