Kundenrezension

143 von 156 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Überflüssige, übel gesetzte Neufassung eines Klassikers, 15. Dezember 2001
Rezension bezieht sich auf: Der Herr der Ringe: Die Gefährten / Die zwei Türme / Die Wiederkehr des Königs. 3 Bände. (Taschenbuch)
Tolkiens "Lord of the Rings" spaltete schon immer die Leserschaft in zwei Lager. Die einen lassen sich darauf ein, teilzunehmen an dem Ausflug in die Gedankenwelt des Oxforder Professors, und sie nehmen dabei auch gerne einmal in Kauf, Archaismen und ungebräuchlichen syntaktischen Strukturen zu begegnen, die eher in Anlehnung an Heldenepen oder Versdichtungen eingesetzt werden. Sie lassen sich nicht abschrecken von den vielen Gedichten und Liedern, die von den Protagonisten auf der Reise durch Mittelerde vorgetragen werden. Auf der anderen Seite gibt es aber auch jene, die sich partout nicht für die Phantasie des Akademikers erwärmen können, und daher die Nase rümpfen ob eines arg veralteten Stils, der im modernen Zeitalter unpassend ist.
Beide Lager haben ihre Zelte aufgeschlagen, um das Schlachtfeld des literarischen Werkes "Der Herr der Ringe" zu betreten. Bevor sie jedoch mit dornenbewehrten Zensierstiften oder Pamphletschilden aufeinander loshetzen können, greift der Klett-Cotta Verlag friedensstiftend ein, und er präsentiert eine Neu-Übersetzung von einem mutmaßlichen Tolkien-Kenner, die nun beide Parteien zufriedenstellen will (schließlich will man sich angesichts des bevorstehenden Kinoereignisses nicht den großen Coup entgehen lassen).
Während aber nun die einen ihre Vorurteile beiseite räumen und sich von der "frischen" Sprache einfangen lassen, erheben nun die anderen ihre Keulen und schwingen sie in Richtung des frevlerischen Übersetzers Krege, der angeblich das Werk "übel-setzt" hat - auch ohne Chinesischkenntnisse. Von wegen Frieden!
Aber es ist nun wirklich ein wenig haarspalterisch, was sich in der "Setzung des Übels" so abspielt. Da wird aus der "Rückkehr" des Königs die "Wiederkehr". Natürlich ist der semantische Unterschied irgendwo greifbar, aber er ist so gering, daß er eine Neu-Übersetzung nicht rechtfertigt. Aber die Äxte spalten weiter: Perfekt ersetzt Präteritum, "ebenerdig" steht anstatt "zu ebener Erde", ja, das kann man natürlich schreiben, ob das allerdings an der Qualität etwas ändert, das sei bezweifelt; und das Tolkien mit "slow-coach" einen Penner meinte, das ist doch sehr fraglich, besonders, wenn man bedenkt, daß die Beleidigung "penner" an sich erst im 19. Jahrhundert in Anlehnung an das pejorative "pennen" entwickelte. Da kann also Krege nicht argumentieren, hier sei er näher an der Sprache Tolkiens. Und weshalb ein grammatisch falsches "wenn sich's machen lässt" dem korrekten "wenn es sich machen lässt" vorgezogen wird, wird wohl auf ewig im Splittern der Speere untergehen.
Hans-Jörg Modelmayer, der die neue Übersetzung in Auftrag gab, gibt folgende Weisheit zum Besten: "[...] deshalb bin ich jetzt sehr, sehr froh, daß die deutschen Leser nicht mehr eine teilweise verstaubte Sprache sich antun müssen, wie das bei der ersten Übersetzung leider der Fall war." Eine teilweise verstaubte Sprache, vielleicht sogar eine tote Sprache muß man sich also heutzutage "antun", soso. Also, die Lateinliebhaber müssen sich dann also mit Cicero "herumschlagen", und Germanisten "quälen" sich durch die Verse des Nibelungenliedes, während in der Angistik das Heldenepos Beowulf "mühselig bewältigt" werden muß? Interessant, daß auch hier Qualität mit Modernität gleichgesetzt wird, alles Moderne wird plötzlich gut, welchem Literaturkritiker geht da nicht das Herz auf!
Es sei nun nicht verschwiegen, daß ich die neue Übersetzung in ihrer Gänze nicht meinem Gemüte anvertrauen konnte und wollte, schlichtweg, weil Carroux in ihrer Version (nebenbei bemerkt mit wenn auch geringer Hilfe von Tolkien selbst, der sich so daran erfreute, daß das Deutsche das Wort "Elb" statt "Elf(e)" zuläßt) sehr gute Arbeit geleistet hat. Was sollen diese Sprüche "es war an der Zeit für eine neue Übersetzung"? Die Kausalität, mit der sich die Verteidigung Kreges vor dem Gericht der Fans herausredet ist geradezu hahnebüchen, wie hier an nur wenigen Beispielen gezeigt werden konnte. Kreges Übersetzung ist nicht so schlecht, wie vielernorts gesagt wird, aber sie ist beiweitem nicht besser (!) als die Carroux'sche Fassung. Wer nur noch die neue Version bekommen kann, der sollte sich nicht so grämen, denn auch mit Kreges Version kann man Spaß haben. Wer allerdings auf die Authenzität des Originals aus ist (und Tolkien greift nun einmal auf altenglische Syntax zurück (vgl. die Rede des Theoden), archaisches Vokabular und längst veraltete Idiome), der sollte sich doch eher an die Ausgabe von Carroux halten. Ich verstehe nicht, wie ein angeblicher "Tolkien-Kenner" (Himmel hilf, hat Krege ein Zertifikat von Tolkien erhalten, eine Plakette mit dem Schriftzug: Ausgezeichnet als ein Fachmann meiner Person, den auch ich gerne mal um Rat frage, wenn ich nicht mehr weiß, wer ich bin...) so an der Intention des Romans vorbeischliddern kann! Wer versucht, alte Mythen aufleben zu lassen in einer Zeit, da diese Mythen mißbraucht wurden zu propagandistischen Zwecken, der versucht dabei natürlich auch, die Sprache dieser Mythen ins Gedächtnis zu rufen. Mythen sind humaninhärentes Gemeingut, das sich in tiefe Vorzeiten zurückverfolgen läßt. Ich bezweifle, daß zu damaliger Zeit der Stammeshäuptling "Chef" gerufen wurde, und man spornte seine Krieger auch nicht mit Hans Rosenthals "Dalli Dalli" an; Ich bin der Meinung, Kreges Arbeit war (leider) nicht SPITZE... eher flach!
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