Kundenrezension

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5.0 von 5 Sternen Demut statt Arroganz, 24. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Schizophrenie ist scheiße, Mama!: Vom Leben mit meiner psychisch erkrankten Tochter (Taschenbuch)
Wer als psychiatrisch Tätiger das Buch „Schizophrenie ist scheiße, Mama !“ in die Hand nimmt, muss nach der Lektüre seine Arbeit und sein Denken anders ausrichten, als er es vor dem Kennenlernen des beeindruckenden Erfahrungsberichts getan hat. Denn die Autorin Janine Berg-Peer, über viele Jahre Angehörige einer psychisch kranken Tochter, macht auf die Situation von Angehörigen psychisch kranker Menschen aufmerksam, ohne dabei ein Blatt vor den Mund zu nehmen.
Janine Berg-Peer beschreibt nicht nur in beeindruckenden Bildern die Erkrankung ihrer Tochter. Sie lässt in den unaufdringlichen, aber deutlichen Beschreibungen die Symptomatik lebendig werden. Sie bringt auf den Punkt, was die betroffenen Menschen, aber auch das entsprechende soziale Umfeld immer auch umtreibt. Das Buch „Schizophrenie ist scheiße, Mama !“ treibt den Leser um.

Als psychiatrisch Tätiger erscheint es immer wieder einfach, die Sympathie oder Antipathie gegenüber Angehörigen zum Ausdruck zu bringen, wenn sie an der Stationstür begrüßt werden. Es erscheint als leichtes Unterfangen, die eigenen Eindrücke der beteiligten Persönlichkeiten zu bewerten, wenn nicht sogar den moralischen Zeigefinger zu erheben. Wer sich jedoch auf das Abenteuer des Buchs „Schizophrenie ist scheiße, Mama !“ eingelassen hat, der muss letztendlich kleinlaut werden.

Denn allzu deutlich wird die Ambivalenz spürbar, die Janine Berg-Peer in der Begegnung mit der Tochter bewegt. Allzu deutlich wird, wie die Mutterinstinkte über die Wut siegen. Berg-Peer schafft es über die mehr als 250 Seiten hinweg, die Tochter und die Mitpatienten, die Mitarbeiter der Stationen und Handelnden in einem sozialpsychiatrischen System so darzustellen, wie es angemessen erscheint – in ihrem So-Sein. Es sind oft subjektive Eindrücke, in denen immer auch eine Menge Wahrheit stecken werden.

Es sind die unzähligen Bilder von stationären Aufenthalten in psychiatrischen Kliniken, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Es sind die zahllosen Erzählungen von Begegnungen mit Psychiatern und Psychotherapeuten, die die Spannung zwischen Ohnmacht und Wut zum Ausdruck bringen, häufig aber auch Hoffnung und Zuversicht spüren lassen. Es sind die Reportagen aus dem Leben einer jungen Frau, die an der eigenen Seele leidet, und für das persönliche soziale Umfeld eine Freude, aber immer auch eine Zumutung ist.

Psychiatrisch Tätige müssen das Buch „Schizophrenie ist scheiße, Mama !“ lesen, damit Besserwisserei und das ständige Bemühen um das Therapeutische immer weniger Konjunktur hat. Das Buch schafft es zu vermitteln, dass das Leben ist, wie es ist und auch in derselben Weise anzunehmen ist. Demut statt Arroganz, Zurückhaltung statt Übermut müssten psychiatrisch Tätige leben, wenn sie das Buch von Janine Berg-Peer gelesen haben.

Vielmehr noch – psychiatrisch Tätige sollten tief in sich hinein hören, inwieweit das äußere Chaos auf einer psychiatrischen Station das persönliche innere Chaos abbildet. Vielleicht sollten psychiatrisch Tätige auch in sich hineinhorchen, wie emotional und aufbrausend sie sind, aber es nicht auszuleben wagen. Vielleicht ist von den betroffenen Menschen etwas zu lernen, oder ?
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