Kundenrezension

627 von 700 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Arrogant, zynisch, unlustig., 3. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Schantall, tu ma die Omma winken! Aus dem Alltag eines unerschrockenen Sozialarbeiters (Broschiert)
Ich schließe mich der Kritik von einigen hier an - der Untertitel ist äußerst irreführend. Zu Anfang dachte ich noch, dass der Autor tatsächlich Sozialarbeiter ist und einen humorvollen Blick auf die Arbeit mit seinem nicht immer einfachen Klientel werfen will.

Es wird aber schnell klar, dass Herr Twilfer nicht einmal weiß, welche Ausbildung für Sozialarbeit erforderlich ist, geschweige denn, was ein Sozialarbeiter eigentlich tut. Ich bin vielleicht einfach zu tief in der Materie drin, aber diese immer wieder auftauchenden Ungereimtheiten haben mir das Lesen verleidet. Das geht schon damit los, dass nicht klar wird, warum der Protagonist überhaupt diese Familie betreut. Jugendamt? Sozialpsychiatrischer Dienst? JobCenter? Nichts davon passt, nichts macht Sinn. Zwar erfüllt Familie Pröllmann jedes nur erdenkliche Hartz IV-Klischee, aber warum sie einen persönlichen Sozialarbeiter haben, der auch noch nahezu jede Alltagssituation mitbekommt, so als säße er dort 24/7 im Wohnzimmer, bleibt unklar. Und nein, eine Fachkraft für Lagerlogistik ist kein Regalauffüller.

Die beschriebenen Personen beruhen nicht auf tatsächlichen Begebenheiten, sondern sind einfach schablonenhafte Ansammlungen von Vorurteilen. Der Klappentext behauptet, dass der Sozialarbeiter seine "Subjekte" irgendwann ins Herz schließt, doch davon ist nichts zu merken. Die Pröllmanns werden verächtlich-herablassend beschrieben, alles wird bösartig kritisiert, von der Wohnzimmereinrichtung bis zu Schantalls Urlaubsreise nach Lloret de Mar. Außerdem hat der Autor ein echtes Problem mit Dicken, ganz besonders dicken Frauen.

Das Ganze hat nicht den geringsten Funken Humor, sondern liest sich eher wie eine Ansammlung von "Was ich schon immer mal über diese Bevölkerungsgruppe sagen wollte, aber mich nur verpackt in "Satire" zu sagen traue". Dieser verächtliche und arrogante Tonfall führte dazu, dass ich nicht wirklich über die Geschichte lachen konnte. Man fragt sich, womit die armen Pröllmanns so einen Sozialarbeiter eigentlich verdient haben. Bloß weil die Nussbaumoptik-Schrankwand nicht zum Fliesen-Couchtisch passt? Oder doch weil Schantalles Glitzer-Handy in weiß die zarten Äuglein des Herrn Erlösers aus der oberen Mittelschicht beleidigt?

"Hilft dir selbst, sonst hilft dir ein Sozialarbeiter", sagt eine alte Weisheit. Man möchte sie den Pröllmanns ans Herz legen. Sie leiden nämlich keinesfalls unter ihrer Situation, sondern haben sich gut eingerichtet und wurschteln sich mit ihren Mitteln so durch's Leben. Der einzige Leidensdruck ist der des Sozialarbeiters, der es nicht ertragen kann, dass jemand genau das wagt.

Lieber Herr "Kollege": auch unsereins ist genau eine Kündigung und 12 Monate von Hartz IV entfernt. Ich würde also den Mund nicht zu voll nehmen.

Hochgradig unsympathisches Buch. Daumen runter.
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Kommentare

Von 7 Kunden verfolgt

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1-10 von 29 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 17.04.2013 19:39:57 GMT+02:00
C. Gronewold meint:
Besser kann man es nicht sagen. Das Buch habe ich mir heute gekauft und empfand schon nach ein paar Seiten genauso, wie "dat Stina" es beschreibt.
Für mich leider ein Fehlkauf!

Veröffentlicht am 18.05.2013 11:15:05 GMT+02:00
Peer meint:
Leider ging es mir beim lesen ähnlich. Schnell schießt einem hier die schamesröte ins Gesicht und man fragt sich, was einem der Bildungsbürger hier mitteilen möchte. Für mich liest sich das Buch wie eine Abrechnung der Mittelschicht mit der vermeintlichen Unterschicht und ist dank fehlender Selbstironie unerträglich. So einfach - alle H4ler doof und schlecht gekleidet, alle Abis Lebenskünstler und hip - lässt sich das Leben dann doch nicht erklären.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.07.2013 22:26:50 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 05.07.2013 22:27:40 GMT+02:00
Ich kann mich der Rezensentin und den beiden Vorkommentatoren nur anschließen. Daß dieses Buch seit einigen Wochen auf der Spiegel - Bestsellerliste in der Rubrik Sachbuch auf Platz 1 steht, ist mir unbegreiflich.

Veröffentlicht am 08.07.2013 08:53:57 GMT+02:00
Torti meint:
Dankeschön für die ausführliche Beschreibung , ich werde mir das Buch nicht kaufen denn für soetwas habe ich nichts übrig !!!!
Zu so ein Buch sage ich nur Pfui.......

Veröffentlicht am 08.07.2013 22:07:43 GMT+02:00
B. S-Egal meint:
Ich kann nur zustimmen, denn ich hatte beim Lesen ähnliche Probleme mit der Geschichte. War wirklich enttäuscht von diesem Buch, zumal der Autor sich anmaßt, von einer Familie, ob fiktiv oder nicht, auf eine ganze Gesellschaftsschicht zu urteilen, und das ohne wissenschaftliche Argumente. Ich bin vielleicht nicht vom Fach, was die Arbeit auf dem Amt angeht, welches es auch sein mag, aber ich kenne mich langsam mit wissenschaftlich korrektem Arbeiten aus, und dass man solche Feststellungen nicht einfach ohne Quellen und Beweise stehen lassen kann. Mir hat sich beim Lesen der Magen umgedreht, ob dieser pseudowissenschaftlichen 'soziologischen' Analyse.

Veröffentlicht am 12.07.2013 08:29:05 GMT+02:00
Eine gelungene Rezension. Vielen Dank dafür! Dass der Autor des Buches Wirtschaftswissenschaftler ist, sagt einiges...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.07.2013 22:43:40 GMT+02:00
Mama Maria meint:
Dat Stina, bitte schreib ein Buch! Ich würd das sofort kaufen.. selten so gelacht!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.07.2013 18:35:22 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 28.07.2013 10:26:09 GMT+02:00
dat Stina meint:
Schon passiert! (Und danke!) :)

Veröffentlicht am 09.08.2013 18:42:29 GMT+02:00
Anna Sinnlos meint:
Danke vielmals. Ich war kurz versucht mich für das Buch zu interessieren, eben weil ich im Oktober beginne soziale Arbeit zu studieren und dachte, vielleicht einen lustigen Einblick zu bekommen. Danke, dass Du mich vor dieser Enttäuschung bewahrt hast! :o)

Veröffentlicht am 01.10.2013 12:31:20 GMT+02:00
Wunderbar: Vielen Dank für diese ehrlichen Worte! So eine arrogante und überhebliche Sicht auf vermeintliche "Unterschichtler" werde ich mir nicht antun, denn so was braucht ja wohl kein Mensch. Es wirft ein schlimmes Licht auf unsere Gesellschaft, wenn so ein Buch wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste steht...
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