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Immer wieder lesenwert!,
3. Oktober 2005
Rezension bezieht sich auf: Mythos Motivation: Wege aus einer Sackgasse (Gebundene Ausgabe)
Als vor über zehn Jahren die Erstausgabe dieses Buches erschien, war der Begriff "Motivation" in aller Munde. Als gute Führungskraft galt nur, wer viel Zeit darauf verwendet hat, seine Mitarbeiter durch Lob, finanzielle Anreize und sonstige "Führungs-Techniken" auf Kurs zu bringen.
Reinhard K. Sprenger hat als erster Autor entlarvt, dass es einen erheblichen Unterschied zwischen Motivation und Motivierung gibt. Als "Motivation" definiert er den Eigenantrieb des Mitarbeiters, dessen Lust an der Arbeit. Als "Motivierung" bezeichnet er den künstlichen Versuch eines Personalverantwortlichen, die Mitarbeiter anzutreiben.
Das Buch belegt eindrucksvoll, dass Motivierung von außen oft die Eigenmotivation zerstört. So zitiert der Autor das Beispiel von zwei Studentengruppen, die eine Bastelaufgabe verrichten sollen. Die erste Gruppe wird dafür bezahlt (also von außen motiviert). Die zweite bastelt freiwillig (also ohne Motivierung von außen). Und was passiert, als die vereinbarte Zeit abgelaufen ist? Die erste Gruppe lässt alles stehen und liegen (weil fremdmotiviert). Die zweite Gruppe bastelt einfach weiter (weil von innen, sprich: intrinsisch motiviert).
Reihard K. Sprenger legt Führungskräften nahe, mehr Vertrauen in die Arbeitslust ihrer Mitarbeiter zu setzen und von der üblichen "Verdachtskultur" Abstand zu nehmen. Denn hinter vielen "Motivationsmaßnahmen", zum Beispiel Zielvorgaben oder Incentiv-Anreizen, steht der unausgesprochene Verdacht, dass die Mitarbeiter aus freien Stücken nicht ihre ganze Leistung geben. Und eben dieser Verdacht verdirbt der Belegschaft dann tatsächlich die Arbeitslust. Eine sich selbst erfüllende Prophezeihung.
Eine gute Führungskraft sorgt vielmehr dafür, dass sich die Eigenmotivation des Mitarbeiters entfalten kann, indem dieser die nötige Entscheidungsfreiheit, das nötige Wissen und vor allem das nötige Vertrauen seine Vorgesetzten bekommt.
Mit diesem Buch hat Sprenger die Motivationskrise als erster heraufziehen sehen und die - leider bis heute - unbeachteten Rezepte dagegen geliefert, noch dazu auf philosophischem Fundament und in geistreichem Schreibstil. Ein immer noch und immer wieder lesenswertes Buch!
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