Kundenrezension

100 von 115 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Meisterwerk zum kleinen Preis, 23. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Bürgerliches Gesetzbuch BGB: mit Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz, BeurkundungsG, BGB-Informationspflichten-Verordnung, Einführungsgesetz (Taschenbuch)
Das BGB gehört zu den Meisterwerken deutscher Sprache wie Goethes "Faust" und Thomas Manns "Buddenbrooks". Und das meine ich nicht ironisch: Über hundert Jahre alt, erfüllt es noch immer in bewährter Weise seinen Zweck als grundlegendes Gesetz des deutschen Zivilrechts. Trotz des spröden, manchmal schwer verständlichen, Stils (§ 164 Abs. 2: "Tritt der Wille, in fremdem Namen zu handeln, nicht erkennbar hervor, so kommt der Mangel des Willens, im eigenen Namen zu handeln, nicht in Betracht") und gelegentlicher sprachlicher Schnitzer (§ 919 Abs. 1: "wenn ein Grenzzeichen verrückt (...) geworden ist...") ist die gedankliche, systematische und sprachliche Leistung der Väter des BGB (Mütter gab es keine) imponierend.

Gegliedert ist das BGB in fünf Teile, nämlich Allgemeiner Teil, Schuldrecht, Sachenrecht, Familienrecht und Erbrecht. Gerade der Allgemeine Teil ist ungeheuer beeindruckend. Die Erarbeitung eines Allgemeinen Teils des Zivilrechts war eine der großen Leistungen der deutschen Juristen im 19. Jahrhundert. Doch die Vorgeschichte des BGB ist noch älter und reicht bis in die römische Antike zurück.

Das BGB ist im Laufe der Zeit ständig modernisiert werden, was inhaltlich natürlich erforderlich war (zum Beispiel bei der Gleichberechtigung der Frau im Familienrecht oder der Einführung des modernen Verbraucherschutzes), in sprachlicher Hinsicht dem BGB allerdings nicht immer gut getan hat. § 651k, eine Vorschrift aus dem Reisevertragsrecht, ist ein besonders abschreckendes Beispiel für derartige moderne Monsterparagraphen. Ein tiefgreifender Einschnitt war das zum 1. Januar 2002 in Kraft getretene Schuldrechtsmodernisierungsgesetz, das im Bereich des allgemeinen Schuldrechts (auch das Schuldrecht hat noch mal einen Allgemeinen Teil) nicht nur die Begrifflichkeiten, sondern auch die althergebrachte Systematik einschneidend verändert hat.

Diese Ausgabe gibt nicht nur dem Juristen, sondern auch dem interessierten Laien Gelegenheit, für nur 5 Euro ein einzigartiges Dokument deutscher Rechtskultur in der Hand zu halten. Laien seien allerdings vor dem Irrtum gewarnt, nun an Hand des Gesetzestextes praktische Rechtsfälle lösen zu können. Gerade die hohe Abstraktionsebene der Sprache und der gesetzlichen Systematik, so faszinierend und bewundernswert sie ist, macht den Umgang mit dem Gesetz zu einer mühseligen Übung. Nicht umsonst zieht auch der studierte Jurist in Zweifelsfällen Kommentare zu Rate. Und die naive Rechtsanwendung von Laien, die mit Sprache und Methodik des Rechts nicht vertraut sind, führt oft zu absurden Ergebnissen.

Trotzdem ist die Lektüre des Buchs auch für den Laien ein echter Gewinn. Und selbst dem Fachmann möchte man raten, öfter mal zum Gesetzestext zu greifen. So liest man in jedem zweiten Anwaltsschriftsatz, wenn um Mängel einer Mietwohnung gestritten wird, dass der Mieter "ein Recht auf Mietminderung" habe. Dabei tritt laut ausdrücklicher gesetzlicher Regelung (§ 536 Abs. 1 Satz 2) die Minderung kraft Gesetzes von selbst ein.

Und das Beste: Das Buch gibt es zum wahren Freundschaftspreis von 5,00 €. Modern ausgedrückt: Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.
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Kommentare


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1-10 von 11 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 06.06.2010 13:30:39 GMT+02:00
anonym meint:
Ich habe noch nie eine so flammende Rezension gelesen, von der ich mir gewünscht hätte, ich hätte sie so treffend verfasst.

