Kundenrezension

52 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Als Kunde verloren, 18. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Lied von Eis und Feuer 09: Der Sohn des Greifen (Broschiert)
Mit diesem Übersetzungs-, Preisgestaltungs- und Lektorierungs-Ärgernis hat der für die Eindeutschung zuständige Verlag mich als Kunden verloren.
Daß die Preisgestaltung und die schlampige Lektorats-Arbeit einfach nur Frechheiten sind - das haben andere Rezensenten hier schon zur Genüge dargelegt. Zu der Übersetzung der Eigennamen noch ein Hinweis für alle "Neu-Leser", die vielleicht nicht so ganz nachvollziehen können, was denn daran jetzt so schlimm sein soll, wenn Namen abgeändert werden, und die sich denken: "Naja, ich bin ja die originalen Namen nicht gewohnt, also tangiert es mich nicht, wenn die nun anders sind als in den ersten Ausgaben der Reihe. Schließlich lese ich ohnehin nur die neueren Ausgaben."

In diesen Büchern gibt es viele "sprechende" Namen. Das ist erstmal eine gute Entscheidung von Martin, der damit einen weiteren sprachlichen Bezug zum Mittelalter gibt: einer Zeit, als die Menschen aus dem einfachen Volk in der Regel nur Vornamen hatten, und als ein "Nachname" i.d.R. nicht vererbbarer war, sondern lediglich den Zweck hatte, die vielen Hans', Thomas' oder "Gernolds besser unterscheiden zu können: "Hans Starkarm" war also nicht der Sohn von Thomas Starkarm, sondern es handelte sich um den Hans mit dem starken Arm, den stäksten der Lehrlinge in der Mühle. Den konnte man so eben von Hans Schwarzkopf, dem dunkelhaarigen Müller-Lehrling unterscheiden.
Naja, über die Enstehung der Nachnamen sind enzyklopädische Abhandlungen geschrieben worden. Der Punkt ist: sprechende Namen sind leicht zu merken, weil man mit ihnen sofort ein Bild verbindet. Und wenn dann einer im Dorf von "Starkarm" spricht, dann braucht es den Vornamen "Hans" kaum mehr.
Solche Art sprechender Namen kommt auch in dem hier rezensierten Buch häufig vor: die sprechenden Zusatznamen werden verwendet, die Eigennamen beiseite gelassen. Wenn dann also z.B. von einer Söldnergruppe erzählt wird, findet sich da ein Krieger, der seiner Vorliebe für Hülsenfrüchte wegen "Bohnen" genannt wird. Ein anderer zockt den ganzen Tag, weswegen ihn seine Kameraden "Würfel" nennen. Und dann wird also von einer Romanfigur erzählt, die sich zu Bohnen und Würfel an den Tisch setzt (das ist kein ausgedachtes Beispiel, sondern kommt im Buch so vor!). Bohnen und Würfel sind keine wichtigen Figuren des Buches. Sie kommen nur in diesem einen Kapitel einmal kurz vor. Irgendwo, nach dreihundert oder mehr Seiten voller mehr oder minder wichtiger setzt sich also jemand zu Bohnen und Würfel an einen Tisch. Intuitiv versteht man es als Leser so, daß sich da einer zum Essenfassen (es gibt, wie wohl in Feldlagern häufig, Bohnensuppe) und zum Würfelspielen an den Tisch setzt. Daß bei "Würfel" ein n fehlt, schiebt man - das schludrige Lektorat setzt man inzwischen innerlich voraus - auf einen Druckfehler. Während der eigentliche Inhalt des Satzes meint, daß sich eine Person zu zwei bestimmten anderen Personen setzt, liest man als deutscher Leser, daß sich diese Person zum Essen und Zocken (mit nicht näher bestimmten anderen Personen) zusammensetzt: der Inhalt wird verwirrt.

Warum ist das nur in der deutschen Übersetzung so nervig, warum ist es nicht dem Autor Martin zuzuschreiben? Weil wir im Englischen die Unterscheidungsmöglichkeit zwischen groß- und kleingeschriebenen Bohnen haben. Herr "Beans" ist ganz klar eine Person, "beans" sind die Dinger, die Blähungen verursachen. Für den englischsprachigen Leser des Originals ergeben sich überhaupt keine Probleme, sprechende Namen von den Dingen zu unterscheiden, auf die sie zurückgehen.
Im Deutschen haben wir aber nun mal die Angewohnheit, alles Substantive auch groß zu schreiben. Und damit ist die leichte Unterscheidungsmöglichkeit perdu.

