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Kundenrezension

14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen nicht gut,aber dennoch lesenswert, 27. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Ein Winter auf Mallorca (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Die Gemeinde,die es sich heute noch antut,dieses Buch zu lesen,rekrutiert sich wohl vor allem aus Musikliebhabern,die Chopins Reise nach Mallorca nacherleben wollen.Sie werden bekanntlich etwas enttäuscht,sein Name wird von Sand nie genannt,sehr wohl aber der Gesundheitszustand "eines der unseren".

Um zum ersten bei Chopin zu bleiben,er war bereits Jahre vor dieser Reise mit typischen Symptomen einer Lungentuberkulose erkrankt,auf Mallorca kam es jedoch zur ersten massiven Verschlechterung,sowohl die Bevölkerung als auch die mallorquinischen Ärzte stellten sofort die korrekte Diagnose,auch das erste Auftreten einer Kehlkopftuberkulose dürfte also richtig diagnostiziert worden sein;interessant ist,das Sand die Krankheit so vehement in Abrede stellt und als Unpässlichkeit,wenn auch eine lebensbedrohliche Unpässlichkeit(!) darstellt und die berechtigte Diagnose und Angst der Ärzte und der Bevölkerung nur als neuerlichen Anlaß für Schimpftiraden gegen die Bewohner der Insel nimmt."Ihr Begleiter habe ebensowenig Schwindsucht wie sie selbst"...Chopin starb nach qualvollem Verlauf 11 Jahre später an Lungen-,Kehlkopf- und Darmtuberkulose.

Das Positive trotz allem zuerst:

Zum einen finden sich in dem Werk doch einige Seiten wundervoller Naturschilderung voller Poesie und in romantischer Epik die Schönheit der Insel widergebend.

Auch die typisch frühromantisch verklärten Fantasie-Bilder der alten Kartause zur Zeit des Mittelalters,das Bild des alten Mönches der hier vor vielen hundert Jahren sein Leben noch im Einklang mit Natur,Schöpfung und Menschheit in stimmiger Meditation verbrachte,noch vor dem, "Sündenfall" des 19.Jahrhunderts,vor dem Bruch mit der "alten Zeit",das romatische Weltgefühl der zerbrochenen Einheit des Menschen,die Eichendorfsche Sehsucht nach der Vergangenheit,nach dem ewig verlorenen Glück spricht hier aus Sands Erzählung.
Sands Zitat von Chamissos "Schloß von Boncourt" paßt wunderbar in dieses romatische Ambiente.

Schade daß der Rest des Buches so enttäuschend ist.

Ein weiterer sehr interessanter Punkt ist,die heute touristisch ausgeschlachtete Baleareninsel in ihrem "Urzustand" beschrieben zu sehen.
Sand beschreibt eine einsame,unzugängliche,kaum erschlossene Insel mit noch fehlender Infrastruktur,bewohnt von Schweinen,ärmlichen,fest in ihrer Lebensart verwurzelten und malerisch gekleideten Bauern und einem verarmten stolzen Landadel,der -Parallelen zu Frankreich werden gezogen- seinen Besitz,Grund und Boden,längst an seine jüdischen Gläubiger verloren hat(Sand macht hier aus ihren antisemitischen Meinungen keinen Hehl).
Immer wieder gelingt es der Autorin so,ein indigenes Bild Mallorcas des frühen 19 Jahrhunderts zu zeichnen,wie wir es -nach Eroberung der Insel durch den Massentourismus- nie wieder erleben werden können.

Nun zu den Schattenseiten des Buches:

Sand mit ihren Kindern und Chopin(mit dem sie kurz zuvor eine Beziehung begonnen hatte) brachen also im Winter 1838 an Bord eines Schweine-Transportschiffes auf,um Mallorca im Winter kennen zu lernen.Dieses Vorhaben könnte man ungefähr damit vergleichen,als ob man heute in Ermangelung anderer Transportmöglichkeiten ein Containerschiff besteigt,um die Lebensweise der Ureinwohner einer Insel in PapaNeuguinea zu erkunden.Einzige "Expeditionsvorbereitung" war das Lesen eines Reiseberichtes eines Zeitgenossen.

Chopins Tuberkulose exazerbierte bereits am Schiff und versetzte die Besatzung in Furcht und Schrecken.Schwindsucht war eine nicht zu unrecht gefürchtete sehr ansteckende unheilbare "Killerkrankheit" des 19.Jahrhunderts, um die sich(Erreger und Therapie waren noch unbekannt) viele Gerüchte rankten.

Wie klug es ist,mit einem Schwerkranken(Chopin litt wie erwähnt seit Jahren an Tuberkulose mit Blut-Husten)und zwei halbwüchsigen Kindern nach PapNeuguinea,um bei dem Vergleich zu bleiben,noch dazu in einer denkbar ungünstigen Jahreszeit zu fahren, sei dahingestellt.Die Abenteuerlust scheint jedenfalls stärker gewesen zu sein.

