Kundenrezension

36 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das Kind mit dem Broder ausgeschüttet, 1. April 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Vergesst Auschwitz!: Der deutsche Erinnerungswahn und die Endlösung der Israel-Frage (Gebundene Ausgabe)
Henryk M. Broder erklärte erst kürzlich in einem Stern-Online-Interview, ein "Kotzer" und kein Dichter zu sein: Er sauge alles in sich auf und kotze es dann heraus. Kein Wunder also, dass alles, was mit diesem Mann zu tun hat, polarisiert. So geht es mir auch im Falle seines neuesten Werkes. Wie so oft schwanke ich bei Herrn Broders Werken zwischen Bewunderung und großer Verärgerung. Was Broder als eindeutiger Verdienst anzurechnen ist, ist die Tatsache, dass er ganz klar und mit unnachgiebiger Stimme die hässliche Fratze des zeitgenössischen Antisemitismus demaskiert und ebenso deutlich herausstellt, dass es sich bei Antisemitismus keineswegs um ein Relikt vergangene Tage, sondern um ein Phänomen handelt, das seit '45 vielleicht aktueller denn je ist. Ebenso deutlich wird herausgearbeitet, was Antisemitismus eigentlich ist. Dass dieser eben keine Vorurteils-Sammlung ist, sondern eine Art "Geisteskrankheit", die förmlich jeden befallen kann. Und Broder zeigt auch die typischen Erscheinungsformen des modernen Antisemitismus, die vor allem in der Form der "Israel-Kritk" zum Ausdruck kommen. Der Broderschen Logik zu folgen, kann es (meiner Meinung nach richtigerweise) für jeden Menschen, der sich zu den Idealen von Aufklärung, freiheitlich-demokratischer Grundordnung und Rechtsstaatlichkeit bekennt, eigentlich nur die Wahl geben, sich eindeutig mit Israel solidarisch zu erklären. Aber gleichzeitig wird hier ein dünnes Eis betreten. Denn selbst mir erscheint es doch fragwürdig, ob die Grenzziehung Antisemit - kein Antisemit so radikal erfolgen kann, wie Broder es in seinem Buch tut: Das Brodersche Instrumentarium, Antisemitismus nachzuweisen, ist jedenfalls derart umfangreich, dass man sich selber fragt, ob es in vielen Grenzfällen nicht doch so etwas wie eine Antisemitismuskeule gibt. Der Brodersche Argumentationsstil ist an diesem Punkt so immunisierend, dass
schlicht und ergreifend der Grat zwischen gutem Argument und Willkür sehr schmal wird. Dies führt Broder auch letztlich zu einer sehr vereinnahmenden Argumentationsweise. Wenn man verschiedene Haltungen und Werke Broders zusammengenommen betrachtet, bekommt man schnell den Eindruck, dass man eine Meinung nur im Set "erwerben" kann. So wird der Israel-Freund schnell in die Lage versetzt, sich auch zu Kapitalismus und Amerika-Freundschaft bekennen zu müssen, will er nicht in den Dunstkreis der ewig gestrigen geraten. Gerade dabei holt Broder gern zum Rundumschlag aus und wettert unermüdlich gegen die so verhassten "Gutmenschen". Selten ist Broder dabei zimperlich. Die Argumentationsweise ist leider häufig von fragwürdiger Sachlichkeit. Vertretern unliebsamer Positionen attestiert Broder zunächst gern immer Dummheit und mangelnde intellektuelle Leistungsfähigkeit. Es mag sein, dass andere Leser diese patzige Schreibe erheitert, mich verärgert dieses als arrogant wahrgenommene Auftreten aber doch sehr. Zumindest aber kann ich hier keine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Gegner, sondern häufig nur das Ausbilden eines Schwarz-Weiss-Weltbildes auf Stammtischniveau erkennen. In Herrn Broders Argumentationsweise müssen es schon immer die krassesten Gegensäze sein. Seine Freundin, die ihn am liebsten ins kommunistische Umerziehungslager gesteckt hätte, wird wohl so zum Sinnbild einer Haltung gegen alles und jeden, der nach seinen strengen Kriterien in den Verdacht gerät, links zu stehen. Die Botschaft, die durch viele seiner Aussagen quillt, könnte man auch mit dem Satz umschreiben "ich habe Recht und erkläre Euch jetzt mal die Welt." Dabei tut er das genau nicht. Herr Broder vermittelt häufig nur den Anschein einer klaren Aussage, bleibt jedoch im rhetorischen Gewitter stecken und liefert ein halbgares Geschwurbel ab, das in seiner Konkretheit nicht über ein Bauchgefühl hinaus geht. So bedient er sich auch gern Argumentationsweisen, die er selber über Maßen anprangert. An der einen Stelle kritisiert er - vollkommen