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Kundenrezension

20 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Optimale Orientierung für Rational Choice-Vertreter, 7. September 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Soziologie: Allgemeine Grundlagen (Taschenbuch)
Gehasst, verdammt, vergöttert - so könnte man wohl die Lage von "Rational Choice" in Deutschland beschreiben, jenem Forschungsprogramm, was Ernst macht mit der Einheit der Sozialwissenschften, das kollektive Phänomene durch die Aggregation der unintendierten Folgen absichtsvoller individueller Handlungen erklärt und auf eine einzige Handlungstheorie, nämlich der Theorie des subjektiven Erwartungsnutzens, aufbaut. Mögen auch besorgte Kritiker schon von "Paradigmenimperialismus" sprechen, Esser ist in Deutschland einer der wichtigsten RC-Fürsprecher, und dieses Buch liefert genügend Diskussionsstoff.
Aufgemacht ist es weniger wie ein übliches Lehrbuch, sondern der Autor wirft den Leser sofort ins kalte Wasser, wenn er anfangs fünf sozialwissenschaftliche Probleme stellt: So etwa: Warum sank die Scheidungsrate in Deutschland nach 1950 und steigt seitdem kontinuierlich bis auf eine Anomalie 1977 an? Warum sind umweltmoralische Apelle so unwirksam, obwohl doch jeder davon profitieren würde? Wieso kam es in so kurzer Zeit zu einem so großen Anwachsen der Montagsdemonstrationen in Leipzig?
Diese Fragen sind der Einstieg in die Soziologie. So gibt es zuerst einen Kurzeinführung in die Wissenschaftstheorie, speziell die Logik sozialwissenschaftlicher Erklärungen. Die Frage nach der Handlungstheorie führt zu den biologischen und anthropologischen Grundlagen des Menschen. Und weiter werden Themen wie Demographie und Soziologie, der Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Gesellschaft, Kooperationsentstehung, Funktionalismus, Systembegriff und Strukturen der Gesellschaft behandelt, immer mit der Absicht, bisherige Ansätze nicht zu ignorieren sondern zu integrieren. Da trifft Max Weber auf Alfred Schütz und Karl Popper, wird Norbert Elias mit James Coleman verglichen. Allerdings fasst Esser die "Großen" der Zunft nicht mit Samthandschuhen an, wo er außer "Wortmagie" wenig findet, sagt er dies auch deutlich und drastisch, etwa wenn es um die luhmannsche Systemtheorie geht.
Übrigens: Wer nach der Lektüre noch immer nicht zum RC-Anhänger bekehrt wurde, der darf sich über Essers nahende fulminante Fortsetzung "Soziologie - Spezielle Grundlagen" aufregen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 11.06.2009 22:31:16 GMT+02:00
ageispolis meint:
"...jenem Forschungsprogramm, was Ernst macht mit der Einheit der Sozialwissenschften..."

Ich rege mich auf: Lesen Sie bitte Luhmann, dann wissen Sie, was "Einheit der Sozialwissenschaften" bedeuten kann. Nämlich Aufnahme aller bisherigen Perspektiven auf Gesellschaft, gleichbedeutend mit deren Integration in ein umfassendes Modell, und nicht - wie in RC - Oktroyieren eines (untauglichen) Ansatzes und Verdrängung aller Anderen. Systemtheorie mag nicht der Weisheit letzter Schluss sein - RC ist es garantiert nicht. Nichts für ungut. Gruß ag

PS. Übrigens "schön", wenn Esser unter dem Titel "Allgemeine Grundlagen" (Betonung auf "ALLGEMEINE") eine "Optimale Orientierung für Rational Choice-Vertreter" (Ihre Worte) liefert. Genau deshalb hat er das Thema komplett verfehlt. Danke für die Vorlage.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.08.2011 21:11:29 GMT+02:00
S. Pflaum meint:
:-)Was hat Ihnen denn der arme Herr Esser nur getan :-) Gut, dass er mit anderen Ansätzen nicht so umgeht, wie Sie mit dem RC-Ansatz im Allgemeinen und mit Essers im Besonderen. Wenn Sie ein so heftiger Verfechter von Luhmann sind, dann wissen Sie es ja selbst und ich habe natürlich auch Verständnis dafür, dass die Bewertung der Relevanz und Bedeutung der Systemtheorie frei nach Luhmann Ihr/ihr blinder Fleck ist. Viele Grüße von einem Leser, der sowohl systemtheoretischen, als auch rational choice Ansätzen viel abgewinnen kann. Denn das ist durchaus möglich, weil für Soziologen die Welt halt nicht schwarz und weiß, sondern schlimmstenfalls grau und bestenfalls bunt ist.
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