Veröffentlicht am 22.04.2011 22:28:21 GMT+02:00
[Von Amazon gelöscht am 22.05.2012 23:19:46 GMT+02:00]

Veröffentlicht am 19.05.2011 19:07:05 GMT+02:00
log.o meint:
Zum "Freundschaftspreis" kommt es mal gleich auf meinen Wunschzettel (Gute Ergänzung bei <20EUR-Bestellg). Als Nichtjurist damit Rechtsfälle entscheiden zu wollen wäre natürlich ebenso vermessen, wie sich als Laie mittels Pschyrembel zur Selbstdiagnose verleiten zu lassen.

Flammend? Ein überzeugendes Plädoyer allemal!

MfG

Veröffentlicht am 21.06.2011 21:15:20 GMT+02:00
micha kelm meint:
Das BGB ist in der Tat ein Meisterwerkt der deutschen Sprache. Besonders hervorzuheben ist auch § 962 Verfolgungsrecht des Eigentümers

"Der Eigentümer des Bienenschwarms darf bei der Verfolgung fremde Grundstücke betreten. Ist der Schwarm in eine fremde nicht besetzte Bienenwohnung eingezogen, so darf der Eigentümer des Schwarmes zum Zwecke des Einfangens die Wohnung öffnen und die Waben herausnehmen oder herausbrechen. Er hat den entstehenden Schaden zu ersetzen".

Und jedem, der nicht genug von solch spannender Lektüre bekommen kann, kann ich nur wärmstens das StGB, die StPO, das StVG sowie die Polizeigesetze der Länder empfehlen!

Veröffentlicht am 29.08.2011 16:37:35 GMT+02:00
Azurprinz meint:
"Das BGB gehört zu den Meisterwerken deutscher Sprache" ist eine Aussage, die bei jedem Sprachästheten nur ein fassungsloses Kopfschütteln verursachen dürfte. Dennoch: Klasse Rezension. ;p

Veröffentlicht am 17.10.2011 07:05:26 GMT+02:00
Frank Cremers meint:
Vollkommen geniale Rezension und nur noch durch die Rezension eines Telefonbuches zu toppen. Vielleicht wäre noch erwähnenswert, dass alle Deutschen Gesetze und Verordnungen in der jeweils aktuellen Fassung kostenlos online abrufbar sind. Ich warte aber bereits sehr gespannt auf die ungekürzte Hörbuch-Fassung.

Veröffentlicht am 21.05.2012 10:22:09 GMT+02:00
Ein Kunde meint:
Meisterwerk der deutschen Sprache, nun ja. Dem sprachlichen Ästheten wird die Lektüre ein wenig schmucklos vorkommen. Inhaltlich halte ich das BGB aber für eine der größten deutschen Leistungen. Ich denke aber, der Laie könnte schnell die Lust dran verlieren. Das Abstraktionsprinzip will erklärt und verstanden sein. Das Sachenrecht dürfte sich als Spasslektüre wenig eignen und eher Verdruss bereiten.

Veröffentlicht am 12.10.2012 12:07:44 GMT+02:00
Ninurta meint:
"Trotz des spröden, manchmal schwer verständlichen, Stils (§ 164 Abs. 2: "Tritt der Wille, in fremdem Namen zu handeln, nicht erkennbar hervor, so kommt der Mangel des Willens, im eigenen Namen zu handeln, nicht in Betracht")"

Schwer verständlich? Ist einfach ein verschachtelter Satz ...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.10.2013 09:49:41 GMT+02:00
Gilbert meint:
"Meisterwerk der deutschen Sprache" ?!?
Nun ja. welchen Nutzwert hat es, wenn die Hälfte der BRD-Bevölkerung der deutschen Sprache nicht mehr mächtig ist?
Wäre nicht eine Übersetzung ins türkische, russische,... notwendig?

Veröffentlicht am 19.10.2014 22:38:29 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 19.10.2014 22:41:52 GMT+02:00]
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