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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Ich habe dir doch nicht weh getan, oder?!", 3. September 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Secretary (DVD)
Vorweg:

Meine Rezension bezieht sich nur auf den Film - wer Informationen zum beworbenen Film-Paket und den enthaltenen Extras sucht, kann meine Rezension einfach überspringen.

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"Ich habe dir doch nicht weh getan, oder?!"

Alkoholkranker, gewalttätiger Vater, selbstunsicheres, abhängiges und schüchternes Wesen, Selbstverletzung zur Spannungsreduktion, ein erster Aufenthalt in der Psychiatrie wegen eines scheinbaren Suizidversuchs. Ein tragischer Film über eine im Leben scheiternde Borderlinerin?! NEIN :-)

"Secretary" konzentriert sich nicht auf die reißerischen äußeren Merkmale einer psychischen Störung - er schlachtet nicht deren provozierenden Symptome aus. Der Film widmet sich vielmehr auf sehr sympathische, intime, persönliche und subjektive Weise der Entstehung und dem Erscheinungsbild eines pathologischen Drangs. Der Film will nicht erklären, warum es zu so etwas kommt - wir können als Zuschauer höchstens erahnen, was dahinter stecken könnte - "Secretary" zeigt einfach nur, wie das aussehen und wie ein Betroffener möglicherweise auch damit leben kann.

Ausgangspunkt
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Ein irgendwie richtig derb zerrüttetes Leben: Der Vater unter Alkohol ein Scheusal, die Mutter passiv und unterwürfig. Eine anhänglicher High-School-Freund, der nicht mehr als eine erste experimenthafte Liebschaft sein kann. Lee Holloway selbst zeigt Ansätze einer Borderline-Persönlichkeitsstörung indem sie ihre psychischen Verletzungen nur durch physischen Schmerz zu überdecken weiß: Selbstverletzung als routinierte Maßnahme zur Emotionsverarbeitung. Einmal zu tief geschnitten wird ihr zu Unrecht Suizidalität unterstellt und sie in eine Psychiatrie eingewiesen. Völlig nutzlos, da sie mit ihrer Form der Gefühlsbewältigung doch prima zurecht kommt. Doch irgendwie kann sie im Leben trotzdem nicht richtig Fuß fassen ...

Ein Job
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Eine Anstellung als Sekretärin bei einem Anwalt, der ebenfalls eine exzessive Art der Spannungsbewältigung zu betreiben scheint: Sport. Schnell wird deutlich, das beide Charaktere ihre sehr eigenen Maßnahmen zur emotionalen Ausbalancierung nicht nur auf negative sondern auch auf die äußerst positiven Gefühle und Triebe anwenden, und es auch anders gar nicht zu können scheinen. Es entwickelt sich ein mehr und mehr bewusstes Verhältnis von Devotion und Dominanz. Der Chef herrisch, tyrannisch, sie nicht lobend und manchmal keines Blickes würdigend. Die Sekretärin unterwürfig, aufopferungsbereit und gefügig, alles mit sich machen lassend. Er übernimmt die Befehlsgewalt, bietet Halt und Struktur. Sie lässt sich führen, lenken und strafen. Beide profitieren, irgendwie. Die Beziehung nimmt immer groteskere Züge an und stößt irgendwann an die Grenzen dessen, was zwei "Fremde" einigermaßen guten Gewissens miteinander machen dürfen.

Wirkung
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"Secretary" war mir so sympathisch, weil die eigentlich gravierenden psychischen Auffälligkeiten der beiden Protagonisten auf eine vertraute und sanfte, immer wieder auch ein wenig heitere und ironische Art und Weise dargestellt und nicht etwa "vorgeführt" werden. Wir sehen, dass beide in ihrer emotionalen Verarbeitung, insbesondere auch in ihrer Sexualität ziemlich schwer gestört sind, darunter leiden und auch um ihre "Andersartigkeit wissen. Gesellschaftsintrojizierter Scham spielt eine große Rolle. Jedoch gibt es Mittel und Wege, damit umzugehen. Interessant auch, wie es der Film schafft, die Bedeutung der individuellen Interaktion der beiden aufzuzeigen: Verhielte sich der eine in der Beziehung nicht so wie er es tut, so wäre es dem anderen nicht möglich, sich so zu zeigen, wie er ist. Mit jeder dyadischen Situation erhält der Gegenpart mehr Informationen, tastet sich weiter vor, fasst mehr Mut und kann eine weitere Barriere überschreiten. So kann sich tatsächlich eine skurrile Situation entwickeln, die mit einem anderen Gegenpart niemals möglich gewesen wäre. Und so können zwei neurotisch-skurrile Personen Bedürfnisse ausleben, die ihnen anderweitig verwehrt geblieben wären.

Fazit
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Zwei glänzende Hauptdarsteller, ein toller Soundtrack (erinnerte mich an "American Beauty"). Ein hochinteressantes Thema, differenziert, kreativ und sehr sympathisch umgesetzt. Situationskomik mit ironischen und schwarzen Untertönen. Sehr kurzweilige und gleichzeitig intelligente Unterhaltung.
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