Kundenrezension

9 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Queensryche 2.0 b), 21. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Queensryche (Limited Mediabook Edition) (Audio CD)
Zwei Monate nach Geoff Tates "Frequency Unknown" legen nun also seine alten Bandkumpane nebst Neusänger Todd LaTorre mit ihrem selbstbetitelten Album nach.
Tates "F.U." krankte trotz teilweise guter Songs an einer schwachen Mannschaftsleistung, wohingegen "Queensryche" (also...das Album, nicht die Band, wobei die teilweise auch, die mit dem neuen Sänger, nicht die mit dem Originalsänger und den Mietmusikern, und schon gar nicht die '83er EP; allein die Terminologie ist sichtbar mehr als verwirrend...) im Vorfeld mit großem Tamtam von Journaille, Band und Tate-enttäuschten Fans als große Rehabilitation, Rückkehr zu den Klassikern, die Rettung schlechthin gefeiert wurde.

Na, flugs angeschmissen die Platte: Ein in typischer "NM 156"-Manier betont "strange" betiteltes Intro (muss eigentlich nur ich hier an Trevor Rabins unsäglichen "Con Air"-Soundtrack denken?), dann der erste, schon vorab bekannte Song "Where Dreams Go To Die". Und, man muss es der Band lassen, sie hat teilweise Wort gehalten. Das Stück erinnert tatsächlich an eine kompaktere Version so mancher "Promised Land"-Songs, verbunden mit der metallischeren Herangehensweise von seligen "Operation: Mindcrime"-Zeiten. Das beeindruckt erstmal (toller, irgendwie "beefy" Sound) und versöhnt die geschundene Fan-Seele oberflächlich, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Songwriting doch zu keiner Zeit an die Großtaten der Vergangenheit anknüpfen kann. Der Chorus ist nett, aber keinesfalls zwingend. LaTorre imitiert Tate, klingt allgemein vielleicht etwas "grittier" (was gut zum aggressiveren Bandsound passt), schafft es aber nicht, echte Emotionen zu transportieren. Nach dem zweiten Chorus zerfasert sich der Song durch unnötige Reharmonisationen (James-Last-Mollsubdominante, dass ich dich auf einem Queensryche-Album mal höre hätte ich auch nicht gedacht) und "spoken words"-Einschübe, die bei derart kompakten Songs eigentlich keinen Platz haben.

Auch das folgende "Spore" legt gut los, nervt aber spätestens im Chorus. Trotz seines über die Jahre reduzierten Stimmumfangs beginnt man, Geoff Tate für sein Melodiegespür und seine Phrasierungen zu vermissen. Auch das Arrangement wirkt irgendwie unschlüssig.

"In This Light" nimmt erstmals das Tempo etwas raus, gefällt durch hübsche Gitarren-Synth-Texturen. Wieder selbes Problem: Ganz nett, aber wirklich zwingende Gesangslinien sind Mangelware. Wieder wird zum zweistimmegen Solo angesetzt. Ist Wilton der Meinung, das in jedem Song auf Biegen und Brechen unterbringen zu müssen? Käsiger Refrain. Irritierende Screams im Hintergrund, wieder Doppelleadgitarren und Ende. Schade. Wäre mehr drin gewesen.

"Redemption", bekannt aus Funk und Fernsehen, Quatsch, Streams und Sampler, rauscht relativ teilnahmslos an einem vorbei. Pseudo-Hymnen-Chorus der nicht aufgeht und besonders im Albumkontext gehörig zu nerven beginnt, weil wir das bei den gehörten Songs ebenfalls hatten. Ui, Wilton lässt die Harmonien im Solo weg!

"Vindication" legt ordentlich los (Doppelleads gleich im Intro), tolle Drums, dann wieder stilistisch völlig unpassender Chorus. LaTorre tut mir langsam leid. Schreibt dem Mann schlüssige Songs! Wilton harmoniedudelt um sein Leben. Ok, Lundgren vielleicht auch. Mann, diese käsigen Refrains!

Nochmal Synthie-Intro (bei reichlich 35 Minuten Spielzeit kann man das ja auch durchaus mal machen), dann bei "A World Without" nochmal Tempo rausgenommen. Düstere Atmosphäre. Der Chorus soll groß werden, schafft es wegen zu unschlüssiger Gesangslinien und Taktwechsel nicht. Wenigstens greift man trotz Synthieorchester im Background nicht so stark in die melodische Kitschkiste. Die lauten Drums beginnen langsam etwas zu nerven.

"Fallout" erinnert strukturell wie qualitativ stark an "Redemption". Schönes Solo. Der Chorus kommt besser auf den Punkt, würde ohne Chöre und Soundeffekte aber noch eindrucksvoller wirken. Jetzt wird auch offenbar, dass die Band ihren Ideen nicht allzustark zu vertrauen schien und deswegen jede Unschlüssigkeit im Arrangement durch Soundeffekte zuzuballern versuchte.

