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Kundenrezension

276 von 297 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterwerk jetzt auf Blu-ray, Director's Cut umstritten, 29. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Amadeus [Blu-ray] [Director's Cut] (Blu-ray)
FILM:
Der 1984 in der Originalfassung und 2002 im "Director's Cut" erschienene "Amadeus" zeigt Wolfgang Amadeus Mozart in seinen letzten Lebensjahren am Wiener Hof; er ist infantil und über alle Maßen arrogant und zieht dadurch fast automatisch die Abneigung der kleingeistigen Hofkamarilla auf sich. Als einer der wenigen erkennt Hofkompositeur Antonio Salieri Mozarts Genius, fühlt sich aber gleichzeitig durch Gott verhöhnt, da er selbst, ein strebsamer musikalischer Handwerker, durch Mozart seiner eigenen Mittelmäßigkeit gewahr wird. An diesem Konflikt wird Salieri innerlich zugrunde gehen.

Völlig zurecht wurde "Amadeus" seinerzeit mit acht Oscars ausgezeichnet und gehört nicht nur deswegen zu den größten Filmen aller Zeiten; Milos Forman und Peter Shaffer haben eine zeitlose Parabel über künstlerische Hingabe, zerfressenden Ehrgeiz und moralischen Verfall erschaffen. Musik ist hier kein Stimmungsgedüdel im Hintergrund, sondern so etwas wie die "dritte Hauptperson" neben Salieri und Mozart. Unabhängig von der Haupthandlung portaitiert der Film wunderbar das Lebensgefühl in einer Zeit, in der Vernunftdenken und schöne Künste sich übergangslos mit einer schrillen Vergnügungssucht aller Schichten vermengten.
Die Schauspieler sind durch die Bank fantastisch gecastet; Tom Hulce (Mozart) und Jeffrey Jones (Joseph II.) liefern die besten Leistungen ihre Filmkarriere ab. Abrahams subtile und vielschichtige Verkörperung des Antonio Salieri ist schlichtweg meisterhaft, vor allem in den Szenen, die ihn als alten Mann im Irrenhaus zeigen - unterstützt vom grandiosen Makeup. Der Moment, in dem er dem Pfarrer zum ersten Mal von seinen Mordplänen erzählt und von Mozarts Begräbnismesse fantasiert, gehört zu den hochklassigsten Darstellungen der gesamten Filmgeschichte. Kraftvoll und variantenreich, und gleichzeitig unaufdringlich und zu hundert Prozent glaubhaft - man kann einen Greis einfach nicht besser spielen als F. Murray Abraham, der zum Zeitpunkt der Dreharbeiten erst knapp über vierzig Jahre alt war.

BLU-RAY-QUALITÄT:
Ich bin sehr froh, dass der Film jetzt endlich auf dem neuen Medium erhältlich ist. Der Qualitätsunterschied zu meiner fast zehn Jahre alten DVD ist gigantisch. Das Bild ist nicht mehr matschig und dunkel, sondern gut ausgeleuchtet, farbenfroh und sehr scharf. Bis auf eine Sequenz in der Mitte des Films, in der Salieris dunkler Rock wegen der Musterung des Kleidungsstücks mächtig flimmert, sind mir keine nennenswerten Bildmängel aufgefallen. Der Ton ist m.E. kristallklar und sehr kraftvoll. Wenn der Komtur bei der Aufführung von "Don Giovanni" mit mächtigem Tritt die Stufen hinabschreitet, bringt das Orchester mit donnerndem Paukenschlag den Subwoofer zum Arbeiten. Ich muss aber dazusagen, dass ich kein Experte für Tonabmischung bin und auch keiner, der sich mit der Lupe zehn Zentimeter vor den Fernseher setzt, um nach irgendwelchen Bildfehlern zu suchen.

DIRECTOR'S CUT:
Alle die, die nur die Originalversion von 1984 kennen, fragen sich vielleicht, was sich in der neuen Version, die um etwa eine halbe Stunde länger ist, geändert hat. Deshalb eine kurze Information dazu: Die zusätzlichen Szenen befinden sich fast alle in der ersten Hälfte des Films (im Schlussteil wäre es auch fast gar nicht möglich gewesen, neue Elemente einzubauen, da sonst die ganze Struktur zerstört worden wäre - oder frei nach Mozart selbst: Man kann nicht umschreiben, was schon perfekt ist). Die meisten hinzugekommenen Szenen beziehen sich auf Mozarts finanziellen Nöte, die in der Originalfassung nur angedeutet wurden. Dadurch werden in der Geschichte durchaus neue Schwerpunkte gesetzt; bisher bildete der Moment, in dem Salieri als Greis die Kerze ausspuckt, den Wendepunkt vom Heiteren zum Tragisch-Düsteren. Jetzt sehen wir, dass die Familie Mozart schon vorher mächtig in der Klemme steckt.

