Kundenrezension

128 von 145 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fernsehunterhaltung aus einer anderen Dimension, 1. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Breaking Bad - Die komplette dritte Season [4 DVDs] (DVD)
Als Zuschauer muss man sich bei der Serie Breaking Bad einiges zumuten lassen: Spannung, Gewalt und Kraftausdrücke - aber vor allem auch den Verzicht auf moralisch saubere Identifikationsfiguren. Denn die Verachtung aller Werte grassiert wie eine Seuche in der amerikanischen Vorstadt von Albuquerque, nicht nur bei den Gangsterbossen und im Prekariat, sondern sogar mitten im Herzen des bürgerlichen Milieus.

Im Zentrum der Geschichte steht der krebskranke Chemielehrer Walter White. Aus Verzweiflung über seine unbezahlbare Therapie und sein eher langweiliges Leben nutzt er seine Fachkenntnisse, um mit der Herstellung synthetischer Drogen zu beginnen. Für deren Absatz ist er von seinem ungleichen Partner abhängig, dem Junkie Jesse Pinkman. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein. Bei ihrem aufhaltsamen Abstieg in den Sumpf des Verbrechens ergänzen sie sich zu einem der besten odd couples seit "Männerwirtschaft".

Alles gerät vom Schlechten zum Schlimmsten, es gibt immer mehr Tote, die Figuren laden Schuld auf sich und lassen sich nur zu bereitwillig verführen. Der kammerspielartige Reigen kommt über mehrere Staffeln mit relativ wenigen Figuren aus (die übrigen sterben meistens irgendwann). Die Charaktere agieren, getrieben von Eigeninteressen, beinahe autistisch nebeneinanderher. Interaktion ist fast auf das zufällige Maß der Interessenkollision beschränkt. Während sie ihren Lebensweg zu kontrollieren glauben, verstricken sie sich tatsächlich immer mehr in ein düsteres Schicksal und reißen dabei andere mit ins Verderben. Das gilt auch für Walters Schwager, den Drogenfahnder, der aus persönlichem Frust heraus mit übertriebener Härte nach jenem mysteriösen "Heisenberg" sucht, der seinen Beritt mit Drogen bekocht - und dabei selbst zur Zielscheibe wird.

Zwischendurch blitzt mal Menschlichkeit auf, wenn die recht integer gezeichneten weiblichen Charaktere Stellung beziehen. Aber auch sie lassen sich nach und nach in den Tanz um das vermeintlich große Geld mit hineinziehen.

Das alles wird mit viel Sarkasmus zelebriert. Der atemlose Zuschauer kann sich von Folge zu Folge des beklemmenden Eindrucks weniger erwehren, dass sein Genuss am moralischen Verfall auch etwas mit ihm selbst zu tun haben könnte.

Die Spannung rührt nicht zuletzt daher, dass bei dieser Serie handwerklich einfach alles stimmt. Die Professionalität, gepaart mit der unkonventionellen Konstruktion der Story, schafft eine Fernsehunterhaltung wie aus einer anderen Dimension. Eigentlich ist dies schon großes Kino - Lichtjahre entfernt von deutscher Farbfernsehtristesse.

Während der ersten Staffel hatte ich noch ab und zu Zweifel, ob der schwarze Humor und die gelegentliche Brutalität ebenso wie manche scheinheilig rührseligen Familienszenen nicht zu künstlich gestaltet sind, um eine Art Kult-Charakter zu konstruieren. Aber schon die zweite Staffel beeindruckte mich zunehmend durch stringente erzählerische Stärke ohne viel Leerlauf. Die Handlung nimmt immer mehr an Fahrt auf, trotzdem bleibt die Darstellung nüchtern bis hin zum Zynismus.

Die dritte Staffel kann das vorgegebene Tempo voll halten und bietet angesichts der Leichtigkeit, mit der die haarsträubenden Geheimnisse aus der amerikanischen Mittelschicht aufgetischt werden, nochmals eine Steigerung. Die Drehbuchautoren wagen immer mehr - und sie gewinnen, weil Regie, Schauspieler und Produktion es mittragen können. So gelingt auch ein Kabinettstückchen wie "Fly", die 10. Folge, die sich fast ausschließlich um die Jagd auf eine einsame Fliege im Drogenlabor dreht.

Wer diese Serie nicht kennt, hat etwas verpasst. Aber man sollte mit der ersten Staffel anfangen, sonst bleibt höchstens der halbe Spaß. Gerade in der dritten Staffel gibt es nämlich jede Menge amüsanter Rückbezüge, die ohne die Kenntnisse der Staffeln 1 und 2 verpuffen würden, von der Spannung ganz zu schweigen.
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Kommentare

Von 3 Kunden verfolgt

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1-10 von 12 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 13.04.2011 18:35:03 GMT+02:00
M. Rossol meint:
Großartige Rezension!

Veröffentlicht am 23.04.2011 16:28:20 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 23.04.2011 16:41:51 GMT+02:00
Dexter Morgan meint:
Sehr schön geschrieben. Breaking Bad hat sich langsam zu meiner Lieblingsserie gemausert. Schade das Breaking Bad in Deutschland "nur" auf Arte ausgestrahlt wird und somit wohl ein Geheimtip bleibt. Das hat die Serie eigentlich nicht verdient!
Die Ereignisse der letzten beiden Folgen, wenn man das bei so einer genialen Staffel überhaupt sagen kann, haben mich wirklich umgehauen und ich kann die 4 Staffel kaum erwarten, um zu sehen wie es weiter geht!

