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74 von 89 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Heino Eulenspiegel, 3. Februar 2013
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Wer (wie ich) die 60er Jahre erlebt hat, weiß noch, wie es war, als SGT. PEPPER zum erstenmal über den Sender ging und alle Fans der sog. Beatmusik am nächsten Tag darüber diskutierten, ja selbst Schlager- und Klassik-Hörer mit offenen Ohren. Die neuen Klänge hatten etwas Verbindendes, sogar dann, wenn man sich darüber stritt. Dies galt auch noch für den Glam-Rock der frühen 70er, ja selbst für ABBA. Um 1980 aber war Schluß damit. Die Popkultur zerfiel in unzählige Subkulturen. Der heimliche Soundtrack jener Jahre war, bis in die Gegenwart hinein, das DAF-Stück ALLE GEGEN ALLE. In einem jedoch waren sich alle einig, die sich in der BRD und später im vereinten Deutschland fortschrittlich wähnten: Heino mußte man hassen.

Ich habe Heino nie gehaßt, nicht einmal in seinen Anfangstagen. Denn während die meisten (nur vermeintlich:) knallharten Jugendlichen mit der Mode gingen, machte Heino stets sein Ding - und das so konsequent am Pop- und auch am Schlager-Mainstream vorbei, daß ich schon während der 70er sagte, im Grunde sei Heino ein Punk. Kuckt euch mal das Cover der ersten LP von DEVO an.

Was DER WAHRE HEINO machte, fand ich erst witzig, doch schon bald ermüdend: wegen all der Fans, die einerseits all das verachteten, wofür das Original zu stehen schien, andererseits jedoch kein Problem darin sahen, sich ihr punkiges Outfit, ihre Plattensammlung und ihr Band-Equipment von den Eltern finanzieren zu lassen und ihren 68er-Lehrern kritiklos alles nachzuquatschen, was ihnen gute Schulnoten einzutragen versprach und schließlich auch ein Studium, sei's BWL oder Grafik/Design.

Inzwischen sind die Babyboomer um die 50, und gar viele von ihnen sind geistig genauso unflexibel wie einst ihre Eltern. Die haben den Punk verschlafen und hören noch immer die alten Schlager oder die vergreisten STONES; und deren Kinder hören noch immer DIE ÄRZTE oder DIE TOTEN HOSEN und regen sich noch immer über RAMMSTEIN auf. Aber jetzt kommt HEINO, der ihr Großvater sein könnte, und dreht allen eine Nase. Er, der verhaßte (und vermeintliche) Spießer, bringt all das auf einen Nenner, was unvereinbar schien: und hat es in wenigen Stunden geschafft, daß sich die unterschiedlichsten Musikhörer - ohne daß es ihnen von einem Rezensentenheer vorgegeben worden wäre - so auf eine Scheibe einigen können wie einst auf SGT. PEPPER. Zugleich hat HEINO es geschafft, all jene, die sich über seine Interpretationen erregen, als die wirklich wahren Spießer zu entlarven. Plötzlich stehen gar zu viele jüngere Leute, die sich für aufgeklärter und witziger hielten als das ach so tumbe Volksmusikpublikum, in einer Ecke mit den bösen Alten und geifern über einen 74jährigen, der es wagte, all die schwarzbraunen und rotgrünen Mauern niederzureißen, zwischen denen sie sich allesamt so gemütlich eingerichtet hatten.

Damit ist HEINO und seinem Management nicht nur ein schlauer Schachzug gelungen, sondern eine geradezu subversive Aktion, die schon jetzt ein fester Bestandteil der Popgeschichte, ja sogar der Kunst- und Sozialgeschichte dieses Jahrtausends ist. Vermutlich hätten Andy Warhol und Joseph Beuys ihre Freude daran gehabt. Auf jeden Fall aber haben alle Humorbegabten ihre Freude an der CD und dem schrillen Merchandising. Das alles wird nicht untergehn. Und die Welt zählt laut bis zehn. Hier kommt die Sonne. Hier kommt HEINO. Wer zuletzt lacht, lacht am besten.
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Von 3 Kunden verfolgt

