Kundenrezension

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die verschmähte Stiefschwester der AC/DC-Diskografie, 25. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Fly On The Wall (Special Edition Digipack) (Audio CD)
Das 9. AC/DC-Album "Fly on the wall" von 1985 gilt in Fankreisen oft als das Schlechteste. Das mag vor allem an der matschigen, verhallten Produktion durch die beiden Young-Brüder liegen. Doch auch das Songmaterial ist nicht so durchgängig stark wie auf den fast ausnahmslos herausragenden Vorgängern. Erstmals in ihrer Karriere durchleben Angus und Malcolm Young (Lead- bzw. Rhythmusgitarre), Brian Johnson (Gesang), Cliff Williams (Bass) und Neu-Schlagzeuger Simon Wright ein kleines Tief. Nach den Welt-Erfolgen "Back in black" (1980) und "For those about to Rock (we salute you)" (1981) verzeichnet bereits "Flick of the switch" (1983) einen deutlichen Rückgang der Verkaufszahlen. Mitte der 80er ist der Glam Rock auf seinem kommerziellen Höhepunkt. Eine räudige, biervernichtende Hard Rock Truppe, die noch niemals auch nur annähernd in Balladen-Verdacht geraten ist, hat es schwer in diesen Zeiten. So wird "Fly on the wall" dementsprechend nur ein mäßiger Erfolg. Lediglich in England kann sich das Album in den Top 10 platzieren.

Dabei gehen AC/DC die Veröffentlichung mit großem Aufwand an. Insgesamt fünf Videos drehen sie im Vorfeld. Sie alle erzählen eine zusammenhängende Geschichte. Doch auch diese Idee findet wenig Anklang beim Publikum. Die australisch-britische Formation scheint sich überlebt zu haben. Und tatsächlich sind die Songideen etwas zu bieder und vorhersehbar. Zudem fällt auf, dass diesmal die Melodien stärker im Vordergrund stehen als zuletzt. Man kommt eben doch nicht an den veränderten musikalischen Gegebenheiten vorbei. An manchen Stellen klingt die Band deshalb eher wie ihre eigene, ungeliebte Stiefschwester. Man erkennt die üblichen Trademarks zwar noch. Der besondere Zauber ist aber verflogen. Zumindest beim Sound soll hingegen alles beim Alten bleiben. Um den Fans ein "ehrliches" Stück Musik bieten zu können, entscheiden sich Angus und Malcolm für ein möglichst raues, ungeschliffenes Soundgewand. Leider geht dieses Vorhaben auf Kosten der Durchschlagskraft.

Denn eigentlich ist der Titelsong "Fly on the wall" ein herrlich dreckiger Hard Rock-Halunke. Weil aber Brian Johnsons-Schreigesang extrem in den Hintergrund gemischt worden ist, verliert der Titel gewaltig an Druck. Zumindest im Refrain wird dann aber richtig zugepackt. Mein heimlicher Liebling. Entwickelt sich trotz des störrischen Arrangements nach etwas Anlaufzeit zu einem echten Kracher.

Die Hit-Single "Shake your foundations" ist dagegen ein schnörkelloser Gradeaus-Rocker. Etwas kommerziell angehaucht, aber doch ausgestattet mit dem unverwechselbaren AC/DC-Groove. Dafür zeichnet das erste Mal nicht Stammschlagzeuger Phil Rudd verantwortlich. Er verlässt die Band zwei Jahre zuvor und wird durch seinen Roadie Simon Wright ersetzt. Dessen Kit klingt wesentlich großflächiger und langweiliger als das seines Vorgängers. Trotzdem, die ersten beiden Songs gehen vollkommen in Ordnung. Auch wenn das ganz große Aha-Erlebnis nicht dabei ist.

Das gilt auch für "First blood". Geht zwar gut ins Ohr, ist aber sehr unspektakulär. Um nicht zu sagen gewöhnlich.

Der schunkelnde Boogie "Danger" schrammt dann um Haaresbreite am Balladensumpf vorbei. Ist für eingefleischte Fans sicherlich gewöhnungsbedürftig. Die einstmals verschwitzten Hard Rock-Rüpel zeigen sich plötzlich von ihrer melodischen Seite. Ein weiteres Zugeständnis an die veränderten Verhältnisse auf dem Musikmarkt. Von Verrat kann allerdings keine Rede sein.

