Kundenrezension

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einer der dunkelsten Momente jüngerer Geschichte, gezeigt am Beispiel einer beispiellosen Heldentat!, 8. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Hotel Ruanda [Blu-ray] (Blu-ray)
Einer der dunkelsten Momente jüngerer Geschichte wird in diesem unverkennbar westlich angehauchten "Drama" gekonnt und massentauglich aufbereitet.
Obwohl ich die teils wohl berechtigten Kritiken bezüglich authentischer Darstellung afrikanischen Familienlebens u.ä. durchaus nachvollziehen kann, bleibt mir letzten Endes keine andere Wahl als 5 STERNE für dieses gelungene Leinwandwerk herzugeben.
Wichtig ist doch, dass man auf diesem Wege versucht wenigstens eine breitere Öffentlichkeit wachzurütteln oder zumindest zu sensibilisieren.

Ich seh das so:
Wenn ich einer Klasse im Geschichtsunterricht zwei Bilder - nämlich die brennenden Towers des WTC vom 11. September 2001 einerseits und eine Fotografie flüchtender ruandischer Menschen von 1994 andererseits - mittels Beamer präsentiere, dann kann 100%ig davon ausgegangen werden, dass die Schülerinnen und Schüler zu erstgezeigtem Bild, ohne großartige Vorbereitung meinerseits, eine ganze Menge sagen können, während zum zweiten höchstens mit einigen wenigen Mutmaßungen zu rechnen ist, wie etwa "...irgendwo in Afrika".
Und genau das ist unser "westlich-europäisches Problem", wenn man genauer darüber nachdenkt. Eigentlich ist es sogar eine Art "Phänomen", dass Geschehnisse außerhalb des mehr oder minder "gewohnten Kulturkreises" verhältnismäßig wenig bis gar keine Beachtung finden. Oder ist Ruanda so viel weiter weg uns als z.B. New York??
Ich gehe sogar noch weiter und behaupte jetzt steif und fest (und frech) einmal, dass sogar viele Erwachsene zum Thema "Genozid in Ruanda" nicht allzuviel bis nur sehr wenig sagen könnten...
Bitte: Keineswegs möchte ich diese Einführung in meine Rezi in irgendeiner Form als Vorwurf missverstanden wissen. Woher sollen die Menschen ihr Wissen auch hernehmen? Wenn ich mehrmals jährlich medial-anschaulich an 9/11 erinnert werde und (im Verhältnis dazu) so gut wie gar nicht z.B. eben an die furchtbaren Ereignisse, die sich während des ruandischen Bürgerkrieges abgespielt haben, dann ist das "hausgemacht" und vielleicht sogar in irgendeiner Weise "gesteuert"...
Aber genug dieser unnützen Vergleiche! Freilich darf man historischen (blutigen, tragischen) Ereignissen nicht an der Anzahl der Opfer ihre "Bedeutung" beimessen. Natürlich ist jedes einzelne Menschenleben, das gefährdet, physisch und/oder psychisch zerstört wird, eines ZU VIEL!

Dennoch halte ich es für erschreckend, wie erstaunlich schlecht wir über mancherlei Ereignisse auf diesem unseren Planeten informiert sind!

Nun zu den damaligen Ereignissen, denen sich auch der Film annimmt: 1994 - die beiden größten Bevölkerungsgruppen des eher kleinen afrikanischen Landes Ruanda (insgesamt ca. 11 Mio. Einwohner), nämlich die Hutu auf der einen und die Tutsi auf der anderen Seite, werden durch militante Rädelsführer gegeneinander aufgehetzt. Vor allem radikale Hutu-Parteien erinnern (vor allem via Radio und Fernsehen) regelmäßig an die vergangenen Greueltaten der Tutsi, die einst von den belgischen Kolonialherren als "Führungsschicht" (in europäischem Interesse versteht sich) etabliert und eingesetzt wurden. Daraus wiederum resultiert, dass die Tutsi verhältnismäßig "wohlhabender" sind als ihre Hutu-Landesgenossen, weil sie trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit stets die "höheren Ämter" innehatten und wohl auch finanzieller insgesamt besser dastanden als die Hutu. Im Grunde also ein alter Hut als Motiv: Neid. Erschwerend kommt jetzt jedoch noch hinzu, dass Hutu und Tutsi (aber auch noch anderer Minderheiten) im Zuge europäischen "Rassenwahns" nach bestimmten (freilich unsinnigen) "Erkennungsmerkmalen" unterschieden wurden (sogar im Pass ist die Zugehörigkeit zur "Volksgruppe" vermerkt!) - was uns Europäer eigentlich unweigerlich an die NS-Rassenideologie erinnern müsste.
Zudem haben bereits vergangene Konflikte tiefe Spuren hinterlassen - radikale Hutu-Anhänger wollen den Tutsi nicht verzeihen, dass sie (teilweise halt, bestimmt auch nicht alle) einst mit den Kolonialherren paktiert haben.

Die zunächst als "hirnlose Phrasendrescheirei" abgetanen Reden, sollten bald schon bittere Wirklichkeit werden. Tatsächlich sollte es den radikalen Hutu-Führern gelingen, den gesamten Hass einer unzufriedenen und blinden Bevölkerungsmehrheit auf die Tutsi zu lenken, die wenig schmeichelhaft im allgemeinen Sprachgebrauch Hutugetreuer als "Kakerlaken" bezeichnet werden.
Die Folgen waren nicht absehbar: Im Zuge sogenannter "Säuberungen" dürften rund 1 Mio. Menschen ums Leben gekommen sein! Umso erdrückender stellt sich dieser trockene Fakt dar, als dass es dafür nicht einmal ein Jahr gebraucht hat! Man stelle sich vor: Rund ein Zehntel (!) der Gesamtbevölkerung Ruandas (darunter auch etliche Hutu, die den Radikalen nicht radikal genug waren) wurde binnen kurzer Zeit ausgelöscht!