Es sei darauf hingewiesen, daß in diesen Büchern seehr viele Figuren vorkommen, ein Großteil von ihnen wird fast ausschließlich mit ihren sprechenden Namen genannt - und diese Namen sind, wie im Falle von Lord Snow beispielsweise, im Umfeld des Geschehens schwer abzuheben: Snow, also Schnee, ist Kommandeur einer Truppe, die hoch im Norden auf einem Eiswall Wache schiebt und andauernd schneit es. Wenn da dann z.B. ein Satz lautet: "In der Ferne konnte er Schnee erkennen." - dann ist man als Leser ziemlich angeschmiert, da man erst weiterlesen muß, um zu erfahren, ob es sich hier um das Wetterphänomen oder den Lord Commander handelt.

Also: Die Übersetzung der Eigennamen ins Deutsche war offensichtlich eine dumme Entscheidung, welche die Lektüre nicht nur für "Altkunden", sondern auch für neue Leser unnötig verkompliziert und nicht einfach nur da vielleicht etwas stört, wo die Übersetzungen schlicht lächerlich klingen.

Nun, endlich, auch noch zum Inhalt des Buches:

Ein weiterer Grund, weswegen ich fortan nur noch die Originalbücher lesen werde. Denn die Zweiteilung geschieht an einer Stelle, wo das nach meinem Empfinden aber mal so gar nicht geht. Ich weiß, was ein Cliffhanger ist. Der soll spannend sein. Der soll Lust auf mehr machen. Man soll der "nächsten Folge" entgegenfiebern... Ob man sich diesen künstlich generierten Fieberschub gern antut oder nicht, muß jeder für sich selbst entscheiden. Bestimmte Filmstaffeln, aber auch bestimmte Buchreihen sind als Serien konzipiert.
Diese Bücher von Martin nicht. Hier geht es um eine epische Geschichte, die ganz einfach so viel Raum in Anspruch nimmt, daß man sie nicht in einem Klumpen servieren kann. Irgendwie mußte Martin die Geschichte also in Einzelteile stückeln - und das hat er (bei den Originalen) so gemacht, daß jedes Buch bis zu einer Art echter Zäsur in der Geschichte ging. Man konnte die Bände jeweils lesen, am Ende dann weglegen und sich sagen: "Mensch, war das spannend, schade, daß es jetzt schon vorbei ist, ärgerlich, daß es wohl noch ein ganzes Weilchen dauert, bis ich erfahre, wie die Geschichte weitergeht." Die Bände endeten nicht mit Cliffhangern, sondern mit dem Erreichen von Meilensteinen, mit Übernachtungsstationen auf einer langen Reise.

Dieser neunte deutschsprachige Band endet aber nicht in einer ordentlichen Übernachtungsstation, sondern, um im Bild zu bleiben, in einer stinkenden Kloake. Ich will nicht spoilern, aber die letzte Szene des Buches ist ekelerregend. Eine jener Szenen, die man Martin im Gesamtgefüge der Romane als "wohl notwendig" verzeiht, obwohl eigentlich ein Level von Gewalttätigkeit, von sadistischer Grausamkeit schon überschritten wird, den man als Leser nicht wirklich gern sich vorstellen mag. Ich habe mich mit anderen Fans der Reihe schon diverse Male darüber unterhalten, inwieweit diese Eis-und-Feuer-Welt nun mehr von den Gewalt-und Grausamkeitsschilderungen (gerade, was sexuelle Übergriffe gegenüber jungen Menschen, ja praktisch Kindern, angeht) profitiert, weil sie so "realistisch" rüberkommt, oder ob nicht doch eher manche Schilderungen von Gewalt-Exzessen nur noch Splatter und Gore ohne echten Mehrwert seien. Ich bin mir da nicht sicher, tendiere aber inzwischen dazu, Szenen ab einem bestimmten Brutalitätsgrad nur noch als "temporäre geschmackliche Verirrungen" Martins zu verbuchen. Ich lese sie als redundante Information. Die Information lautet: "Diese Welt ist eine brutale Welt, mittelalterlich, nicht neuzeitlich verzärtelt, und sie zeigt Menschen in ihrer ganzen Abgründigkeit, in all ihrer Fähigkeit, anderen Menschen Schmerzen und Leid zuzufügen." Ich habe diese Information inzwischen begriffen, ich brauche nicht Details zu erfahren, wenn eine Romanfigur von einer anderen Romanfigur gefoltert wird. Schon gar nicht brauche ich sämtliche Details zu erfahren.
Aber nun gut - andere Leser mögen das anders empfinden und Martin schreibt ja nicht nur für mich. Also soll er von mir aus auch sehr ekelhaft grausame Szenen in seine Geschichte mit einflechten. Sie aber ganz an das Ende zu stellen, wo sie sich als Phantombild gewissermaßen in den Kopf des Lesers einbrennen können, ist einfach eine schlechte Entscheidung. Die Martin so ja nicht getroffen hat: im Original geht das Buch an dieser Stelle weiter und der originale 5. Band endet im Englischen so, wie die vorangegangenen Bände: Nicht mit Friede, Freude und Eierkuchen, aber doch so, daß man nicht das Buch aus der Hand legt mit dem Bedürfnis, mal eben kotzen zu müssen. So, wie der neunte Band der deutschen Version endet, so beendet ein guter Autor kein Buch. Und ein dermaßen grandioser Autor wie Martin schon mal gar nicht.

