Kundenrezension

39 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Liebenswert, aber mit Schwächen - 3,5 Sterne, 9. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Ruf des Kuckucks: Roman (CORMORAN STRIKE-FÄLLE, Band 1) (Gebundene Ausgabe)
Ich habe bisher noch nie ein Buch von J.K. Rowling gelesen und bin mit großen Erwartungen an die Lektüre gegangen.
An eine Starautorin legt man andere Maßstäbe an als an einen durchschnittlichen Krimiautor, und jeder Krimi ist nur so gut wie seine Auflösung. Deshalb bin ich hier vielleicht ein wenig strenger als bei anderen Krimirezensionen, und so entstand meine Wertung von immerhin 3,5 Sternen (aber einen halben Stern anzugeben ist ja leider nicht möglich.)

Um mal mit dem Negativen anzufangen:
Für einen versierten Krimileser liegt die Schwäche des Romans in der Auflösung. Die wird hier dramaturgisch so hingedreht, dass sie ins Konzept der Autorin passt, aber das geht auf Kosten der Logik und der Wahrscheinlichkeit.

Ich will hier natürlich nicht allzu viel verraten, deshalb kann ich nicht alles begründen. Ich will nur so viel sagen, dass mich die Auflösung nicht sonderlich überrascht hat. Wie Cormoran Strike - eine durchaus liebenswerte Figur - auf die Täter kommt (um nichts zu verraten, nenne ich von jetzt an hier immer die Mehrzahl!!), hat sich mir nicht ganz erschlossen. Alles, was er hat, aber wirklich alles, sind Mutmaßungen! Er hat keinen einzigen Beweis, höchstens Indizien. Als dann tatsächlich auf Seite 631 ein Beweis auftaucht, kann man nicht nachvollziehen, wie er auf dieses Versteck kommt.
Am schwächsten ist aber die Begründung, warum dieses winzige Beweisstück nicht entsorgt werden konnte (und also noch da ist, um die Täter zu überführen), nämlich: es fehlte der Mut, um es verschwinden zu lassen!

Bitte, so kann man doch in einem Krimi nicht argumentieren, auch wenn er irgendwann zu einem Ende kommen muss! Die Täter waren imstande gewesen, viel größere Beweise problemlos verschwinden zu lassen, warum also diesen nicht einfach in die Themse werfen??? Wieso gehört für Leute, die mehrere Menschen ermordet haben, dazu Mut?

Was mir auch nicht gefiel, war, dass jeder, der mit seinem Wissen zur Aufklärung eines Mordes hätte beitragen können, dies aus mehr oder weniger fadenscheinigen Gründen nicht getan hat. Auch da hätte ich mir eine kraftvollere und zwingendere Erklärung/Auflösung gewünscht.

Auch die Motive für den ersten Mord sind, ja, doch sehr abgegriffen und banal. Und die Ausführung, mit all dem Wenn und Aber und den Zufällen, dürfte im wirklichen Leben so wohl nicht gelingen (im Buch geschieht im richtigen Augenblick immer das, was den Mördern weiterhilft.)

Was mich noch etwas gestört hat, war, dass viele der Figuren doch ziemlich klischeebefrachtet sind: Lula, jung, sexy, reich, schön, abhängig vom Rauschgift und psychisch instabil; Evan, eine Borderline-Persönlichkeit, umringt von einem sabbernden Gefolge; zwei reiche, spindeldürre Zicken, die sich reiche Männer geangelt haben; ein alter, hässlicher, arroganter Filmmogul; Lady Bristow, ein kindlich-unselbstständiges Anhängsel und ohne ihren verstorbenen Mann hilflos; Alison, die hässliche Freundin; Rochelle, die missgünstige Obdachlose; Guy Somé, der schwule, exzentrische Modedesigner, der aber ein loyaler Freund ist, usw...

Okay, das ist eine bunte, schrille Riege von Personen, und innerhalb ihres Klischees werden sie eindrucksvoll beschrieben. Interessant wäre aber gewesen, wenn man das Klischee auch einmal durchbrochen hätte - etwa dadurch, dass man einigen dieser Personen Merkmale zuordnet, die nichts ins Klischee gehören.

Die Spannung: es gibt keine Cliffhanger, die Geschichte wird kontinuierlich durcherzählt. Für mich war das okay. Allerdings dauert es etwas, bis die Spannung anzieht, am Anfang werden viele nebensächliche Dinge breit erzählt, die die Geschichte nicht eben vorantreiben. Allerdings, je weiter man kommt, desto dichter und spannender wird die Geschichte.

Kommen wir zu dem Positiven:
Das ist in erster Linie die Hauptfigur, Cormoran Strike, die den gesamten Roman beherrscht. Seinetwegen habe ich das Buch gelesen, er ist originell und liebenswert gestaltet, zu ihm hat man Vertrauen. Zu Strike gehört auch seine sympathische, taktvolle und clevere Sekretärin Robin, beide zusammen ein unschlagbares Paar.

Abgesehen davon, dass manche Figuren eher Abziehbilder sind, werden sie sehr eingehend und psychologisch stimmig beschrieben (für mich kein Widerspruch.) Gut finde ich auch, dass die Autorin ihnen eine eigene Sprache gibt; die Obdachlose, die heruntergekommene Mutter von Lula, die zickige Tansy, der Portier, der Fahrer, sie alle haben eine individuelle Sprechweise, die sich von der der Upper Class" unterscheidet.