Doch hier beginnt das Fiasko dieser unsinnigen Reise.
Wenn man tatsächlich nach PapNeuguinea reist,eine fremde Kultur in einer vielleicht malerischen ,aber eventuell auch gefährlichen,jedenfalls unerschlossenen Wildnis zu erforschen,sollte man sich wohl darauf einstellen,keinen deutschsprachigen-in diesem Falle französischsprachigen- Führer jederzeit zur Seite zu haben,noch dazu wenn die Reise nicht gebucht wurde,man sollte auch nicht mit luxuriösen Hotelanlagen rechnen und die gewohnte Kost von Wienerschnitzel oder Sauerkraut wird man wohl auch nicht erwarten dürfen.

Nicht so George Sand.
Die Französin kommt auf einem Frachtschiff(!!)nach Mallorca(Sand beklagt sich ebenso wortreich wie langatmig über die Inkommodation durch die Geräusche und Umstände,die diese Tiere eben zu machen pflegen) und wurde dort vermutlich nicht auf französisch begrüßt,ein Skandal für jeden Franzosen vermutlich,dort sprach das "ungebildete" Landvolk nämlich ebensowenig französisch wie ein Franzose spanisch.Hotels waren zu jener Zeit auf Mallorca unbekannt,Tourismus existierte nicht,was Sand zu einer nächsten wütenden Schimpftirade gegen das unfähige Volk auf Mallorca veranlaßt.
Schließlich bekommen sie von einem Landadeligen eine zauberhafte,aber etwas in die Jahre gekommene Villa als Unterkunft.Grund genug die nächste Tirade loszulassen,es fehlt nämlich an Möbeln.Damit hatten sie nicht gerechnet,noch weniger damit,daß auf einer einsamen Insel kein florierender Möbelmarkt mit Einrichtungshäusern existiert,ein einziger Skandal also.
Die Möbel müssen vom Tischler maßangefertigt werden,nicht gerade die billigste Art,sich für einige Monate einzurichten... Sand versäumt es auch nicht,darüber bittere Klage zu führen,daß Tische und Sesseln in Pariser Einrichtungshäusen wesentlich billiger zu haben sind.
Die Infrastruktur war damals auf Mallorca noch nicht entwickelt,alte Saumpfade mußten als Wege für Reisekutschen dienen,in denen der französische Touristentrupp und ein Klavier transportiert werden sollten.Die logistische Herausforderung für die armen mallorquinischen Bauern war also enorm und wurde ihnen von Sand mit wütenden Beschimpfungen über die Zumutung einer so unbequemen Reise bedankt.

Das Essen schließlich war für unsere netten Franzosen ebenfalls eine einzige Zumutung,zu würzig,zu salzig,zu scharf,zuviel Schweine-Fleisch usw.nichts paßte,dazu stahl das Diebsgesindel von Einwohnern ständig alle Vorräte.

Wie beliebt sich Sand unter der ländlichen Bevölkerung,die sie schließlich nur mehr charmant als "AFFEN" bezeichet,machte,kann man sich leicht vorstellen.Es nimmt daher nicht Wunder,daß die Bauern sich an den arroganten Franzosen mit überzogenen "Touristenpreisen" für ihre Lebensmittel rächten.

Sand versucht witzig zu sein,was ihr manchmal gelingt,meist aber in arrogantem Sarkasmus endet,von der "politischen Korrektheit" ,ein Volk als "Affen" zu bezeichnen, einmal ganz abgesehen.Langatmige Zitate aus anderen Reiseberichten machen die Lektüre zudem über große Strecken sehr mühsam.

lesenswert mit erheblichen Einschränkungen
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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 18.06.2011 16:14:18 GMT+02:00
Crazy Jensen meint:
Also das mag ja alles korrekt sein, aber man muss nun mal rechnen bei so einer zeitgenössischen Geschichte gewisse Eckpunkte vor zu finden die nicht ganz mit unseren heutigen Ansichten überein kommen. Antisemitismus und Bauern, besonders anderer Kulturen als "Affen" zu bezichtigen passen nun einmal in die damalige Zeit. Das war damals politisch korrekt, auch wenn man es heute nicht mehr nachvollziehen kann oder diese Ansichten teilt.

Veröffentlicht am 21.07.2012 14:08:39 GMT+02:00
Sehr gute Rezension, bravo!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.08.2014 11:14:59 GMT+02:00
Seh ich auch so. Auch heute gibt es noch Mitmenschen, die, egal wo man Urlaub macht, sich als eine Art Übermensch aufspielen und ihre Gastgeber nur als Dienstboten, ungebildet, ungehobelt betrachten und behandeln. Eine freundliche Geste und ein Lächeln hätte auch Madame Sand gut gestanden.
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