Kundenrezension

38 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Würdige Umsetzung, 11. Dezember 2007
Von 
Rezension bezieht sich auf: Bram Stoker's Dracula [Collector's Edition] [2 DVDs] (DVD)
Eigentlich würde mich die Liebesgeschichte in diesem Film gar nicht stören, stünde nicht "Bram Stokers" über dem Titel. Ich habe den Roman, weil er mir so gut gefällt, schon 3 mal gelesen und kann so noch besser zwischen Buch und Film vergleichen. Ich mache es kurz: Im Buch reist Jonathan Harker zum Grafen Dracula, um Geschäfte abzuwickeln. Der Graf ist sehr freundlich, erst nach und nach zeigt sich, dass Dracula es nicht gut mit seinem Gast meint. Das ist sehr spannend zu lesen, doch im Film hat Harker keine zwei Minuten, nachdem er vom Grafen begrüßt wurde, ein Schwert an seinem Hals. Dracula reist also nach London, beißt Lucy, was wiederum ihre Verehrer und in weiterer Folge Van Helsing und später den aus dem Schloss entflohenen Harker auf den Plan ruft, und macht sie zur Vampirin, die von den Männern unschädlich gemacht wird. Anfangs sind Lucys Verehrer skeptisch gegenüber Van Helsing Vampirgeschichten, doch dann halten sie alle zusammen, gehen strategisch vor und gemeinsam mit Mina bekämpfen sie in einer pausenlosen Kette von Erfolgen und Rückschlägen den Grafen. Keine Spur von einer Liebesgeschichte! Mina wird im Buch auch gebissen, allerdings in böser Absicht und ohne "Ich will sehen was du siehst bla bla bla" Gesülze, weil sie gemeinsam mit den anderen den Grafen zu bekämpfen sucht. Und Lucy ist eine richtig nette, sympatische junge Frau, um die es sehr schade ist, wenn sie stirbt, und keine nervige Nebenfigur, deren einzige Gesprächsthemen das Heiraten, Männer und zotige Witze sind, und sonst eigentlich nichts andere macht, als sich in einem Bett zu räkeln, herumzustöhnen und geschätzte 795 mal ihre Brüste herzuzeigen. Das ist freilich hübsch anzusehen, kommt im Buch aber in KEINSTER Weise so oder so ähnlich vor. Diese Liste könnte man sehr lange fortsetzen, ich wollte damit nur denen, die das Buch noch nicht kennen nur zeigen, dass die Romanvorlage kein spätromantischer Softporno, sondern eine spannende Erzählung über eine Gruppe von Leuten, die Freunde werden und zusammen den Grafen besiegen, ist. Natürlich versprüht die Szene mit den drei Vampirfrauen auch im Roman einen Hauch von Erotik, doch anders als im Film, wo das ganze zu einer choreografierten Orgie verkommt, erscheint Dracula sofort und beendet das. Ansonsten weiss ich nicht, was daran erotisch sein soll, wenn man die Briefe (das ganze Buch ist eine einzige Folge von Tagebucheinträgen und Briefen) der Männer liest, wann der nächste Zug kommt, um nach Amsterdam zu fahren, oder wie man es geschickt anstellen kann, in eines der Häuser der Titelfigur einzubrechen, ohne Aufsehen zu erregen.
Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass Dracula in einer Zeit lebt, in die er Zeitgeschichtlich nicht hingehört. Hier trifft ein "Vertreter" der alten Zeit, Dracula, auf "Vertreter" der neuen Zeit, die Männer und Mina, wenn der Graf etwa die Wachswalzen des Phonografen von Dr. Seward (im Buch!) verbrennt. Das kommt mir im Film ein wenig zu kurz, das einzige, was in diese Richtung geht, ist Draculas Satz im Kino "Erstaunlich: Der Wissenschaft sind keine Grenzen gesetzt!" Das war es.
Aber zweifellos ist dieser Film bildgewaltig, farbenprächtig und athmosphärisch, hat gelungene Kostüme und Make up vorzuweisen (besonders der überragende Entwurf des Fledermaus-Draculas, unter dem man Gary Oldman überhaupt nicht mehr erkennt), und glänzt durch eine hervorragende Kameraarbeit. Coppola selbst bezeichnet den Film als "erotischen Alptraum", also lag ihm oder vielmehr dem Drehbuchschreiber gar nicht viel daran, sich möglichst ans Buch zu halten, Bram Stoker hin oder her.

