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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Liebe durch das Tätigsein einer produktiven Charakterorientierung, 20. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Kunst des Liebens (Taschenbuch)
Erich Fromm, am 23. März 1900 als Sohn eines jüdischen Weinhändlers in Frankfurt am Main geboren, war Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe. Mit dreizehn Jahren begann sich Fromm intensiv mit Talmudstudien und Schriften von Ernst Bloch zu beschäftigen. In Frankfurt studierte er zwei Semester Jura, bevor er in Heidelberg Soziologie, Psychologie und Philosophie studierte. In München studierte er darüber hinaus Psychologie und Psychiatrie. 1934 emigrierte er zusammen mit dem Institut für Sozialforschung nach New York und eröffnete dort eine psychoanalytische Praxis. Fünf Jahre später trat er aus dem Institut aus, um gegen eine vollwertige Aufnahme Theodor W. Adorno`s zu protestieren. Ein Jahr später erhält Fromm die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Mit seinem Buch "Die Furcht vor der Freiheit" wird er zum bedeutenden Vertreter der Neo-Psychoanalyse, wo er die Thesen Sigmund Freud`s auf andere Weise interpretiert. Als Professor wird er fortan für Psychologie in Vermont tätig. Während dieser Zeit erscheint sein Buch "Psychoanalyse und Ethik". Nach seiner Umsiedelung nach Mexiko, wo er eine eigene Praxis eröffnet, erhält er eine ausserordentliche Professur für Psychoanalyse an der Staatsuniversität in Mexiko City. 1956 erscheint sein Buch "Die Kunst des Liebens", das schnell grosse Popularität gewinnt. Sieben Jahre später eröffnet Fromm das mexikanische psychoanalytische Institut. 1974 siedelt er nach Muralto, ins Tessin über. Hier stellt er zwei Jahre später sein wohl wichtigstes Werk "Haben oder Sein" fertig. Erich Fromm stirbt am 18. März 1980 im schweizerischen Muralto.

Erich Fromm beschreibt in seinem Werk "Die Kunst des Liebens" das menschliche Problem der Liebe als Auffassung des Menschen, selbst geliebt zu werden, anstatt zu lieben und lieben zu lernen. Hinter der Einstellung, dass man nichts lernen müsse, um lieben zu können, stecke die Annahme, es gehe bei dem Problem der Liebe um ein Objekt, nicht um eine Fähigkeit, die man sich erarbeiten muss. Diese Einstellung sei zum Einen durch die moderne Konsumkultur bedingt. Der Mensch sehe seinen Mitmenschen als Objekt mit verschiedenen attraktiven Eigenschaften, die ihn auf dem Personalmarkt begehrenswert machen. Dabei hänge dies wiederum von der jeweiligen Mode ab, die in der Gesellschaft vorherrsche. Der gewünschte Gegenstand ist also vom Standpunkt seines gesellschaftlichen Wertes aus begehrenswert. Menschliche Arbeitskraft und Energie werden zu Gebrauchsgütern. Das Verlieben zwischen zwei Menschen geschieht dann, wenn das gegenseitige Gefühl vorhanden ist, dass man das beste Objekt gefunden hat, das für sie in Anbetracht des eigenen Tauschwerts auf dem Markt erschwinglich ist.

Die Erfahrung des menschlichen Abgetrenntseins beschreibt Fromm als die essentielle Angstquelle des Menschen. Hilflos zu sein, ohne jede Möglichkeit, die Welt und Mitmenschen mit den eigenen Kräften zu erfassen. Dass die Welt über den Einzelnen herfallen kann, ohne dass dieser darauf reagieren kann. Das Bewusstsein der menschlichen Getrenntheit ohne die Wiedervereinigung durch die Liebe treibe den Menschen zu verschiedensten orgiastischen Zuständen. Der Mensch sei ein Wesen, das sich mehr und mehr von seinem natürlichen Ursprung entfernt hat und seither immer intensivere Bedürfnisse entwickelt hat, Mittel und Wege zu finden, dem Getrenntsein zu entrinnen. So sucht er sich dieses Entrinnen in verschiedensten orgiastischen Zuständen. In einem vorübergehenden Zustand der Exaltation verschwindet die Aussenwelt und damit auch das Gefühl, von ihr abgesondert zu sein. Auch der sexuelle, menschliche Orgasmus hat in diesem Kontext heute einen hohen Stellenwert für die Menschen, ist er doch ähnlich eines Trancezustandes durch gewisse Drogen, bei dem man alles um sich herum vergisst. Die meisten Menschen suchen sich diesen Zustand günstigerweise in der Konformität mit Gruppen, der dadurch gefördert wird, dass die Unterschiede zwischen den Individuen mit der Zeit ausgemerzt werden, die Polaritäten zwischen den Geschlechtern immer mehr verschwinden. Dazu kommt, dass man heute unter anderem als einzelnes Atom des Gefüges reibungslos funktionieren muss, damit die Gesellschaft in ihrer speziellen Kultur funktionieren kann.

