Kundenrezension

113 von 127 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ohne evolutionstheoretisches Denken läuft leider in der Hinsicht nichts, 6. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Wohlstand ohne Wachstum: Leben und Wirtschaften in einer endlichen Welt (Gebundene Ausgabe)
Ich hatte mich sehr auf das Buch gefreut, versprach ich mir davon doch neue Erkenntnisse, wie denn das im Titel genannte Programm zu realisieren sei.

Tim Jacksons Buch beginnt mit Vorwörtern von Jürgen Trittin, Uwe Schneidewind und Barbara Unmüßig. Wirklich angesprochen hat mich nur das dritte.

Gleich auf der ersten Seite des eigentlichen Textes formuliert Jackson die (seine) Version vom menschlichen Fortschritt (23f.): "Sie weckt in uns das tröstliche Gefühl, dass alles insgesamt nicht schlechter, sondern besser wird - wenn nicht immer für uns selbst, dann zumindest für unsere Nachkommen: eine bessere Gesellschaft für unsere Kinder, eine gerechtere Welt, eine Welt, in der eines Tages auch die weniger vom Glück begünstigten etwas werden können. Wenn ich nicht an diese Vision glauben kann, woran dann?"

Indirekt beschreibt er damit das Grundprinzip der (Systemischen) Evolutionstheorie: Alles Leben strebt danach, seine Lebensraumkompetenzen zu bewahren und ggf. auszubauen. Anders gesagt: Es soll nicht schlechter werden. Wenn in dieses Streben auch noch die nächste Generation eingeschlossen wird, was in evolutionären Zusammenhängen üblicherweise der Fall ist, dann nennt sich das Prinzip auch "Prinzip Generationengerechtigkeit". Es ist äquivalent zu den Prinzipien der (Systemischen) Evolutionstheorie.

Das Schlimme daran nun ist, dass - wie man zeigen kann - bereits das kollektive Bestreben, nicht schlechter zu werden, zu Wachstum führt. Denn 'nicht schlechter werden' ist keine absolute, sondern eine relative Maxime, die sich u.a. auf alle anderen in der gleichen Population bezieht. Man konnte das an den Managergehältern oder den Fußball-Transfersummen sehen: Mit deren Offenlegung stiegen sie ins Uferlose. Red Queen heißt das Prinzip in Anlehnung an einen Ausspruch der Roten Königin in Alice hinter den Spiegeln: Wenn keiner ans Ende fallen möchte, bewegen sich alle nach vorne.

Gemäß der Systemischen Evolutionstheorie sind miteinander im Wettbewerb stehende Unternehmen "Evolutionsakteure", die fortwährend bestrebt sind, ihre Marktkompetenzen zu bewahren: Sie wollen nämlich in den nächsten Jahren nicht schlechter dastehen als jetzt und ihre Mitbewerber. Allein schon das reicht, um Wachstum zu bewirken.

Tim Jackson gibt in seinem Buch sicherlich eine ganze Reihe guter Anregungen, von denen ich das meiste allerdings schon kannte. Seinen begründeten Zweifel an der Vorstellung, dass sich Produktionszuwächse und Ressourcenverbrauch entkoppeln ließen, konnte ich sehr gut nachvollziehen. Auch seine Forderung nach einer robusten, in Sachen Ökologie beschlagenen Makroökonomie, die er zur wichtigsten Empfehlung seines Buches erhebt (132), halte ich für durchaus plausibel. Meiner Meinung nach sollte eine solche Makroökonomie jedoch unbedingt auf der Evolutionstheorie fußen, weil es sonst schwer werden dürfte, die hinter Wachstum und Ressourcenplünderung stehenden Dynamiken zu erfassen und zu verstehen.