Das Bild wurde in den Farben und dem Kontrast gegenüber der Erstauflage in mehreren Szenen verändert. Coppola meint, der Film sähe nun so aus wie er aussehen muss. Fest steht, dass das Bild der Collector's Edition um einiges sauberer und frischer ausfällt, es wirkt natürlicher. Auch die Farben wirken nun kräftiger. Manche regen sich auch auf, weil das Bild in manchen Szenen deutlich dunkler ist als in der Erstauflage, aber im Kontext des Films betrachtet finde ich passt es ganz gut. Bei Nacht ist es einfach finster, während man in der alten DVD im Vergleich oft das Gefühl hat, dass es zu hell ist für eine Nachtszene.
Beim Sound sollte man nicht zuviel erwarten: Es wurde kein echter 5.1 Sound gemixt, sondern lediglich von 2.0 Stereo upgemixt. Auf den hinteren Lautsprechern tut sich so gut wie gar nichts, und die Spur ist insgesamt weniger wuchtig und dynamisch als der Originalton, den ich sowieso vorziehe, denn hier klingen Engländer wie Engländer, Van Helsing wie ein Holländer und Dracula wie ein Rumäne, während in der deutschen Fassung alle gleich reden, und der Sound klingt dynamischer, und hat auch mehrere gut plazierte Effekte zu bieten.
Ein Highlight sind aber die Extras!
Einerseits gibt es den Audiokommentar vom Regisseur, der deutsch untertitelt ist, ein wenig zäh eingesprochen, aber trotzdem informativ. Und dann erst die zweite DVD: Das fängt an mit entfallenden Szenen, die zusammen über eine halbe Stunde laufen (einschließlich einer äußerst unappetitlichen Sterbeszene von Renfield (Tom Waits), und einem alternativen Ende). Die Dokumentationen hat Sony gänzlich neu zusammengestellt für diese Edition. Die alte Doku ist zwar nicht oben, aber das ist nicht weiter schlimm, denn diese hier ist eindeutig besser. Man bekommt einen Einblick in die Dreharbeiten, sieht Gary Oldman in der Maske sitzen, oder sich mit Coppola am Set streiten, und erhält einen Einblick in die Arbeitsweise des Regisseurs. Sehr amüsant zu sehen, wie Oldman die Regieanweisung "Blood!" als "Cut!" missversteht und aufhört zu spielen und somit die Szene schmeißt :-) Besonders gefallen hat mir auch die Doku über die visuellen Effekte, in der viele Tricks so detailliert verraten werden, und wenn man noch immer nichts versteht, dann bekommt man sogar eine Computeranimation gezeigt, die verrät, wie etwas gemacht wurde. Interessant auch der Einsatz einer originalen Pathé Kamera aus der Stummfilmzeit für die Stadtszenen in denen Dracula nach Mina sucht; man sieht, wie damit gearbeitet wurde. Es gibt noch einen Haufen andere Extras, aber über die schreibe ich jetzt nicht, das wichtigste wollte ich erwähnen. Ansonsten ist noch der Kinotrailer und ein Teaser zum Film zu finden, ebenso zum Film "Hostel" und "Hollow Man".

Einen Stern Abzug gibt es aber, weil die Halterungen für die DVDs selber Müll sind - die Scheiben sitzen ganz locker, und so kommt es leider vor, dass einem beim Öffnen der Hülle die Silberlinge entgegenfliegen, was natürlich auch zu zerkratzten DVDs führen kann. Das ist sehr ärgerlich!

Fazit: Für Fans wird sich diese Edition im Hochglanz-Prägedruckschuber garantiert lohnen!
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 05.02.2010 19:26:15 GMT+01:00
Es wird wohl in den meisten Fällen so sein, dass der Film, von der Darmaturgie her, nicht die Romanvorlage ereichen kann. Das ist allgemein bekannt. Aber in dieser Rezension erfährt man doch, wo die Vorzüge und die capriziösen Abweichnungen des Regisserurs bzw. Drehbuchautors liegen und kann sich somit darauf einlassen oder auch nicht. Erotische Szenen kommen beim breiten Publikum immer gut an, wenn sie gut gemacht sind. Und das scheint ja hier der Fall zu sein. Und wer sich eher auf die Geschichte, sprich die Dramaturgie der Vorlage einlassen will, kann sich ja den Roman mit bestellen oder nur den Roman bzw. die Novelle lesen.
Mir hat die Rezension gefallen, sie war hilfreich für meine Kaufentscheidung. Bram Stoker's Buch werde ich mir deshalb jedoch nicht kaufen, da ich kein ausgemachter Fan dieser Art von Literatur bin.

Veröffentlicht am 23.01.2012 21:21:18 GMT+01:00
K. Kawaters meint:
Wie gut, dass Bram Stoker mit seinem Roman absolut nichts Erotisches ausdrücken wollte :).
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