4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein zwiespältiger Roman., 17. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Der Venusmann (Taschenbuch)
Zufällig fand ich dieses Buch als Mängelexemplar, als ich schon seit über einem Jahr die Hoffnung aufgegeben hatte, es noch zu ergattern. Mit entsprechender Vorfreude widmete ich mich also diesem Buch und wollte es nach nur 50 Seiten an die Wand werfen und den Autor als vom Notstand übermäßig geplagten und jedes Klischee aufgreifenden Groschenromanschreiber beschimpfen. Glücklicher Weise las ich aber trotzdem weiter. Wenn man von den Ausschweifungen und der blühenden Phantasie des Autors absieht, dann sind in diesem Buch nicht nur alle belegten Stationen aus Farinellies Leben enthalten, sondern er greift auch entsprechend interessante Randerscheinungen auf. Da wäre z. B. ein indischer "Hijra" Kastrat, die in Indien allerdings nicht sangen, sondern als glückbringende Heilige verehrt wurden, bei Interesse findet sich bei Wikipedia ein guter Artikel darüber. Ebenso wird in diesem Buch der Kirche und damit der Inquisition eine größere Rolle beigemessen als in manchem anderen Roman über Farinelli, was an sich gar nicht so unwahrscheinlich ist. Trotzdem ist der Roman klischeehaft überzogen und sollte nicht ganz ohne Vorkenntnisse gelesen werden, da Klischee und Realität hier fast nahtlos ineinander übergehen. Der Autor hat so manches mal Überdramatisiert, aber wenn man die Effekthascherei gutmütig übergeht, wird das Buch wenigstens nach den ersten 50 Seiten langsam wirklich lesenswert und spannend, gar mitreißend genug um mir auf der vorletzten Seite doch noch eine kleine Träne ins Auge zu treiben. Zugegeben, verglichen mit Lawrence Louis Goldmanns Buch "Der Kastrat", welches auch Farinelli thematisiert, ist dieses Buch eher ein Fantasieroman, aber ein durchaus Unterhaltsamer. Nur das Papier ist dünn und billig (und auf den ersten 50 Seiten passte das ganz ausgezeichnet zu meinem Gesamteindruck des Buches), zunächst hätte ich dem Roman keine 250 Seiten zugestanden, musste aber feststellen, dass er tatsächlich über 400 Seiten fasst. Glücklicherweise ist das Papier trotz der mangelnden Stärke aber doch nicht so schlecht, als dass durchscheinende Buchstaben stören würden. Würde der Roman noch einmal neu verlegt werden, dann wünsche ich mir inständig eine bessere Papierqualität. Ich gebe dem Buch noch 3 Sterne, wobei eigentlich nur 2,5 gerechtfertigt sind. Ich ziehe einen halben Punkt für das Papier ab und ganze zwei Punkte für die übertriebene Inszenierung, die sich gerne mit lüsternen Szenen und kleinen Perversitäten aufhält und auch bei Schilderungen des normalen bürgerlichen Lebens lieber die ungewöhnlichen (z. B. raubende Kastratenbanden) Randerscheinungen ins Rampenlicht rückt, anstatt wirklich auch zu beschreiben was "normal" war.
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Franzpeter Messmer
Droemer Knaur
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Ein zwiespältiger Roman.
Zufällig fand ich dieses Buch als Mängelexemplar, als ich schon seit über einem Jahr die Hoffnung aufgegeben hatte, es noch zu ergattern. Mit entsprechender Vorfreude widmete ich mich also diesem Buch und wollte es nach nur 50 Seiten an die Wand werfen und den Autor als vom Notstand übermäßig geplagten und jedes Klischee aufgreifenden Groschenromanschreiber beschimpfen. Glücklicher Weise las ich aber trotzdem weiter. Wenn man von den Ausschweifungen und der blühenden Phantasie des Autors absieht, dann sind in diesem Buch nicht nur alle belegten Stationen aus Farinellies Leben enthalten, sondern er greift auch entsprechend interessante Randerscheinungen auf. Da wäre z. B. ein indischer "Hijra" Kastrat, die in Indien allerdings nicht sangen, sondern als glückbringende Heilige verehrt wurden, bei Interesse findet sich bei Wikipedia ein guter Artikel darüber. Ebenso wird in diesem Buch der Kirche und damit der Inquisition eine größere Rolle beigemessen als in manchem anderen Roman über Farinelli, was an sich gar nicht so unwahrscheinlich ist.
Trotzdem ist der Roman klischeehaft überzogen und sollte nicht ganz ohne Vorkenntnisse gelesen werden, da Klischee und Realität hier fast nahtlos ineinander übergehen. Der Autor hat so manches mal Überdramatisiert, aber wenn man die Effekthascherei gutmütig übergeht, wird das Buch wenigstens nach den ersten 50 Seiten langsam wirklich lesenswert und spannend, gar mitreißend genug um mir auf der vorletzten Seite doch noch eine kleine Träne ins Auge zu treiben. Zugegeben, verglichen mit Lawrence Louis Goldmanns Buch "Der Kastrat", welches auch Farinelli thematisiert, ist dieses Buch eher ein Fantasieroman, aber ein durchaus Unterhaltsamer.
Nur das Papier ist dünn und billig (und auf den ersten 50 Seiten passte das ganz ausgezeichnet zu meinem Gesamteindruck des Buches), zunächst hätte ich dem Roman keine 250 Seiten zugestanden, musste aber feststellen, dass er tatsächlich über 400 Seiten fasst. Glücklicherweise ist das Papier trotz der mangelnden Stärke aber doch nicht so schlecht, als dass durchscheinende Buchstaben stören würden. Würde der Roman noch einmal neu verlegt werden, dann wünsche ich mir inständig eine bessere Papierqualität.
Ich gebe dem Buch noch 3 Sterne, wobei eigentlich nur 2,5 gerechtfertigt sind. Ich ziehe einen halben Punkt für das Papier ab und ganze zwei Punkte für die übertriebene Inszenierung, die sich gerne mit lüsternen Szenen und kleinen Perversitäten aufhält und auch bei Schilderungen des normalen bürgerlichen Lebens lieber die ungewöhnlichen (z. B. raubende Kastratenbanden) Randerscheinungen ins Rampenlicht rückt, anstatt wirklich auch zu beschreiben was "normal" war.
Shisei Omukae
17. November 2006
- Insgesamt:
5

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