Kundenrezension

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5.0 von 5 Sternen Auf der Jagd nach einem Spion im MI6, 20. Dezember 2011
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Rezension bezieht sich auf: Tinker, Tailor, Soldier, Spy (Taschenbuch)
Als ich erfahren habe, dass bald eine Adaption von John le Carrés Roman "Tinker Tailor Soldier Spy" ins Kino kommt und einer meiner Lieblingsschauspieler eine Rolle übernehmen wird, musste ich diesen Roman einfach kaufen, obwohl er eigentlich nicht in das Genre gehört, das ich normalerweise lese!

Der Titel "Tinker Tailor Soldier Spy" ist ein abgeänderter Vers eines alten Kinderlieds aus England und der Roman spielt in der Zeit des Kalten Krieges, wo die Sowjetunion auf der einen Seite und die westlichen Mächte auf der anderen Seite einen subtilen Krieg ausgefochten haben. George Smiley ist ein pensionierter Ex-Agent, der aus der Routine seines Lebens und seiner Lethargie herausgerissen wird, als er eines Tages Besuch von einem Freund bekommt, der im britischen Geheimdienst arbeitet, und Smiley wegen einer dringenden Angelegenheit konsultiert: Es gibt einen Doppelagenten in den höchsten Kreisen des MI6 und da Smiley als pensionierter Spion nicht von den wachsamen Augen des MI6 beobachtet wird, ist er derjenige, dem es gelingen könnte, den Maulwurf zu enttarnen. Smiley ist natürlich alles andere als begeistert, da er immer noch mit den Erinnerungen an seine Zeit als Spion kämpft und seine untreue Frau, die er immer noch liebt, nicht vergessen kann. Trotz seiner Zweifel stimmt Smiley zu und stößt auf ein Netz von Intrigen, vertuschten Operationen, ehemaligen Freunden, die alle ein Motiv und die Gelegenheit haben, als Doppelagent für die Sowjetunion zu agieren, aber auch auf loyale Freunde, die ihm zur Seite stehen.

Die Darstellung der Charaktere war für mich neben der subtilen Spannung wohl das Beste an John le Carrés Roman. George Smiley ist das genaue Gegenteil von James Bond und um ein vielfaches glaubwürdiger und sympathischer. Er ist unauffällig, zurückhaltend und wirkt wegen seines Auftretens unsicher und gutmütig. Seine Darstellung am Anfang des Romans ist dem Autor gut gelungen, weil man die Augenbrauen hochzieht und sich denkt: "Kann das wirklich ein Meisterspion sein?" Im Laufe des Romans versteht man aber, warum sich andere Spione ausgerechnet an ihn wenden, um einen Verräter in ihren Reihen zu enttarnen. Smiley wird bei seinem detektivischen Vorgehen von Peter Guillam unterstützt, einem jungen Agenten mit Idealen und Moralvorstellungen, die der MI6 noch nicht zerstört hat, und zu dem er Zuneigung und eine fast väterliche Beziehung hat. Guillam und Smiley sind sich in vielerlei Hinsicht ähnlich, auch wenn man es dem eleganten jungen Agenten nicht anmerkt. Ricki Tarr ist ein Spion aus Singapur und von der gefährlichen Sorte, für den Guillam nur Verachtung übrig hat. Durch die zufällige Bekanntschaft mit einer russischen Spionin namens Irina ist Ricki Tarr der Erste, der merkt, dass jemand vom britischen Geheimdienst den Russen Informationen weitergibt, aber wegen seiner aufbrausenden und unberechenbaren Wesensart wird er auch von seinen Kollegen misstrauisch beäugt.

Der nächste im Kreis der üblichen Verdächtigen und wohl einer der interessantesten Charaktere im Buch ist Bill Haydon, rechte Hand des derzeitigen Oberhaupts des MI6. Haydon und Smiley haben eine komplizierter Beziehung; früher waren sie Freunde, aber seit damals hat sich viel verändert. Haydon ist ehrgeizig, arrogant und beobachtet lieber, als direkt im Mittelpunkt der Geschehnisse zu stehen, aber als Leser misstraut man ihm dennoch. Er kommt im Buch eher durch die Erzählungen und Erinnerung anderer zur Geltung, was seinen Charakter aber noch interessanter und mysteriöser macht. Das derzeit führende Mitglied des Geheimdienstes ist Percy Alleline, der das vorherige Oberhaupt unerwartet vom Thron stieß. Alleline wirkt durchschnittlich und unauffällig, aber sein rücksichtsloser Ehrgeiz ist der Grund, der ihn an die Spitze des MI6 gebracht hat. Ihm wird nachgesagt, dass er seine eigene Mutter verkaufen würde, um den Ritterstand zu erlangen, was es auf den Punkt bringt. Der ungarische Agent Toby Esterhase dagegen wirkt wegen seiner unbeweglichen Miene und seinem unnahbaren Wesen wie eine Puppe und er weiß mehr, als er zugeben will. Der Kreis schließt sich mit Jim Prideaux, patriotisch, loyal und ebenfalls ein ehemaliges Mitglied des britischen Geheimdienstes, der an der streng geheimen Operation "Testify" teilnahm und schwer verwundet wurde, als der Doppelagent dessen Details an die Sowjetunion verriet. Jim Prideaux und Bill Haydon haben auch eine interessante Beziehung, die Prideaux aber zusammen mit der Erinnerung an seine russische Gefangenschaft einfach nur vergessen will.

Eine Person muss ich noch erwähnen: Smileys schattenhaften Erzfeind Karla. Karla ist ein Agent der Sowjetunion und die beiden hatten ein schicksalhaftes Treffen vor langer Zeit. Obwohl Karla nur ein einziges Mal im Roman vorkommt und das auch nur in einer Erinnerung Smileys, hat er doch eine allgegenwärtige Präsenz in "Tinker Tailor Soldier Spy". Smiley und Karla scheinen das Gegenteil voneinander zu sein, aber wenn man an der Oberfläche kratzt, kann man erkennen, dass die beiden (wenn auch nicht in ihren Moralvorstellungen und Methoden) gar nicht so unterschiedlich sind.

Fazit: "Tinker Tailor Soldier Spy" ist ein Spionage-Thriller und die Spannung kommt vor allem durch John le Carrés feinsinnige Art zu Erzählen zustande; es wird zwar geschossen und es gibt eine Verfolgungsjagd, aber es gibt keine übertriebene Effekthascherei wie man sie aus Filmen kennt. Wenn man ein Fan von James Bond ist und Bücher mit viel Action mag, wird man sich bei diesem Roman wahrscheinlich langweilen, denn John le Carrés Story ist vor allem eine Charakterstudie. Die Geschichte wird vorsichtig erzählt mit allen Details, die wichtig sind und mit Rückblenden, die den Leser die Persönlichkeiten und Motive der Charaktere besser verstehen lassen. John le Carrés Spionage-Roman erinnert an ein Schachspiel, bei dem das Gegenüber bis zum Schluss im Schatten verborgen bleibt. "Tinker Tailor Soldier Spy" ist eine Geschichte über Freundschaft, Loyalität, Misstrauen und Verrat. Die Darstellung der Charaktere und ihre Beziehung zueinander ist sehr gut gelungen und obwohl ich vom Ende des Buches ein wenig mehr erwartet habe, kann ich nur 5 wohlverdiente Sterne vergeben. Sehr empfehlenswert!
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