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2.0 von 5 Sternen Dröger "DDR"-Alltag - dröger Film, 28. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Boxhagener Platz (DVD)
Ein Filmgenre, das es nur in Deutschland gibt und das man "DDR"-Vergangenheitsbewältigungsfilm nennen könnte, hat ein neues Pflänzchen hervorsprießen lassen; großartig bereichert hat es das Genre nicht. Denn es erschließt sich nach dem Anschauen von "Boxhagener Platz" beim besten Willen nicht, warum diese Geschichte von Torsten Schulz (nach einem Drehbuch des Autors) verfilmt werden musste, und dann auch noch fürs Kino!

In einer zäh sich ziehenden Handlung (es beginnt schon mit einem viel zu langen Intro mit Original-Rundfunkaufnahmen) erleben wir Oma Otti (Gudrun Ritter), die alle ihre Männer ins Grab bringt und wohl deswegen eine ausgeprägte Neigung zur Friedhofspflege hat, und ihren spröden Enkel Holger. Falls im Drehbuch bei dessen Charakterisierung gestanden haben sollte: verschlossen und passiv, dann hat Jungdarsteller Samuel Schneider seine Sache gut gemacht. In jedem Fall ist die Passivität der Figur problematisch, weil sich der Zuschauer schwer tut damit, Empathie zu entwickeln. Und wenn also nicht mit einem Pennäler ohne Profil, mit wem soll man sich hier dann identifizieren? Mit einer Oma, deren Berlinerisch so genuschelt ist, dass man 30 Prozent der Dialoge zurückspulen muss, um mitzubekommen, worum es geht, Jürgen Vogel in der Rolle von Holgers Vater, eines Volkspolizisten zwischen Regimetreue und Eigeninitiative, oder mit Meret Becker, als dessen notorisch schlecht gelaunter Frau? Am ehesten bietet sich noch Karl Wegner (Michael Gwisdek) als Sympathieträger an. Unverhohlen kritisiert der Eigenbrötler die verlogene "DDR"-Propaganda, kommt Holger näher, indem er ihm brisante Geheimnisse anvertraut, vor allem aber dessen Oma.
Karl ist es dann auch, der zur Schlüsselfigur im Rätselraten um einen ermordeten Fischhändler und Altnazi wird, denn eine Kriminalgeschichte will dieses unsicher zwischen Satire und Melodram herumstolpernde Porträt des real existierenden Sozialismus am Ende der Ära von Lügenbaron Ulbricht gleichzeitig auch noch sein. Doch der Mordfall und dessen Aufklärung laufen nur so nebenbei her wie eigentlich alles in diesem Film, der zwar als Befindlichkeitsdiagramm funktioniert und authentisches "DDR"-Lebensgefühl vermittelt, aber eigentlich kein Handlungszentrum hat. Man muss aber doch den eintönig-tristen und höhepunktarmen "DDR"-Alltag noch anders zeigen können als durch einen eintönig-tristen und höhepunktarmen Film.
So bleibt der Unterhaltungswert von "Boxhagener Platz" allein der Schrulligkeit von Gudrun Ritter sowie den Temperamentsausbrüchen von Meret Becker und Jürgen Vogel samt dessen wirklich sehenswerter Perücke geschuldet.

Für Freunde von Herr Lehmann und Der tote Taucher im Wald.
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