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Kundenrezension

6 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Drei gute Gründe das Buch zu lesen oder einen Falken beim Fliegen zu beobachten, 3. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Des Kaisers Falke: Wirken und Nach-Wirken von Franz Conrad von Hötzendorf (Veröffentlichungen des Ludwig Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgen-Forschung) (Gebundene Ausgabe)
Nachdem sich die Weltkriegshistoriographie in den letzten drei Jahrzehnten einer Geschichte „von unten“ zuwandte, kehrt zum Gedenkjahr das Interesse an jenen „großen“ Männern zurück, die im Sommer 1914 zu den Entscheidungsträgern zählten. Wolfram Dornik legt dazu passend eine Biographie über Franz Conrad von Hötzendorf, der von 1906 bis 1911 und von 1912 bis 1917 Chef des österreichisch-ungarischen Generalstabs war, vor.
Auch wenn in vorangehenden Lese-Empfehlungen zum Teil kritisiert, ist dieses Buch trotzdem aus dreierlei Gründen sehr wichtig und empfehlenswert:
1. Dornik geht sehr bewusst mit den ihm zur Verfügung stehenden Quellenkorpora um. Wie er selbst schreibt, ist dieses ausgesprochen homogen, da es sich im Wesentlichen durch Selbstzeugnisse von Conrad konstituiert (S. 10). Der Gefahr, die dadurch einhergeht, etwa Selbstrepräsentationen oder Geschichtsklitterungen zum Opfer zu fallen, ist er sich stets gewahr und verabsäumt es nicht das Lesepublikum wiederholt darauf hinzuweisen, ebenfalls kritisch und aufmerksam gegenüber diesen Ego-Dokumenten zu bleiben (beispielsweise S. 184). Dieser Umgang unterscheidet seinen „Falken“ auch am stärksten von den vorangehenden Conrad-Biografien, die in diesem Zusammenhang keinesfalls so quellenkritisch arbeiten.
2. Was noch sehr für das Buch Dorniks spricht, ist die umfangreiche Einbettung Conrads in seinen, an Zeit und Raum gebundenen, soziokulturellen Kontext. Dazu schiebt der Autor für die LeserInnen kurze und längere Exkurse über relevante Themen ein: Etwa über die geopolitischen Realitäten der Doppelmonarchie am Ende des 19. Jahrhunderts, die technischen Neuerungen, die in diese Zeit hineingefallen waren oder wichtige Erklärungen über die sich etablierenden geistigen Strömungen wie den Sozialdarwinismus. Für das Verstehen von Conrads Denken und Handeln ist dies in zwei Richtungen wertvoll: Zum einen zeigt es, wie das Umfeld in der Sozialisation Einfluss auf den (heranwachsenden) „Falken“ und seine Denk- und Handlungsmuster nahm. Zum anderen, und das ist für die Historiographie und die aktuelle Debatte über das Verhalten Conrads in der Sommerkrise 1914 sowie im darauffolgenden Krieg von besonderem Interesse, versucht der Autor in umgekehrter Richtung den „Spielraum“ Conrads als Generalstabschef zu definieren, in dem er herausarbeitete wie weit seine Einfluss- und Handlungsfähigkeiten reichten oder durch militärisch-hierarchische Rahmenbedingungen begrenzt waren. So wird beispielsweise auf Seite 130 geschildert, dass dem „Chef“ in manchen Besprechungen keine Abstimmungsberechtigung zuerkannt war. Zu den „rauchenden Revolvern“ zählte er im Sommer 1914 trotzdem.
3. Schließlich ist das Neue an Dorniks „Falken“, dass er, wie er selbst angibt, Fragen von „heute“, gemeint sind aktuelle Perspektiven und Tendenzen der (Weltkriegs-)Historiographie und daraus resultierende Fragestellungen, an die Biographie Conrads heranführt. So beschäftigt sich der Grazer Autor nicht nur mit der Rolle des Generalstabchefs zu Kriegsbeginn und während des Krieges sondern versucht auch seine, als k. u. k. Offizier der „alten“ Generation, äußerst komplexe Identität, konstituiert durch seine in Kindheit und Jugend erfahrenen Prägung, nachzuzeichnen, seine Haltung zum Sozialdarwinismus (einer geistigen Strömung, die im Offizierskorps der Zeit sehr verbreitet war) zu beschreiben, ihm die „Gretchenfrage“ („Nun sag’, wie hast du’s mit der Religion?“) zu stellen und sein Verständnis der Geschlechterrollen zu erörtern (S. 189 ff.). Außerdem unternimmt er immer wieder Versuche, Conrads Netzwerke darzulegen (etwa bei S. 64 ff.), was an jenen Stellen besonders spannend wird, wenn es Dornik gelingt, zu belegen, dass sich die Wege Conrads während seiner Zeit im Generalstab mit ehemaligen Kameraden aus der Kriegsschule oder seiner Truppenverwendung kreuzen. So kann man fehlende militärische Details über die von ihm geführten Feldzüge gern verschmerzen, zumal diese in anderen Abhandlungen schon zur Genüge abgearbeitet wurden. Außerdem wurden vom Verlag jene kleinen Fehler, die auf ein mangelndes inhaltliches Lektorat zurückzuführen waren, mit der zweiten Auflage, die mittlerweile vorliegt, behoben.
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