richtigerweise - rhetorische Taschenspielertricks verkappter Antisemitsen, an anderer Stelle klammert er sich selber an diese Form rhetorischen Treibgutes. An der einen Stelle macht er z.B. das sich Berufen auf jüdische Israel-Kritiker und -Freunde zum Lakmustest für den Antisemitismus, an anderer Stelle impliziert er (ohne klar Farbe zu bekennen), die Existens einer Islamophobie zu bestreiten, ist sich aber nicht schade (z.B. in Talkshows), sich in der eigenen Argumentation auf Islam-kritische Moslems zu berufen. An solchen Punkten wird für mich dann einfach klar, dass Herr Broder zwar sehr gut poltern kann und auch durch eine unnachahmliche Schlagfertigkeit besticht, aber der Lack schnell ab ist, wenn man etwas genauer hinsieht. Viele Argumentationsweisen sind nur auf den ersten Blick stichhaltig. Auf den zweiten Blick ist alles von genial bis demagogisch dabei. Broder bietet hier Stoff für Menschen, die sich gern mit aufregen wollen, aber keineswes die "messerscharfe Analyse", wie an anderer Stelle hier behauptet wurde. Auch sein Steckenpferd der "political (in)correctness" ist sehr zu hinterfragen. Viele Brodersche Positionen zu diesem Thema wiederum bedeuten nichts anderes als eine radikale Vereinfachung der Wirklichkeit und die Ersetzung von Prinzipien durch Pragmatismus. Dann wird dann schon mal ein Land zur "Telenovela-Republik", nur, weil es Herr Broder gerade für richtig erachtet, das Prinzip der staatlichen Souveränität nach eigenem Ermessen für illegitim zu erklären - der Zweck heiligt die Mittel. Dabei könnte Broder hier tatsächlich groß auftrumpfen und sich einer differenzierten Diskussion wirklich fragwürdier Punkte stellen. Denn im Prinzip spricht er schon wunde Punkte an - er zieht es aber vor, lieber das Kind mit dem dem Bade auszuschütten und ist immerhin so originell, dass er es in der selben Geisteshaltung schafft, Antisemitismus mit Antiamerikanismus und Amerika-Kritik in einen großen Zusammenhang zu bringen. Würde man Broder darauf hinweisen, dass die Kritik am amerikanischen Pragmatismus, zum Beispiel beim Einmarsch in den Irak, keineswegs Antiamerikanismus ist, würde man von Broder vermutlich den Konter bekommen, dass es sich bei den abertausenden toten irakischen Zivilisten, die aufs Konto der USA gehen, um bedauerliche Kollateralschäden handelt, das Vorgehen aber richtig war. Was ebenfalls sehr am broderschen Vorsatz zweifeln lässt, gegen "political correctness" anzugehen, sind eigene Aussagen, die IMHO direkt die Menschen dazu erzieht, sich selber ein Redeverbot zu verordnen. Zum Beispiel dann, wenn er den verkappten Antisemitismus der Linkspartei und fehlende Israel-Solidarität beklagt und eine Seite weiter kritisiert, dass die Linken nun das Existenzrecht Israels offen erklärt haben. Da fragt man sich nicht nur: "Ja was denn nun"? sondern stellt auch fest, dass das Aufstellen derartiger Tretminen genau dazu führt, dass Menschen, bevor sie was falsches sagen, lieber Weichspülaussagen treffen, um bloß nicht in falschen Verdacht geraten. Eigentlich sehr schade, dass Broder immer deutlich übers Ziel hinaus schießen muss und quasi das "Kind mit dem Broder" ausschüttet. Vieles in Broder Schreibstil wird einfach über die Mittel der Arroganz und Patzigkeit, und nicht zuletzt einer vereinnahmenden und immunisierenden, aber auch undurchdachten Argumentationsweise erreicht, die für den Moment funktioniert, aber selten im großen Zusammenhang Bestand hat. Von einer brillianten Analyse und schreibe, die dabei gleichzeitig entwaffnend ist, wie es bei Köpfen wie Richard Dawkins der Fall ist, ist Broder weit - sehr weit entfernt.
Aber ich schweife ab. Leute, kauft Euch dieses Buch und macht Euch selber eine Meinung. Es ist an vielen Stellen auch sehr lesenswert, aber oft auch nur sehr fragwürdig. Ich kann nur dazu mahnen, eine eigene kritische Haltung nicht zu vergessen. Wer aber wirklich ein sehr gutes Buch zum historischen und vor allem zeitgenössischen Antisemitismus lesen will, sollte Tilman Tarachs Meilenstein "Der ewige Sündenbock" lesen. Es glänzt durch eine viel stärkere Schreibe, eine viel angenehmere Rhetorik und vor allem durch ganz, ganz erheblich mehr Substanz.
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Kommentare