Erst recht nicht bei "Sink the Pink". Da ist sie doch, die mitreissende Energie, die Angus und seine Jungs weltbekannt gemacht hat. Die Gangshouts lassen sich sofort mitbrüllen und den Kopf kann man auch gut dazu schütteln. Top!

Das gefährliche "Playing with girls" lässt anschließend hoffen, dass sich die Platte doch noch zu etwas Großem entwickelt. Drückendes Riff und ein energiegeladener Refrain. Gehört zu meinen Lieblingssongs.

Leider kann ich das von "Stand up", "Hell or high water" und "Send for the man" nicht gerade behaupten. Allesamt keine schlechten Nummern, aber eben auch nichts Weltbewegendes. Spritzigkeit und Dynamik waren bei AC/DC schon mal stärker ausgeprägt. Immerhin weiß das treibende "Back in business" zu überzeugen. Ohne Umschweife geht es im klassischen Vier-Viertel Rhythmus drauf los. Groovt und bleibt hängen. Vor allem der Refrain. Neben dem Titelsong mein Favorit auf dem Album.

Mit etwas Abstand betrachtet wird "Fly on the wall" seinerzeit sicherlich zu schwach bewertet. Es hat irgendwie einen eigenen Charme und einige Songs sind richtig gut. Ein Meisterwerk klingt dennoch anders. Die Band stagniert. Zwar auf hohem Niveau, aber doch deutlich hörbar. Auf keinem anderen Album ihrer Karriere tritt das so augenscheinlich zu Tage. Da kann selbst das Remaster nicht viel retten. Der Sound bleibt grottig. Vielleicht ist ihr Neuntes deshalb heute so verschrien. Einsteigern ist es trotz der gut verträglichen, nicht zu harten Songs nicht zu empfehlen. Als AC/DC Fan sollte man die Platte aber schon besitzen. Zumal sie ja anschließend die Kurve wieder gekriegt haben und bis heute die unangefochtenen Könige des Hard Rock sind.
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Kommentare


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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 23.06.2013 13:54:58 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 14.01.2014 16:50:38 GMT+01:00
Rhinoman meint:
Gute Rezension - aber letztlich alles Geschmackssache und Ansichtssache !

Fehlerhaft - Simon Wright war nie der Roadie von Phil Rudd !

Die Band stagniert ? - Ja, wenn das Album mit Flick of the Switch-Material verglichen wird, dass mir aber gerade von der Produktion her noch wesentlich besser zusagt.

Welterfolg - For those about to Rock
-- natürlich ist der Erfolg von diesem Album hauptsächlich damit zu erklären, dass es eben der direkte Nachfolger von Back in Black war und sich in dessen Fahrwasser dieses Album natürlich auch spitzenmässig verkauft hat. Qualitativ kann ja tatsächlich nur der famose Titelsong mit den Vorgänger-Alben mithalten. So riesige Unterschiede sehe ich jetzt bei den restlichen Songs qualitativ nicht zu Flick of the Switch(dass ich musikalisch sogar als leicht stärker ansehe) und Fly on the Wall, von der Produktion mal abgesehen.

"Zumal Sie ja anschliessend die Kurve wieder gekriegt haben" - für mich sind die Tiefpunkte in der AC/DC-Discographie die lahmen Blow up your Video und Stiff upper Lip.

Die Kurve haben AC/DC dann wieder, zumindest vom Kundenzuspruch her, mit The Razors Edge hinbekommen. Seither sind AC/DC eine absolute Kultband, wo sich jedes Album, unabhängig von der Qualität, spitzenmässig verkauft.

Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass man sich glücklich schätzen könnte, solches Songmaterial wie beim Fly on the Wall-Album in ordentlicher Produktion nochmals vorgesetzt zu bekommen, denn vom Songmaterial hatte das hochgelobte Black Ice sicherlich auch nicht mehr zu bieten, eher weniger. Das ist aber meine persönliche subjektive Meinung.
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