"Open Road" schaltet nochmal einen Gang runter, episch, atmosphärisch, gut.

Fazit: Ich habe, wie bei "Frequency Unknown" auch, kein schlechtes Album gehört, jedoch auch keines, das es auch nur im Ansatz mit den wirklich großen Queensryche-Alben bis einschließlich "Promised Land" aufnehmen kann. während Tates Album die stärkeren Songideen (und den in meinen Augen ausdrucksvolleren Sänger) verbuchen kann, hat "Queensryche" (also...das Album, nicht die Band, wobei die teilweise auch, die mit dem neuen Sänger, nicht die mit...aber das hatten wir schon) eine wesentlich bessere Produktion, eine stärkere instrumentale Umsetzung aber auch schwächere Songs mit teilweise äußerst unpassenden Arrangements, die durch Soundeffekte und Spurenoverkill künstlich aufgeblasen wurden.

Würde man nun - rein hypothetisch - die besten Songideen beider Parteien mit Tates Gesang und Melodieführung sowie der Produktion der "anderen" Queensryche (abzüglich Chor/Synthie/Soundeffektoverkill) kombinieren hätten wir vielleicht tatsächlich ein Album, das an "Promised Land" anknüpfen könnte. Und das ist wahrscheinlich der beste Aspekt an beiden Veröffentlichungen.
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1-7 von 7 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 22.06.2013 10:19:11 GMT+02:00
Ich glaube du vergisst das wichtigste... De Garmo ist seit 15 Jahren vom Bord...seitdem geht die Band den Bach runter...durch diese LP scheint zumindest die Band Queensryche (weil für mich das andere Projekt Geoff Tates Queensryche heissen sollte) kleine Schritte wieder nach oben zu machen. Und doch ein wichtiher Kritikpunkt von mir: laTorre kopiert Tates Gesang um 1:1, er verucht es zumindest und das klappt ganz ok

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.06.2013 12:20:25 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.06.2013 12:21:09 GMT+02:00
PureNarcotic meint:
na, dass deGarmo nicht mehr von der Partie ist ist mir durchaus aufgefallen.... ;-) Wobei man nicht den Fehler machen darf, seinen Weggang als DEN alleinigen Grund für den qualitativen Abstieg von QR zu bezeichnen. "Hear In The Now Frontier", das fast von deGarmo im alleingang geschriebn wurde, wurde damals harsch kritisiert, und das folgende "Q2K", das ohne ihn entstand, bei seinem Erscheinen deutlich besser aufgenommen.
Für "Tribe" kehrte deGarmo dann kurzzeitig zurück und schrieb fast die Hälfe des Albums. So toll war's dann aber auch wieder nicht. DeGarmo hat einfach das Interesse an Musik im Stil der "alten" QR verloren, wie Geoff Tate ebenso, und das ist legitim. Tate und deGarmo waren schließlich diejenigen, die diesen Stil und die Entwicklung der Band geprägt haben ("Mindcrime" ging fast komplett auf Tates Kasten, das poppigere "Empire" war deGarmos Platte, das melancholische "Promised Land" wieder von Tate forciert, und der Beatles-Grunge-Crossover "HITNF" eben wieder deGarmo).

Ich finde nicht, dass das laTorre-"Queensryche"-Album ein Schritt in die richtige Richtung ist. Ja, es klingt fokussierter als die letzten Platten, ist aber auch ohne Ende regressiv (was für eine fortschrittliche Band, die QR immer war, ein Offenbarungseid ist) und, was noch schlimmer ist, erreicht zu keiner Zeit auch nur annhähernd das Niveau der eigenen Klassiker, auf die man sich bezieht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.06.2013 14:55:36 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.06.2013 15:02:34 GMT+02:00
Mischa meint:
"erreicht zu keiner Zeit auch nur annhähernd das Niveau der eigenen Klassiker, auf die man sich bezieht"

