Kundenrezension

62 von 72 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Susan Abulhawa meets Amos Oz, 11. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Während die Welt schlief: Roman (Taschenbuch)
Thema des Romans ist die Vertreibung und Unterdrückung der Palästinenser durch israelische Zionisten seit 1948. Exemplarisch an einer Familie beschreibt die Autorin über vier Generationen die geschichtlichen Ereignisse und verknüpft deren Schicksal mit den markanten historischen Fakten, beginnend mit der Vertreibung aus dem angestammten Dorf im Jahre 1948, über den Angriff auf das Flüchtlingslager Jenin 1967 im Zusammenhang mit dem Krieg gegen Ägypten, den Libanon-Krieg am Beginn der 80er Jahre und die Auswirkungen und Restriktionen auf das tägliche Leben bis heute.

Susan Abulhawa beschreibt das Drama um Israel und Palästina aus palästinensischer Sicht. Leider gibt es bislang nicht viele palästinensische Stimmen in der Literatur, um so wichtiger und bedeutungsvoller ist dieser Roman.

Ganz bemerkenswert finde ich, wie es der Autorin gelingt, durchgängig absolute Objektivität zu wahren. Sie beschreibt Tatbestände, aber sie stellt sie tatsächlich nur fest, sie wertet nicht, sie urteilt nicht, sondern überlässt die Meinungsbildung allein dem Leser. Dabei gelingen ihr absolut eindrucksvolle Schilderungen, bei denen einem der Atem stockt, ohne dass auch nur eine Spur von Rührseligkeit im Spiel ist. Ich denke dabei z. B. an eine längere Passage, in welcher beschrieben wird, wie zwei kleine Mädchen, eine davon die Protagonistin, zusammen mit einem Baby tagelang in einer Art Kellerloch versteckt ausharren, als das Flüchtlingslager Jenin im Jahre 1967 angegriffen und in großen Teilen zerstört wird. Man kann das als Leser kaum aushalten, und doch war es für die Menschen Realität. Und das ist nur ein Beispiel. Angesichts solcher Schilderungen wird man sich seiner eigenen Luxusprobleme peinlich bewusst.

Die Darstellung der palästinensischen Tragödie sensibilisiert für die teilweise einseitige oder auch zuweilen sparsame Berichterstattung hinsichtlich dieses Konflikts. Man kann schon den Eindruck bekommen, als Zeitungsleser manipuliert zu werden, damit man glaubt, was man glauben soll -' wem auch immer das gerade nützt. Der Glauben an umfassende Information ist m. E. eine Illusion. Ich habe überlegt, an welchen Punkten ich zur Zeit einiger Ereignisse des Romans im Leben stand und bin erschrocken, wie schnell weltpolitische Dinge selbst großen Ausmaßes über die Beschäftigung mit der eigenen Biografie in Vergessenheit geraten können.

Der Roman ist sehr bewegend, mitfühlend und ergreifend ohne - ich betone es noch einmal - zu verurteilen. Viele andere Bücher erscheinen plötzlich völlig belanglos nach der Lektüre dieses Titels. 'Nie zuvor habe ich einen so fesselnden Roman über Palästina und Israel gelesen' wird Henning Mankell auf dem Titelblatt zitiert. Er hat Recht. Jeder, der sich für politisch motivierte Literatur und für diesen Teil der Erde im Besonderen interessiert, sollte dieses Buch unbedingt lesen und anschließend weiterempfehlen.

Als Ergänzung lege ich Ihnen wärmstens ans Herz 'Eine Geschichte von Liebe und Finsternis' von Amos Oz. In diesem sehr epischen, autobiografischen Roman lesen Sie die Geschichte Israels im 20. Jahrhundert aus der Sicht eines jüdischen Einwandererkindes ' mit einem sehr, sehr kritischen Blick auf Israel. Beide Titel ergänzen sich m. E. hervorragend.

Eine letzte Anmerkung: Ich stieß im Buchhandel auf diesen Titel, ohne vorher eine Rezension gelesen zu haben und tätigte einen Spontankauf. Insofern hatte ich keinerlei Erwartungen an den Roman außer meiner eigenen an dieses Thema. Vielleicht erscheint dem ein oder anderen mein Leseeindruck zu unkritisch, doch ich sehe keinen Ansatz für Kritik.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-6 von 6 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 19.01.2015 09:36:35 GMT+01:00
Sunlover meint:
Diese Kritik ist so nicht akzeptabel. Das mag nicht antiseitisch gemeint sein, aber es klingt so. Aus deutschem Mund nicht akzeptabel!

Veröffentlicht am 14.05.2015 13:46:51 GMT+02:00
Objektiv? Wissen Sie nach der Lektüre dieses Buches, dass die Besatzung und die "Vertreibungen" Folge arabischer Angriffskriege sind? Wissen Sie, dass die Palästinenser 1947/48 mehrheitlich eben nicht vertrieben worden sind, sondern den Aufrufen der arabischen Führer gefolgt sind, sich vor dem arabischen Angriffskrieg in Sicherheit zu bringen? (Es gibt ja noch viele arabische Israelis.) Wissen Sie, dass die Palästinenser ihren Staat immer wieder abgelehnt haben, weil sie Israel von der Landkarte tilgen wollten (informieren Sie sich zum Beispiel über die drei NO von Khartoum)? Wissen Sie, dass mehr Juden aus rein rassistischen Gründen aus den arabischen Ländern vertrieben wurden, die dann in Israel aufgenommen wurden?

