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Frischer Wind und zugleich Meilenstein des SciFi-Genres,
17. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: District 9 (DVD)
Worum geht es in 'District 9'?
Seit 20 Jahren schwebt ein gewaltiges Raumschiff über Johannesburg, über eine Million Aliens wurden seitdem in ein eigens geschaffenes Viertel - den sogannten District 9 - eingefercht, und leben dort wie Aussätzige. Nicht nur durch die fortwährende Vermehrung der Aliens, sondern vor allem der vermehrt auftretenden Gewalt zw. den Aliens und der einheimischen Bevölkerung droht die Situation zu eskalieren. Die MNU, zweitgrößter Waffenhersteller der Welt, die seit Jahren verzweifelt versucht sich die Alien-Technologie mitsamt Waffen zu Nutzen zu machen, leitet eine Art Räumungskommando ein - eine Evakuierung von knapp 2 Millionen Aliens in ein 'Konzentrationslager', 200km außerhalb von Johannesburg.
Während der Evakuierung kommt Wikus van de Merwe, Leiter des Kommandos, in Kontakt mit einer Aliensubstanz. Die Folgen? Wikus' DNA vermischt sich mit der Alien-DNA, was eine Transformation zur Folge hat; Wikus mutiert allmählich zum Alien. Gleichzeitig ist er somit der einzige Mensch auf Erden, der in der Lage ist, die Alien-Waffen zu bedienen; er wird zum wertvollsten und meistgesuchten Objekt der Welt. Auftakt einer mehrtägigen Odyssey durch Johannesburg.
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Am erstaunlichsten ist vielleicht, daß das ganze Szenario in jeder Filmsekunde absolut realistisch und glaubwürdig daherkommt. Zum einen liegt das am besonderen Stil des Films, die gekonnte Vermischung von Dokumentation und Handkamera, immer wieder unterfüttert mit Interviewschnipseln. Alles wirkt authentischer, dreckiger, realer, als es mit einem Hochglanzlook möglich gewesen wäre. Wer Handkamera inklusive verwackelter Bilder und stakkatoartige Schnittfolgen nicht ab kann, sollte diesen Film tunlichst meiden.
Bemerkenswert auch der scheinbar schwebende Übergang vom reinem Dokumentarfilm zum knallharten Actionfilm am Ende. Nimmt man aber erst nach dem Abspann so richtig wahr, denn während des Films wird einem keine Verschnaufpause gegönnt. Bereits mit den anfänglichen Szenen wird eine bedrohliche Stimmung geschaffen, der Zuschauer erfährt in kurzer Zeit per rasch aneinander gereihter Infohappen Unmengen an Wissen, und dann wird das Tempo gnadenlos angezogen.
Disctrict 9 ist jedoch kein stumpfer Actionfilm, Dokumentar-Stil hin oder her, sondern überzeugt durch ein erstaunlich tiefgründiges Drehbuch. Ständig präsent ist das Thema Apartheid, ohne daß mit dem Holzhammer zu Werke gegangen wird. Die Aliens sind keine bloßen Schießbudenfiguren, sondern intelligente, fühlende Wesen, die oft wehrlos der menschlichen Brutalität in all ihren Facetten ausgeliefert sind.
Wikus ist weder sonderlich sympathisch, noch unsympathisch, zumindest ist einem sein Wohlergehen anfangs ziemlich egal. Im Laufe der Geschichte ändert sich das freilich, wobei angemerkt werden muss, daß Wikus seinem Charakter immer treu bleibt, und auch auf eine allzu kitschige Wandlung verzichtet wurde. Mit beeindruckender Intensität verkörpert wird die Figur von dem bis dato völlig unbekannten Südafrikaner Sharlto Copley. Mühelos trägt er von der ersten bis zur letzten Minute den ganzen Film auf seine Schultern.
Die visuellen Effekte sind immer überzeugend. In Zeiten, da Filme ähnlichen Kalibers zw. 150 und 200 Mio. Dollar Budget veranschlagen, kann man sich nur darüber wundern, wie Regisseur Blomkamp und Produzent Peter Jackson es angestellt haben, mit einem Budget von gerade einmal 30 Mio., solche Bilder auf die Leinwand zu zaubern.
District 9 ist ein packender, rasanter Sci-Fi-Film, der unter dem Actiongewand erfreulich tiefgründig daherkommt, und viel Stoff zum Nachdenken liefert. Vor allem aber ist er in jeder Hinsicht ungewöhnlich; und steht erstmal bis auf Weiteres in dem breiten Feld der Sci-Fi-Filme für sich allein da.
Am erfreulichsten fand ich die Konsequenz, mit der die Handlung vorangetrieben und zu Ende gebracht wurde. Keine Kompromisse, keine Zugeständnisse an den Zuschauer, kein plötzlich erhellendes Licht in der Finsternis. Und trotz allem auch ein wenig Hoffnung.
Die letzte Einstellung des Films ist von solcher Wucht, daß sie zumindest mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Großartig!
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