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Kundenrezension

50 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit jedem Hörgang besser, 24. März 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Delta Machine (Deluxe) (MP3-Download)
Erstaunt durfte man in den vergangenen Tagen verfolgen, welch beachtliche Serie musikkritischer Flatulenzen das neue Album von Depeche Mode hervorrief. Kaum eine etablierte Tageszeitung ließ es sich nehmen, einen ihrer jüngeren Redakteure vorzuschicken und möglichst schnell abzudrücken. So suchte man kollektiv im komprimierten Stream über plärrende Speaker des Laptops nach Hymnen und Vertrautem, und fand, oh weh, nichts davon! Denn was man in Anbetracht ausverkaufter Stadien gern mal wieder aus den Ohren verlor: Depeche Mode sind weder berechenbar, noch Coldplay oder Hurts und mitnichten die Band der ganz großen Gesten, der gefälligen Popnummern, der Ohrwürmer und des greifbaren Pathos - abgesehen natürlich von zwei bis drei handvoll Singles und so manchem Song, der sich irgendwo auf einem der vorangegangenen zwölf Alben versteckte und mit der Zeit sein Gesicht offenbarte. Einen Song setzen und wirken lassen? Mehrmals abspielen oder überhaupt ein Mal in Gänze durchhören? Anscheinend tatsächlich zu viel verlangt im Kontext ordinärer Schnelllebigkeit.
Das sich mit Produzenten verstärkende Trio englischer Herkunft funktioniert spätestens seit „Songs Of Faith And Devotion“ (1993) anders und über die Kombination mehrerer Hörebenen. Und bei eingefleischten Fans noch einmal komplett anders als beim durchschnittlichen Konsumenten. Es sind die musikalischen Kleinigkeiten, in diesem Fall dezente Melodien, kurze intensive Bassausbrüche, das Knirschen und Knarzen aus Martin Gores massivem Maschinenpark und Dave Gahans trockene, separiert wirkende Vocals, die die neuen Songs in den Strophen beherrschen. Spannung wird vielfach in den Refrains aufgebaut, ohne jedoch in tiefster Befriedigung gelöst zu werden. Und? Na und! Etwas sadistisch vielleicht, aber in dieser Form wirklich nichts Neues. Die erste Reaktion auf „Delta Machine“ hat allerdings viel mit (nicht erfüllten) Erwartungen zu tun, woran Hauptsongwriter Martin Gore, auf dessen Kappe 14 der 17 neuen Songs gehen, nicht unschuldig ist. Wer wiederholt im Vorfeld selbst den Vergleich mit den beiden unbestrittenen Meisterwerken der eigenen Bandgeschichte bemüht, darf sich über den entsetzen Aufschrei ob der Nichtnachvollziehbarkeit kaum wundern.

Und was findet man auf „Delta Machine“ nun neben den drei im Vorfeld veröffentlichten Stücken, sofern man gewillt ist, dem Album mit Respekt und kostbarer Zeit zu begegnen? Einen Opener, dessen anfängliche Reserviertheit in einen symphonischen Refrain mit melodischer Herrlichkeit mündet. Und ferner einen, der ganz klar macht: Vergesst endlich und erst Recht für den Rest dieses Albums den jugendlichen Gahan mit herablassender Miene und emotionsarmer Coolness in der Stimme. Er kann singen, warum soll er es verdammt noch mal nicht? Man findet weiter den Minimalismus eines „My Little Universe“, das dann doch mit monströsen Subbässen und einer derben Sequenz überrascht, da ist Blues in „Slow“ mit seinem einprägsamen Riff-Rudiment, Klapps und einer dramatischen Analogsirene, da ist dunkler aber leichter Elektropop bei „Broken“, die so fragile wie aufdringliche Gore-Ballade „The Child Inside“ und Glam- und Clubatmosphäre mit „Soft Touch / Rough Nerve“. Am einfachsten wird es Fans noch mit „Should Be Higher“ und „Alone“ gemacht, deren Melodien sofort andocken und genug Tiefe besitzen, um am DM-Nerv zu rühren. Gahan schwingt sich hier zugleich in ungeahnte stimmliche Höhen und schlängelt sich in vertrauter Manier durch dichte, flächig arrangierte Strukturen. Vieles, was anfänglich wenig kompakt und sperrig wirkt, fügt sich alsbald und hakt sich in immer größeren Teilen ins Gehör. Möchte man Depeche Mode einen Vorwurf machen, dann ist das in gewisser Hinsicht die nächste Single „Soothe My Soul“. Als hätte man während der Produktion irgendwann festgestellt, dass die Kost womöglich zu schwer werden könnte, marschiert hier der „Personal Jesus“ ein und haut einem seine Hookline mitten ins Gesicht.
Depeche Mode 2013. Was das in zehn Jahren bedeuten wird, kann niemand vorhersagen. Für den Moment gilt: Es ist das Jahr einer mutigen, modernen Platte, deren Reize nicht an der Oberfläche zu finden sind. Aber ist es nicht gerade das, was die großen Werke der Musikgeschichte auszeichnet?
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 24.03.2013 19:06:23 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 24.03.2013 19:08:17 GMT+01:00
DiabolicWords meint:
Und auch hier komme ich nicht umhin mich darüber zu wundern, dass es offensichtlich völlig okay ist, wenn jemand Depeche Mode für jeden musikalischen Umbruch in den Himmel lobt, es aber ein völliges "no go" ist, wenn irgendwer genau diese Sinneswandlung kritisiert oder gar als unhörbar abstempelt. Dann wird gleich von "musikkritischer Flatulenz" gesprochen; werden Menschen, die durchaus etwas von ihrem Job verstehen, als "jüngerer Redakteur", wenn nicht sogar beleidigt.

