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Kundenrezension

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ideologiefrei, augenzwinkernd, offenherzig, 29. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Das eingeschossige Amerika: Eine Reise mit Fotos (Extradrucke der Anderen Bibliothek) (Taschenbuch)
Ilja Ilf und Jewgeni Petrow waren im Auftrag Stalins unterwegs. Ein friedlicher Auftrag. Sie sollten im Jahr 1935 als Journalisten der Prawda eine Reise durch die USA unternehmen, drei Monate von Küste zu Küste, durch Metropolen und Provinznester, über die Rocky Mountains und durch die Wüste. Die beiden waren im Sowjetrussland Stalins kleine Berühmtheiten, denn ihre gemeinsam verfassten, satirischen Romane "Zwölf Stühle" und "Das Goldene Kalb" waren ein großer Erfolg, genau wie ihre regelmäßige Kolumne in der Prawda. Sie waren wie geschaffen für diese Erkundungsreise.

Es wird die Reise ihres Lebens. Mit unverstelltem Blick beobachten sie ihre Umgebung, staunen über die serviceorientierten Amerikaner, sind entzückt von den technischen Errungenschaften, die für fast jeden erschwinglich scheinen und sind abgestoßen von den sozialen Unterschieden in der Gesellschaft und von der Tatsache, dass all der Luxus schuldenfinanziert ist. Man sollte erwarten, dass ein Sowjetbürger seine ideologische Gesinnung demonstrativ vor sich hertragen musste. Doch weit gefehlt! Ilf und Petrow bewahren sich eine erfrischende Unabhängigkeit ihrer Ansichten und die sind weniger vom Kommunismus als vom Humanismus geprägt. Oft kam mir beim Lesen der Gedanke von Ethnologen mit Füllfederhalter, so wach sind ihre Beobachtungen, so präzise ihre Beschreibungen, wenn ihnen auch die eine oder andere, unfreiwillig komische Fehlinterpretation unterläuft. Es entsteht ein erstaunlich authentisches Bild der USA in der Depression - Arbeitslosigkeit, Armut und Not durchzieht den Bericht wie ein roter Faden. Auf der anderen Seite funktioniert das Land bemerkenswert gut, und der Umgang der Menschen untereinander ist immer noch höflich und sozial. Selbst in Chicago, das zu dieser Zeit fest in der Hand von Gangsterbanden ist, bleibt die Begegnung mit der Polizei fast fürsorglich.
In seltsamem Kontrast zu der wirtschaftlichen Misere steht die omnipräsente Mobilität. Die beiden Journalisten kaufen (!) sich einen neuen Ford und lassen sich von einem Ehepaar, mit dem sie sich angefreundet haben, quer durch die USA fahren. Ein Land in permanenter Bewegung. In New York, ja selbst in Kleinstädten gibt es damals fast so viele Staus wie heute und auch in abgeschiedenen Wüstenkäffern finden sich überall Tankstellen, Motels und Restaurants. Die Straßen sind (meist) in exzellentem Zustand und Ilf und Petrow halten ihre Begeisterung über diesen vom Öl angetriebenen Luxus nicht zurück. "Wären die USA kommunistisch, sie wären das Paradies". Andererseits bemerken sie aber auch die seltsamen Auswüchse des Servicegedankens, halten mit feiner Ironie ihre Beobachtungen aus dem amerikanischen Alltag fest. Sie schütteln den Kopf über die allgegenwärtige Reklame, die Parkplatznot, die Verschwendung von Ressourcen und das fade, industriell hergestellte Essen. Überhaupt sind die Parallelen zur Gegenwart so auffällig, dass man manchmal kaum glauben mag, diese Reportage wäre bereits 70 Jahre alt. Trotz Depression erscheint die USA als ein Hort der Zivilisation und des technologischen Fortschritts und Ilf und Petrow haben keine Scheu, dies auch so festzuhalten, ja selbst den Wunsch zu äußern, die Sowjetunion möge den USA in diesen Punkten nacheifern. Man stelle sich solche Anmerkungen 10 Jahre später vor. Doch da waren die beiden Journalisten bereits tot ... Ilf starb nur zwei Jahre später an Tuberkulose, Petrow 1942 als Kriegsreporter bei einem Flugzeugabsturz.

"Das eingeschossige Amerika" fasziniert auch heutige Leser vor allem durch die Vielschichtigkeit der geschilderten Milieus und Orte, die liebenswert ironische, augenzwinkernde Art der Beschreibungen und die offenherzige Darstellung ohne ideologischen Ballast. Ilf und Petrow schrieben damals für die Prawda. Zumindest in diesen Reportagen trug sie ihren Namen einmal zu Recht: "Die Wahrheit".
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Volker M.
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