Kundenrezension

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf diesem Highway will man öfters reisen!, 29. September 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Long, Lonely Highway... (Audio CD)
Nach Beendigung seines Wehrdienstes kehrte Elis 1960 wieder in die Aufnahmestudios von Nashville und Hollywood zurück. Während in Hollywood nur mehr oder weniger hörenswerte Soundtrackalben entstanden, entwickelte er sich in Nashville stetig weiter. Auch wenn diese Jahre weniger erfolgreich waren, so waren sie doch aus künstlerischer Perspektive - mit Ausnahme der meisten Filmsongs - sehr produktiv (Elvis spielte einige seiner besten Songs ein) und legten so den Grundstein für die atemberaubende Comeback-Show im Dezember 1968 und die mittlerweile legendäre Memphis-Sessions im Januar und Februar 1969. Die CD "Long Lonely Highway" des "Follow That Dream"-Labels würdigt die Jahre 1960 bis 1968 auf ganz besondere Art. Denn hier hört man nicht die seit Jahren bekannten "Mastertakes", sondern deren Entstehung. Manchmal sind es nur wenige Versuche vor der endgültigen Fassung (hier muß man aufpassen, um die Unterschiede herauszuhören), bei anderen Titeln meint mein fast einen neuen Song zu hören. Zwischendurch hört man kurze Studiogespräche, hin und wieder singt der "König des Rock'n'Roll" auch einen fremden Song an.
Den Einstieg erleben wir mit einer Version des Elvis-Klassikers "Its Now Or Never". Bereits der erste Versuch des Liedes ist perfekt - man merkt, daß sich Elvis mit diesem Song bereits zuvor auseinander gesetzt hatte. "It's Now Or Never" basiert auf dem italienischen Schlager "O sole mio" - und Elvis probte während seiner Stationierung in Deutschland den Song "There's No Tomorrow" (der ebenfalls auf "O sole mio" basiert) und wünschte sich einen neuen Text dafür.
"A Mess Of Blues" hat mit Blues nichts zu tun. Im Gegenteil, Elvis ist bestens gelaunt, muß während der Aufnahme kurz lachen. Doch der Versuch läuft weiter, die Band und Elvis bringen den Song zum Ende.
"It Feels So Right" wird von Elvis agressiv vorgetragen, voller Power. Man spürt, daß er bei diesen ersten Aufnahmesessions bei bester Laune war, voller Energie, voller Spaß am Singen.
"I'm Yours" ist eine gefühlvolle Ballade, die Elvis auch voller Gefühl darbietet. Das gilt auch für "Anything That's Part Of You", einer traurigen Ballade.
Mittlerweile sind wir im Jahr 1962 angekommen - und wieder versucht sich Elvis gekonnt an einer hörenswerten Ballade: "Just For Old Time Sake". "You'll Be Gone" hingegen ist stark mediterran angehaucht. Mein Tipp: Einfach die Augen schließen und sich in eine warme Sommernacht auf Mallorca denken!
"I Feel That I've Known You Forever" ist wieder eine herrliche Ballade, der ein locker-beschwingtes "Just Tell Her Jim Said Hello" folgt.
"She's Not You" hält eine besondere Überraschung bereit! Nachdem wir den zweiten Versuch dieses Tanzschulklassikers gehört haben hören wir den "Work Part take 4". Was hat es damit auf sich? Für einige Elvis-Songs wurdenverschiedene Takes zusammengeschnitten. So auch für "She's Not You". Da man beim Mastertake 3 mit dem Ende nicht zufrieden war, spielte man den Schluß noch einmal neu ein. Da nicht der gesamte Song, sondern nur ein Teil neu eingespielt wurden, setzte man die übliche Zählweise "take 1, take 2 usw." aus und zählte als "work part take 1, work part take 2 usw." weiter.
Bei "(You're The) Devil In Disguise" erlebt man dann den typischen Elvis. Er singt im zweiten Versuch, hakt dann beim Wort "angel" - und Produzent Steve Sholes beginnt zu pfeifen, um den Take abzubrechen. Elvis reagiert darauf mit dem Satz "You walk like a bird", den er zur Melodie von "Devil In Disguise" singt (abgewandelt nach dem Start "You walk like an angel..."). Der darauf folgende Versuch geht aber durch, Elvis muß allerdings kurz vor Schluß lachen - ansonsten perfekt!
"Never Ending" ist wieder eine sanfte Ballade, "Finders Keepers, Losers Weepers" ein beschwingter Popsong.
Dann folgt der Titel, der dieser CD den Titel gegeben hat: (It's A) Long Lonely Highway". Wir hören den ersten Versuch, der 1965 versehentlich auf der B-Seite der Single 47-8657 (A-Seite war das bereits gehörte "I'm Yours") veröffentlicht wurde - allerdings ohne den auf der CD zu hörenden kurzen Studiotalk. Der Song klingt wie alles adere, nur nicht wie ein "Long Lonely Highway" - ein absolut hörenswerter Popsong mit ansprechender Lyrik.