Und auch hier wieder das lächerliche Beispiel mit dem "komprimierten Stream über plärrende Speaker des Laptops", weil ich vorhin in meiner Rezi zugegeben habe, dass Album über DepecheMode.de gehört zu haben. Junge, lass Dir gesagt sein dass ein Großteil der negativ rezensierenden Fangemeinde durchaus weiß was man tun muß, um Musik nicht nur mit 8 Bit mono über PC-Speaker zu genießen. Ich habe mir dieses Album über meine durchaus hochwertige Anlage angehört und da kommt die Musik, mit minimalen Abstrichen, auch live aus dem Internet, voll zur Geltung.

Und trotzdem klingt Delta Machine dadurch nicht besser. DM haben mit diesem Album meinen Musikgeschmack nicht getroffen. Ich erwarte nicht, dass sie wie in den 80ern oder 90ern klingen. Aber ich kann sehr wohl erwarten, dass sie meinen Musikgeschmack treffen. Und wenn sie das nicht tun, übe ich Kritik an einem Album, dass meine Erwartungen verfehlt. Und ob ich das Album nun 5 oder 50 mal höre, es wird dadurch in meinen Ohren nicht besser sondern allenfalls vertrauter werden. Aber das ist nicht das Gleiche.

Also hört auf alle Kritiker zu kritisieren und schreibt bitte nur darüber, was Euch an diesem Album gefällt. Das reicht doch! Denn komischerweise sind es "fast immer" die Album-Befürworter, die kein gutes Haar an den Kritikern lassen. Es sind aber nur in Ausnahmefällen Kritiker, die einen Befürworter für seine Meinung bis auf's Letzte diskreditieren. Schon mal darüber nachgedacht?!

Rezension ist freie Meinungsäußerung. Und so lange die des Pudels Kern trifft und den Richtlinien Amazons entspricht, sollten die Befürworter nicht ständig die Kritiker dafür beschimpfen, dass sie Kritik äußern. Wir sind doch hier nicht in China!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.03.2013 19:30:34 GMT+01:00
JK meint:
Es ging mir um die Verrisse, die man bereits wenige Stunden nach Pre-Veröffentlichung über iTunes/MyVideo bei den Onlinepräsenzen jeder Tageszeitung lesen konnte. Darauf kann und will ich nichts geben. Gegen fundierte Kritik ist überhaupt nichts einzuwenden. Und davon steht hier auch kein Wort.
Im Ürigen: Ich fand das Album auch zunächst ernüchternd, aber das hat sich grundlegend geändert. Bin überzeugt, dass es ganz vielen Leute, die im Moment überhaupt nichts damit anfangen können, ähnlich ergehen wird.

Veröffentlicht am 03.04.2013 18:52:41 GMT+02:00
eCommercer meint:
Ja, "Soothe my Soul" hat Anklänge von "Personal Jesus". Kommt aber leider nicht ganz an die Qualität und Genialität von seinem Vorbild heran. Aber das als Kritikpunkt?
Ansonsten sehr schöne Rezension, vielen Dank.

Ich wundere mich sowieso über viele Rezensionen. Ich fand Ultra 10x schwerere Kost als Delta Machine. Im Vergleich dazu ist die aktuelle Scheibe viel eingängiger und Hit-tauglicher. Wieso sich jetzt alle über Delta Machine aufregen, verstehe ich echt nicht.

Aber naja, über Geschmack läßt sich eh nicht streiten.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.04.2013 18:02:47 GMT+02:00
HSV meint:
Ja das finde ich auch!!!!zuerst wo ich die Cd gehört habe,habe ich gedacht mm ist ja nicht so toll:((((aber jetzt wo ich sie öfters gehört habe!!muss ich auch sagen das Alben wird immer besser.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.05.2013 03:29:02 GMT+02:00
A. meint:
Wann kommt endlich die 5.1 Version des Albums ?!?! :-\
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