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Kundenrezension

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein streitbares Buch..., 8. Mai 2010
Von 
Rezension bezieht sich auf: Gestatten: Elite: Auf den Spuren der Mächtigen von morgen (Taschenbuch)
...ist "Gestatten: Elite" von Julia Friedrichs mit Sicherheit. Ich stieß mehr durch Zufall darauf, beim Stöbern im Buchhandel, und da die deutsche Bildungslandschaft mich seit Zentralabitur, Bolognaprozess etc., etc. generell interessiert, kaufte ich nach kurzem Anlesen spontan. Gerade einmal zwei Tage brauchte ich zum Durchlesen (na gut, ein Wälzer ist es nicht gerade...); und in dieser Zeit wollte ich diverse Male einfach nur von der Couch aufspringen und lauthals brüllen: "JAAA! DU HAST JA SO RECHT!" Nachträglich, insbesondere nach Lektüre mancher Rezension hier, muss ich zugeben, dass auch ich wohl extrem voreingenommen bin. Julia Friedrichs ist jung, ich jünger. Beiden fehlte/fehlt uns wohl ein ganzes Stück Lebensehrfahrung. Auch ich weiß, wie sich das Leben in einer kleinen Studentenwohnung und das dazugehörige Leben an der staatlichen Uni anfühlt. Und dann kommt noch die Politik ins Spiel... Sind die fünf Sterne also in blinder Euphorie vergeben? Hänge ich so sehr an den Lippen einer Person, die mein Schicksal im Wesentlichen zu teilen scheint, dass ich gar nicht anders kann, als hier die Wertungen zu pushen?
Nein. Ein kurzer Überblick über die offensichtlichen Nachteile des Buches, welche in diversen Rezensionen ja auch bereits genannt wurden, dürfte uns Klarheit verschaffen. Erstens: ist Frau Friedrichs Blick auf die Elite objektiv? Nein. Das Buch ist sicherlich recht subjektiv, wahrscheinlich zu subjektiv für die meisten Leser. Manche sagen, dies bremse den Lesefluss, in meinem Fall erhöhte es ihn - vermutlich, weil ich mit der Autorin einer Meinung bin, andere aber nicht unbedingt. Tatsächlich liegt hier kein direkt journalistischer Bericht vor, und ja, die journalistische Sachlichkeit fehlt. Aber dieser Anspruch besteht wohl auch gar nicht. Frau Friedrichs wollte einen ERFAHRUNGSBERICHT zum Thema Elite schreiben, und das ist ihr gelungen. Der Text kommt flott und oft sogar witzig daher; es ist der unverstellte Blick einer jungen Journalistin auf das Thema Elite. Ihr Beruf sollte dabei nicht über die Intention des Buches hinwegtäuschen; die meiste Zeit erzählt Friedrichs schlicht die Ereignisse ihrer Reise nach; eine wissenschaftliche Analyse ist dies sicher nicht - und soll es nicht sein! Zweitens: Sind die erkundeten Standorte sinnvoll ausgewählt? Vermutlich nur bedingt, aber ich bin kein Experte. Klar ist: Es sind wenige, sie sind nicht repräsentativ, und vor allem besucht Friedrichs jeden einzelnen davon viel zu kurz, um Datenmaterial für eine ausgeklügelte Sozialstudie ansammeln zu können. Wahrscheinlich ist das negative Bild der Elite überzeichnet, welches das Buch auf diese Weise wirft. Das beruht jedoch auf einem gedanklichen Fehler: Das hier nämlich eine allgemeine Situationsanalyse, ein objektives Bild gezeichnet werden SOLL. Doch wie gesagt, in Wahrheit ist dies ein Ehrfahrungsbericht. Klar sucht sich Friedrichs da zunächst einmal Schauplätze raus, die tendenziell ins Auge stechen - und das werden die extremeren sein. Okay, und drittens: Hat Julia Friedrichs Lösungen für die Probleme anzubieten, die sie angeblich so hart anprangert? Und wieder lautet die Antwort nein. Zeigen Sie mir einen, der sie hat. Die Politik hat keine, die Sozialwissenschaft hat keine (oder zumindest werden sie nicht öffentlichkeitswirksam präsentiert). Friedrichs Darstellung der Probleme ist eine Reaktion auf die - da hat sie Recht! - zynischen Kommentare einiger Gesprächspartner, die die Ungleichheit zwischen Unternehmersöhnen (und -töchtern) mit einem Taschengeld von 2000 Euro und Hartz IV-Kindern mit einem Achselzucken abtun, als sei dies ein unabwendbares Naturgesetz. Alles, was Friedrichs hier fordert, ist ein wenig mehr Toleranz und der Gedanke an Chancengleichheit. Dies ist keinesfalls naiv (eine Frage, die sie sich übrigens selbst immer wieder stellt); und einen emotionalen Unterton sollte man ihr hierbei zugestehen.
Fazit also? Das Buch ist Äonen von Lichtjahren entfernt von der objektiven, sozialwissenschaftlichen Analyse, die es ohnehin nie werden sollte. Stattdessen wird hier "Elite" aus dem subjektiven Blickwinkel einer Person geschildert, die eine staatliche Schule und Uni besucht hat, in einer WG lebt, SPD wählt und als Kind mit ihren Eltern auf Ant-Atomkraft-Demos war. Das kann man mögen - muss man aber natürlich nicht! Was bisher selten angemerkt wurde: Immer wieder hinterfragt auch die Autorin laut ihre eigenen Gedanken - so festgefahren ist der Standpunkt also nicht. Sicher kann man hier kein Abschlussstatement von wissenschaftlicher Qualität mit nach Hause tragen. Aber immerhin ein paar Anekdoten über Chinesischuntericht für Dreijährige, die allein schon JEDEN zum Nachdenken anregen sollten. Und das ist fünf Sterne wert.
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