"Slowly Bt Surely" ereilte 1964 das gleiche Schicksal wie vielenm anderen guten Songs der 60er Jahre auch. Sie landeten as sogenannter "Bonus-Song" auf einem der zahlreichen Soundtrack-Alben zu einem von Elvis 31 Spielfilmen - ragten aber aus den übrigen Songs postiv hervor. Und so wurde "Slowly But Surely" zum besten Song auf dem Album "Kissin' Cousins".
1966 spielte Elvis in Nashville die Songs zu seinem zweiten Gospel-Album ein. So auch "By And By". Obwhl Elvis nach dem Hören der Platte "How Great Thou Art" vor Wut ausrastete (im Studio hatte er versucht, das von ihm so geliebte Gleichgewicht zwischen Sänger und Chor zu erreichen - seine Plattenfirma und Produzent Felton Jarvis entschjieden sich dann aber aus wirtschaftlichen Gründen Elvis Stimme in den Vordergrund zu setzen) gewann er mit dem Album dann doch seinen ersten Grammy - für das beste religiöse Album 1967!
In der selben Session entstanden die rockigen Songs "Fools Fall In Love" und "Come What May". Nachdem der Master des letztgenannten Songs eine ganze Zeit lang als "verschollen" galt (manchmal wundert man sich doch, welche "Ordnung" bei RCA geherrscht haben muß, bzw. wie die Plattenfirma mit dem Erbe ihres größten Stars umging) und so für diverse Veröffentlichungen immer auf alternative Versionen von "Come What May" zurückgegriffen wurde, so hat man für die CD "Long Lonely Highway" dann doch den Master des Songs wiedergefunden.
Mit "Guitar Man" betrat Elvis 1967 wieder neue Ufer. Der Sound des Songs ist modern, der Text recht kompliziert zu singen. Musikalisch sticht besonders die Gitarre des Komonisten Jerry Reed hervor. Elvis bewunderte dessen Aufnahme des Songs und wollte ihn unbedngtr als Gitarristen für seine eigene Aufnahme bekommen. Welch ein Glück, daß ihm sein Wunsch erfüllt wurde! Schade nur, daß auch "Guitar Man" als Bnus-Song auf einer Soundtrack-LP "diesma "Clambake") landete - als Single hätte es mit Sicherheit zu einer Platzierung unter den Top 10 gereicht!
Auch "Singing Tree" landete als Bonus-Song auf "Clambake". Allerdings nicht in der hier erstmals veröffentlichten Version vom 10. September.
Im Januar 1968 spielte Elvis dann vorerst zum letzten Mal in RCA's Studio B in Nashville Songs ein. Dabei entstand unter anderem auch seine Version des Chuck Berry-Hits "Too Much Monkey Business". Der ursprünglichen Chuck Berry-Lyrik fügt er eine eigene Strophe hinzu, erlaubt sich eine seiner wenigen politischen Äußerungen: "Ich war im Vietnam, ich kämpfte dort im Krieg (...) Ein zu riskantes Geschäft um daran Teil zu nehmen." Doch vorher "schummelt" er sich noch mit seinem beliebten "humba-humba-boom" durch eine ganze Strophe.
Kurioserweise wurde bei dieser vorerst letzten Session auch einige Songs für seinen Film "Stay Away, Joe" ("Harte Fäuste, heiße Lieder") eingespielt. Und das hier veröffentlichte "Stay Away" hebt sich positiv von der Vielzahl der anderen Filmsongs (auch aus diesem Film) ab, beschreibt die Sehnsucht eines Mannes zu seiner Heimat. Die auf der CD veröffentlichte Version hält sich eng an das Demo, das Elvis und der Band vorlag. Der Master wurde später wesentlich schneller eingespielt. Die Melodie von "Stay Away" basiert übrigens auf dem Klassiker "Greensleeves".
Die CD "Long LOnely Highway" gibt einen sehr guten Überblick über das musikalische Werk von Elvis in den Jahren 1960 bis 1968, abseits von Hollywood. Natürlich wurden in Nashville auch einige seiner Soundtrack-Alben eingespielt - aber bis auf "Stay Away" hat man sich darauf beschränkt, die Songs zu erffentlichen, die Elvis singen wollte. Der Querschnitt ist gelungen, man hat jede von Elvis in dieser Zeit interpretierte Musikrichtung abgedeckt, erlebt die Entwicklung eines der größten Entertainer des 20. Jahrhunderts in einer für ihn küstlerisch durchaus schwierigen Zeit mit. Von Klassikern zu Beginn der 60er Jahre über "Soft-Pop" in der Mitte der 60er bis hin zu den anspruchsvolleren Stücken am Ende der 60er Jahre - die ihm schließlich den Weg zurück in die Charts und auf die Bühne ebnen sollten.
Die CD ist daher nicht nur Elvis-Fans zu empfehlen, sondern auch Menschen, die am Werdegang eines Ausnahmekünstlers interessiert sind!
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