Und eine weitere Frage: Würden Sie ein Buch, das von einer deutschen "Heimatvertriebenen" aus den Ostgebieten handelt, in gleicher Weise kommentieren? Wenn nicht: Wo ist der Unterschied?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.07.2015 13:45:15 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 05.07.2015 13:45:55 GMT+02:00
Henry Preneux meint:
Danke für Ihren Kommentar. Sie zeigen sehr klar auf, dass Israel als das Böse schlechthin gezeichnet wird. Dass dem nicht so ist, kann nicht oft genug betont werden.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.07.2015 14:10:25 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 05.07.2015 17:40:34 GMT+02:00
Ich gehe jetzt einfach einmal davon aus, dass sich Ihre Antwort an mich richtet: Dafür danke ich Ihnen. - Ja, so sehe ich das auch, denn die palästinensische Propaganda ist doch leider nicht nur in diesem Land recht erfolgreich. Die vielen positiven Bewertungen zeigen es: Wer die Geschichte nicht kennt, ist ein leichtes Opfer dieser Gehirnwäsche. Daher habe ich mir vorgenommen, jede positive Rezension zu kommentieren.

Frau Abulhawa hat mit "Als die Sonne im mehr verschwand" ein neues Buch veröffentlicht. Wieder natürlich geschichtsverfälschend. Wenn Sie den positiven Rezensionen - es sind noch nicht sehr viele - ein "nicht hilfreich" geben könnten, wäre das bestimmt "hilfreich" ;-).

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.07.2015 22:57:39 GMT+02:00
Colin Wood meint:
Sehr geehrte Frau Holtmann,

ich habe inzwischen verstanden, dass Sie mit Ihren zahlreichen Kommentaren zu den Rezensionen dieses Romans einen Bildungs- und Erziehungsauftrag verfolgen. Allerdings gefällt mir der Ton nicht, in dem Sie dies tun. Warum greifen Sie sämtliche Verfasser positiver Rezensionen persönlich an? Keiner dieser Autoren hat Ihnen persönlich ein Haar gekrümmt. Natürlich können Sie sich dieses Tons bemächtigen – nur dann bitte nicht in diesem Forum! Schreiben Sie einen Zeitungsartikel, schicken Sie entsprechende Rezensionen an überregionale Zeitungen. Ich bin sicher, dass sie dort mehr Leser erreichen werden. Wenn Sie Menschen belehren möchten, ist dies nicht der richtige Ort und Ihr Ton nicht angemessen. Niemand lässt sich gern beschimpfen. Schon gar nicht wegen seiner Meinung.

Bedenken Sie bitte auch, dass viele Leser dieses Buches sich möglicherweise zum allerersten Mal intensiver mit dem Konflikt um Israel und Palästina auseinandergesetzt haben. Vielleicht steigen viele dieser Leser aufgrund dieses Buches tiefer in die Lektüre ein. Je mehr man zu einem Thema liest, um so differenzierter ist die Meinung, die man sich bilden kann. Die man auch ändern kann. Aber mit ihrer Schimpf- und Hasstirade erreichen Sie das sicher nicht.

Sie rufen dazu auf, die positiven Rezensionen zu Frau Abulhawas neuem Buch mit „nicht hilfreich“ zu bewerten. Auf diese Weise entmündigen Sie die Leser. Vielleicht möchten die Leser sich aber gerne selber eine Meinung bilden. Ihre agitatorische Aufforderung ist leicht zu durchschauen.

Bitte üben Sie Ihr politisches Sendungsbewusstsein an anderer Stelle aus, und hören Sie auf damit, dieses Forum dazu zu instrumentalisieren, denn das ist nicht der geeignete Ort.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.07.2015 07:49:21 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 07.07.2015 07:44:47 GMT+02:00
1. Ich sehe nicht, dass ich einen Leser/Rezensenten persönlich angreife. Zumindest ist das nicht meine Absicht, und wenn meine Kommentare "aggressiv" erscheinen, dann bedauere ich das. Ich möchte lediglich Fehlinformationen richtigstellen.

2. Sie sehen das richtig: Ich verfolge einen - nennen wir es lieber - Aufklärungsauftrag. Und das tue ich ganz konkret hier. Das Buch ist ein Bestseller, es erreicht also viele Menschen. Die halten sich für informiert, nachdem sie dieses Buch gelesen haben, de facto sind sie fehlinformiert. Genau die möchte ich erreichen.

3. "Agitatorisch" sind nicht meine Kommentare - denn ich halte mich an Fakten. "Agitatorisch" ist das Buch von Frau Abulhawa. Bitte widerlegen Sie mich, zeigen Sie, dass ich Falsches behaupte. Nur dann hätte der Ausdruck "agitatorisch" eine Berechtigung.
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