Das zeigt sich im Buch unter anderem an den folgenden Teilaspekten:

1. Tim Jackson tut über weite Strecken so, als sei es vor allem der Mensch, der aktuell den Planeten plündere, folglich müsse man maßnahmenseitig bei ihm ansetzen. Dies drückt sich bereits in einer allzu menschlichen Sprache aus (154): "Solange der soziale Fortschritt von dem sich selbst verstärkenden Kreislauf von Neuheit und Angst abhängt, kann sich das Problem nur noch verstärken." Und an anderer Stelle (112f.): "Es ist vielsagend, dass das, was Haushalte ständig an Neuem konsumieren, und das, was Unternehmen ständig an Neuem produzieren, allzu genau übereinstimmt. Das rastlose Begehren des 'leeren Selbst' ergänzt perfekt die rastlosen Innovationen des Unternehmers. Die Produktion des Neuem auf dem Wege schöpferischer Zerstörung stimuliert beim Verbraucher die Lust auf Neues (und wird von dieser wiederum stimuliert). Diese beiden sich wechselseitig verstärkenden Prozesse liefern zusammen genau das, was nötig ist, um das Wachstum am Laufen zu halten. (...) Der soziale Vergleich wird durch die Sorge, einen günstigen Platz in der Gesellschaft zu erhaschen, verschärft. Die schöpferische Zerstörung lebt von der Angst, im Wettbewerb auf dem Markt abgehängt zu werden. (...) Das System ist angstgetrieben und letztlich pathologisch."

So kann man es natürlich auch ausdrücken, aber damit übersieht man die eigentliche Dynamik, die hinter all dem steckt: Evolutionsakteure (Unternehmen, Lebewesen) sind bestrebt, ihre Kompetenzen zu bewahren. Werden sie - im Vergleich zu anderen - relativ schlechter, könnte das langfristig ihren eigenen Untergang bedeuten.

Wenn nun also Apple in den Markt der elektronischen Bücher vordringt, wird Amazon dagegen halten müssen, andernfalls läuft es Gefahr, seine Stellung im Markt (seine Kompetenzen) zu verlieren. Und es wird dies bereits dann tun müssen, wenn es nur annimmt, die Konkurrenz habe Entsprechendes vor. Umgekehrt streben auch Menschen danach, ihre Kompetenzen zu erhalten. Sollte z. B. eine Schülerin feststellen, dass ihre Freundinnen seit einiger Zeit ihre Bücher vorwiegend auf dem Kindle lesen und sie so untereinander tauschen, wird sie sich zunehmend ausgeschlossen fühlen (Kompetenzverlust). Also wird auch sie ein solches Gerät haben wollen. Kompetenzbewahrung heißt einmal mehr das Zauberwort. Mit rastlosen Innovationen, Angst und einem "leeren Selbst" hat all das herzlich wenig zu tun, sondern mit den Grundprinzipien des Lebens selbst.

Und: Wie will Tim Jackson eine solche eigendynamische Entwicklung eigentlich stoppen? Was man liest, hört sich so gewaltig wie vage an (113): "Vor allen Dingen zwingt uns diese Herausforderung dazu, eine ganz andere Wirtschaftsstruktur zu entwickeln. Das allein wird aber nicht reichen." Ja dann ...

2. Jackson ignoriert in seinem Buch, dass auch menschliche Kompetenzen "Ressourcen" sind, die man plündern kann, was im Übrigen seit Jahrzehnten längst in großem Stil geschieht. In unserem Land herrscht nämlich die Devise, dass alle qualifizierten Frauen und Männer ihre Fähigkeiten primär den im internationalen Wettbewerb stehenden Unternehmen (insb. der Exportwirtschaft) zur Verfügung stellen sollen. Diese verlangen nach jeder greifbaren Fachkraft (egal welchen Geschlechts), die ihren Anforderungen exakt genügt. Alle anderen lehnen sie dagegen als nicht nutzbar ab. Dies hat jedoch zur Folge, dass zunehmend Intelligent und Gebildet arbeiten geht, während Ungebildet die Kinder in die Welt setzt und aufzieht, um es mal etwas sehr überspitzt auszudrücken. Diese Entwicklung hat zur Folge hat, dass unsere Kinder immer ärmer werden. Und immer weniger. Letzteres sei im Grunde nicht schlimm, heißt es dann meist geschwind aus fortschrittlichem Munde, denn schließlich gäbe es weltweit genügend qualifizierte Menschen, die nur darauf warteten, in unser Land geholt zu werden. Wir müssten sie nur besser integrieren als bislang. Leider ist so etwas Kolonialismus in Reinkultur und Plünderung natürlich auch. Plünderung kommt heute in fortschrittlichem Gewande daher.