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1-10 von 11 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 03.02.2013 14:53:40 GMT+01:00
Das haben Sie exzellent beobachtet, bravo! :)

Veröffentlicht am 03.02.2013 17:31:41 GMT+01:00
Herr Jeh meint:
das ist so ziemlich das treffenste, was ich heute quer durch alle lager lesen konnte. danke :)

Veröffentlicht am 03.02.2013 19:41:09 GMT+01:00
Der meint:
Naja - das dieses "epochale Meristerwerk" dann denn Lauf der (Popp-, Kunst- und Sozial-)geschichte ändern wird, wird wohl eher nicht statt finden. Bestandteil dessen ist es alleine durch sein Vorhandensein natürlich. Das gilt aber ausnahmslos für jedes andere Album auch.

Der Vergleich mit Sgt Peppers ist dann doch wohl eher abstrus..

Musikwissenschaftler reden schon lange nicht mehr über die Qualität von Musik a la Heino sondern allenfalls über das Phänomen das sich Leute so etwas freiwillig anhören.

Kunstprofessoren und -wissenschaftler werden die leichte Muse auch weiterhin einfach ignorieren

Sozialwissenschaftlern - müssten sie wohl vorab erst einmal erklären was sie mit schwarzbraunen und rotgrünen Wänden überhaupt meinen - und die Scheibe vielleicht völlig revolutionsfrei ihrer Mutter schenken.

Spießer - ist ja nun leider ein Schimpfwort geworden - im ursprünglichen Sinne waren das die Bewahrer der Freiheit (der freien Städte), die Angreifer eben aufspießten. Das die Jugend rebelliert und das Alter bewahrt, ist ja nun keine wirklich neue Erkenntnis. Das man ausgerechnet den "Babyboomern" oder "68ern" genau das vorwirft was die Menschheit seit Jahrtausenden in allen Kulturen unausweichlich begleitet, ist gelinde gesagt ignorant.

Veröffentlicht am 03.02.2013 22:54:47 GMT+01:00
Danke Hella, für diesen Beitrag!

Veröffentlicht am 13.02.2013 19:14:07 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.02.2013 19:16:02 GMT+01:00
log.o meint:
Sind Sie wirklich sicher, dass das begeisterte, zahlende Publikum diesen gesungenen Witz tatsächlich als Satire versteht? Die hiesigen Statements lesen sich weitgehend anders. Aber vielleicht bin ich auch nur neidisch, weil mich der Hinweis auf Warhol und Beuys etwas überfordert, während das Volxmusikpublikum sich augenzwinkernd und weise lächelnd über diese assoziative Apotheose des teutschen Kulturguts Heino zu amüsieren versteht. Ein Sven Regener hätte Ihre norddeutsche Tiefebenheit wahrscheinlich noch etwas hintergründiger verbr|e|mt. Aber für dessen subversive Texte ist sich mutmaßlich ein aufrächter Heino zu schade. Glück gehabt...

Veröffentlicht am 20.02.2013 12:10:31 GMT+01:00
Hella, Sie schrieben Ihre Rezension am 3. Februar, heute am 20. Februar lese ich im ARD-Videotext einen Kommentar des 50jährigen Campino und bin fasziniert davon wie Recht Sie mit der Bemerkung über "unflexible 50jährige" haben. Was Campino da mit Schaum vor dem Mund über Heino und sein Album von sich gibt, ist nicht nur unflexibel sondern geradezu versteinert. Alter unsouveräner Mann Campino - na immerhin zwei Wochen jünger als ich.

Liebe Grüsse,
Christoph

Veröffentlicht am 26.02.2013 16:33:39 GMT+01:00
Wiedehopf meint:
Liebe Hella,

neben Andy Warhol und Joseph Beuys hätten wahrscheinlich auch Robin Hood und Ali Baba ihre Freude an diesem epochalen Meisterwerk.

