Kundenrezension

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4.0 von 5 Sternen Absolut stimmig und gelungen!, 12. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Gebeine von Avalon: Aus den höchst vertraulichen Papieren des Dr. John Dee, Astrologe und Berater Ihrer Majestät, der Königin (Gebundene Ausgabe)
Panik am Hofe von Elisabeth I.: Der berühmte Astrologe Nostradamus hat den Sturz der Königin vorhergesagt, sollte es ihr nicht gelingen, "die Knochen ihres Ahnenherrn", angeblich Artus, zu finden. Sofort schickt Elisabeth ihren engen Vertrauten und Hofastrologen Dr. John Dee, der zudem ein überaus gebildeter Mann ist, auf die Suche nach Artus Gebeinen. Zusammen mit Robert Dudley, dem Oberstallmeister der Königin und offensichtlich auch ihr Liebhaber, macht sich John Dee auf die Reise nach Glastonbury. Dort, so heißt es, sei das Grab von König Artus zum ersten mal entdeckt worden. Doch Glastonbury ist eine Stadt voller Geheimnisse und Dee und sein Begleiter merken gleich, dass man in dieser Stadt nicht jedem trauen kann! Als Meister Robert dann auch noch von einer seltsamen Fieberkrankheit heimgesucht wird, sieht Dee sich gezwungen, einen Wunderheiler herbei zurufen. Zu seinem Erstaunen handelt es sich hierbei um eine Frau. Schon bald verliebt sich der junge Gelehrte in die zweifellos wunderschöne, jedoch mystisch angehauchte junge Frau. Erst spät erfährt er, dass ihre Mutter als Hexe starb. Der Hexenwahn flammt erneut in Glastobury auf und die Bewohner fordern Schuldige für die grausamen Morde, die sich zur selben Zeit in der kleinen Stadt ereignen. Doch Schuld ist nicht immer so offensichtlich, manchmal ist sie tief unter der Oberfläche verborgen und manchmal versteckt sie sich unter alten Gewölben einer zerstörten Abtei.

Ausnahmsweise möchte ich mich kurz der Aufmachung des Romans widmen, auch wenn ich das normalerweise nicht tue. Die Aufmachung von "Die Gebeine von Avalon" ist allerdings so gelungen, dass ich es jetzt doch kurz erwähnen möchte. Am Anfang des Buches findet der Leser eine kleine Karte der Stadt Glastonbury. Ich persönlich fand sie sehr hilfreich, da man sich so ein besseres Bild von der Stadt machen und sich in der Umgebung zurecht finden konnte. Die Titel der einzelnen Kapitel sind nicht nur ganz wundervoll und passend gewählt, sondern auch von einem verschnörkelten Rahmen umgeben, der wunderbar zu der Athmosphäre passt, die der Roman dem Leser vermittelt. Das Cover jedoch ist das Gelungenste an der Aufmachung des Romans. Es zeigt allen Anschein nach die Ruine der Abtei von Glastonbury. Zusammen mit dem Titelschriftzug und dem dunklen Hintergrund wirkt das Cover nicht nur stimmig sondern zugleich auch düster, mystisch, geheimnisvoll und bedrohlich. Genau diese vier Adjektive charakteresieren auch den Inhalt des Romans perfekt.

Phil Rickman scheint sich unheimlich umfassend mit der Thematik des Romans befasst zu haben. Die geschichtlichen Hintergrundinformationen sind allesamt schlüssig und vor allem detailliert. Der Autor hat hier ganz offensichtlich gute Recherche betrieben! Das sieht man auch an den Buchverweisen und Textbelegen im Nachwort, die sich auf mehrere geschichtliche Sachbücher beziehen, die sich näher mit der Thematik beschäftigen.
Sehr spannend fand ich auch die Tatsache, dass Dr. John Dee tatsächlich existiert hat und einige der Begebenheiten, die in der Geschichte geschildert werden, sich tatsächlich so zugetragen haben. Das macht den Roman nicht nur interessanter, sondern verleiht ihm auch eine gewisse Authentizität.

Dazu beigetragen, dass die ganze Geschichte authentischer wirkt, hat in großem Maß auch der altertümliche Sprachstil, den Rickman angewandt hat. Dieser entführt sogleich in die Welt des 16. Jahrhunderts und nimmt den Leser mit auf eine Reise voller Gefahren und Ungewissheiten.
Generell empfand ich den Schreibstil als sehr detailliert und vorallem sehr verschnörkelt. Es fanden sich immer wieder Metaphern und Vergleiche, die es dem Leser leicht gemacht haben, sich ein genaues Bild von den einzelnen Personen, deren Emotionen, aber auch der Landschaft, zu machen.

Auch die Charaktere empfand ich als eine gelungene Abwechslung. Sowohl Dr. Dee als auch Dudley sind auf ihre ganz eigene Art sehr sympathisch. Zwar ist Dudely vielleicht charakterlich nicht unbedingt ein feiner Mensch, schließlich hat er eine Affäre mit der Königin, obwohl er verheiratet ist, allerdings ist er dennoch sehr amüsant. Er hat einen aufbrausenden Charakter und den typisch britischen schwarzen Humor.
Auch Dr. Dee ist nicht unbedingt der typische Sympathieträger, da er ein ziemlich schrulliger, seltsamer Mann ist, aber genau das fand ich so erfrischend. Endlich mal ein Protagonist, der nicht der typische Strahlemann und Held ist. Dem Autor ist hier eine wirklich gute Abwechslung gelungen!

Allerdings finde ich, dass einige Dinge dennoch verbesserungswürdig sind. Mein Hauptkritikpunkt ist, dass die Geschichte kaum ins Rollen kommt. Erst nach etwa 400 Seiten kommt ein wenig Spannung auf. Aufgrund des Mangels an Spannung hatte ich als Leser Schwierigkeiten, mich auf den Inhalt des Romans zu konzentrieren. Dabei ist gerade diese Konzentration dringend erfordert! Es kommen sehr viele Charaktere vor, deren Namen man sich möglichst merken und sie später zuordnen muss. Außerdem werden einige Dinge nicht explizit ausgesprochen, sondern leicht verschlüsselt dargestellt. Da ist natürlich ein großes Maß an Konzentration gefragt! Leider viel es mir persönlich teilweise schwer, mit den Gedanken nicht abzuschweifen.

Der nächste, allerdings nicht allzu schwerwiegender, Kritikpunkt ist das merkwürdige Ende. Viele Fragen bleiben offen und dennoch ist das, was sich am Ende herausstellt nicht wirklich überraschend. Zudem hätte man eigentlich von selbst auch gar nicht darauf kommen können, da (abgesehen vom Klappentext, denn aufmerksame Leser werden schon hier auf die Schliche des Feindes kommen) viel zu wenig Hinweise gegeben werden. Somit war man am Ende des Romans eher verwirrt als überrascht.

Trotzdem möchte ich dem historischen Roman "Die Gebeine von Avalon" 4 Sterne geben. Das Gesamtpaket des Romans ist schlichtweg überzeugend! Wer ab und zu gerne mal einen historischen Roman liest und Abstand von den üblichen langweiligen und heldenhaften Protagonisten sucht, der sollte sich "Die Gebeine von Avalon" auf jeden Fall einmal genauer anschauen. Ich fand es unglaublich lesenswert und kann es daher nur absolut weiterempfehlen!
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