Kundenrezension

388 von 425 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Debüt mit hoher Qualität, 24. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand: Roman (Broschiert)
Allein schon der sperrige Titel des Romans zeigt an, dass hier kein griffiger und leicht dahinplätschernder Mainstream Roman zu erwarten ist, sondern die Kreativität und Phantasie des Autors weite Wege zu gehen bereit ist. Eine Erwartung, die nicht nur nicht enttäuscht wird bei der Lektüre des Buches, sondern durchaus übertroffen wird. Vor allem, weil es Jonasson ohne weiteres gelingt, die Phantasie nicht zu sehr ausschweifen zu lassen, sondern die Geschichte seines Protagonisten in der Gegenwart und der Vergangenheit (beide Stränge liegen im Buch nebeneinander vor), zielgerichtet und intensiv zu erzählen.

Viele kleine Fäden spinnt Jonasson in seinem Erstlingswerk, die allesamt in sich schlüssig konstruiert und mit wunderbarer Sprache auf den Punkt gebracht wird. Ein Roman, in dem die Figuren je liebevoll in ihren vielfachen Besonderheiten ausgearbeitet werden und ein homogenes Gesamtbild ergeben, das mit trockenem Humor versehen die phantastische Geschichte jederzeit nach vorne befördert, selbst in den Teilen des Romans, die dem ausführlichen Rückblick dienen. Denn jener 100 jährige Allan Karlson, der am Tag seines Jubiläums auf dieser Welt mit müden Knochen und in Pantoffeln das Seniorenheim durchs Fenster verlässt, ist einer, der sich zu helfen weiß und dadurch auch vielen anderen Wege zu ebnen versteht.
In der Anlage ähnlich wie ein Forrest Gump (allerdings ohne dessen grenzenlose Naivität) hat er im Leben schon ganz andere Situationen gemeistert als diese Flucht aus dem kleinen Ort. Schon im vorbeigehen am Busbahnhof nimmt er einen Koffer an sich (zum Aufpassen anvertraut von einer zwielichtigen Gestalt, die das Ende des Buches nicht erleben wird). Aber herrenlos stehen lassen kann er ihn doch nicht und der Mann, der ihm den Koffer gab, kommt und kommt nicht herunter von der Toilette des Busbahnhofs.

Mitsamt Koffer macht sich Karlsen auf den Weg, soweit 50 Kronen reichen. Steigt aus fast im Niemandsland und trifft auf einen Kleinkriminellen, der sich dorthin zurückgezogen hatte und gefallen an dem munteren Senior findet, ihn zudem kongenial ergänzt. Wie auch weitere Personen hinzutreten. Eine Gruppe, die bald landesweit zur Fahndung ausgeschrieben sein wird. Mitsamt einem Elefanten, der eine tragende Rolle spielen wird.

Aber einer, der schon in jungen Jahren einen prominenten Bewohner des Dorfes mit Dynmait in die Ewigkeit verabschiedete (ungewollt), der mit Franco speiste, Truman nebenbei die technische Lösung der Atombombe verriet, dies mit flaschenweise Tequila begoss und damit wieder einen Freund fürs Leben gewonnen hat, einer, der Maos Verlobte zu retten verstand und, weil er sich mit Stalin persönlich anlegte (dem verriet der das Geheimnis der Atomspaltung nicht!) durch jenen Mao irgendwann gerettet werden musste, ein solcher Mann lässt sich von der schwedischen Polizei nicht einfach so fangen. Im Gegenteil. Eine der interessantesten Figuren des Buches ist jener mit der Fahndung beauftragte Kommissar Aronson. Jonasson gelingt es sprachlich treffend, fast spielerisch, die innere Entwicklung dieses Polizisten (einsam und leer zunächst) wunderbar zu schildern, als dieser auf die Gruppe der flüchtenden Ausreißer und vermeintlichen Schwerverbrecher trifft. Denn das ist die eigentliche Kraft des Hunderjährigen, dass er durch seine klare Linie und trockene Art der Lebensbetrachtung Menschen in seinen Bann zu ziehen vesteht, die nicht unverändert danach im Raume stehen bleiben können. Menschen die Alan Karlson ein Leben lang verbunden bleiben (außer Stalin eben), so wie ganz zum Schluss seine ehemals enge Freundschaft zum inzwischen verstorbenen Halbbruder von Albert Einstein allen Beteiligten ein Happy End bescheren wird. Nach so mancherlei Aufregungen und weiten Wegen, auf denen unter anderem 'Allan und Herbert hatten Chaos stiften wollen, und nun hatten sie weiß Gott Chaos gestiftet'. Ein Chaos, welches den beiden zu Zeiten zur Flucht aus dem Gulag hilfreich war.

