Kundenrezension

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5.0 von 5 Sternen Ein außergewöhnlicher Abend auf CD!, 30. September 2003
Rezension bezieht sich auf: Tucson '76 (Audio CD)
1976 war mit Sicherheit nicht das beste Elvis-Jahr. Der Weltstar war ausgepowert und müde - und trotzdem schickte ihn sein Manager "Colonel" Tom Parker durch ein "Mammutprogramm" von Tourneen und Auftritten in Stateline/Nevada und Las Vegas. Insgesamt gab Elvis in diesem Jahr 122 Konzerte vor mehr als 1,5 Millionen Fans.
Das "Follow That Dream"-Label präsentiert uns mit dieser CD Konzert Nummer 36 des Jahres 1976, alle in weniger als drei Monaten. Es ist nicht das beste Konzert des Superstars, aber eines der besseren des Jahres 1976, das 10.000 Fans am 1. Juni 1976 im Community Convention Centre in Tucson/Arizona zu sehen und hören bekamen.
Doch leider bekommen wir kein komplettes Konzert zu hören. Der Opener "See See Rider" stammt aus der Nachmittagsshow in Odessa/Texas, wo Elvis am 30. Mai zwei Konzerte gab. Und leider wird uns die Eröffnungsfanfare "Also sprach Zarathustra" ganz vorenthalten...
Nach "See See Rider" erfolgt ein Schnitt - und wir befinden uns endlich im Konzert vom 1. Juni. Elvis ist gut drauf, er klingt viel lebendiger als bei "See See Rider". Auch an seinen Scherzen und Kommentaren während des Medleys "I Got A Woman/Amen" merkt man, daß er bei guter Laune ist. Und schon erlebt man den ersten Höhepunkt eines jeden Elvis-Konzerts der späten 70er Jahre: J.D. Sumners einmalige Baßstimme, bevor Elvis noch einmal kurz in "I Got A Woman" einsteigt! Absulut hörenswert (nicht nur in diesem Konzert!)!
Den Eröffnungsblock bringt Elvis gekonnt zum Ende, spricht viel mit den Fans - und kommt zu einem weiteren Highlight der Show: "You Gave Me A Mountain". Danach singt er sich schnell durch ein paar seiner Oldies, für ihn mittlerweile mehr lästige Pflicht als Spaß und Freude. Sehr schön anzuhören ist "And I Love You So", auch wenn Elvis stimmlich nicht die Leistung zeigen will (oder kann?), die er noch ein Jahr zuvor bei der Aufnahme dieser Ballade präsentierte.
Das folgende "Jailhouse Rock" wird auch schnell durchgsungen, es scheint sich fast um eine (unfreiwillige) Parodie auf alte Zeiten zu handeln... "Help Me" klingt fast wie ein Hilfeschrei, Elvis singt sehr kurzatmig, trifft nicht immer den richtigen Ton. "Fever" hatte sich seit 1973 zu einem echten Knüller der Elvis-Shows entwickelt, Elvis bringt das (weibliche) Publikum zwischendurch immer wieder zum schreien. "Polk Salad Annie" hat nicht mehr die Power von 1970 - aber Elvis gibt sein Bestes!
Danach (man hört einen Schnitt - wurde uns hier wieder etwas vorenthalten?) , sichtlich außer Atem, ist es Zeit für die Bandvorstellung. Diese nahm 1976 bereits einen wesentlichen Teil der Elvis-Show ein - so auch heute: fast eine viertel Stunde. Der Grund dafür ist, daß Elvis jedem seiner Musiker ein Solo zugestand - die meisten davon absolut hörenswert! Elvis hatte wirklich eine Auswahl von Spitzenmusikern um sich herum versammelt! Zuerst darf John Wilkinson (Gitarre) "Early Morning Rain" spielen. Elvis singt dazu, aber wie so oft leider nur eine Strophe. Dann ist James Burton (ebenfalls Gitarre) an der Reihe, gefolgt von einem Solo von Ronnie Tutt am Schlagzeug(Kopfhörer auf und Augen schließen - unglaublich was der Mann mit zwei Füßen und zwei Händen veranstaltet!!!), gefolgt von Bassist Jerry Sheff, schließlich kommt Tony Brown (Piano). David Briggs spielt ein etwas abgedrehtes Solo an der E-Orgel, bevor Elvis "Love Letters" ankündigt. Leider erfolgt auch hier wieder ein Schnitt - und man hört einen müden Elvis in der Abendshow des 30. Mai in Odessa/Texas. Wieder zurück in Tucson darf das Joe Guercio Orchestra noch eine Version von "Long Live Rock And Roll" (auch bekannt als "School Days" und "Hail, Hail Rock'n'Roll") spielen.
Und was nun folgt ist Knüller an Knüller! Bei "Hurt", seiner aktuellen Single, zeigt er allen, wozu er stimmlich noch in der Lage ist. Das Publikum ist so begeistert, daß Elvis das Lied ein zweites Mal anstimmt! Dann folgt sein letzter Top 10-Hit: "Burning Love" (von 1972). Rock'n'Roll pur! Es folgt das selten live dargebotene "Help Me Make It Through The Night", eine wunderschöne Fassung! Und dann erfüllt Elvis einen Publikumswunsch, singt "Danny Boy" aus seinem aktuellen Album "From Elvis Presley Boulevard, Memphis, Tennessee". Die Band improvisiert - und heraus kommt eine wunderbare Fassung. Es ist einfach toll zuzuhören, wie nach und nach ein Musiker nach dem anderen in den Song einsteigt!
Nach einer mittelmäßigen Fassung von "Hound Dog" bittet Elvis, die Saallichter einzuschalten, "begrüßt" das Publikum mit "Funny How Time Slips Away" (im Publikum herrscht noch mal richtig Unruhe, jeder versucht Elvis noch einmal auf sich aufmerksam zu machen), bevor er sich mit "Can't Help Falling In Love" von seinen Fans in Tucson verabschiedet.
Diese CD-Veröffentlichung ist mt Abstand eine der besten, die in den letzten Jahren für Elvis-Fans veröffentlicht wurde! Man erlebt Elvis mit Höhen und Tiefen - und das alles in einem Konzert. Man hört seine fantastische Band, erlebt bei der Improvisation zu "Danny Boy" einen der wahrscheinlich außergewöhnlichsten Momente eines Elvis-Konzerts mit. Allein das ist jeden Cent der CD wert! Für mich ein absoluter Pflichtkauf für jeden Elvis-Fan! Einziger Wehmutstropfen: das Konzert ist - wie bereits erwähnt - nicht komplett.
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B. Langer
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