Veröffentlicht am 06.05.2011 13:32:37 GMT+02:00
Logicfuzzy meint:
Die Rezension ist der Serie würdig! :-)
Da warten wieder grandiose Fensehabende auf uns...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.05.2011 15:12:48 GMT+02:00
Andy1228 meint:
Das sind die ganz wenigen Ausnahmen in der weltweiten Fernsehlandschft. Uns wird irgnedein Mode-Zeugs (Supenatural, Vampire Diaries) um die Ohren gehauen und großartige Serien versauern auf Arte...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.05.2011 06:19:11 GMT+02:00
Dafür ist der Geschmack der Masse verantwortlich. Und wohl auch die mangelnde PC in der Serie.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.05.2011 14:48:25 GMT+02:00
Andy1228 meint:
Was ist PC?
Das mit dem Geschmack der Masse ist so eie Sache...
Ich persönlich glaube, dass die Geräte zur Sendungsauswertung einfach nicht repräsentativ verteilt sind.

Veröffentlicht am 31.08.2011 11:50:18 GMT+02:00
Kseebaer meint:
Ihr schreibt mir alle aus der Seele, ich, der bewußt keine Serien schaut, bin von BB fasziniert.
Neben den brillanten Schauspielern und der ungeheuer spannenden Handlung

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.10.2011 01:45:11 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 29.10.2011 01:45:51 GMT+02:00
Amazon-Kunde meint:
@Kseebaer

Auch wenn Du Dir keine Serien ansiehts, so möchte ich Dir doch noch zwei unbedingt ans Herz legen. "Die Sopranos" und "True Blood".

Die "Sopranos" blieben in Deutschland leider immer nur ein Geheimtipp (auch wegen den unmöglichen Sendezeiten im TV), während sie in den Staaten mittlerweile für wert befunden wurde, als erste TV-Serie überhaupt in ihrem Atombunker für Kunstwerke eingelagert zu werden, um der Nachwelt etwas über unsere westliche Gesellschaft erzählen zu können. Das Verstörende an den "Sopranos" ist, daß man als Zuschauer irgendwann anfängt die Figuren zu mögen und hofft, daß sie gerade NICHT gefasst werden - obwohl Tonys Leute allesamt mehrfache Mörder und skrupellose Psychopathen sind.

Was "True Bood" anbelangt; ich sah bislang keine US-Serie die so offen und ungeniert mit Sex und Gewalt umgeht. Und alles innerhalb einer recht vielschichtigen Story in der es keine wirklich Guten oder Bösen gibt. Die Figuren besitzen alle ihre Abgründe. Spätestens ab der 3. Staffel gibt es für mich keine wirkliche Hauptfigur mehr (auch wenn natürlich Sookie Stakehouse letztlich weiterhin der Pol ist, um den sich die Geschichte dreht), weil mittlerweile alle Figuren eine größere Rolle spielen. Sie ist weit von den "Welches Monster präsentieren wir diese Woche"-Serien entfernt, da es eine einzige epische Geschichte ist, welche den Zuschauer mit jeder Folge etwas tiefer in ihren komplexen Kosmos zieht. Man kann da nicht zwischendrin ein paar Folgen auslassen, ohne sofort den Faden zu verlieren. (Wie im übrigen auch bei den "Sopranos".) Und immer wenn man glaubt, etwas abschließend verstanden zu haben, gibt es eine neuerliche Wendung die einem dies in einem völlig neuen, nicht unbedingt vorteilhafterem Licht erscheinen läßt. (Ich sage da nur Cliffhanger von Staffel 3, welcher sich wieder auf die allererste Folge der 1. Staffel bezieht.)

Gruß, Frank

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 31.10.2011 18:15:24 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 31.10.2011 18:17:26 GMT+01:00
Andy1228 meint:
Das mit dem Sex und der Gewalt habe ich erst kürzlich bei einer anderen Serie im Kommentar geschrieben (ich glaube Flash Forward oder Fringe) und zwar bezogen auf meine zweitliebste (nach Fringe, BB hat ja z.Zt. Pause) Serie namentlich "Spartacus".Leider nur auf PayTV, aber auch echt gut. Ist zwar eine andere Zielgrupe (eben Sex und Gewalt), aber trotzdem gut gemacht ohne die üblichen Klichees und vielen verschiedenen Charakteren und einer halbwegs authentischen (internen), ungeschönten Darstellung von Rom. So, wie ARD das mit den Borgias versuchte, aber krasser.
Es werdenm viele explizite Gewalt und Sexszenen gezeigt, die aber der Story und dem Verständnis dieser Zeit dienen. Es ga nun mal Sklaven, die teilweise nakt verkauft wurden und auch sondt unbekleidet rumliefen und die Arena war ein tödlicher Ort.
Aber dass man sowas in eine amerikanischen Serie sieht ist neu, da die USA-Medien sich ja selbst sehr stark zensieren, um dem puritanisch, prüden und mächtigem mitlleren Westen und Süde zu gefallen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 31.01.2012 14:47:52 GMT+01:00
pusteblume meint:
pc abk. für "political correctness"
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