Es ist glaube ich normal, dass jemand, der wie ich den Originalfilm schon zwanzig- oder dreißigmal gesehen hatte, bevor der Director's Cut in die Kinos kam, sich mit der Neufassung etwas schwerer tut als jemand, der die Version von 1984 nicht kennt. Meine Meinung zum Neuschnitt ist sehr gemischt. Positiv ist zu vermerken, dass die zusätzlichen Szenen manche Lücke in der Handlung schließen. Zum Beispiel hatte ich nie ganz verstanden, worauf sich Konstanzes tiefe Abneigung gegen Salieri gründet, die in den Schlussszenen deutlich wird. Jetzt sieht man, dass Salieri ihr zuvor sexuelle Dienste abgepresst hat, um ihrem Gatten die Stelle als Lehrer der kaiserlichen Nichte zu verschaffen. Gleichzeitig hat mir diese Szene nicht besonders gefallen, da sie wie ein Fremdkörper wirkt; der Restfilm besitzt zwar eine gewisse derbe Erotik, die aber letztlich davon lebt, dass alles nur bis zu einer gewissen Grenze angedeutet wird. Wenn die Kamera dann plötzlich Frau Mozarts blanke Brüste zeigt, ist das ein platter Voyeurismus, der einfach nicht passt.
Eine weitere Sache, die mich an der hinzugefügten Affäre zwischen Konstanze und Salieri stört, ist, dass sie die Handlung in meinen Augen verwässert. In der ursprünglichen Schnittfassung blickt Salieri auf die Originalmanuskripte seines Kontrahenten und lässt sie fassungslos zu Boden fallen; wortlos geht er daraufhin in sein Zimmer und verbrennt sein Kruzifix ("Von nun an sind wir Feinde, du und ich ..."). Ich hielt das immer für eine der stärksten Sequenzen im ganzen Film, die jetzt leider unnötig in die Länge gezogen wurde und dadurch an Wirkung eingebüßt hat. Auch einige andere Szenen, beispielsweise jene in der Garderobe der Sängerin Katarina Cavalieri, sind dramaturgisch überflüssig und wurden seinerzeit zurecht weggelassen. Ein "Director's Cut" ist eben nur in begrenztem Maße wirklich jene Version, die der Regisseur ursprünglich im Sinn hatte und die ihm das böse Studio einst zerschnippelte. Meistens ist es nur eine Marketing-Masche, um einen Film ein zweites Mal in die Kinos zu bringen. Das war um das Jahr 2000 herum gerade groß in Mode - George Lucas kam mit "Star Wars" als erster auf die Idee, und alle anderen Studios zogen dann mit ihren Klassikern nach.

SYNCHRONFASSUNG:
Es hat ja hier eine heiße Diskussion gegeben, welche deutsche Synchronfassung bei dieser Edition dabei sein wird. Eigentlich bevorzuge ich persönlich auch die Originalsprache, aber bei diesem Film ist es etwas anders. Der Wiener Dialekt ("So, Herr Professor, Zeit auf's Topferl zu gehen") klingt doch wirklich netter und authentischer als ein amerikanisches "Wuulfgäng Ämädeus Moudsaat". Eine Ausnahme ist der Diener von Salieri, der im Neuschnitt wesentlich häufiger zu sehen ist und in der englischen Originalversion eine herrlich lätschige Stimme hat, was im Deutschen leider nicht übernommen wurde.
Da es sich um den "Director's Cut" handelt, ist die deutsche Tonspur zwangsläufig nicht die originale, sondern die Neusynchronisation von 2002. Alles andere wäre gar nicht möglich, da dieser Film wie gesagt fast eine halbe Stunde länger ist als die ursprüngliche Kinoversion von 1984. Viele Sprecher von damals sind mittlerweile gestorben (vor allem Gottfried Kramer, die Stimme von F. Murray Abraham) oder standen aus anderen Gründen nicht zur Verfügung.
Ich persönlich finde das nicht besonders schlimm. Erstens spricht Joachim Höppner den Part von Salieri streckenweise viel besser als Kramer seinerzeit, zweitens ähnelt die Stimme ein wenig mehr der von Abraham. Abgesehen von der Rolle des Salieri sind außerdem nur Nebencharaktere von Neubesetzungen betroffen, z.B. Graf Orsini-Rosenberg, Leopold Mozart und Emanuel Schikaneder. Erleichtert war vor allem darüber, dass Tom Hulce (Amadeus) und Jeffrey Jones (Kaiser Joseph II.) "ihre" Synchronsprecher behalten konnten.