Von 4 Kunden verfolgt

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1-10 von 31 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 02.04.2012 23:54:35 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.04.2012 00:36:56 GMT+02:00
Gatekeeper meint:
Ihre Rezension ist sehr gut, aber einige Ihrer Standpunkte in einigen Stellen können trotzdem zweifelhaft sein, entweder weil Sie nicht konsequent genug oder weil Sie widersprüchlich zu sein scheinen. Wie gesagt, Ihre Kritikpunkte können treffend und interessant sein. Trotzdem wenn man einige Passagen Ihrer Kritik liest, könnte man denken, dass das Problem mit seinem Buch ein Stilproblem ist. Das Problem ist aber ein grundsätzliches. Sein Buch taugt nur für Leute, die sich selbst täuschen wollen, die vollständig desinformiert sind. Wer sein Buch ernst nimmt, hat vor der Dummheit kapituliert. Seine Argumentation ist einfach jämmerlich, was Sie durchaus andeuten.

Sie selbst scheinen manchmal eine undifferenziert Sicht der Fragen zu haben, die vielleicht für den grundsätzlichen Mangel Ihrer Rezension verantwortlich ist. Sie sagen, zum Beispiel, dass das Bekenntnis zu Israel zwingend ist. Aber warum, wofür, wann? Sie sprechen, als ob Menschen nicht existieren würden und Rechte haben, auf die es ankommt. Was würden Sie Antizionisten sagen, die sich intellektuel auf ein ganz anderes Niveau bewegen als das von Broder wie zum Beispiel Gabriel Piterberg, oder Oren Ben-Dor. Da funktionieren nicht mehr die billigen Tricks, (oder noch Finkelstein und andere, die eine ganz andere Sicht der Frage von Antisemitismus nahelegen würden).

Am Ende geben Sie unverständlicherweise dem Buch 3 Sterne und empfehlen ein buch von Tilman Tarach. Ich habe die erste Rezension zum Tarachs Buch gelesen, und es tut mir leid, aber das scheint lediglich die deutsche Version von Alan Dershowitz mit denselben diskreditierten Punkten, die man bei Broder und überall sonst liest......"Status von palästinensischen Flüchtlichgen", "Großmufti von Jerusalem", Israels gute Absichten in Gaza und so weiter. Das ist ein bißchen ärmlich, nicht?

Trotzdem, alles in allem haben Sie eine gute Rezension geschrieben, mit der es sich lohnt auseinander zu setzen.

Veröffentlicht am 04.04.2012 16:51:07 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 24.04.2012 21:07:12 GMT+02:00
Iki meint:
Vielen Dank für diese konstruktive Kritik. Gibt es viel zu selten bei einem so polarisierendem Buch. Da könnte sich Herr Broder eine dicke Scheibe von abschneiden.

Veröffentlicht am 24.04.2012 19:12:54 GMT+02:00
Lulu meint:
Vielen Dank für die ausgezeichnete Rezension. Ich wollte erst selbst eine schreiben, doch daneben hätte sie deplatziert gewirkt.

