Kundenrezension

98 von 117 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen The White Album - Dokument einer zefallenden Band, 24. August 2007
Rezension bezieht sich auf: The White Album (Audio CD)
Als die Beatles mit der Arbeit am "Weißen Album" begannen, hatten sie schon aufgehört, eine richtige Band zu sein. Sie hatten die anstrengenden Tourneen aufgegeben und jeder der Fab Four ging seinen eigenen Interessen nach. Selten fanden sich alle vier Musiker gleichzeitig im Studio ein, es bildeten sich zufällige Arbeitsgemeinschaften, machmal war auch der jeweilige Autor eines Songs mit George Martin allein im Studio.
Langsam zeichnete sich das Ende der Beatles ab, Ringo Starr verließ sogar für kurze Zeit die Band, weil er sich nur noch als das fünfte Rad am Wagen fühlte, konnte jedoch mit Blumen und Bitten zur Rückkehr überredet werden und lieferte mit "Don't Pass Me By" seinen ersten Beitrag als Songwriter. Das Team Lennon/McCartney zerfällt hier sichtlich, es gab des öfteren Unstimmigkeiten über die Richtung, die die Band einschlagen sollte und über die ständige Anwesenheit von Lennons neuer Liebe Yoko Ono im Studio, die auch viel Einfluß auf das Album nahm.
Die entstandene Freiheit nutzte vor allem George Harrison, der sich hier mit vier ausgezeichneten Beiträgen ("While My Guitar Gently Weeps" mit einem Gitarrensolo von Eric Clapton, "Piggies", einer wunderschönen Psychedelicnummer, "Long, Long, Long" und "Savoy Truffle") empfiehlt.
Im Gegensatz zum Vorgänger "Sgt. Pepper" gibt es auf dem "Weißen Album" kein einendes Konzept, es ist eine Sammlung einzelner Songs, bei denen die Stilvielfalt erstaunlich ist. Es gibt die klassischen Rocknummern ("Back In The USSR", eine sehr gelungene Persiflage auf den Frohsinns - Patriotismus der US - Konkurrenz The Beach Boys, "Why Don't We Do It In The Road", "Everybody's Got Something To Hide Except Me And My Monkey"), Psychedelisches ("Glass Onion", "Piggies"), Blues ("Yer Blues"), Country ("Rocky Raccoon", "Don't Pass Me By"), Folk ("Blackbird", "Mother Nature's Son") usw.
Die Vielfalt auf dem Album ist bis heute der Hauptgrund, warum es seine Faszination nicht eingebüßt hat und es wohl auch nie wird. Das "Weiße Album" zeigt die Beatles zwar nicht mehr als einheitliche Band, dafür aber als vier virtuose Einzelkönner, die ihre zahlreichen Einflüsse verarbeitet haben und etwas Eigenes daraus entstehen lassen. Neben einigen der besten Beatles - Songs, wie Lennons Geniestreiche "Dear Prudence", "Happiness Is A Warm Gun", "I'm So Tired", "Julia", "Sexy Sadie", eine Abrechnung mit Maharishi Mahesh Yogi, der sich nicht nur in spiritueller Absicht an die Schauspielerin Sharon Tate herangemacht hatte sowie der langsamen Version des Klassikers "Revolution", McCartneys "Rocky Raccoon", "Blackbird" oder "Mother Natures Son" findet sich hier auch einiges Absonderliche, das es wohl nicht auf das Album geschafft hätte, wäre dem Produzenten George Martin nicht seine bis dahin absolute Autorität entzogen worden (er mußte sich mit einer eher beratenden Funktion begnügen, die Beatles produzierten zum großen Teil selbst), so die von Lennons neuentdeckter Liebe zur Avantgarde inspirierte Tondbandschnipselcollage "Revolution No. 9" oder "Wild Honey Pie", das klingt, als hätte sich eine betrunkene Schülerband ins Studio geschlichen, was allerdings wieder den legendären Sinn der Beatles für den reinen Unsinn zeigt.
Nebenbei wird noch die immer wichtiger werdende jamaikanische Musik geehrt (in "Ob - La - Di, Ob - La - Da" (nigerianisch für "Life Goes On"),
ein munterer kleiner Song, den John Lennon nicht ausstehen konnte und den jeder aufrichtige Musikkritiker haßt und als Beweis für Paul McCartneys angebliche Oberflächlichkeit anführt, trotzdem eines der bekanntesten Beatles - Stücke) und Heavy Metal erfunden (mit "Helter Skelter", eine Trotzreaktion McCartneys auf "I Can See For Miles" von The Who, den der Melody Maker zum lautesten und härtesten Song aller Zeiten erklärt hatte. Paul meinte, der lauteste Song der Welt müßte von den Beatles stammen und schrieb dieses Stück, das in seiner Urfassung 24 Minuten lang war und Ringo am Ende zu der Bemerkung "I got blisters on my fingers!" (Ich hab Blasen an den Fingern.) hinreißt.).
Wenn das Album dann mit dem hübschen Schlaflied "Good Night" endet, ist man heute noch beeindruckt von der Kreativität, die die Beatles noch als schon zerfallende Band an den Tag legten.
"The Beatles" ist eines der der wenigen Alben, das man 1000 Mal hören kann und das trotzdem niemals langweilig wird.
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Kommentare