Was also tun? Ich bin kein amazon-Mitarbeiter, aber ich will den Tipp, den mir ein Bekannter just anläßlich dieses Buches gab, dennoch weitergeben: Besorgt Euch 'nen Kindle, installiert da ein gutes Englisch-Deutsch-Übersetzungs-Wörterbuch und lest "A dance of dragons" im Original. Die Möglichkeit, per Fingertipp für Englisch-Vokabeln, die man nicht versteht, sofort jederzeit die Übersetzung angezeigt zu bekommen, macht auch für Leute wie mich, die nicht ganz so flüssig Englisch sprechen, die Lektüre des Originals problemlos möglich: Für weniger Geld bekommt man mehr, muß sich nicht mit schlechter Übersetzung und indiskutabler Lektorierung herumärgern. Einzig die Anfangsinvestition in die Hardware steht da im Raum. Aber angenommen, es kommen noch mindestens 2 weitere Originalbände von "Eis & Feuer" aus Martins Feder, dann hat man das investierte Geld schon fast wieder raus. Ganz davon abgesehen, daß auch andere Bücher in der deutschen Übersetzung häufig überteuert sind und die englischen Originale gerade bei Ebooks davon profitieren, nicht von der deutschen Buchpreisbindung künstlich in den Preishimmel getrieben zu werden.

Ach so, ich wollte was zum Inhalt des hier rezensierten 9. Bandes schreiben: Die Spannung zieht - verglichen mit Band 7 und 8, wieder etwas an. So richtig tut sie es dann wohl erst im 10 Band - der die meiner Ansicht nach spannendere Hälfte des originalen 5. Bandes enthalten dürfte. Endlich kommt mein Lieblingscharakter Tyrion wieder in den Mittelpunkt. Die Wortgeplänkel, die er sich mit anderen Figuren liefert, weisen Martin als großartigen Dialogschreiber aus mit einem Gespür für kernige Geistreicheleien, wenn das Oxymoron hier mal erlaubt sei. Auch Lord Snow und Daenerys erhalten wieder mehr Platz/tauchen wieder auf. Wobei einige Szenen mit Lord Snow wie ein deja-vu auf mich wirkten und ich nochmal in den vorherigen Bänden blätterte, weil ich meinte, sie schon mal gelesen zu haben. Dem ist aber nicht so: dort wurden sie aus Perspektive von Snows korpulentem Freund Sam geschrieben und das paßt also gut in die Sturktur der Romanreihe, die ja häufiger einmal Geschehnisse aus unterschiedlichen Blickwinkeln darstellt.

Zwei Punkte von mir für diesen 9. Band auf Deutsch. Weil man einfach nicht die schlechteste Bewertung für so eine gute Geschichte verteilen kann. Denjenigen, die bis hierher gelesen haben, brauche ich meinen Ratschlag kaum nochmal zusammenzufassen, aber egal: Kauft diesen Band nicht, sondern lest entweder den originalen 5. Band, wenn Ihr gut des Englischen mächtig seid. Ansonsten holt Euch den Kindle und nutzt die Möglichkeit des digitalen Mediums, jederzeit problemlos und ohne viel Aufwand (Nachschlagen in einem Papier-Dictionnary war mir in der Vergangenheit einfach zu nervig auf Dauer) Übersetzungshilfe zu bekommen. Denn das Original "A Dance of Dragons" hat volle fünf Sterne verdient, ist - auch im Gesamtzusammenhang der Reihe betrachtet - wieder richtig spannend und enthält auch ein paar schöne Action-Passagen. Darüber hinaus werden bislang scheinbar unzusammenhängende Handlungsfäden so langsam zusammengeführt; der 5. Originalband scheint mir das Ziel der Erzählung wieder genauer in den Fokus genommen zu haben, als es beim 4. Band zu erkennen war.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 

Kommentare


Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 05.07.2012 11:20:43 GMT+02:00
Amber meint:
Diese Rezesion entspricht absolut meiner eigenen Einschätzung! Prima!