3. Irritiert hat mich ferner, dass die fatale globale Bevölkerungszunahme und generell das Geburtenthema kein ernsthaftes Thema bei Jackson ist. Wird selbst in einer an ihre Grenzen gekommenen Welt jeder Mensch weiterhin das "Menschenrecht" besitzen, unabgestimmt 10 Kinder in die Welt zu setzen? Geradezu lachen musste ich über den Vorschlag, den zukünftigen CO2-Ausstoß "gerecht" an irgendwelchen pro-Kopf-Größen auszurichten. Da weiß man doch schon jetzt, was dann passieren wird: Die Industrienationen werden ihre Haupt-CO2-Schleudern in arme Länder mit hohen Bevölkerungszahlen und -zuwachsraten verlegen, weil sich dort der Ausstoß problemlos weiter steigern lässt, jedenfalls solange ringsherum alles arm und ungebildet ist, frei nach dem Motto: Schwarzer Rauch für schwarze Menschen.

4. Unter "Die Arbeit teilen" heißt es bei Jackson (143): "Die wichtigste Maßnahme, um hohe Arbeitslosigkeit zu verhindern, ist, die Arbeitszeit zu senken." Ferner schlägt er vor (137), anstelle von materiellen 'Produkten' entmaterialisierte 'Dienstleistungen' herzustellen und zu verkaufen. Namentlich erwähnt werden (137) der Verkauf von Mobilität, Recycling, Yoga-Unterricht, Haare schneiden, Gärtnern ... Er selbst spricht von einem alternativen Hedonismus bzw. gar einer Aschenputtel-Wirtschaft. Dabei verschweigt er, dass die hohe Arbeitslosigkeit ja in erster Linie daher rührt, dass man die wichtigste 'entmaterialisierte' Dienstleistung überhaupt, nämlich das langjährige Aufziehen von Kindern, für völlig unproduktiv erklärt hat (Susanne Mayer am 13.07.2006 in der ZEIT: "Die deutsche Hausfrau gilt als Stütze der Nation. Dabei kostet es uns ein Vermögen, wenn bestens ausgebildete Frauen zu Hause bleiben."), sodass sie nun kaum jemand mehr leisten will. Hierdurch gelang auf elegante Weise die Verdopplung der Zahl der potenziellen Erwerbspersonen. Vorschläge, dies wenigstens zum Teil wieder geradezurücken, indem man engagierte Familienarbeit mindestens auf die Stufe von Haareschneiden hebt (man verzeihe mir den Zynismus an dieser Stelle), konnte ich im gesamten Buch nicht entdecken.

5. Jackson vermischt mir das Thema Klimawandel zu sehr mit dem sonstigen Wettbewerb um begrenzte Ressourcen und deren Plünderung. Beim Klimawandel haben wir es jedoch vor allem mit einer Allmendenproblematik zu tun (Tragic of the Commons gemäß Garrett Hardin), für die andere Gesetzmäßigkeiten gelten und für die sich auch die Maßnahmen zu unterscheiden haben.

