Kundenrezension

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wichtiger Schlüsselroman über Künstler im Dritten Reich, 6. Mai 2004
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Rezension bezieht sich auf: Mephisto: Roman einer Karriere (Taschenbuch)
Angeregt von dem Film "Mephisto" mit Klaus-Maria Brandauer in der Hauptrolle als Hendrik Höfgen und - genial! - Rolf Hoppe als Göring habe ich das Buch gelesen. Es schildert exemplarisch die Situation der Künstler in einem totalitären Staat, hier dem Dritten Reich. Anspielungen an den bekannten Theaterintendanten und Faust-Darsteller Gustav Gründgens sind im Buch evident. Klaus Mann war zeitweise mit ihm verwandt, da seine Schwester mit Gründgens zeitweise verheiratet war - die "Barbara" im Roman.
Das Buch schildert die Karriere des zunächst kommunistischen Provinzschauspielers Hendrik Höfgen, der jedoch nicht wie Max Reinhardt und andere Schauspieler nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 emigriert, sondern im Land bleibt. Opportunistisch passt er sich den Machthabern an. Dennoch leidet Höfgen auch unter der Situation - immerhin hat Höfgen im Roman und auch Gründgens in der Realität versucht, Regimegegnern und Juden zu helfen und zu retten - ein mutiger Akt in einem totalitären System. Dies kommt in dem Buch zu kurz, da Klaus Manns Hass auf Gründgens sehr stark durchscheint. Dennoch hat mich das Buch unwahrscheinlich gefesselt: es zeigt exemplarisch das Leben der Künstler in einem totalitären Staat: wer sich nicht anpasst, wird zertreten. Hendrik Höfgen flüchtet direkt vor der Realität in die Schauspielerei: so ist es kein Wunder, dass er auf Vorwürfe - im Buch in Auseinandersetzung mit einem kommunistischen Idealisten am Ende des Romans, im Film am Ende im gleißenden Licht, welches Göring auf ihn strahlen lässt, erklärt, er könne nichts für die Realität - er sei doch nur Schauspieler.
Es ist sicherlich leicht, heute den Stab über Gründgens und Höfgen zu brechen. Deutlich wird jedoch, wie schwer Widerstand in einer totalitären Diktatur gewesen ist: es fand eben nicht jeder den heldenhaften Mut zum Widerstand oder zur Emigration. Klaus Mann zeigt in seinem Buch auch, wie Höfgen unter dieser Feigheit leidet - obwohl das Werk insgesamt eine beißende Satire auf die Nationalsozialisten wirft. Es entstand 1936 und so ist es bewundernswert, mit welchem Scharfblick Mann die totalitären Zustände im Reich Hitlers entlarvt - der Einzelne, das Individuum mit seinen Nöten zählt nichts, es wird im Widerstand gegen das System entweder zertreten oder es passt sich - seelenlos - an. Insofern scheint mir der Roman mehr zu sein als reine Satire - es ist ein zutiefst trauriges Buch über den "unpolitischen Deutschen" - wie Klaus Manns Vater, Thomas Mann, sich und seine Generation bezeichnet hat.
Wie eine Staatsform - die Diktatur - jede kulturelle Blüte ersticken kann, wenn Primitivität, Banalität und Borniertheit zusammentreffen und die Macht erlangen - dies zeigt dieser sehr eindrucksvolle Roman, der - wie Feuchtwangers zur selben Zeit entstandenes Buch: "Der falsche Nero" - ebenfalls ein Schlüsselroman über die Zustände im nationalsozialistischen Deutschland und mit dem vorliegenden Buch in vieler Hinsicht vergleichbar - meines Erachtens ein Meisterwerk der Exilliteratur darstellt. Ob er der Person Gustav Gründgens' (die Höfgen aller Dementis des Autors zum Trotz doch wohl darstellt)allerdings gerecht wird, dies ist eine andere - und für mich offene - Frage.
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