LG Lena

Veröffentlicht am 25.04.2012 11:44:46 GMT+02:00
Jozna meint:
Hallo Skydive, whatever, ich kann in Ihrem Kommentar leider nichts als viel Geschwurbel und keinerlei Geschichtskenntnis erkennen. Haben Sie sich schon mal überlegt, wer Henryk Broder eigentlich ist?? Woher er kommt, wie lange er sich schon mit Schreiben beschäftigt und wie lange schon mit Antisemitismus und Antizionismus? Sicher ist es gut, all seine Bücher zu kennen und noch besser wäre es, diverse andere Schriftsteller/Wissenschaftler dazu zu lesen. Tilman Tarrach ist schon mal ein Anfang, obwohl er Jurist und kein Historiker ist! Aber das scheint Sie zum Glück nicht zu stören. Was mich ungemein freut.

Wer etwas schreibt und wie, ist immer noch auch eine Frage von Leidenschaft und Empathie. Es gibt durchaus Themen, die man nicht mit nackter Wissenschaft abfeiern kann. Zum Glück. Und wo hätte Wissenschaft jemals endgültig Recht behalten?? Nein, es gibt kein vollständiges Recht, nirgends. Aber es gibt zum Glück Menschen, die Ihre Empathie für andere jahrelang aufrechterhalten können. Manchmal führt das auch zum Kotzen, ganz Recht. Aber bei Broder hat es bisher nicht zur Resignation geführt, obwohl er in seinem Leben sicher schon Tausenden empathiefreien Menschen begegnet ist, von denen es in Deutschland viel zu viele gibt.
Ich frage mich, woher die Wut kommt, die soviele Leute auf Menschen wie Broder haben. Ich wünschte, es gäbe mehr geistig unangepaßte Menschen, dann könnten die da "oben" nicht einfach immer so weitermachen. Aber in diesem Land muckt ja kaum jemand auf und wenn es jemand tut, dann fällt das "unangenehm" auf, all den Angepaßten.

Mit freundlichen Grüßen,

Jozna

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.04.2012 12:15:58 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 25.04.2012 13:45:26 GMT+02:00
Liebe Jozna,

vielen Dank für Ihren Beitrag.

Nun, es gibt aus meiner Sicht einiges zu sagen. Ich bin mir nicht ganz sicher, was nun der Kern Ihrer Kritik ist.
Zusammengenommen kann ich leider wenig konkretes entnehmen.
Im Wesentlichen kommt für mich die Botschaft rüber: Wer Broder nicht abfeiert, der hat "Wut auf ihn", der ist "geistig angepasst".
Das ist ein immunisierender Argumentationsstil, den schon einige 68er (Broders besondere Lieblinge) pflegten: Wer nicht genau so ist
wie wir, der kann nur gegen uns sein. Auch dort meinte man, eine Deutungshoheit darüber zu haben, wer kritisch denkt, und wer als Systemlemming
angepasst mitschwimmt - samt Indikatoren, die den Abweichler praktischerweise gleich als solchen brandmarken.
Zu unangepasstem Denken gehört es aber IMHO gerade, dass man sich eine eigene, differenzierte Meinung erlaubt. Und da muss
man auch klar sagen, dass nicht alles, was Herr Broder publiziert, den gleichen Gehalt hat. Wenn Sie jedoch quasi den Vorwurf äußern, eine kritische Meinung zu
Broder sei Ausdruck angepassten Denkens, so hat diese Einschätzung meiner Meinung nach mehr mit Denkpolizei als mit Querdenken zu tun.
Interessanterweise scheint es ihnen nicht präsent zu sein, dass ich Broder und seinen Werken in meiner Rezension durchaus auch sehr lobenswerte
Eigenschaften nachgesagt habe. Dass im Rahmen der Rezension der kritische Blick überwiegt, liegt in der Natur der Sache.
Denn - um es mit Ihren Worten auszudrücken - wir lesen ja so etwas nicht zum "abfeiern", sondern um "quer zu denken". Und zum "Querdenken" gehört es zwingend
dazu, sich von intellektuellen Vorbildern auch emanzipieren zu können und ihnen widersprechen zu können. Oder um es mit Broders eigenen Worten zu sagen:
"Die eigentliche Leistung der Moderne ist es, sich von seiner Herkunft distanzieren zu können".