ZUSATZMATERIAL:
Abgesehen vom üblichen Werbe-Schnickschnack (Trailer, Online-Content usw.) ist die Zusatzausstattung nicht üppig, aber in meinen Augen sehr gut. Auf der alten DVD befanden sich die englische, deutsche und spanische Tonspur, jetzt ist auch noch Französisch und Italienisch dabei (plus English True HD). Der Originalkommentar mit Milos Forman und Peter Shaffer (Regisseur bzw. Autor) ist ebenso informativ wie das einstündige Making-Of. Die meisten Making-Ofs sind bekanntlich inhaltsleere Marketing-Konserven, in denen sich alle Beteiligten gegenseitig belobhudeln. Erst mit einem gewissen zeitlichen Abstand wird es lohnend, sich diese Zusatzinfos zu Gemüte zu führen, und das ist hier der Fall. Die Erzählungen, wie es war, hinter dem "Eisernen Vorhang" ein solches Monumentalwerk zu drehen, ist gerade für Jüngere sehr lehrreich. Anderes ist einfach amüsant - zum Beispiel kann man in Originalaufnahmen von damals sehen, wie der "Don Giovanni"-Darsteller während eines Takes mit seiner Hutfeder in eine Kerze gerät und die ganze Kopfbedeckung zu brennen anfängt - wohlgemerkt in einem Opernhaus, dessen Saal komplett aus trockenem Holz bestand und der den Verantwortlichen wegen Tausender brennender Kerzen Kopfschmerzen bereitete.

So, das wär's jetzt ... sorry, dass die Rezension etwas lang geworden ist, aber ich hoffe, dass sie Euch bei einer eventuellen Kaufentscheidung hilft. :-)
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1-10 von 15 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 29.08.2009 10:51:31 GMT+02:00
Steini meint:
Danke, für diese augesprochen gute Rezension!

Veröffentlicht am 29.08.2009 10:52:10 GMT+02:00
Steini meint:
Danke, für diese augesprochen gute Rezension!

Veröffentlicht am 17.09.2009 19:15:29 GMT+02:00
eric bundle meint:
Auch von mir vielen Dank für diese Info !!! Leider wurde mir klar das ich diese Blu Ray nicht kaufen werde...auf Grund der Neusynchro !!! Ansonsten sehr gute Rezension !!!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.10.2009 14:41:42 GMT+02:00
Markus meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Veröffentlicht am 17.10.2009 23:14:54 GMT+02:00
Sir Steven meint:
Ich finde die Neusynchro auch nicht toll, der "Wiener Schmäh" ist dabei leider völlig auf der Strecke geblieben, und gerade das hat die erste Kinoversion so ausgemacht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.11.2009 21:06:23 GMT+01:00
[Von Amazon gelöscht am 21.03.2015 11:13:33 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 17.12.2009 14:39:23 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 17.12.2009 14:41:11 GMT+01:00
Sir Steven meint:
Sehr schade, dass der Film nicht in beiden Versionen auf der BD ist. Letztendlich mag ich doch die Kinoversion lieber, denn die alte Synchro ist zu genial. Dieser Wiener Schmäh, zu schön. Davon ging in der Neusynchro fast alles verloren, wobei ja Gott sein Dank noch ein Teil aus der Ursprungsversion übernommen wurde (z. Bsp. der Kaiser). Auch der "neue Salierei" gefällt mir nicht, die ganze Euphorie für die Musik und der gleichzeitige Neid und Hass kommt bei mir bei der Neusynchro nicht mehr an. Nun bleibt mir leider nur die alte DVD, wo leider bei Mozarts Beerdigung die Musik dermaßen leiert, als wenn es von einer Platte mit einer Delle kommt. Wirklich Schade, dass mir der Director's Cut (den ich auch auf DVD habe) für die BD vorgeschrieben wird. Bei anderen Filmen geht es ja auch, dass ich mir aussuchen kann, welche Version ich haben möchte, und sei es einfach als eine weitere BD.

Zur Rezension: TOLL! Aber auch ich muss sagen, dass ich einige neue Szenen zwar gut fand, andere hingegen fehl am Platze und eher kontraproduktiv.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.12.2009 02:49:31 GMT+01:00
[Von Amazon gelöscht am 21.03.2015 11:14:06 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 02.09.2010 14:59:42 GMT+02:00
dramaqueen meint:
DAS ist mal eine super Rezension - verständlich geschrieben, schön aufgegliedert (wer will, kann Absätze überspringen), ausgesprochen hilfreicher Inhalt, vielen herzlichen Dank - und jetzt ab damit in den Einkaufswagen :-)

Veröffentlicht am 22.01.2011 12:07:28 GMT+01:00
Headcleaner meint:
Hervorragende Rezension, erstklassig geschrieben!

Noch ein kleiner Nachtrag: die Erstauflage auf DVD, die nur noch "antiquarisch" zu haben ist, beinhaltet zwar die ursprüngliche Synchronisation, dafür "leiert" allerdings der Ton der deutschen Fassung, was vor allem beim Klavierkonzert während des Abspanns unangenehm auffällt. Ich bin sehr froh, dass der Film für den Release 2002 neu synchronisiert wurde, die BD ist - genau wie der Film - ein Traum!
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Details

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Rezensentin / Rezensent


Ort: Baden-Württemberg

Top-Rezensenten Rang: 141.159