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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Heißkalt, 24. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Cold Blood - Kein Ausweg, keine Gnade [Blu-ray] (Blu-ray)
(Kinoversion)

Wer hätte gedacht, dass, wenn man einen Österreicher in den verschneiten kanadischen Wäldern (die hier als Double für schneebedeckte Landschaften irgendwo in Michigan dienen) aussetzt, so ein dichter und spannender Thriller wie „Cold Blood“ dabei rauskommt? Ich sicherlich nicht. Die bisherigen Werke des Wiener Regisseurs Stefan Ruzowitzky („Anatomie 1 + 2“, „Die Fälscher“) sprechen durchaus für sich, aber mit „Cold Blood“ liefert der Österreicher seinen ersten in Amerika (na gut, Kanada) gedrehten Film ab, und das ziemlich souverän. „Cold Blood“ ist allerdings eher Drama als actionreicher Thriller, insofern sollten die, die hier einen spannungsgeladenen Kawumm-Film erwarten, aufmerksam weiterlesen, denn das ist „Cold Blood“ sicherlich nicht. Warum er aber dennoch verdammt gut ist, erfahrt Ihr hier:

Die Geschwister Addison (Eric Bana, „Hulk“, „Wer ist Hanna?“) und Liza (Olivia Wilde, „Cowboys & Aliens“, „In Time“) haben gerade ein Casino überfallen und sind mit ihrem Fluchtwagenfahrer auf ebendieser. Als ein Wildtier die verschneite Straße irgendwo im Nirgendwo in Michigan kreuzt, müssen Wagen und Fahrer dran glauben, Addison und Liza beschließen derweil, sich getrennt voneinander auf den Weg zur kanadischen Grenze zu machen, wo man wieder aufeinander treffen will. Während Addison sich mordend durch die eiskalten Wälder pflügt, liest Liza den ehemaligen Boxer Jay (Charlie Hunnam, „Sons of Anarchy“) auf, der auch gerade irgendwie auf der Flucht ist. Zusammen machen sie sich auf den Weg zu Jays Eltern (Sissy Spacek, „Carrie“ und Kris Kristofferson, „Blade“), die nahe der kanadischen Grenze wohnen. Ihnen immer dicht auf den Fersen sind Sheriffstochter Hanna (Kate Mara, „127 Hours“) und ihr Papa (Treat Williams, „Everwood“). Und dann treffen Jäger und Gejagte in Jays Elternhaus zum blutigen Showdown aufeinander…

„Cold Blood“ überrascht mit einer recht dichten und gekonnt ausgeloteten Story, die man diesem vermeintlichen Thriller so gar nicht zugetraut hätte. Zwar trägt Drehbuchautor Zach Dean in seinem ersten Script mit gleich drei dysfunktionalen Familiengeschichten etwas dick auf (Jay hat ein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater, Hanna hat Autoritätsprobleme mit ihrem Sheriff-Papa und Addison und Liza haben durch ihre traumatische Kindheit eh mächtig einen an der Waffel), dennoch gelingt es ihm, jedem der drei Handlungsstränge Nachvollziehbarkeit und ausreichend Zeit angedeihen zu lassen. Psychologisch gesehen ist die unheilvolle Verbindung von Addison und Liza mit ihrer furchtbaren Vergangenheit sicherlich der interessanteste Part, so dass man sich hier fast noch mehr tiefere Einblicke oder sogar Rückblenden gewünscht hätte. Doch dank eines ausgezeichneten Casts, allen voran Eric Bana, entfalten alle drei Handlungsstränge emotionale Wucht, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung.

„Cold Blood“ ist trotz dreier Handlungsstränge erstaunlich geradlinig erzählt und richtet seine gesamte Handlung konsequent auf ein Ziel aus, nämlich das Aufeinandertreffen aller Protagonisten nach gut 85 der insgesamt 95 Filmminuten. Und genau das macht den Film so spannend. Man weiß praktisch fast von Anfang an, was am Ende des Films passieren wird und kann nur ungeduldig die einzelnen Episoden abwarten, die auf das unheilvolle Ende geradewegs zusteuern. Schon weit vor Ende des Films schlägt man imaginär die Hände über dem Kopf zusammen, wenn man sich vorstellt, was wohl passieren wird, wenn Liza ihren besitzergreifenden und latent inzestuös agierenden Bruder wiedertrifft, wo sie sich doch gerade unerwarteterweise in Jay verliebt hat. Wie wird Jay reagieren, wenn er erfährt, was Addison ins Haus seiner Eltern getrieben hat und er feststellen muss, wie obszön gewaltbereit Addison ist? Und wenn dann noch die Polizei in Form eines überaus angespannten Vater-Tochter-Verhältnisses ins Haus schneit, kann es ja nur zur totalen Katastrophe kommen, oder? All diese Gedanken begleiten einen während des Filmverlaufs und machen „Cold Blood“ so trotz vieler ruhiger Passagen ziemlich spannend.