Veröffentlicht am 09.07.2012 20:20:52 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.07.2012 20:21:57 GMT+02:00
clak135 meint:
"ich brauche nicht Details zu erfahren, wenn eine Romanfigur von einer anderen Romanfigur gefoltert wird. Schon gar nicht brauche ich sämtliche Details zu erfahren." Ich stimme voll zu. Die blutigen Details der Grausamkeiten fand ich auch überflüssig. Insgesamt eine großartige Rezession. Danke.

Veröffentlicht am 25.01.2013 03:36:56 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 25.01.2013 03:41:48 GMT+01:00
Ryge meint:
Wow, Du bist der 1. Kommentator, dessen Kritik ich (bezgl. der Eindeutschung/Groß- und Kleinschreibung) zumindest ansatzweise logisch nachvollziehen kann. Aber wie unterscheiden die Engländer "Snow" und "snow" oder "Beans" und "beans" in einem Hörspiel, ohne Groß- und Kleinschreibung als Hilfsmittel? Da sind die doch genauso angeschmiert... nur wenigstens stolpern sie nicht ständig über unpassende, fremdsprachige Namen, deren Herkunft und Verwendung in der vorliegenden Welt nicht nachvollziehbar ist. Vielleicht sollten Namen in Büchern einfach anderweitig kenntlich gemacht werden: kursiv, unterstrichen, fett o.ä. geschrieben. Grundsätzlich bin ich der Meinung, solche Bücher gehören entweder im Original gelesen, oder konsequent und liebevoll eingedeutscht, wie z.B. beim HdR. Solange Namen nicht in einem direkten Bezug zum englischsprachigen Raum stehen und somit aus gutem Grund, auch beim Lesen nachvollziehbar, beibehalten werden, stört mich deren Beibehaltung eher. Das hat weniger etwas mit englisch können oder nicht können zu tun, als vielmehr mit der Integrität der Phantasiewelt, in die ich mich hineinlesen möchte. Ich finde es beim Lesen eher störend mit bizarren englischen Namen konfrontiert zu werden, deren Benutzung in keinem logischen Zusammenhang mit der Welt steht, in der sie scheinbar benutzt werden. Natürlich setzt eine gute Übersetzung eine eingehende Beschäftigung mit dem Werk voraus. Das ist schwierig, zeitintensiv und mühsam. Bei der HdR Übersetzung korrespondierte beispielsweise die Übersetzerin mit dem Autor, um Integrität und Atmosphäre der Welt, in die der deutsche Leser "entführt" wird, zu wahren. Beim Lied ist das durch Inkonsequenz (Namen) und Stümperei (Fehler) leider nicht gelungen. Das ist sehr schade, da es sicherlich ein Werk ist, welches besseres verdient hätte.

Veröffentlicht am 11.03.2013 13:46:47 GMT+01:00
tel33 meint:
Möchte dazu mal anmerken, dass auch englischsprachige Ausgaben von 'A Dance With Dragons' auf zwei Bände aufgeteilt wurden... das wird schon seit 'Storm of Swords' so praktiziert, weil über 1000 Seiten im Paperback nicht mehr wirklich handlich sind... Zum Thema englische Eigennamen in einer deutschen Übersetzung hat mein Vorposter schon alles gesagt - das eigentliche Problem ist hier die indiskutable Erstübersetzung.

Veröffentlicht am 05.11.2013 14:03:16 GMT+01:00
F. Winterer meint:
Eine meiner Meinung nach sehr schöne Rezension! Sehr ausfürlich und anschaulich argumentiert, so wird das Problem, welches bei "Alt-Eingesessenen" bezüglich der Eindeutschung der Namen besteht für mich als "Neu-Leser" verständlich dargestellt.