Von 3 Kunden verfolgt

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1-10 von 19 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 24.04.2009 22:37:47 GMT+02:00
Wolfgang Popp meint:
klasse. selten so eine informative rezension gelesen. das album kenn ich gut. bin ich mit aufgewachsen und hab es sicher 100x gehört( und die band immer wegen ihrer filigranen feinarbeit bewundert, da hat sich nie was wiederholt!). die hintergründe kannte ich nicht. danke!

Veröffentlicht am 10.09.2009 08:25:39 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 10.09.2009 08:38:46 GMT+02:00]

Veröffentlicht am 10.09.2009 08:36:03 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 10.09.2009 08:44:15 GMT+02:00
"I got blisters on my fingers!" (Ich hab Blasen an den Fingern.) stammt zum Schluss von JOHN LENON und nicht von RINGO. Erstens hört man die Schreier als LENNONS Stimme sofort raus. Helter Skelter wurde oft gespielt, bis es im "Kasten" war, wobei der liebe John wohl auf Dauer ziemlich intensiv die Seiten seiner Rickenbecker Gitarre bearbeitet hat, so das er einige Blasen bekam. RINGOS Stimme ist dies jedenfalls nicht. - Ja, das White Album war schon extrem bunt, mutig und NIE langweilig. GREAT! Tom Hirschberg

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.09.2009 11:43:05 GMT+02:00
Martin Resch meint:
Mein Gott, da hätte ich jetzt beinahe die Rockgeschichte verfälscht. Sowas aber auch. Bitte um Entschuldigung.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.09.2009 11:04:45 GMT+02:00
Andreas Ertl meint:
Zur Korrektur: Die Stimme ist tatsächlich von Ringo Starr und nicht wie früher fälschlicherweise angenommen von John Lennon. Es gibt auch eine Live-CD von Ringo Starr wo er dies nochmals erklärt und auch nochmals ruft. A. Ertl

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.09.2009 17:24:06 GMT+02:00
Plutarch meint:
"Rickenbacker" steht da drauf ;-) http://www.rickenbacker.com/

Veröffentlicht am 27.09.2009 09:19:18 GMT+02:00
Slowhand meint:
Mit Sharon Tate hatte der Guru nichts im Sinn, das war die Kollegin Mia Farrow.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.11.2009 23:32:58 GMT+01:00
Martin Resch meint:
Ach, Sharon, Mia, Florence, Shelley, Kansas, Vermont....

Veröffentlicht am 26.04.2010 15:04:43 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 27.04.2010 08:49:06 GMT+02:00
Gut lesbare Rezension, Respekt. Oft gehen Rezensenten ja scheinbar davon aus, dass die besprochenen Produkte dem Leser ohnedies bekannt sind; hier wird auch mal auf die Basics eingegangen und mit Details gewürzt. Mir hat's geholfen.

Zum Thema Heavy Metal, war da nicht noch vorher etwas? Siehe: http://en.wikipedia.org/wiki/You_Really_Got_Me (Ist aber im Grunde eh irrelevant, welche Bands denn nun irgendwann mal je einen Heavy-Metal-Song aufgenommen haben, als Genre-Erfinder sollte man Black Sabbath die Credits zugestehen, oder?)

Veröffentlicht am 04.07.2010 12:55:54 GMT+02:00
Hallo,

aus welcehm Buch haben Sie diesen Text nochmal abgeschrieben? Seien Sie doch so fair und schreiben Sie das dazu. Danke.
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