Kundenrezension

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Drink or you’ll die, 2. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Grabbers (DVD)
(Kinoversion)

Regisseur Jon Wright konnte sich mit seinem Erstling „Tormented“ nicht unbedingt mit Ruhm bekleckern, glücklicherweise ist ihm sein zweites Werk viel, viel besser gelungen. Zwar ist auch „Grabbers“ kein perfekter Film, dem man seine Defizite auch deutlich ansieht, dennoch macht der 94Minüter überwiegend ziemlichen Spaß. Gut animierte Aliens und ein Haufen trinkfreudiger Iren geben wohl doch die bessere Story ab als der von den Toten wieder auferstehende Grummel-Teenie in „Tormented“.

Erin Island, Irland. Raue Küsten, grüne Wiesen, kauzige Einwohner. Genau so, wie man sich das halt so vorstellt. Dorfpolizist Ciarán O’Shea (Robert Coyle, „Coupling“) hat auf der Insel nicht viel zu tun, deshalb (und natürlich ob privater Traumata) trinkt er von morgens bis abends. Als die neue Kollegin Lisa Nolan (Ruth Bradley, „I am You“) auf der Insel ankommt, nimmt er durch seinen Alkoholnebel aber doch noch wahr, dass sie ziemlich attraktiv ist. Doch viel Zeit, sie anzubaggern, hat er nicht, da Fischer Paddy Barrett (Lalor Roddy, „Hunger“), promillemäßig auf Augenhöhe mit Ciarán, von Aliens mit endlos vielen Tentakeln berichtet, die sich auf das Dorf zu bewegen. Erst schleudern sie ihre Opfer wild durch die Gegend, dann reißen sie ihnen die Köpfe ab. Doch die Viecher scheinen auch eine Achillesferse zu haben: sie mögen keine alkoholisierten Opfer, die schmecken ihnen anscheinend nicht. Also bläst Ciarán flugs zum kollektiven Besäufnis der Dorfbewohner im örtlichen Pub, damit sie nicht alle von den Aliens gefressen werden. Nur leider ist man volltrunken ja gerne mal etwas leichtsinnig, darüber hinaus hat Ciarán dem Großteil der Bevölkerung verheimlicht, warum man sich zum fröhlichen Gruppensaufen trifft, so dass schon bald weitere Unfälle und Opfer zu beklagen sind…

Herrlich! Was für eine absurde und brüllkomische Idee für einen Film! Aliens, die ihre Tentakel nicht an besoffene Opfer legen, weil die bäh schmecken. Grandios. Drehbuchautor Kevin Lehane legt hier mit seinem ersten Langfilm-Script eine lustige und überwiegend kurzweilige Geschichte vor. Dazu nimmt er die Vorurteile über Iren und Irland gekonnt aufs Korn und schafft so eine herrlich verschrobene und trinkfeste Dorfgemeinschaft, die sich so leicht nicht ins Bockshorn jagen lässt. In der irischen Originalversion kommt man darüber hinaus in den Genuss des wunderbar nuscheligen, klangvollen Irish English, was zugegebenermaßen aber auch zu einigen Verständnisschwierigkeiten führt. Denn wenn Iren nicht nur nüchtern, sondern auch noch besoffen irisch reden, hat man teilweise kaum noch eine Chance, etwas zu verstehen. Macht aber nichts, so wirklich tiefgründig ist die Handlung ja zum Glück nicht.

Lehane hat hier einen wunderbaren Kosmos aus kauzigen, eigenbrötlerischen und grummeligen, aber immer auch irgendwie sympathischen Dorfbewohnern geschaffen, die entweder über eine gehörige Portion Mutterwitz verfügen oder durch unerschütterlichen Pragmatismus glänzen. Nach ein paar Achtungserfolgen haben die Aliens schon bald kein leichtes Spiel mehr gegen die renitenten Dörfler, die sich nicht so leicht die Butter vom Brot oder eher das Guinness vom Tresen nehmen lassen.

Die Darsteller sind denn auch durch die Bank weg wunderbar gecastet und passen vortrefflich zu Story und Look des Films. Es gibt endlich ein Wiedersehen mit dem unvergleichlichen Jeff aus „Coupling“, Richard Coyle, der mit alkoholbedingtem Stoizismus über die alienverseuchte Insel wankt, während er gleichzeitig versucht, sich an seine hübsche Kollegin ranzumachen. Ruth Bradley liefert denn auch den perfekten Gegenpart zu Coyle, überkorrekt, akkurat und natürlich nüchtern. Lalor Roddy als versoffener Fischer, Bronagh Gallagher („The Commitments“) oder auch David Pearse („The Guard - Ein Ire sieht Schwarz”), sie alle passen wunderbar in die ihnen zugedachten Rollen und geben eine bunte Mischung irischer Inselbewohner ab, die man einfach ins Herz schließen muss.

Und auch die Aliens sind irgendwie ganz herzig. Hier sind den Special Effects-Leuten ein paar wirklich schön eklig-glibberige Riesen-Tintenfische gelungen, die schnell, effektiv und vor allem blutig zuschlagen. Sehr putzig ist dagegen die bald schlüpfende Brut der Aliens, die sich wuselig und quietschend über den Pub hermacht. Goldig. Die gekonnte Mischung aus CGI und solider Monster-Handarbeit überzeugt und kann darüber hinaus mit ein paar wirklich ekligen und blutigen Sequenzen aufwarten.

Was „Grabbers“ nun leider nicht zum Volltreffer macht, sind die Längen, die sich doch immer wieder in die Handlung einschleichen. Zwischen den Alien-Übergriffen wird einfach zu viel geredet, vor allem eben langweiliges Zeug. Womit wir gleich zum zweiten Minuspunkt des Films kommen: der Humor kommt hier eindeutig zu kurz. Aus der wirklich witzigen Ausgangssituation und den schrägen Charakteren hätte sich viel mehr herausholen lassen. Die Gagdichte ist erstaunlich niedrig und die Handlung kommt immer wieder durch lange Dialogsequenzen ins Stocken. Das ist wirklich bedauerlich, da „Grabbers“ eindeutig erkennen lässt, dass er viel mehr Potenzial gehabt hätte, als Regisseur Wright hier zu nutzen vermag. So werden die 94 Minuten manchmal leider doch zur Geduldsprobe und man ist erstaunt, wie viele humoristische Steilvorlagen ungenutzt bleiben. Von den teilweise doch recht üppigen Logiklöchern ganz zu schweigen.

So ist „Grabbers“ dann in der Summe leider nicht mehr als ein zwar kreativer und durchaus humoristischer irischer Alienfilm, der aber sein Potenzial bei Weitem nicht ausschöpft und so hinter den Erwartungen zurückbleibt. Ein guter Cast und coole Aliens sowie herrliche Aufnahmen der irischen Küsten- und Dorflandschaft wiegen zwar Einiges auf, können aber über temporäre Langeweile und humoristische Unterzuckerung nicht ganz hinwegtäuschen. Somit gute drei von fünf Alien-Tentakeln, die sich schnell wieder zurückziehen, sobald man einen im Kahn hat.
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