Fromm`s Meinung nach sei die reife Liebe ein aktives Tätigsein, das durch eine produktive Charakterorientierung entstanden ist. Dabei bleibt die eigene Integrität und Individualität erhalten. Es ist der Akt des Gebens, dem die Grundelemente von Fürsorge, Verantwortungsgefühl, Achtung vor dem anderen und Erkenntnis innewohnen. Die tätige Sorge für das Leben und das Wachstum dessen, was man liebt. Die charakterliche Tiefe eines Menschen zu erkennen und so zu betrachten, wie sie wirklich ist und sie nicht aus dem Grunde liebt, weil diese bestimmten Vorgaben entspricht oder sie einen Nutzen gebracht hat, den ich nun kompensieren muss. Fromm sagt aber auch, dass es dem Menschen wohl nie gelingen werde, den Charakter eines Menschen ganz zu erfassen. Dazu käme, dass der Mensch ein Wesen von Widersprüchen sei. Der einzige Weg zu Erkenntnis sei der Akt der Liebe, in dem man dem anderen etwas von seiner Lebendigkeit gibt. Wie etwa Freude, Verständnis oder Hilfsbereitschaft. Reife Liebe folge nicht dem Prinzip der häufig auftretenden, infantilen Liebe, wobei man jemand liebt, weil man selbst geliebt wird, sondern dass man geliebt wird, weil man jemanden liebt. Nicht, weil man jemanden liebt, weil man ihn braucht, sondern ihn braucht, weil man ihn liebt.

Als eine wichtige Bedingung, einen anderen Menschen lieben zu können, beschreibt Fromm die Liebe zum persönlichen Selbst, das untrennbar mit der Liebe zu allen anderen Wesen verbunden sei. Die Bejahung des eigenen Lebens, des eigenen Glücks und Wachstums und der individuellen Freiheit sei die Wurzel der Liebesfähigkeit. Dazu zieht Fromm die "Nächstenliebe", wie sie anschaulich in der Bibel existiert, heran. Zu lieben und zu geben ohne Narzissmus und Egoismus und sich mit seinen Mitmenschen als Einheit zu fühlen. Fromm erläutert desweiteren die paradoxe Logik in Bezug auf die Gottesvorstellung und deren Analogie auf die menschliche Liebe. Der Widerspruch sei eine Kategorie des menschlichen Geistes und nicht an und für sich ein Element der Wirklichkeit. Um sein Nichtwissen zu wissen, sei das Höchste. Um sein Wissen nicht wissen, sei krankhaft. Für diese Philosophie ist es nur konsequent, dass der höchste Gott keinen Namen hat. Was man nicht sieht, was man nicht hört, was man nicht fängt, das ist chaotisch zun Einen verbunden. Wie im indischen, sokratischen und taoistischen Denken ist die höchste Stufe, zu der das Denken führen kann, das Wissen, dass man nichts wisse. Ein Wissender rede nicht, ein Redender wisse nicht. Der Geist könne nur in Widersprüchen wahrnehmen und das Denken könne letztendlich nur dazu führen, dass es keine endgültige Antwort geben kann. Als einzige Möglichkeit, Gott zu erfassen beschreibt Fromm wie auch in der menschlichen Liebe zueinander den Akt und das Erlebnis des Einsseins mit ihm, was letztendlich dazu führt, dass man sein Leben nicht auf das Denken, sondern auf das richtige und bewusste Handeln ausrichtet.

In der Praktik beschreibt Fromm die Liebe als eine Kunst, die ständig praktisches Üben von Disziplin, Konzentration und Geduld erfordert. Dem heutigen Konsummenschen fehle es oft an diesen wichtigen Eigenschaften. Er kann nur noch schwer mit sich allein sein, ohne beispielsweise gleichzeitig Radio zu hören, zu Rauchen oder zu trinken. So wird er unruhig oder gar ängstlich. Fromm geht es dabei um Aufmerksamkeit. Sich mit dem ganzen Wesen auf das zu richten, was man gerade tut. Dazu gehört auch Zuhören zu können. Die Disziplin sei grundlegend für eine funktionierende Beziehung zwischen zwei Menschen, damit man ohne das Gefühl des Abgesondertseins sich nahe sein kann und wieder voneinander entfernen kann. Weiterhin beschreibt Fromm hier den Menschen als ein Wesen ohne das Interesse, die geistigen Prozesse des anderen Menschen zu beobachten, da dieser sich die Funktionsweisen der gesellschaftlichen Gruppierungen zur Norm macht und weiss, solange er nicht davon abweicht, dem anderen Menschen keine besondere Beachtung mehr schenkt.

Zuletzt beschreibt Fromm den Glauben als unumgängliche Voraussetzung für die Entwicklung im Menschen zu einer produktiven Charakterorientierung. Als ein Löslösen und Erwachen. Der rationale Glaube ist eine Überzeugung, die im eigenen Denken und Fühlen verwurzelt ist. Der Glaube an die Vision als ein vernünftiges Ziel, das sich anzustreben lohnt. Der Glaube erfordere Mut und die Bereitschaft, Schmerz und Enttäuschung hinzunehmen. Da Gefahrlosigkeit und Sicherheit im Leben nie ganz gegeben sind, kann der Glaube helfen. Etwas zu riskieren und den Sprung zu wagen, für die Werte alles aufs Spiel zu setzen. Glaube im Sinne der Zuversicht und des Vertrauens. Sich jemandem hinzugeben mit der Hoffnung, dass man durch seine Liebe auch in der Person Liebe erwecken kann.

Fazit: Einige Ausführungen wirken definitiv überholt, andere aber sind gerade in der heutigen Zeit aktueller denn je. Das Buch ist für jeden bewussten Menschen das Lesen wert.
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