Fashion Sale Öle & Betriebsstoffe für Ihr Auto Fußball Fan-Artikel calendarGirl Cloud Drive Photos Sony Learn More HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Lego NYNY
Kundenrezension

92 von 103 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Buch wie eine schweizer Uhr, 17. Februar 2008
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der letzte Weynfeldt (Gebundene Ausgabe)
Was könnte Martin Suter doch für fantastische Romane schreiben. Es scheint mittlerweile, als habe der Autor sein Pulver als großer Geschichtenerzähler bereits mit seinen beiden ersten Romanen "Small Word" und "Die dunkle Seite des Mondes" verschossen. Zu belanglos, zu beliebig, uninspiriert und in ihrer Entwicklung vorhersehbar waren alle literarischen Werke, die danach kamen - "Der letzte Weynfeldt" leider eingeschlossen.

Was mich allerdings bei Suter hält, ist seine wunderbare Sprache. Die Präzision, in der er Charaktere, Stimmungen, Empfindungen, Orte und Begebenheiten beschreibt, ist selten geworden in der deutschen Gegenwartsliteratur. Es gelingt ihm immer wieder mit schnellen, präzisen und sprachlich wunderbar virtuos geführten Strichen, Wortbilder zu zeichnen, die den Leser so tief und umfassend in seine Geschichten eintauchen lassen, als nähme man als stiller Beobachter unmittelbar an der Handlung teil. Als könne man die von Suter beschriebenen Szenen, Protagonisten, Räume, Speisen, Gerüche, Requisiten und Kulissen mit allen Sinnen erfahren. Martin Suter hat hierfür ein unglaubliches Können entwickelt, aus diesem Grund schätze ich ihn und lese ihn immer wieder gern.

Seine Geschichten werden hingegen zuehmend banaler, gehen immer mehr ins Klischeehafte, erzeugen keine Nachhaltigkeit, bleiben flach und damit letztlich nur unterhaltend. Sollte dies seine Intention sein, also schlicht zu unterhalten, dann gebührt ihm großer Repekt, viel besser kann man es nämlich nicht machen. Ich weigere mich allerdings zu glauben, dass Suter einfach nur ein Autor für Unterhaltungsliteratur sein will. Einer der regelmässig einen neuen Roman produziert und damit schlicht einen Beruf ausübt. Dafür spürt man in seinen Büchern zu viel Leidenschaft am Erzählen und Beschreiben, zu viel Liebe zum Detail und am Sujet. Zugute halten muss man Martin Suter allerdings, dass er immer wieder interessante Themen als Rahmen für seine Geschichten wählt. Er recherchiert hierfür sehr gut, lässt eigene Erfahrungen einfließen, schafft damit Aufmerksamkeit für bestimmte Themen und bietet dem Leser neue Blickwinkel. Hierbei geht Suter auch durchaus kritisch und ironisch mit einem Thema um. Beispielsweise mit dem Literaturbetrieb in "Lila, Lila" oder mit dem internationalen Kunstmarkt in seinem aktuellen Buch. Das gefällt, wirkt authentisch und rettet so manche Geschichte davor, gänzlich in Belanglosigkeit zu verschwinden. Legt man den ausgelesenen Roman dann aber beiseite, bleibt nichts zurück. Man kann sofort wieder zur Tagesordnung übergehen und hat die Geschichte nach kurzer Zeit schon wieder aus seiner Erinnerung verloren. Das war bei seinen frühen Romanen anders.

Und hiermit komme ich wieder zu meinem einleitenden Satz. Was könnte Martin Suter doch für fantastische Romane schreiben. Er hat ein großes Talent, hat diese wunderbare Sachlichkeit, Klarheit, Unaufgeregtheit und Präzison in seiner Sprache. Leider überträgt sich dieses Können nicht auf die Entwicklung seiner Geschichten. Er könnte ein wirklich großer Literat werden, würde er wieder zu der Dichte und Intensität seiner frühen Geschichten zurückkehren. Dies ist das Dilemma mit Martin Suter. Er schreibt zu gut, als dass man seine letzten Bücher als reine Unterhaltungsliteratur abtun könnte. Aus diesem Grund bringt es auch der Literaturkritker Denis Scheck nicht übers Herz, Suters jüngsten Roman "Der letzte Weynfeldt" in seiner Sendung "Druckfrisch" die berühmte Ausschußrampe hinunterzustoßen, sondern auf den Stapel der lesenswerten Bücher zu legen, wenn auch zögerlich und dies rein Suters hervorragendem Erzählstil geschuldet. "Der letzte Weynfeldt" ist ein schönes, lesenswertes Buch. Ästhetisch, präzise, solide und gediegen. Ein Buch wie eine schweizer Uhr. Man kann sich daran erfreuen, aber letztlich erfüllt sie nur einen banalen Zweck.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
  [Abbrechen]

Kommentare

Kommentare per E-Mail verfolgen

Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 18.02.2008 11:44:01 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 18.02.2008 11:45:30 GMT+01:00
Mister Briggs meint:
Lieber H. Vogel,

Ich hoffe Sie werfen noch einen Blick auf diesen Kommentar, denn ich gebe Ihnen mit jeder Zeile recht.
Vielleicht liest ja auch Herr Suter Ihre Rezension und denkt darüber nach. Besser hätte man es nämlich nicht auf den Punkt bringen können.
Mir ging es schon mit "Der Teufel von Mailand" so. Tolle Sprache , schwache Geschichte.
Schade, schade.

Viele Grüße
Mr Briggs

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.02.2009 14:21:24 GMT+01:00
Charlotte meint:
Auch ich schließe mich sowohl dem Kommentar von H. Vogel als auch dem von Mister Briggs an: die Sprache hinreißend, die Geschichte banal. Mein Lieblingsbuch von Suter ist und bleibt "Small world". Dies Buch ist übrigens in Frankreich gerade verfilmt worden.

Viele Grüße
Charlotte

Veröffentlicht am 08.01.2016 21:51:31 GMT+01:00
Nicole Dukic meint:
Jaaa... Sie haben es schon wirklich auf den Punkt getroffen, da schließe ich mich meinen Vor-Kommentatoren an...
Suters Sprache ist es, die mich immer wieder in den Bann zieht und die heutzutage in dieser Qualität leider viel zu selten aufzufinden ist. Sätze die einem deutschen Sprachliebhaber wie mir (mit ironischerweise nicht deutschen Wurzeln) geradezu auf der Zunge zergehen, aber das ist leider, leider nicht Alles. So sehr ich Suters Sprache auch genieße, die erzählerische Kraft von beispielsweise "die dunkle Seite des Mondes" (mein Favorit), oder noch "Lila, Lila" (immer wieder unterhaltsam - und die wunderschön lebendige Auferstehung der 50ger Jahre) Suter hat mich mit seinen jüngsten Romanen eher enttäuscht.
"Die Zeit, die Zeit" wieder in typischer Suter-Sprache geschrieben, das Thema fast ein Ausreißer ins Sci-Fi Genre, aber am Ende- wenn das Schweizer Uhrwerk abgelaufen ist, auch wieder nichts was bleibt. Ihre Kritik ist zwar schon in die Jahre gekommen, aber trotzdem aktuell geblieben. Ein Montechristo macht es auch nicht besser. Schade eigentlich.
‹ Zurück 1 Weiter ›