Kundenrezension

4.0 von 5 Sternen ein in allen Belangen überzeugendes Nachfolgewerk, 29. September 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Master of My Make-Believe (Audio CD)
M.I.A. stinkefingert vorhersehbar rebellisch beim Super-Bowl in die Kamera und macht mit Madonna eine langweilige Pop-Figur voller künstlich generierter Lady Gaga-Krassheiten; schön, dass wenigstens die andere Vorreiterin der derzeit so urbanen Pop/HipHop/Dub-Fusion ihr musikalisches Niveau hält und ein in allen Belangen überzeugendes Nachfolgewerk fertig gestellt hat.

„Urban Riot Sound“ hat Santigold, die ihren früheren Namen Santogold aufgrund eines Rechtsstreits um einen Vokal modifizieren musste, ihr Amalgam aus wer-weiß-wie-vielen Genres getauft und damit den Nagel im Grunde gut auf dem Kopf getroffen, „Santogold“ war angry, tanzbar, modern und urban. Dass Kanye West sie zum next best thing erklärte, der NME seinen Best Breakthrough Artist-Award an die Wahl-New-Yorkerin verteilte, Jay-Z, Coldplay und die Beastie Boys sie zum Support in die großen Arenen beriefen, der sich schnelle einstellende kommerzielle Erfolg, das alles waren günstige Vorraussetzungen abzuheben und finanziell in neuen Sphären zu leben und kreativ Abzuflauen. Das alte Spiel also.

Doch Santi White aus Philadelphia hat scheinbar nicht umsonst als Sängerin einer Punk-Band angefangen. Unempfänglich für den ganzen Bling-Bling der HipHop-Szene singt sie „We don’t want the fame“ auf „Fame“, spielt sich einen treibenden Rock/HipHop-Ball mit Karen O von den Yeah Yeah Yeahs auf dem programmatischen Opener „GO!“ zu, und tänzelt spielerisch von Rock-lastigen („Disparate Youth“), zu Dub-lastigen („Freak Like Me“) Sounds. Schön hymnisch („The Keepers“) und reflektierend-balladesk („This Isn’t Our Parade“ und „The Riot’s Gone”) wird es zwischendurch auch, bevor man am Ende mit den krachenden Break-Beats von „Big Mouth“ erinnert wird, was Santi White wirklich will: nicht Bling-Bling-Bucks, sondern die Welt rocken.

Dass Santigold einer von nur zwei Kollaborationsgästen auf dem, wie wir jetzt wissen, letzten regulären Studioalbum der Beastie Boys sein durfte, reicht vielleicht schon zur Einordnung der jungen hippen Dame mit den vielen Genres in ihrem Sound. Und wenn Switch von Major Lazer, das Buraka Som Sistema, Nic Zinner von den Yeah Yeah Yeahs, TV On The Radio's Dave Sitek und der alte HipHop-Haudegen Q-Tip allesamt an einem in Jamaika aufgenommen Werk rumproduzieren und trotzdem ein integeres und funktionierendes Album dabei herauskommt, dann spricht das letztlich nur für eine Person: jene junge Dame, die sich mutig und nonchalant vier mal auf ihrem eigenen Cover abbilden lässt und, hört man „Masters Of My Make-Believe“, mit dieser dreisten Geste noch nicht einmal falsch liegt.

MQ
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