Für mich persöhnlich ergab sich noch kein Problem mit den deutschen Namen in Bezug auf etwaige Verwechslungen oder irreführende Situationen. Ich muss hier sogar meinem Vorposter zustimmen, da ich mich mit englischen Namen in deutschen Büchern oft schwer arrangieren kann. Das liegt nicht etwa an mangelnden Englisch-Kenntnissen, HdR und die Shannara Reihe habe ich auch auf Englisch ohne Probleme verstanden. Englische Namen in deutschen Büchern wirken einfach meist deplatziert und unpassend. Wenn man so ein großes Werk, eine so große Welt erschafft mit Kontinenten, Völkern, Sprachen, Fabelwesen und was sonst noch alles dazu gehört, dann sollte nicht zwischen mehreren realen Sprachen gesprungen werden.
Mir gefällt sogar die Tatsache, dass manche Namen von den von ihnen beschriebenen mittelalterlichen Namen abweichen. Ich weiß nicht genau warum, aber ich kann diese tätigkeitsbezogenen Namen nicht so recht ernst nehmen (wie der von ihnen erwähnte Starkarm). Allerdings kann ich durch ihre Ausführungen durchaus nachvollziehen, warum Sie ein Problem mit den neuen Namen haben.

Zum Thema Grausamkeiten im Buch: Ein Thema, zu dem wohl jeder eine etwas andere Meinung vertritt. Mir gefällt Martins detailreiche Schilderung von grausamen Ereignissen, nicht weil ich mich am Schmerz anderer ergötze, sondern weil es die Welt so realistisch macht. Die erwähnte Szene war nicht die erste und vermutlich auch nicht die letzte der Reihe, die mir eine Gänsehaut bereitet und mir den Magen verdreht (da ich das unfreiwillige "Talent" dafür besitze, mir alles sofort detaileich vorzustellen zu müssen)... Szenen wie diese machen die Welt Martins zu dem was sie ist: einer grausamen, brutalen Welt, in der Ehre oder Mitgefühl oft öffentlich propagiert werden, diese Werte aber oft vor der eigenen Lust nach Macht weichen. Auch wenn Sie sagen, dass Sie schon früh verstanden haben was Martin damit bezwecken will und Sie doch lieber vor neuen Grausamkeiten verschont blieben glaube ich, dass der Charakter dieser Welt teilweise davon lebt und diese Ereignisse und Zeugnisse menschlichen (mMn) Versagens braucht, um glaubwürdig zu bleiben. Der Tod ist allgegenwärtig und wartet meist nicht weit, nicht einmal die Charaktere, die im Vordergrund stehen, sind (wie in fast allen anderen Büchern) davon ausgenommen. Die Welt wirkt dadurch schlüssig und auf eine morbide Art und Weise mobil und flexibel. Sie fasziniert mit ihren offenen wie verborgenen Kräften und Mächten, erstaunt mit teilweise deteilverliebter Schönheit. Gleichzeitig ekelt sie aber an, verstört und verunsichert den Leser und gibt weder ihm noch den Charakteren im Buch wirkliche Sicherheit.
Aber gut, wie gesagt, dazu hat wohl jeder eine andere Meinung, und jede hat ihre Berechtigung. Ihr Ärgernis darüber, dass das Buch auf diese Art und Weise endet ist nachvollziehbar, auch wenn ich als "Neu-Leser" nicht zu den Vergleichen mit den englischen Varianten Stellung beziehen kann. Dass die Bücher aber teilweise abgehackt und als einzelne unbefriedigend enden kann ich bestätigen. Zum Glück stellt dies kein all zu großes Problem dar, da ja alle 10 Teile erhältlich sind und man so direkt weiterlesen kann.

Allerding ist wohl jede Kritik and der Vermarktungsstrategie und der Art, in welcher diese betrieben wird, gerechtfertigt. Dass jedes Buch 15 Euro kostet ist für mich grauenhaft, da ich die Bücher beinahe verschlungen habe und so in 2 Wochen 150¤ für Bücher ausgegeben habe. 10¤ wären für die Beschaffenheit des Buches eher angebracht, vor allem, wenn man in Betracht zieht, dass man als Leser alle paar Seiten stockt, um sich über Rechtschreibfehler zu wundern. Auch Satzbau und Grammatik sind teilweise umständlich und anstrengend aufgebaut.

Zum Thema Kindle: Sobald sie etwas anbringen, das den Geruch von Büchern simuliert lege ich mir vielleicht so ein Teil zu.

Den restlichen Punkten kann ich mich nur anschließen. Die Spannung setzt wieder etwas zu und die Gespräche Tyrions mit anderen Charakteren sind wie immer ein Genuss.
‹ Zurück 1 Weiter ›

Details

Artikel

Rezensentin / Rezensent


Top-Rezensenten Rang: 18.592