Mein Fazit:
Als Roman würde ich dem Buch 4 Sterne geben, weil es Spaß gemacht hat zu lesen, weil Strike eine faszinierende Persönlichkeit ist, weil ich den Krimiteil auch ausblenden konnte und mich trotzdem gut unterhalten gefühlt habe.
Als Krimi würde ich nur gut drei Sterne geben, Erklärung siehe oben. Und da das Buch als Krimi gehandelt wird, ist die Krimibewertung für mich die wichtigere.

Dennoch bin ich sehr gespannt, ob J.K. Rowling die Geschichte um Cormoran Strike weiterführt und würde das nächste Buch auf jeden Fall lesen!
Achtung: In den Kommentaren sind SPOILER enthalten!!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 

Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-6 von 6 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 21.12.2013 00:09:09 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 21.12.2013 00:12:18 GMT+01:00
hg meint:
Zu ihrer Hauptkritik: Ich finde den Roman äußerst logsich. Die Teile fügen sich gut zusammen, der Leser darf mitraten und er bekommt auch viele Infos dafür geliefert. Gerade in dem Beispiel, dass Sie anführen, wird dies doch sehr deutlich. Das Versteck von dem Sie schreiben, ergibt sich ganz logisch aus den Schilderungen:
!!! ACHTUNG SPOILER !!! Wir wissen, dass Lulas persönliche Dinge bei der Mutter sind. Wir wissen auch, dass der mysteriöse Zettel (aufgrund ihrer Äußerungen ergibt sich die Funktion dieses Textstücks) irgendwann nach dem Betreten der Umkleidekabine verschwindet. Wo kann Lula ihn versteckt haben? Offensichtlich muss sie ihn ja irgendwo bei sich getragen haben. Und Ciara erzählt Comoran beiläufig von besagtem Versteck.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.12.2013 01:39:07 GMT+01:00
Krimi-Fee meint:
- Achtung, SPOILER !! _
Ich meinte nicht Lulas Zettel, sondern Rochelles Handy! Woher wusste er, dass es im Safe lag und dass dort ein Safe war?
Das mit dem Zettel und der Tasche ist logisch, dagegen sage ich ja nichts.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 30.12.2013 11:56:11 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 30.12.2013 11:58:07 GMT+01:00
butterfly meint:
Hallo Krimifee, ich finde ihre Rezension sehr gut und kann Ihnen fast in allen Punkten 100%ig zustimmen, ähnlich ist es mir mit der Auflösung auch ergangen.---- ACHTUNG SPOILER----- : Am unlogischten finde ich rückblickend, dass der Mörder, der mit dem Mord an Lulu davongekommen ist, indem es als Suizid gilt, selber die Ermittlungen/Geschichte anfangs überhaupt in Gang bringt, indem er Cormoran beauftragt....Gleichzeitig will er aber auch nicht von diesem erwischt werden, schließlich lässt er dann noch Dateien vom Laptop verschwinden... Finde ich vollkommen unlogisch, gerade ihn habe ich als Täter für mich ausgeschlossen gehabt, weil es für einen Mörder keinen Sinn ergibt, einen Detektiv zu beauftragen, in einem von ihm selber verübten Mord ermitteln zu lassen, der als Selbstmord durchgegangen ist.... Den Safe hat Strike entdeckt, als er auch die Handtasche gefunden hat, (als er heimlich den begehbaren Kleiderschrank von Lulas Mutter abgesuchte).

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 30.12.2013 18:10:41 GMT+01:00
Krimi-Fee meint:
Achtung, SPOILER enthalten!

Hallo butterfly, ja, Sie vollkommen haben recht, die Auflösung (mit dem Auftraggeber von Cormoran Strike) ist unlogisch, wird aber in Krimis (alter Schule) gern benutzt. Daher kam mir auch der Gedanke, dass er es sein könnte, nicht etwa, weil es darauf Hinweise gab. Wenn man diesen Kniff schon anwendet, müsste man das sehr, sehr gut erklären können, so dass es logisch erscheint - und das ist J.K. Rowling nicht gelungen. Danke für die Erklärung mit dem Safe, das muss ich wohl aus Frust verdrängt haben. :-)

Veröffentlicht am 12.01.2014 17:05:40 GMT+01:00
Dagmar Kley meint:
Nee, dieses Buch hat mich in keinster Weise überzeugt; sorry!!!Es erinnert mich stellenweise an ein Kinderbuch-wären da nicht zwei-dreimal die f...Worte.Schon das erste Buch von ihr hat mich enttäuscht.Alles wirkt auf mich sehr blutleer und die Beschreibung der einzelnen Figuren - ich kann überhaupt nicht finden das diese soooo gelungen ist! Wie aus dem Baukasten! Ein großer Name ist offensichtlich keine Garantie für spannende Unterhaltung! 637 Seiten hätte es für diese dünne Partie wirklich NICHT gebraucht!!!!

Veröffentlicht am 14.04.2014 16:04:39 GMT+02:00
Aloha :) meint:
3,5 müssten aber 4 sterne sein!
‹ Zurück 1 Weiter ›