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.04.2012 12:46:21 GMT+02:00
Jozna meint:
Hallo skydive, nein, Systemlemminge mag ich eben nicht. Aber ich kenne kaum andere. Leider. Ich lebe durchaus in einem repräsentativen Umfeld, will sagen, kenne viele unterschiedliche Menschen. Die meisten davon aber sind zu faul, sich überhaupt ernsthaft mit irgendeinem politischen, geschweige denn mit diesem "gefährlichen" Thema auseinanderzusetzen. Gräbt man die, die sich vordergründig zunächst tendenziell kritisch äußern an, merkt man schnell, dass das Interesse schwindet und man entweder auf dumpfen Antisemitismus oder auf Desinteresse stößt. Mir geht unsere Spaßgesellschaft auch tierisch auf den Keks und daher bin ich für Broder und Tarach und alle Querdenker sehr dankbar. Es interessiert mich auch nicht, dass Sie oder andere Broder durchaus "lobenswerte Eigenschaften" zuordnen. Ich wünschte, die Menschen würden mehr begreifen. Broder ist ein wunderbarer Querdenker, der von vielem mehr Ahnung hat als die meisten. Ob er ein Wissenschaftler im herkömmlichen Sinne ist, ist mir dabei völlig egal. Ich habe selbst studiert und weiß, wie häufig das heute Gültige Morgen der Schnee von Gestern ist. Das dazu. Broder gefällt mir einfach, weil er die Dinge ausspricht, die andere sich auszusprechen nicht trauen, auch wenn sie wahr sind! Wir sind ein Volk von Feiglingen, von Angsthasen. Es gibt nicht umsonst den Begriff "deutsch Angst". Wohinter sich auch Bequemlichkeit versteckt. Klar, Broder geht mit seiner Art dieser Bequemlichkeit auf die Nerven. Darum wird er so gehaßt. Seine Inhalte sind häufig emotional verpackt, was sie aber nicht falsch macht. Es ist nur die Emotionalität gepaart mit Inhalt, was ihn bei uns so unbeliebt macht. Prüft man den Inhalt, dann hält er meistens Stand.

Mit freundlichen Grüßen,

Jozna

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.04.2012 13:38:17 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 25.04.2012 13:42:18 GMT+02:00
Hallo Jozna,