Dies ist natürlich auch den ausgezeichneten Darstellerleistungen geschuldet. Besonders Eric Bana gelingt es hier vortrefflich, seine Figur verstörend ambivalent zu gestalten. Er wechselt wunderbar feinfühlig zwischen eifersüchtigem Über-Bruder, dessen Blicken auf seine Schwester manchmal die brüderliche Unschuld gänzlich fehlt, kaltblütigem, gewaltbereitem Psychopathen und auf verquere Weise gerechtem und fast fürsorglichem Outlaw. Jede emotionale Wandlung nimmt man Bana ab. Dem gegenüber fällt die Darstellung der traumatisierten und ihrem Bruder hörigen Liza leider etwas ab. Olivia Wilde gelingt es nur manchmal, die ganze Tragik, die ihrer Figur innewohnt, in stimmige und vor allem überzeugende Emotionen und Handlungen umzuwandeln. Sie agiert fahrig oder überakzentuiert, so dass ihre Rolle nicht immer glaubwürdig wirkt. Charlie Hunnam, dieser wunderhübsche Engländer, der schon in „Sons of Anarchy“ überzeugend den sympathischen Outlaw gibt, erweitert diese Rolle um einige tragische Nuancen eines einst erfolgreichen, aber dann mit dem Gesetz in Konflikt geratenen Boxers, der es nicht ertragen kann, seinen Vater enttäuscht zu haben. Sissy Spacek, einst als (blut)junge „Carrie“ zu Ruhm gekommen, spielt ihren kleinen Part mit unerschütterlicher Ruhe und ausgewogener Besorgnis. Kris Kristofferson als grummeliger Dad, der seinem Sohn das Abweichen vom rechten Weg nicht verzeihen kann, hat hier mimisch nicht viel zu tun, bewältigt das Wenige aber souverän. Und auch wenn die Rollen von der unsicheren Sheriffstochter, die sich sehnlichst Respekt und Anerkennung (und natürlich Liebe) wünscht und von ihrem barschen, verschlossenen Vater latent klischeehaft sind, vermögen Kate Mara und Treat Willliams ihnen ein wenig Kontur zu verleihen.

Die unterschiedlichen Wege, die die Geschwister hier einschlagen, um ans Ziel zu kommen, bestimmen den Spannungsgrad des Films, wobei auch innerhalb dieser Wege verschiedene Abzweigungen genommen werden. So ist es mal spannender, Addison dabei zu beobachten, wie er sich unbarmherzig und brutal seinen Weg durch die blizzardverwehten Wälder bahnt und dabei weitere Morde begeht, mal steckt mehr Dichte in der Schilderung der sich anbahnenden Zuneigung zwischen Liza und Jay. So gelingt es dem Film trotz vieler wortkarger, ruhiger Momente, ein fast konstantes Spannungsfeld aufzubauen, welches Regisseur Ruzowitzky gekonnt um einige blutige und brutale Sequenzen erweitert. So bleibt der Film trotz definitiv vorhandener intensiver psychologischer Auslotung immer spannend.

Ergo ist „Cold Blood“ eine interessante Thriller-Variante, da der Film trotz vieler dialogarmer Sequenzen und dramaturgisch intensiver Momente immer unterschwellig spannend bleibt, wenn eben auch nicht im herkömmlichen und bei diesem Film vielleicht erwarteten Action-Sinn. Ein Film, auf den man sich einlassen und damit rechnen muss, dass er die gängigen Erwartungen an ihn nicht erfüllt…aber trotzdem sehr gut ist. Somit gerne vier von fünf Brüdern und Schwestern, die ihr Verhältnis zueinander mal gründlich überdenken sollten.
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