Das widerum finde ich schon. Alle 8 neuen Songs sind in meinen Ohren tolle Hymnen mit Gänsehautgarantie, wie ich sie von dieser Band so nicht mehr erwartet habe und wie sie diese Band mindestens seit Promised Land nicht mehr auf Platte gepresst hat. Retro oder Fortschritt? Mir egal. Hauptsache das Ergebnis stimmt. Und das tut es hier, wenngleich es auch arg kurz ausgefallen ist. Wie im Übrigen auch bei HITNF und DTC, die mir beide auf Ihre "fortschrittliche" Art ebenfalls gefallen haben...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.06.2013 15:03:20 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.06.2013 15:09:16 GMT+02:00
PureNarcotic meint:
ok, da sind wir unterschiedlicher Auffassung. Wenn man schon selbst (auch durch die stilistische Anlehnung) Vergleiche mit den eigenen Heldentaten provoziert muss man sich dem auch qualitativ stellen. Es sei denn man geht gleich neue Wege (siehe HITNF, DTC). Meiner Meinung nach kann man die neuen Songs doch nicht ernsthaft mit "Revolution Calling", "Suite Sister Mary", "Neue Regel", "Walk in the Shadows", "Jet City Woman" (undundund...) vergleichen! Gänsehaut? Nicht mal annähernd. Lalala-Refrains, gesanglich wenig Variation oder nennenswerte Interpretation. Und oberplatte Texte, das muss auch mal gesagt sein. Die hatte Tate auf seiner letzten Platte allerdings auch.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.06.2013 15:08:06 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.06.2013 15:27:49 GMT+02:00
Mischa meint:
Das ist Ansichtssache. Lalala-Refrains und geringe Variation kann ich nicht bestätigen. Ganz im Gegenteil. Ich finde das mindestens die Hälfte der neuen Songs durchaus das Potenzial hat, mit diesen Klassikern gemessen werden zu können. Inwieweit die neuen Songs den "Test Of Time" bestehen und eventuell in 10 Jahren tatsächlich in einem Atemzug mit den alten Klassikern genannt werden, weiß wohl nur die Glaskugel. Das hängt wohl auch entscheidend davon ab, wie die Fans die "neuen" Queensryche überhaupt aufnehmen. Für mich war Queensryche ohne Tate bisher undenkbar. Nun nicht mehr. Und was die Qualität der Texte angeht - nun ja, da ich kein Englisch-Muttersprachler bin, ist mir letztlich völlig egal, ob die Band lyrisch wertvolle Sätze zusammenreimt oder einfach nur über die Liebe und das Wetter singt ;-) Für mich ist in erster Linie die Musik und die gesangliche Interpretation wichtig. Nicht die Texte. Ansonsten würde ich wohl kaum Metal hören ;-) Ich kann im Übrigen auch nichts mit (unvertonten) Gedichten anfangen - egal in welcher Sprache. Bin mal gespannt, ob ich den einen oder anderen Song auch in einem Jahr noch ab und an mal hören werde...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.06.2013 15:13:54 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.06.2013 16:23:21 GMT+02:00
PureNarcotic meint:
mag sein. Ich habe meinen Haus-und-Hof-Propheten gerade mal spaßeshalber ganz schön tief ins Glas, äh, die Glaskugel schauen lassen, und er sieht darin keine allzugroße langfristige Beständigkeit der neuen Songs.

Ah ja, und nochwas: Bei QR geht's mir tatsächlich nicht so sehr um den "Mäddl"-Aspekt, sondern tatsächlich um geistreiches Musizieren, gute Texte, gesangliche intelligente Interpretation. Also das, was die Truppe zumindest früher immer aus der Masse herausgehoben hat. Sonst kann ich ja auch gleich Fire-Desire-Metal der Rhapsody/Stratovarius-Kategorie einwerfen (nichts gegen die Anhänger dieser Bands, meins ist das ganz und gar nicht). Und leider scheint die Band mit diesem Album leicht in diese Richtung zu tendieren. Ja, es ist härter, ja, es ist "düsterer" und "mystischer", aber es ist auch aufgesetzter, simpler und vordergründiger. Und das gefällt mir für QR-Verhältnisse überhaupt nicht.

Und nochwas: Wie du schon sagst sind Texte sind dazu da, angemessen interpretiert und rübergebracht zu werden. Platte Texte können also aus sich heraus nicht gut interpretiert werden (das hat nichts mit Melodieführung, Intonation o.ä. zu tun). Hast du einen Text mit Inhalt kannst du den auch überzeugend verkörpern.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.06.2013 17:02:06 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.06.2013 17:10:58 GMT+02:00
Mischa meint:
Texte mit Inhalt - na ja. Mir genügt es einfach, wenn es bei emotional gesungener Musik um irgendetwas Emotionales (zumeist Liebe, Hass, Freude, Trauer oder Tod) geht. Ob das nun besonders geistreich gedichtet wird oder einfach nur vordergründig Offensichtliches gesungen, ist meiner Meinung nach nicht wirklich wichtig für eine gesangliche Darbietung oder die Musik im Allgemeinen. Ich finde es sogar eher besser für die Musik, wenn ich bei den Texten nicht ständig "um die Ecke" denken muss, um zu erahnen, was genau man mir denn da nun eigentlich sagen bzw. singen will. Fire / Desire - Reime sowie Rhapsody mag ich im Übrigen auch nicht (Stratovarius hingegen schon ;-)
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