Viele Grüße
Wiedehopf

Veröffentlicht am 07.03.2013 02:46:13 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 07.03.2013 02:48:31 GMT+01:00
Ihre Rezension bezüglich der spießigen 68er kann ich nur teilen, aber haben Sie was an den Ohren? Hören Sie nicht, wie schlecht und einfach das produziert ist?
Z.B. Sonne. Der Rammstein-Gitarrensound ist in Studiokreisen weltberühmt und stellt das Nonplusultra der E-Gitarren-Studiotechnik dar. Trotz extrem fetter Gitarren, die auf großen PA-Anlagen bis zum Küchenradio hervorragend klingen, werden keine Stimmen und nichts anderes zugedeckt. Hören Sie sich mal Sonne von Rammstein auf Youtube an. Wo hören Sie auch nur ansatzweise wuchtige Gitarren in Heinos Version? Die Gitarren auf diesem Album haben Schülerbandniveau.

Und der miese Sound zieht sich durch das ganze Album.
Die Bläser sind matt statt zu funkeln und zu schmettern, die Streicher kleben leblos an den LS wie von einem billigen Casio-Keyboard aus den 80ern.

Auch die Arrangements sind extrem einfach gehalten: alles was in den Originalen an abwechslungsreicher Finesse, an kleinen Effekten vorhanden ist, wurde gleich mal weggelassen. Macht zu viel Arbeit im Studio...

Ein tontechnisches Setup, das man anscheinend für alle Lieder verwendet hat. Was bei einer solchen bunten Mischung an Coverversionen natürlich dem Charakter der Songs abträglich ist, wenn so wenig in das Herausarbeiten ihrer Eigenheiten investiert wird. Das kann auch Heinos Stimme und Gesang nicht kompensieren.

Z.B. beim Glockensound scheint man sich nichtmal die Mühe gemacht zu haben, mal ein anderes Preset zu nehmen. Und dann zeigt der brillante FM-Glockensound auch noch die ganze miese tontechnische Qualität, weil der Glockensound noch das Brillanteste im ganzen Klangspektrum ist.

Der ganze Sound klebt an den Lautsprechern, wie bei Demos von Schülerbands.

Auch ist das Timing von Heinos Gesang des öfteren nicht wirklich passend und arg spät. Hier hat man sich nicht mal die Mühe gemacht, das zu korrigieren (das ist übrigens Standard bei Studioproduktionen, selbst bei den besten Sängern).

Ein ganz billig und schnell produziertes Album, das somit die gute Idee für mich in einem nicht mehr so guten Licht erscheinen läßt. Denn wäre es um diese Idee gegangen, dann wäre auch der künstlerisch-tontechnische Anspruch ein anderer. So hingegen liegt die Vermutung sehr nahe, daß es sich nur um eine sehr clevere Geschäftsidee handelt.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.03.2013 15:43:02 GMT+01:00
Sie haben völlig recht. Das Album ist, gemessen an heutigen Rock-Standards, geradezu lachhaft schlecht produziert. Ginge es nur um die enthaltenen Stücke, würde ich sogar sagen, daß SONNE im Original der einzige Song von Rang ist. Deshalb auch waren mir die Originale sämtlicher Songs außer SONNE bisher herzlich gleichgültig. Aber es ging mir auch gar nicht um die Musik, sondern einzig und allein um die Frage, weshalb so auffallend viele Leute so auffallend aggressiv darauf reagiert haben und es noch immer nicht ertragen können, daß Heino nicht bei seinem Enzian und seiner Haselnuß geblieben ist. Ohne diesen Wirbel hätte ich mir allenfalls aus Interesse sein Rammstein-Cover angehört und mich so darüber amüsiert wie einst über "A Lover's Concerto" von Mrs. Elva Miller.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.03.2013 16:19:02 GMT+01:00
Alles klar.
Siehe zum politkulturellen Hintergrund des Aufjaulens auch die sehr gute Analyse Jürgen Elsässers:
http://youtu.be/b7gsGosnc_4
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