Erfrischend anders schreibt Jonas Jonasson seine Geschichte auf. In sich logisch bis ins kleinste Details ausgearbeitet, mit Figuren, die allesamt in den Bann zu ziehen verstehen, versehen mit einem trockenem Humor und einer differenzierten Sprache, welche die Lektüre zum reinen Genuss werden lassen. Ein wunderbares Buch.
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Kommentare

Von 5 Kunden verfolgt

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11-20 von 23 Diskussionsbeiträgen
Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.10.2011 10:47:06 GMT+02:00
Eben. Und ich wollte unbedingt in der Rezension jene Kurve bekommen, zu erwähnen, das es aiuch "härter" zur Sache geht als nur exotische Persönlichkeiten durch diese weite Welt durch abenteuerliche Verwicklungne zu schicken. Besseer wäre wohl gewesen, dies als "wer aber das Ende des Buches erleben will....", oder: "Unter Umständen langt nicht jeder der Beteiligten lebend auf der letzten Seite an". Wäre nix verraten und dennoch klar, das es "auch Tote" gibt. Aber nu isses durchs Netz und weiterhin geh ich davon aus, dass diese eine Person das Buch nicht trägt und genügend Überraschendes für den Leser noch bleibt.

Und mit dem Seichten geb ich Ihnen recht. Da ich (glücklicherweise) schon zu Studienzeiten ob der Masse der Fachbücher erbleichend einen professionellen Schnellesekurs besucht habe und diese erworbene Fähigkeit seitdem in Ausbildung und Beruf durchaus verwendet habe, brauche ich objektiv nicht allzuviel Zeit, ein Buch "anuzlesen" und kann daher schnell aussoriteren, was mein Kopfkino nicht wirklich anregen wird. Und da ja keiner mich gewaltsam dazu drängt, Verrisse zu zu schreiben bleiben mir letztlich vielmehr Bücher "erspart", als die, die ich bearbeite. Aber diese Freiheit besitzen Sie sicher auch. Ist das nicht schön? Find ich zumindest.

Grüße und ebenfalls viel Freude an Ihrern weiteren Rezensionsprojekten,

mlp

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.10.2011 10:48:31 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 18.10.2011 10:48:51 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.10.2011 09:29:57 GMT+02:00
Alfa Fähe meint:
Ja, da stimm ich zu! Man hat auch nach langjährigem Rezensieren, wenn man es denn wirklich sinnvoll machen will, auch die Erfahrung, was man vom Inhalt eines Buches heraushebt, damit andere sich eine Meinung darüber bilden können. Mir ist es beim Buch einer sehr beliebten Autorin passiert, dass ich in einer Rezension unabsichtlich etwas über eine Person verriet, weil diese in einem anderen Buch der Autorin, welches aber mit dem aktuellen im Grunde gar nichts zu tun hatte und ich auch nicht kannte, eine tragende Rolle spielt. Der Unmut der Leser hier bei Amazon folgte stehenden Fußes und ich wusste zuerst nicht einmal warum, bis mich eine Leserin aufklärte.
So kann es einem also auch gehen :-)
Man entwickelt aber als Vielleser mit der Zeit ein "gutes Auge" für Bücher die einem zusagen werden oder nicht. Ein Anlesen bzw Hineinlesen in das Werk genügt da in der Regel. Zu meinem Glück muss ich sagen, dass richtige "Fehlgriffe" bei mir seit langem so gut wie nie vorkommen. Dass mir etwas weniger gefällt, ich mir vielleicht mehr von dem einen oder anderen Buch erwartet habe, ja, aber so richtig "daneben gegriffen" habe ich in den letzten Jahren nie. Und sollte mir wirklich ein Buch unterkommen, das ich für nicht so gut halte, so fühle ich mich, wenn es denn ein Rezensionsexemplar ist, aber dennoch verpflichtet es zu lesen, um es zu rezensieren. Allerdings gehör ich nicht zu denen die mit schierem Vergnügen ans Werk gehen, um ein Buch zu "verreissen".