Angesichts solch schwindelerregender Zahlen, mag es "makaber" sein, dennoch eine kleine Erfolgsgeschichte jener Zeit erzählen zu dürfen: Ein wohlhabender und intelligenter Geschäftsmann (er leitet ein europäisch geführtes Hotel), ein Hutu-Mann, der mit einer Tutsi verheiratet ist und mit ihr auch einige Kinder hat, schafft inmitten dieser Wirren das Unmögliche: durch geschickte Diplomatie, unendlichen Mut, Weitblick und einer nicht minder geringen Portion Zivilcourage gelingt es ihm über 1000 Menschen (darunter Hutu & Tutsi) vor dem sicheren Tod zu bewahren, indem er ihnen in "seinem" Hotel Unterschlupf gewährt.
Neben feinem Fingerspitzengefühl ist dafür freilich auch ein bisschen Glück nötig!
Völlig zurecht hat man diesem großartigen Menschen zu Ehren (der heute übrigens in Belgien lebt) einen Spielfilm namens "Hotel Ruanda" gewidmet. Eine kleine Oase Menschlichkeit inmitten unsagbaren Leids und Gemetzels!

Der Film ist voller kleinerer und größerer Höhepunkte. Liebesbekundungen zwischen der Hauptfigur und dessen Frau gehören auch für mich da nicht unbedingt mit dazu. Dennoch ist es insgesamt gelungen eine "runde", packende und halbwegs "authentsiche" Geschichte zu erzählen.
Nicht schlecht finde ich auch, dass man das Versagen der dort stationierten UN-Friedenstruppen recht offen darstellt. Lediglich die überkorrekt moralischen Gewissensbisse des im dortigen Gebiet eingesetzten Generals (Nick Nolte) kommen ein bisschen unglaubwürdig daher...
Der ehemalige UNO-Generalsekretär Kofi Annan soll den Genozid in Ruanda sogar als "größtes Scheitern/Versagen aller Zeiten einer UN-Mission" bezeichnet haben, womit er zweifelsfrei recht behalten dürfte.
Natürlich darf man dabei auch die Grundmotive der UNO hierbei nicht außer Acht lassen, die allesamt friedlicher Natur (sein sollten) sind. Nicht einmal der NATO würde ich in Wahrheit einen Vorwurf machen. Ganz ehrlich: Wäre es wirklich vertretbar gewesen junge Männer dorthin zu schicken, um ihr Leben aufs Spiel zu setzen? Ich möchte so eine Entscheidung jedenfalls nicht treffen müssen...
Trotzdem: Berachtet man (auch rückblickend natürlich) so manch anderen Krisenherd auf dieser Welt, so muss sich einem schon die Frage aufdrängen, warum man in Ruanda damals derartig passiv agiert hat...
Natürlich sind mit Kriegen in einem kleinen afrikansichen Land keine Wählerstimmen zu gewinnen, wie es im Film sinngemäß einmal so schön zur Sprache kommt. Dennoch wage ich hier offen in Frage zu stellen, warum Kriege in Afghanistan tatsächlich "populärer" sein sollten?

Wie auch immer. Ich begrüße es jedenfalls, dass man es mit diesem Film ein Stück weit geschafft hat, den westlichen Gewohnheitshorizont ein bisschen zu erweitern.
"Hotel Ruanda" ist meines Erachtens eine recht kritische Auseinandersetzung mit den Massenmorden anno 1994, die viele verschiedene Motive anhand bewusst überzeichneter Figuren relativ leicht nachvollziehbar aufzeigt. Zugleich ist es ein zutiefst menschliches Leinwandwerk, das bestimmt auch von seinen großartigen Schauspielern zehren kann!
Für meinen Geschmack bleiben am Ende eigentlich keine Wünsche (aus filmischer Sicht) offen, lediglich die Ursachen für das damalige (erneute) Aufbrechen des Hutu-Tutsi-Konfliktes hätte man ev. noch etwas ausführlicher beleuchten können...

Insgesamt handelt es sich hierbei also um ganz, ganz großes Kino, das durchaus auch für den Geschichtsunterricht Verwendung finden könnte, vorausgesetzt, man ist interessiert daran, Jugendlichen klar zu machen, dass Katastrophen nicht alleine ihrer Medienwirksamkeit wegen Beachtung und Aufmerksamkeit erregen sollten... (Ich hoffe, man versteht mich nicht falsch!)

Bleibt nur noch zu sagen: MEISTERWERK - unbedingt ansehen!!

Fazit: Ein deprimierender Rückblick auf eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte, gekonnt verpackt in die Geschichte über die heroische Tat eines nahezu makellosen Helden, der - wenn auch nur die Hälfte des Gezeigten annähernd der Wahrheit entsprechen sollte - gar nicht genug geehrt werden kann!

Zur lockeren Abendprogrammgestaltung taugt "Hotel Ruanda" freilich nicht!
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 13.07.2014 13:24:27 GMT+02:00
Rico N. meint:
Ewig lange Geschichtsstunde,aber kein einziges Wort zu Bild und Ton.
Überflüssig...
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