Fazit: Man kann und sollte das Buch sicherlich lesen, um sich einen Überblick über aktuelle Vorschläge zum Thema "Grenzen des Wachstums" zu verschaffen. Ansonsten halte ich das Buch für zu einseitig. Es betrachtet das Thema zu sehr aus einer bestimmten (politischen) Sicht heraus und tabuisiert - wie üblich - wichtige Teilaspekte. Man merkt an allen Stellen, dass der Ökonomie aktuell noch der Schritt fehlt, den die Biologie (wo Lebewesen schon immer mit der Begrenztheit von Lebensräumen zu kämpfen hatten) schon länger vollzogen hat: Nichts macht Sinn, außer im Lichte der Evolution.
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Kommentare

Von 3 Kunden verfolgt

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1-10 von 13 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 09.05.2011 12:04:07 GMT+02:00
Danke für Ihre ausführliche Rezension!!

Veröffentlicht am 19.05.2011 17:03:25 GMT+02:00
Rorschach meint:
Ebenfalls vielen Dank für diese Rezension!
Könnte sie Ausgangspunkt eines google knols werden?

Vielleicht sogar der Keim eines neuen Buches von Lena Waider und Peter Mersch?
Angesichts der Tatsache, dass das Problem, wie die Menschheit den erreichten Stand der Zivilisation in die Ära des beendeten Wachstums hinüberretten kann, wäre so ein Buch eines der wichtigsten überhaupt.

Derzeit starren noch alle Beobachter auf diese heraufdämmernde Ära (Ende der fossilen Energieträger et.) wie das Kaninschen auf die Schlange, weil sich jeder fürchtet, wir würden mindestens bis ins Mittelalter zurückfallen. (Wenn nicht gar bis in die Steinzeit.)

Da wäre eine Untersuchung, wie eine Welt ohne Wachstum aussehen könnte sehr wertvoll. Könnte Sie das angehen oder zumindest anstossen?

Veröffentlicht am 19.12.2011 19:15:55 GMT+01:00
Stefan Wuest meint:
Zwar habe ich das rezensierte Buch noch nicht gelesen, so weit wie dennoch möglich bin ich von Ihren Argumenten jedoch überzeugt. Ich schließe mich Rorschach an und würde mich freuen, von Ihnen zu dem Thema mehr als eine Rezension zu lesen!

Veröffentlicht am 10.02.2012 04:23:31 GMT+01:00
Danke für die ausführliche Analyse! Ich schließe mich den Kommentaren an, dass zu diesem Thema mehr fachlicher Austausch dringend nötig ist.

Zum Inhalt der Rezension habe ich zwei Anregungen:

ad 1. Die evolutionäre Perspektive ist essentiell, wobei sie im Rahmen unseres beschränkten Wissens auch
sehr gefährlich Argumentationen zulässt. Insgesamt ist der Prozess heute eine anderer - wesentlich
erweiterter - der sich in den verschiedenen Soziotopen abspielt. In diesem neuen Kontext sind es gerade
die kulturellen Praktiken wie Konkurrenz oder Kooperation die an- oder abtrainiert werden können. Mit etwas
Forschergeist finden sich auch ausreichend starke Argumente auf evolutionärer Basis um dem Unterfutter zu
bieten.

ad 4. Arbeitslosigkeit muss bei der aktuellen Verklärung eigentlich direkt mit dem Auflösen der selben genannt
werden. Es besteht Lohn- oder Erwerbsarbeitslosigkeit, Arbeit im Sinne dessen was eine Person verrichtet kann
von außen nicht definiert werden. Und (annähernd) sämtliche "Arbeitslose" können von der Blindheit der
Gesellschaft und der Nicht-auf-Job-Ämter-Angewiesenen auf ihrem Irrweg in die strukturelle Verletzung von
Menschenwürde ein Lied singen. Hier kommt man kaum ohne die Ansätze von Frithjof Bergmann und André Gorz nicht
weiter.

Wäre interessant wie diese kleinen Ergänzungen in ein größeres Ganzes einfließen könnten ;)

lg

Veröffentlicht am 15.06.2012 15:33:02 GMT+02:00
Michael Groß meint:
Was für eine kluge Rezension, einen Beitrag dieser Qualität zu lesen, ist ein großes Vergnügen!