mich beschleicht etwas der Eindruck, dass Sie für sich selber in Anspruch nehmen, kein Systemlemming zu sein, Ihr "repräsentatives Umfeld" in Ihren Augen aber aus solchen besteht.
Ihnen geht die Spaßgesellschaft "tierisch auf den Keks" und im Prinzip machen Sie ja nichts anderes, als Ihre Umwelt einzuteilen.
Mir ist das ganz klar zu dogmatisch und erinnert mich an die 68er-Attitüde, die ich oben erwähnt habe. Sie mögen Recht haben, dass viele Menschen Desinteresse an vielen Themen haben. Aber wie sagt Henryk M. Broder so treffend: "Unwissenheit ist ein Menschenrecht". Davon ab werden Sie in Ihrem Umfeld auf wenig Gegenliebe treffen, wenn Sie dieses quasi zum "richtigen Denken" bekehren wollen. Das erzeugt nichts als Widerstände und erinnert an die Verhaltensweisen, die Ihnen wohl selber zuwider sind. Und die Annahme, darüber zu entscheiden, was "das Richtige" sei, bzw., was die "Menschen zu begfreifen haben" (wie Sie es ausdrücken), ist schlicht und ergreifend unreif und zeugt davon, dass Sie implizit Ihre Sichtweise als die einzig richtige und wahre durchboxen wollen.
Ich möchte Ihnen jetzt nicht Scheuklappen attestieren (und mich damit genau so unreflektiert verhalten), aber doch appellieren, vielleicht mehr auf die Zwischentöne zu hören, als die Umwelt und andere Denker in richtig und falsch einzuordnen.
Es gibt viele kritische Denker und viele haben ihren eigenen Weg. Broder ist weder der Erfinder kritischen Denkens, noch ist er für mich so etwas wie ein "Vordenker".
Von solchen Sichtweisen sollte man sich einfach auch mal frei machen. Alles weitere dazu habe ich bereits gesagt und werde es nicht nochmals wiederholen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.04.2012 18:25:26 GMT+02:00
Gatekeeper meint:
Sie haben überhaupt keine Ahnung über was Sie sagen. Broder ist kein Querdenker. Die Qualität seiner Argumente läßt vermuten, dass er überhaupt nicht denken kann. Und er sagt nicht, was andere nicht sagen wollen. Er wiederholt einfach die offizielle Propaganda, die ununterbrochen seit duzenden Jahren wiederholt wird. Schließlich reagiert er nicht auf Kritik und Einwänden. Das heißt Irrationalität, normalerweise. Haben Sie nicht bemerkt, dass alle die ihn loben nicht in der Lage sind seine ARgumente kritisch zu diskutieren und zu verteigdigen, dass sie nicht auf Kritik reagieren? Das ist kein Zufall. Broder ist nur gut genug für die, die völlig desinformiert sind und zudem nicht fähig sind ein gültiges Argument von logischen Fehler zu unterscheiden. In vielen Kommentaren habe ich Argumente vorgebracht. Wer hat mich geantwortet?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.04.2012 12:43:02 GMT+02:00
Jozna meint:
Es gibt keine Menschenrechte. Das ist von Menschen gemachtes Recht, das diese selbst am häufigsten brechen. Und Broder hat das gewiß auch leicht zynisch gemeint.
Und nein, ich will niemanden bekehren. Ich ziehe mich zurück wenn ich merke, das Menschen mir was erzählen wollen, sich aber nie darüber belesen und trotzdem auf ihrer Stammtischmeinung bestehen. Sorry. Da fühle ich mich tatsächlich in meiner Gesellschaft und mit einem guten Buch wohler. Ich habe es langen aufgegeben, andere bekehren zu wollen. Dieses "Recht" nehme ich mir nach einem langen Leben, denn am schlimmsten finde ich es, wenn ich mich durch die ewig gleichen Argumente gelangweilt fühle.
Übrigens, es gibt auch andere Bücher außer Broder. Ich empfehle Ihnen Ralph Giordanos sämtliche Werke, Tarrach finden wir ja beide gut, Yoram Kaniuk, Leon Uris, Güner Balci, Necla Kelek, Seyran Ates, Kirsten Heisig und sogar Thilo Sarrazin (den die meisten nicht gelesen, wohl aber verurteilt haben).

Einen schönen Tag noch,

Jozna

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.04.2012 13:30:44 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 28.04.2012 09:35:10 GMT+02:00
Jozna,

jedes Recht ist von Menschen erfunden. Welch Neuigkeit. Nur - wenn Sie von diesem Standpunkt ausgehen, führen Sie sehr bald Ihre eigene Argumentation ad absurdum.
Ich kenne Sie ja nicht persönlich, aber nach alldem, was Sie so erzählen, macht es den Eindruck, dass diese Themenfelder ein wesentlicher Bestandteil Ihres Lebens sind.
Dem ist auch nichts entgegenzusetzen. Es geht hier aber um Henryk M. Broder und sein aktuelles Buch.
Und da muss der Einspruch erlaubt sein, dass ich offengestanden den Eindruck habe, dass Sie die ganze Sache viel zu ernst nehmen.
Ich glaube, selbst Herr Broder würde nicht so die Goldwage auspacken, wie Sie es tun. Verzeihen Sie mir diese Formulierung, aber mir kommt es vor, als
würden Sie sich zu Broders Sprachrohr machen wollen.
Obgleich das sicherlich keine vorsätzliche Intention ist, kommt Ihr Auftreten diesem gleich. Und da kann ich mich auch nur nochmals wiederholen:
Man muss auch Widerspruch ertragen können. Herr Broder hat sicherlich die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen und da muss Einspruch einfach erlaubt
sein. Sie sagen zwar von sich, dass Sie niemanden bekehren wollen, aber dennoch argumentieren Sie so, zumal Sie Ihre Ansichten und die eines Herrn Broder
als die einzig richtigen gelten lassen. Im Endeffekt ist das nichts als missionarisches Gehabe und karikiert quasi Ihre ganzen anderen Aussagen:
Ihre Sicht hat in meinen Augen weder etwas mit den Prinzipien der Aufklärung, noch mit Querdenken zu tun, aber dafür viel mit Überheblichkeit, Denkpolizei und Dogmatismus.
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