Nun muss ich mir nach dem 100jährigen ein Buch suchen, das einen ähnlichen Level hat und das ist gar nicht so einfach......

beste Grüße

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.10.2011 11:00:55 GMT+02:00
Ach, der "Unbeugsame" ist, auf ganz andere Weise, sprachlich und inhaltlich, ein ebensolches Erlebnis. Interessant mit dem "verpflichtet" sein. Das hat bei mir Grenzen. Wenns mich gar nicht interessiert, schicke ich das Buch einfach zurück und begünde mein "Nicht Gefallen", das geht sogar, wenn Bücher von Autoren direkt kommen, ohne dass zu viel böses Blut entsteht. Viel Vergnügen auf der "Pirsch" nach weiteren, herausragenden Büchern. mlp

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.10.2011 11:41:34 GMT+02:00
Alfa Fähe meint:
"Unbeugsam", ein interessanter Tipp, dankeschön.
Freu mich immer eine Perle unter der Masse an angebotenen Büchern zu finden, egal welches Genre.

Zwischendurch gönnte ich mir jetzt "Was vom Tage übrig blieb", ein sehr elegantes Buch in schöner Sprache.

beste Grüße

Veröffentlicht am 22.11.2011 15:59:17 GMT+01:00
Gisi Co - Bo meint:
Eine solche Rezension ist zu lang. Für mich muss eine g u t e und lesenswerte Rezension kurz sein und das Wesentliche prägnant ausdrücken. Ich wünsche mir keine Inhaltsangabe!
Mit freundlichem Gruß.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.11.2011 16:17:53 GMT+01:00
Alfa Fähe meint:
Zitat "Eine solche Rezension ist zu lang. Für mich muss eine g u t e und lesenswerte Rezension kurz sein und das Wesentliche prägnant ausdrücken. Ich wünsche mir keine Inhaltsangabe!"

Dann sollten Sie sich einmal informieren, was eine (gute) Rezension beinhalten soll! Auch eine Inhaltsangabe gehört (sehr wohl!!) zu einer guten Rezension. Rezensionen die nur aus ein oder zwei Sätzen bestehen, sind keine Rezensionen, dies ist dann lediglich ein kurzes Statement, wie einem das Buch gefallen hat.
Sehen Sie sich mal auf (guten!!) Literaturseiten um (leser-welt.de, belletristik-couch.de, krimi-couch.de....) und lesen die Rezensionen. Sie werden staunen! :-))

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.11.2011 17:16:00 GMT+01:00
Nun, die Geschmäcker sind eben verschieden.

Genießt der eine kurze und knappe Aussagen, mag der andere längere Erläuterungen. Die "Rahmenvorgabe" für "klassische" Rezensionen (nennen wir das mal so im Printbereich mit Kulturteil (nicht TV Movie oder ähnliches)) wären in etwa: Thema - Autor - Entstehungsgeschichte / Einordnung ins Werk - Aufbau (vorrangig bei Fachbüchern) - Inhalt - Diskussion - Fazit / Bewertung.

Da muss sich ja keiner sklavisch dran halten (tu ich auch nicht), aber ich finde diese Eckpunkte oft ganz hilfreich. Wobei ich Ihnen natürlich zugestehe, dass die Welt der Rezensionen vom Zweizeiler in bunten Blättern zu Ganzseitenlänge in Spiegel oder Zeit reichen.

Gut, dass zu diesem Buch hier bei 54 Rezensionen alle Stile, auch die von Ihnen geschätzten kurzen und knappen vorhanden sind.

Grüße,

mlp

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.12.2011 20:47:13 GMT+01:00
[Von Amazon gelöscht am 23.06.2012 13:46:00 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.12.2011 09:56:01 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 24.01.2012 15:46:30 GMT+01:00]

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