Veröffentlicht am 15.06.2012 15:33:04 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 15.06.2012 15:34:35 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.06.2012 23:12:38 GMT+02:00
[Von Amazon gelöscht am 25.05.2014 19:47:55 GMT+02:00]

Veröffentlicht am 25.09.2012 14:06:11 GMT+02:00
Uwe Gablenz meint:
Zunächst ziehe auch ich den Hut vor der sehr umfangreichen und gut strukturierten Rezension. Mich wundert lediglich, die fast schon an Hörigkeit grenzende Zustimmung allerseits. Gerade OHNE evolutionstheoretisches Denken läuft was. Das ist des Pudels Kern. Die gesamte prospektive und zudem werthaltige Literatur zu den Themen "prisoners dillema", "Allmendeklemme" oder Konkurrenz zeigt, dass es durchaus probate Lösungswege gibt, die uns das Festhalten am (auch relativen) Wachstumsparadigma oder "Bessersein-als-die-andern" als obsolet, kontraproduktiv und zudem überwindbar erkennen lässt. Es ist nämlich völlig absurd, anzunehmen, die Evolution hätte je Konkurrenz bevorzugt. Auch nicht ein einziges Beispiel für diese These ist haltbar. (Nein, der Löwe der seinen Nebenbuhler aussticht ist keines, weit gefehlt. Hier ist der angewendete Kontext lediglich viel zu klein gefasst. Aber dies wäre ein neuer Themenkomplex). Exakt das Gegenteil ist nämlich der Fall. Morton Deutschs Metaanalyse bietet hierzu reichlich Aufklärungsmaterial und Alfie Kohns "Mit vereinten Kräften" ist eine herausragende Fundgrube die so machen antrainierten Irrtum über (ebenfalls) antrainiertes Konkurrenzgebahren offenlegt. Ich kann und will nicht ausführlicher werden, sonst mach ich an dieser Stelle das zweite Re-Rezensiosbuch auf. Die mir außerordentlich gut gefallende Re-Rezension (mit deren Schlussfolgerung ich lediglich nicht übereinstimme) trägt mir schlicht zu behavioristische Züge. Wir sind einfach nicht - auch nicht auf Makroebene betrachtet - auf Gedeih und Verderb unseren vermeintlich mechanistisch angelegten Verhaltensweisen ausgeliefert.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.09.2012 21:03:21 GMT+02:00
[Von Amazon gelöscht am 25.05.2014 19:50:19 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.09.2012 13:19:02 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 26.09.2012 14:39:55 GMT+02:00
Uwe Gablenz meint:
Na, wir wollen doch die Würde aller Beteiligter schützen, sehr geschätzte Lena, oder etwa nicht? Wenn nein, dann müsste zuvorderst geprüft werden, ob meine Vorstellung tatsächlich sonderbar ist oder, ob nicht vielmehr die Einschätzqualität der Attribuierenden zu beleuchten sei. Aber hiervon nicht mehr. Zur Sache: "Bevorzugt? Evolution basiert maßgeblich auf dem Wettbewerb als Grundvoraussetzung". - Mersch ist zum einen nicht Gesetz, sehr verehrte Lena und, zum andern, sollte man sich dennoch auf ihn beziehen, dann wäre selbst die DET ein Sonderfall der SET und somit greifbar. Aber Sie behaupten weiter, Konkurrenz sei evident für (gleich welche) ET. Nö, überhaupt nicht, ökonomisch und gesellschaftlich anerzogen ist sie. Es gibt feine Beispiele, bei denen dem "Gefallen-wollen-Prinzip" bspw. keinerlei Bedeutung beizumessen ist. Jedenfalls nicht so, wie in der beinahe schon manisch behavioristischen Auslegung. Ich sehe Sie, Lena, (und dies ist nicht anmaßend gemeint, sondern vielmehr eine Befürchtung) in der intellektuellen Fußfessel. Um Ihre Zeit nicht weiter zu stehlen, möchte ich mich zurückziehen. Danke für den Dialog mit Ihnen.
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